Es war schon später Abend als Florence sie vor dem Kloster antraf. Eine seltene Ernsthaftigkeit lag auf ihren Zügen. Und so berichtete Florence, dass ein Seemann für immer zur See gefahren war. Leo..
Nach einigen Worten und der Übergabe einer Spende für zukünftige Seefahrer oder Fischer, die es bedürfen, trat Florence bereits den Rückzug an.
Raia indes ging in die Krypta des Klosters, entzündete eine Kerze und kniete eine stille Weile vor dem Lichtermeer.
O heilige Temora, Licht der Morgenröte,
Du, die über die Wasser wacht und die Wege weist,
Nimm unseren Bruder, den Seefahrer Leo, in Deine strahlenden Schwingen.
Sein Herz schlug im Takt der Gezeiten,
Sein Blick war dem Horizont verschrieben,
Und seine Seele trug das Lied der Wellen.
Du, die das Leuchten in dunkler Nacht spendet,
Führe ihn nun durch das letzte Meer,
Hin zu den Ufern des ewigen Friedens.
Möge Dein Licht ihn leiten durch Nebel und Sturm,
Möge Deine Hoffnung ihn tragen über die Flut der Zeit,
Und möge Dein Segen ihn empfangen,
Wo kein Wind mehr weht und kein Mast mehr knarrt.
Wir gedenken seiner mit Salz auf der Haut und Sehnsucht im Herzen,
Und bitten Dich, Temora,
Bewahre ihn in Deinem himmlischen Hafen,
Bis die Sterne selbst seine Geschichte singen.
Raia saß noch eine Weile still da, fühlte die Nähe Temoras und schmeckte voller Intensität das Salz auf den Lippen.
Es war spät in der Nacht als sie in Gedanken versunken auf ihr Bett im Akoluthinnenschlafsaal glitt und alsbald den Schlaf fand.
In der Stille der Nacht
- Raia Lathaia
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