Der Husten war gekommen wie eine alte Schuld, die er nie begleichen konnte. Zuerst nur in den Nächten, wenn er allein war. Dann auch tagsüber, bis die Brust bei jedem Atemzug brannte. Er wusste, was es bedeutete. Er hatte gesehen, wie derselbe Husten erst seine Mutter, dann seinen Vater geholt hatte. Kein Heiler konnte helfen, und kein Gebet hatte die Krankheit aufgehalten.
Mit seinen 24 Jahren stand er nun an der Küste von Gerimor, das Meer vor Augen, und fühlte die Schwere seines eigenen Endes. Er hätte in einer Spelunke verrotten können, still und vergessen, wie viele, die er in den verfaulten Hütten gekannt hatte. Doch so wollte er nicht gehen.
Er wollte nicht hustend und würgen im Bett sterben, sondern auf dem Meer. Sein Grab, das er selbst wählte.
Also heuerte er sich in Bajard auf ein kleines Schiff an, das hinausfuhr, um einem gewaltigen Ungetüm nachzuspüren, von dem man in den Spelunken flüsterte.
Die Männer lachten über seinen Husten und die Narben in seinem Gesicht, doch sie lachten nicht mehr, als sie sahen, wie entschlossen seine Augen waren.
Die See nahm ihn in Empfang wie einen alten Freund. Man kannte sich, das war nicht die erste Fahrt. Der Wind peitschte, der Himmel zog sich schwarz zusammen, und mit dem Sturm kam das Biest. Es erhob sich aus den Fluten, größer als jedes Schiff, mit Augen wie glühende Kohlen in der Nacht.
Der Kampf war wild und stürmisch wie die See. Leonel, die Brust voller Schmerz, griff nach der Harpune, spürte das Fieber in seinen Gliedern. Jeder Atemzug schnitt wie ein Messer, aber er wusste, dies war der Augenblick. Mit letzter Kraft stieß er die Waffe in das Fleisch der Bestie.
Das Seil spannte sich, das Schiff ächzte, die Männer schrien.
Dann packte ihn der Husten, im denkbar schlimmsten Augenblick. Er fiel auf die Knie, mit Blut auf den Lippen und in diesem Augenblick schlug das Meer über ihm zusammen. Die Kälte umarmte ihn, die Dunkelheit nahm ihn auf. Doch er spürte keine Angst. Nur Frieden.
Er dachte an seinen Vater, wie er mit rauen Händen Netze flickte, an das Lächeln seiner Mutter, bevor sie in Fieberträumen verschwand.
„Ich komm’ doch heim“, flüsterten seine Gedanken in die Fluten.
Als der Sturm sich legte, trieb keine Spur von Leonel mehr auf dem Wasser. Nur das gerissene Seil der Harpune schwamm auf den Wellen, das andere Ende noch am Schiff befestigt. Als hätte das Meer entschieden, ihn bei sich zu behalten, sank sein Körper ungesehen in die dunklen Fluten.
Leonel starb, wie er gelebt hatte - mit den Augen auf das Meer gerichtet, das ihn am Ende nach Hause holte.
Vom Husten, vom Meer und der Dunkelheit
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Florence Lascari
- Beiträge: 305
- Registriert: Sonntag 13. Februar 2022, 19:09
*Bei einem ihrer Besuche im Freihafen fiel einige Zeit ihr Blick auf ein vom Sturm arg mitegenommenes Schiff, nichts ungewöhnliches, vor ein paar Tagen berichteten einige Seefahrer von Stürmen auf offener See und der Kahn hier konnte froh sein, so wie die Takelage traurig herabhing und nur das geflickte Hauptsegel die letzte Kraft für die Heimkehr. Die anderen Fetzen hinten geisterhaft an den Rahen.*
Ahoi da! Hat's euch mrâ übel erwischt, hoffentlich die Schaumgeborenen mit euch gewesen?
*Rief die in leuchtendem blau gekleidete junge Frau herüber. Was sie danach in Erfahrung bringen konnte, über einen kranken Kameraden, den die See geholt hatte mit einer mächtigen Narbe im Gesicht, weswegen er eigenwillig sprach, ließ sie stiller werden. Aye, sie wusste wen sie meinten, hörte auch dem Seemannsgarn über ein riesiges Monster, dem sie gerade noch entkommen konnten.*
Aber ihr habt das hoffentlich nôr harpuniert?
*Ihr wurde mulmig und eigentlich wollte sie die Antwort gar nicht wissen, es gab genug Geschichten über riesige Wesen im Meer und nicht selten, so dachte Florence, waren das auch gewaltige Schaumgeborene, die man besser meiden und in Ruhe lassen sollte. Sie nickte nur und wünschte der Besatzung gute Reise, während sie das nächste Boot zur Lagune nahm.
Dort schnappte sie sich eine Flasche vom besten Rum... und eine günstige für sich. Schwelgte beim leeren der Buddel in Erinnerungen an Leo. An seine schöne Taverne, den scharfen Feuerbeerenschnaps, die kurzen Momente, die man teilen durfte. Es waren wenige. Verdammt, es waren immer zu wenige, wenn man die gehen ließ, mit denen man.. hätte... vielleicht... würde doch... warum hat man nicht? ... All diese immer wieder aufkommenden Fragen, die mit dem Fusel ertranken und von Wildkraut Rauch fortgenommen wurden den Abend.
Vielleicht bekamen es einige Seefahrer mit, als sie beim ersten Morgenlicht schwankend am Strand stand und ihr Abschiedslied getragen, gefühlvoll sang, das Bild des oft so aufgeweckten, gut gelaunten Leo vor Augen, nahmen der Wind und Wellen die letzten Worte des Lieds mit zur See, da, wo so viele ihre letzte Fahrt hin angetreten hatten:*
Kurs offnes Meer... Kurs zum allmächtigen Meer
Schaumgeborene begleiten dich!
Es ist Zeit zu Gehen
Hiev den Anker... Hiev deinen Anker
Deine letzte Fahrt...
Hey Ahoi!
*Und damit in hohen Bogen warf sie die volle Buddel Rum ins offene Meer*
Ahoi da! Hat's euch mrâ übel erwischt, hoffentlich die Schaumgeborenen mit euch gewesen?
*Rief die in leuchtendem blau gekleidete junge Frau herüber. Was sie danach in Erfahrung bringen konnte, über einen kranken Kameraden, den die See geholt hatte mit einer mächtigen Narbe im Gesicht, weswegen er eigenwillig sprach, ließ sie stiller werden. Aye, sie wusste wen sie meinten, hörte auch dem Seemannsgarn über ein riesiges Monster, dem sie gerade noch entkommen konnten.*
Aber ihr habt das hoffentlich nôr harpuniert?
*Ihr wurde mulmig und eigentlich wollte sie die Antwort gar nicht wissen, es gab genug Geschichten über riesige Wesen im Meer und nicht selten, so dachte Florence, waren das auch gewaltige Schaumgeborene, die man besser meiden und in Ruhe lassen sollte. Sie nickte nur und wünschte der Besatzung gute Reise, während sie das nächste Boot zur Lagune nahm.
Dort schnappte sie sich eine Flasche vom besten Rum... und eine günstige für sich. Schwelgte beim leeren der Buddel in Erinnerungen an Leo. An seine schöne Taverne, den scharfen Feuerbeerenschnaps, die kurzen Momente, die man teilen durfte. Es waren wenige. Verdammt, es waren immer zu wenige, wenn man die gehen ließ, mit denen man.. hätte... vielleicht... würde doch... warum hat man nicht? ... All diese immer wieder aufkommenden Fragen, die mit dem Fusel ertranken und von Wildkraut Rauch fortgenommen wurden den Abend.
Vielleicht bekamen es einige Seefahrer mit, als sie beim ersten Morgenlicht schwankend am Strand stand und ihr Abschiedslied getragen, gefühlvoll sang, das Bild des oft so aufgeweckten, gut gelaunten Leo vor Augen, nahmen der Wind und Wellen die letzten Worte des Lieds mit zur See, da, wo so viele ihre letzte Fahrt hin angetreten hatten:*
Kurs offnes Meer... Kurs zum allmächtigen Meer
Schaumgeborene begleiten dich!
Es ist Zeit zu Gehen
Hiev den Anker... Hiev deinen Anker
Deine letzte Fahrt...
Hey Ahoi!
*Und damit in hohen Bogen warf sie die volle Buddel Rum ins offene Meer*
- Lyree Landerwal
- Beiträge: 140
- Registriert: Samstag 5. Februar 2022, 20:04
Vor Kurzem war Leo zu Lyrees Mitbewohner geworden. Ein doppeltes 'L' hatte sie in das Namensschild ihres gemeinsamen Hausboots in Bajard geritzt. Selbst in Holz gestochen war ihre Sauklaue nicht zu retten. Aber irgendwie fehlte er in letzter Zeit. Nicht, dass sie je viele Worte miteinander gewechselt hätten, jedoch wirkte er der jungen Frau, selbst bei kurzem Gespräch, immer wieder angenehm vertraut. Tage vergingen und der Blondine' Blick in Richtung Haustür geschah immer öfter. "Komisch", dachte sie sich. "Leo ist ja gern' ma' 'n paar Tage auf See, aber so lange nun?" Mit einem mulmigen Gefühl im Bauch suchte sie die beiden Ex-Miliz-Kameraden auf, die sich am Hafen der - ja - Hafenstadt tagtäglich den Hintern in den Boden standen. "Beeindruckendes Durchhaltevermögen", ging Lyree bei dem Anblick purer Disziplin durch den Kopf und dicke Backen untermalten ein neidisches Schmollgesicht. "Sagt ma', ihr zwei hübschen Dauerständer: Habt's 'n Zeichen vom Leo geseh'n, in letzter Zeit?" Beide hoben eine Braue an, sogar zeitgleich. Wurden sie gerade etwa als Phallussymbole bezeichnet!? Schnell war der Gedanke allerdings wie weggewischt und Trauer legte sich auf die Miliz-Gesichter wie dicke, graue Wolken vor gleißenden Sonnenstrahlen. "Lyree... Leo ist nicht mehr."
"Trauerkloß" definierte das Gemüt der blonden Träumerin in den darauf folgenden Tagen passend. Sie zündete eine Kerze an und ließ sie am bajard'chen Hafen auf einer zuverlässigen, kleinen Spielzeugkogge in die Meeresweiten treiben. "Lieber Leo, vergessen werden wir dich nie." Bei Anbruch der Dunkelheit war in Bajards Ferne ein kleines Lichtlein zu sehen; die Kerze brannte immer noch.
"Trauerkloß" definierte das Gemüt der blonden Träumerin in den darauf folgenden Tagen passend. Sie zündete eine Kerze an und ließ sie am bajard'chen Hafen auf einer zuverlässigen, kleinen Spielzeugkogge in die Meeresweiten treiben. "Lieber Leo, vergessen werden wir dich nie." Bei Anbruch der Dunkelheit war in Bajards Ferne ein kleines Lichtlein zu sehen; die Kerze brannte immer noch.
Lyree Landerwal: Aye, ich hab' 'nen Vogel. Daran ändert sich nix mehr.
Fiete: Is son Albatross oder? *grinst sie an*
Fiete: Is son Albatross oder? *grinst sie an*