Irgendein Lethar, irgendwann, irgendwo.
Als By’nar das Metall durch die Hände oder über die Unterarme zog, hatte das Fleisch für sie kein Gesicht. Es war einfache Haut. Kein Lethyr, keine Lethoryxae, kein Ala’thraxor. Einfach nur Haut und mehr, was bereit war zu bluten. Und als sie die Wunden erzeugte und dabei die Worte sprach, hatte das alles für sie kaum einen Wert. Sie nahm an, dass es sie mehr berühren würde, wenn sie beispielsweise dem Meister die Haut auftrennte. Aber nein, es war nichts. Ein positives Nichts – alles war im Einklang. Alle waren gleich. Sie hatte genauso viel Wert wie ihr Gegenüber. Jedes Blut war rot.
Das Ritual der Einigkeit, des Zusammenhalts und der Gemeinschaft war etwas, das in vielerlei Hinsicht besonders war. Denn diese Verbundenheit war zwar immer da, aber sie wurde nie wirklich offenherzig gelebt. Man musste andere Dinge nach außen tragen, emotionaler und körperlicher Zusammenhalt lag da weit verborgen hinter tausend Facetten des letharischen Volkes.
By’nar hatte bereits früh gelernt, mehr zu sehen. Sie hatte eine ganz andere Empfindung für Ränge und Hierarchie, auch wenn sie sich an die Vorgegebene ihres Axorns hielt. Doch für sie war das Blut immer rot, und der Wert eines Bruders oder einer Schwester nicht zwingend an seinem Rang bemessen. Es gab auch frisch angekommene Geschwister, die so viel Potenzial aufzeigten, dass es berauschend war, obwohl sie noch nicht einmal so viel Wert besaßen, dass man sie mit Namen ansprach. Doch sie fühlte diesen Rausch und diese Begeisterung. Entweder schnell oder langsamer oder eben gar nicht. Die, die wuchsen, waren sowieso die, die am interessantesten waren. Perfektion war etwas, das man anstreben musste, aber sie war langweilig. Fehler, Entwicklung und Besonderheiten – das machte eine Hülle aus.
Dieses Ritual war für sie etwas, das sie mit sich verband. Etwas, das für sie noch mehr bedeutete, als es sowieso schon aussagte. Sie hatten sich alle verbunden – mit ihm, den sie noch als angehenden Junglethyr kannte. By’nar hatte auch ihn wachsen sehen, und auch bei ihm fühlte sie bereits diesen Rausch, gleich ob er noch gar keinen wirklichen Nutzen hatte. Und da war er nun, im Zentrum so vieler Hüllen, als wichtigster Teil im großen Ganzen. Und doch nur wichtig, weil es die anderen gab, die diese Wichtigkeit untermauerten. Allein wäre er nichts. Allein wären sie alle nichts gewesen.
Zusammen waren sie alles.


