„Der Sturm, das Lied und die Brüder Duran“
– ein Auszug aus dem Reisebuch des Lucan Thane –
Die Überfahrt nach Bajard war weniger eine Heldengeschichte als ein feuchter Albtraum auf morschem Holz. Das Schiff, das mich trug, hatte den liebenswerten Charme eines durchgekauten Knäckebrots und mehr quietschende Planken als Segel. Ich kam mit einem Rucksack, einem Buch ohne Worte – und einer Ahnung, die ich Hoffnung nannte.
Ich wusste, wohin ich wollte: K’awi, die Stadt der Händler, Mythen – und der Akademie der Arkanen Künste. Was ich nicht wusste, war, wo K’awi eigentlich lag. Das war der Moment, in dem ich auf Gerion Volpis traf – einen Händler mit zu viel Wissen und zu wenig Geduld. Ich fragte. Er seufzte. Und ehe ich protestieren konnte, hatte er ein Schiff organisiert, das aussah, als hätte es schon einmal gebrannt. Dennoch: Es brachte uns dorthin.
K’awi empfing mich mit flimmernder Luft, verwirrenden Gassen und dem Geruch von Magie, der in jeder Ritze zu kleben schien. Ich irrte umher, bis ich schließlich stand, wo ich stehen wollte – vor den Mauern der Akademie. Ich sah nicht viel. Nur Andeutungen. Schatten von Größe. Doch es genügte. Ich ließ mein Bewerbungsschreiben dort zurück, fest versiegelt, mit einem Tropfen meines Blutes auf dem Siegel – ein Symbol des Wunsches, der mich hierher getragen hatte. Und dann: warten.
Was folgte, waren Tage des Umherstreifens. Ich sog die Stadt auf, lauschte Gesprächen, notierte Fragmente, träumte zu viel und aß zu wenig. Und dann… wie es immer ist, wenn man sich unbeaufsichtigt lässt… kam ich auf dumme Gedanken.
Ein schmaler Pfad, ein verlassener Ort. Der Wind schwieg. Und dann standen sie da: Kopflose. Skelette. Wesen, deren Tage längst vergangen waren – aber deren Nächte andauerten. Ich hatte nichts außer meinem Verstand, meinem Buch – und einer Stimme, mit der ich um Hilfe rief. Was ich bekam, war mehr, als ich je erwartet hätte.
Arjan und Armon Duran.
Sie kamen, als hätten die Götter sie geschickt – oder als wäre es ihnen einfach langweilig gewesen. Armon: breit gebaut, still, der Blick wie ein geschärftes Messer. Arjan: flink, spöttisch, mit einem Grinsen, das dich gleichzeitig retten und ruinieren konnte. Sie schlugen die Untoten wie Holzscheite zu Boden, während ich versuchte, möglichst wenig heroisch zu wirken – was mir ganz gut gelang.
Nach der Rettung bot ich ihnen an, ihnen einen Trank zu brauen, ein Rätsel zu lösen oder meine Schulden mit der Haut meines rechten Arms zu begleichen. Stattdessen sagten sie: „Komm mit nach Bajard.“
Ich folgte. Und landete in einem Heim, das prunkvoll war, mehr Wärme ausstrahlte als manch goldverkleideter Palast. Sie gaben mir Essen, Trinken, einen Mantel – und ein Startguthaben. Ich bestand darauf, es zurückzuzahlen – mit Zinsen, Ehre und allem Drum und Dran. Doch sie winkten ab. „Zahl’s weiter, wenn du kannst“, sagten sie. Und das klang ehrlicher als jedes Siegel.
Am Feuer, zwischen dampfendem Eintopf und halb ernsten Witzen, offenbarte ich mich:
Dass ich ein Suchender sei. Ein Schüler ohne Lehrer. Dass ich der Akademie mein Schreiben hinterlassen habe – nicht in Hoffnung, sondern in Notwendigkeit. Dass ich spät dran sei, ich weiß, ich bin 41 Jahre alt. Doch das Lied hatte mich nun endlich berührt. Und ich konnte nicht länger schweigen.
Sie hörten zu. Nicht wie Männer, die urteilen – sondern wie Brüder, die wissen, dass auch ihre Wege nicht immer gerade waren.
Ich verließ Bajard mit vollem Magen, leichtem Herzen – und dem Gefühl, dass man mich gesehen hatte. Nicht als Bettler oder Spinner. Sondern als Lucan Thane – ein Mann, der spät kam, aber nicht zu spät.
Und wenn mich die Akademie ruft, werde ich sie ehren.
Nicht nur mit Magie.
Bewerbung bei der Akademie in K‘wai - und die Brüder Duran
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Lucan Thane
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Bewerbung bei der Akademie in K‘wai - und die Brüder Duran
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