[Gerücht] Fallen in den Wäldern... [MMT - Waldis]

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Der Erzähler

[Gerücht] Fallen in den Wäldern... [MMT - Waldis]

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[Gerücht] Fallen in den Wäldern, Treibt ein Wilderer sein Unwesen?
Verfasst von: Alrwir, Kräutersammler aus dem Osten, 23. Cirmiasum 268


Ich weiß, man sollte nicht jedem Windhauch trauen, der durchs Unterholz streicht, doch was ich in den letzten Wochen selbst gesehen und gehört habe, lässt mir keine Ruhe.

Es begann vor etwa zehn Tagen, als ich wie gewohnt in den östlichen Wäldern Kräuter gesammelt habe, östlich vom alten Jägerpfad, nicht weit von der Grenze zu Bajard. Ich stieß dort auf eine rostige, aber gut gespannte Bärenfalle, mitten auf einem Wildwechsel. Was mich jedoch stutzig machte. In der Falle lag ein junges Reh, tot, offenbar schon seit mehreren Tagen, und niemand hatte sich darum gekümmert, es zu holen. Die Falle war mit einem fremden Zeichen markiert, drei eingeritzte Striche, schräg über das Metall gezogen. Kein Jäger, den ich kenne, arbeitet so.

Anfangs dachte ich, es wäre ein vergessener Fang eines unvorsichtigen Jägers gewesen. Doch dann hörte ich im Gasthaus von Bajard, dass auch andere seltsame Funde gemacht wurden. Zwei Holzfäller berichteten, sie hätten beim Rückweg von einer Lichtung gleich mehrere Fallen gesehen, gut versteckt, aber eindeutig neu. Einer von ihnen meinte sogar, er habe in der Dämmerung eine vermummte Gestalt mit einem Sack über der Schulter davonhuschen sehen, tiefer ins Dickicht.

Und es bleibt nicht bei den Fallen. Es machen nun auch Geschichten die Runde, dass der Wildbestand in der Gegend auffallend zurückgegangen sei. Selbst die alten Jäger sagen, dass sie kaum noch Spuren finden. Einer, der schon seit über dreißig Jahren dort jagt, meinte wortwörtlich:
"Da draußen jagt einer, der sich nicht an unsere Regeln hält, oder gar kein Recht hat, zu jagen."

Der Verdacht liegt nahe, ein Wilderer treibt sein Unwesen in den östlichen Wäldern, vielleicht sogar ein Fremder, der sich in der Gegend eingenistet hat. Die Fallen sind grob, aber wirkungsvoll, und offenbar geht es ihm nicht nur ums Überleben. Wer so viele Fallen stellt, will mehr als nur einen Hasenbraten. Vielleicht verkauft er das Wild weiter, oder es steckt etwas anderes dahinter?

Einige munkeln bereits, dass es ein Abtrünniger sein könnte, der sich im Wald verkrochen hat, andere meinen, es sei jemand aus einem der Siedlungen selbst, der heimlich sein Brot mit Wildbret verdient. Sicher ist nur, wenn es so weitergeht, wird bald jemand schwer verletzt, sei es Tier oder Mensch.

Ich habe dem Wildhüter bereits Bescheid gegeben, aber auch er meinte nur, dass er bisher nichts Konkretes finden konnte. Doch ich bin mir sicher, wenn noch mehr Leute Augen und Ohren offenhalten, wird dieser Schatten im Wald nicht ewig verborgen bleiben.

Also passt auf, wenn ihr in die Wälder im Osten geht, besonders um Bajard herum. Haltet eure Hunde zurück, achtet auf den Boden, und wenn ihr etwas Verdächtiges seht, meldet es.

Denn wer auch immer dort draußen jagt, der spielt nach seinen eigenen Regeln. Und das kann für uns alle gefährlich werden.
Gadri Tinel
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Beitrag von Gadri Tinel »

Der Tag neigte sich seinem Ende zu, und der Wald war erfüllt von einem leisen Wispern, das Rascheln der Blätter, das ferne Klopfen eines Spechts, das rhythmische Knacken trockener Zweige unter den Hufen eines Rehs, das er vor wenigen Minuten noch im Unterholz beobachtet hatte. Gadri hockte reglos auf einem bemoosten Stein, das lange Messer in der Hand, mit dem er an einem Stück Weidenholz arbeitete, eine neue Pfeilspitze, vielleicht, oder einfach eine Übung für die Finger, während er den Wald beobachtete.

Sein Blick war ruhig, lauernd, wie der eines Habichts. Nichts entging ihm. Deshalb bemerkte er auch die zwei Gestalten, lange bevor sie den alten Pfad am Hang entlang herabkamen, Bauersleute, schwer beladen mit Weizenbündeln, in gedämpftem Gespräch vertieft.

Gadri hätte sie achtlos vorüberziehen lassen, wie jeden anderen Wanderer, doch ein Wort fiel in ihr Gespräch, das seine Aufmerksamkeit fesselte: „Wilderer.“

Er duckte sich tiefer ins Farnkraut und lauschte.

„Drei Striche, sagt der Alrwir. Schräg eingeritzt auf das Eisen. Und das Reh, schon halb verwest, einfach liegenlassen!“
„Hängt als Zettel in Bajard, hab ich gehört. Wenn das stimmt, sind wir bald nicht mehr sicher im Wald.“
„Der Wildhüter meint, er findet nichts, pah! Ich sag dir, da geht etwas Dunkles um.“


Als die Stimmen verklangen und die Bauersleute weiterzogen, stand Gadri auf. Langsam. Bedächtig. Seine Stirn lag in Falten, und sein Blick schweifte unruhig durchs Dickicht, als könne er die Wahrheit zwischen den Ästen und Schatten finden.

Er hatte es selbst bemerkt, ohne es zu benennen, weniger Spuren, weniger Bewegung, leere Schneisen, wo früher Rehe zogen. Ein einzelnes Tier war noch zu erklären. Doch nun? Fallen, Zeichen, Lügen im Wald. Und ein Schatten, der lautlos durch das Dickicht huschte.

Er zog seinen Lederriemen enger, nahm die Pfeiltasche aus dem Unterstand zwischen zwei Wurzeln und prüfte die Spitzen. Dann griff er nach dem Langbogen aus Zeder, der neben ihm lehnte, kräftig, biegsam, von dunkler Maserung durchzogen. Mit geübter Hand strich er über die Sehne, prüfte die Spannung. Ein Bogen, der ihn durch viele kalte Nächte und gefährliche Tage getragen hatte.

Sein Messer, einfach, aber scharf, steckte er an den Gürtel. Dann knotete er einen kleinen Beutel zusammen, getrocknete Beeren, Brot vom Morgen, ein Stück Rauchfleisch, ein Trinkschlauch, sein Feuerstein. Alles, was man braucht, um die Nacht draußen zu verbringen, wenn es sein muss.

Die Sonne war schon hinter den westlichen Hügeln verschwunden, als er sich auf den Weg machte, geschmeidig wie ein Wolf, eins mit den Schatten. Er würde den Weg ins Tal nehmen, zu seinen Gefährten. Wenn jemand verstehen konnte, was es hieß, dass jemand den Wald aus dem Gleichgewicht brachte, dann sie. Und wenn es wirklich ein Wilderer war, der rücksichtslos Fallen stellte und den Wald plünderte... dann musste man ihn finden. Bevor das Gleichgewicht ganz zerbrach, oder jemand zu Schaden kam.

Mit schnellen, geschmeidigen Schritten bewegte er sich durchs Unterholz, die Schatten der Bäume wurden länger, und irgendwo in der Ferne rief ein Kauz. Der Wald hielt den Atem an, als wüsste er selbst, dass etwas Dunkles in ihm lauerte. Gadri war auf dem Weg. Und der Wald würde nicht allein bleiben.

Und das war etwas, das Gadri nicht unbeantwortet ließ.
Zuletzt geändert von Gadri Tinel am Mittwoch 23. Juli 2025, 23:02, insgesamt 1-mal geändert.
Andrik Dornhain
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Beitrag von Andrik Dornhain »

In der Ferne lag der Wüstensand der einen Richtung Menekur leitet. Andrik verließ den Pfad, der aus den Landen dorthin führte. Die Worte von Matilda Treublum hallten noch in seinem Gedanken nach von Wegelagerern war die Rede gewesen von unsicheren Straßen und Waldpfaden und Angst in den Augen einfacher Leute. Das allein hatte schon für ihn genügt, um aufzubrechen, doch dann kam mehr. Er hat es durch eine Stimme aufgeschnappt zwischen einer Mahlzeit am Feuer und dem Ruf der Eule in der Dämmerung. Und Andrik war keiner, der Gerüchte einfach verwelken ließ. Nicht, wenn Tiere litten und nicht, wenn jemand ohne Achtung vor dem Leben durch die Wälder ging. Er saß an einem kleinen Bachlauf, der von Farnen gesäumt war. Die Glut seines kleinen Feuers war beinahe erloschen, als zwei Männer sich nicht unweit näherten. Holzfäller vielleicht, den Stimmen nach aus Bajard. Sie grüßten knapp, nahmen ein paar Schlucke Wasser aus dem Bach und sprachen leise miteinander. Abseits des Gesprächs lauschte Andrik den Kopf dabei gesenkt, die Ohren wach.
„Ich sag dir, das war kein Zufall“, raunte einer. „So 'ne Falle stellt keiner aus Versehen mitten auf einen Wildpfad. Und dann lässt er das Tier verrotten?“
„Ein Freund hat´s selbst gesehen“, antwortete der andere, schob einen Ast zur Seite, „kleines Reh, die Eingeweide schon schwarz. Keiner den ich kenn, macht sowas.“
Dann waren sie gegangen, das Dickicht verschluckte ihre Schritte. Doch die Worte blieben. Andrik stand schließlich auf, schulterte sein Bündel, die kleine Glut ließ er verlöschen. Der Wind trug den ersten Hauch von Dämmerung mit sich. Er würde zum Hain gehen, zu seinen Geschwistern. Sie sollten davon wissen, dass er dem Nachgehen würden. Denn wenn in den Wäldern jemand jagte, der sich nicht an die Regeln hielt, dann war das nicht nur ein Problem für das Wild. Mit jedem Schritt durch das dichte Unterholz regten sich Gedanken in ihm. „Wer Fallen aufstellt und das Tier verenden lässt, dem geht es nicht um Nahrung. Der will nur nehmen. Oder zeigen, dass er nehmen kann.“ Dachte er. Ein inneres Unbehagen hatte sich in seiner Brust eingenistet. Andrik spürte, wie sich der Gedanke in ihm festsetzte wie ein Dorn. Dies war kein Jäger. Kein Jemand, der sich einmal über ein Gesetz hinweggesetzt hatte. Das hier war ein Fremdkörper. Etwas, das nicht im Takt des Windes schlug. Mit dem Leben, mit der Ordnung. Er sog die Luft tief durch die Nase ein und suchte nach dem vertrauten Duft von Kiefer, Erde und Moos. Und doch schien etwas zu fehlen. Ein Gefühl von Vorsicht und Entschlossenheit füllte ihn. Der Wald war verletzlich geworden. Und Andrik war bereit, ihm zu helfen.
Gadri Tinel
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Gadri Tinel
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Am Feuer

Der Himmel über dem Tal war wolkenverhangen, das Gras feucht vom Morgentau.
Am einsamen Lagerfeuer trafen sich zwei Männer wieder, Gadri Tinel und Andrik. Sie hatten sich länger nicht gesehen, doch ihre Ankunft an diesem Ort war kein Zufall. Beunruhigende Gerüchte hatten sie beide hergeführt, unabhängig voneinander, aber getrieben vom selben Anliegen.

Sie teilten, was sie gehört hatten – von verendeten Tieren, Fallen tief im Osten, verstörenden Spuren und Zeichen im Wald. Gadri berichtete von zwei Bauern, die sich über grausame Tierschreie unterhielten. Andrik hatte ähnliche Geschichten aufgeschnappt – das Flüstern eines Unheils, das sich durch den Wald zog.

Beide waren sich rasch einig: Etwas oder jemand wilderte gezielt, rücksichtslos und mit brutalen Methoden. Die Zahl der Wildtiere war zurückgegangen. Der Wald wirkte stiller – auf beunruhigende Weise leer. Auch Gadris Kauz, sonst ein verlässlicher Wächter, schien sich unruhiger zu verhalten.

Sie beschlossen zu handeln. Eine Nachricht an die Gefährten wurde auf einem Stück Birkenrinde verfasst und beim Feuer deponiert. Dann machten sich Keiler und Kauz auf, das Gebiet zwischen Adoran und Kronwalden, entlang der Adlerklamm und weiter Richtung Bajard zu durchstreifen. Ihre Suche begann.

Im Schatten der Wälder

Die beiden Männer bewegten sich vorsichtig durch das dichte Unterholz. Zwischen Weiden und Eichen hielten sie Ausschau nach Spuren. Es dauerte nicht lange, bis sie fündig wurden: eine Falle. Verborgen unter Laub, mit einem einfachen Stock freigelegt. Als dieser auslöste, schlugen schwere Eisenklauen zusammen – tödlich.

Gadri knurrte leise, während Andrik die Konstruktion begutachtete. Es war keine Falle für den Fang mit Sinn, sondern ein Werkzeug der Qual – nicht für Nahrung, sondern für Zerstörung gemacht. Sie fanden zudem eine eingeritzte Markierung, ein Zeichen, das sie bereits aus Erzählungen kannten.

Um Tiere zu warnen, tränkte Gadri den Ort mit dem scharfen Geruch von Wildkatze und blockierte den Zugang mit einem Stein. Sie ließen die Falle bestehen – vielleicht würde sich der Täter selbst daran verraten.

Dann entdeckten sie eine frische Kerbe im Stamm einer Weide – scharf geschnitten und gezielt dort hinterlassen. Diese Kerbe war kein Zufall. Als sie weiter durch das dichte Grün streiften, fanden sie weitere Kerbungen wie diese, ähnlich sorgfältig eingeritzt, fast schon in eine Art Muster angeordnet. Dahinter schien sich ein System, eine Art Wegemarkierung zu verbergen, welche sie Richtung Osten führte. Nach einem stummen Blickwechsel entschieden die beiden, in der Nähe zu verweilen, dabei verborgen und wachsam, um zu beobachten.

Begegnung mit der Bäuerin

Auf ihrer Suche trafen sie an einem kleinen Hof auf eine Bäuerin. Zunächst war sie misstrauisch, doch als Gadri Maske und Kapuze abnahm, beruhigte sie sich. Sie erzählte, dass sie vor drei Nächten qualvolles Tiergeschrei gehört habe – aus östlicher Richtung. Ihr Mann fand keine Spuren, doch drei Hühner fehlten. Vielleicht ein Fuchs, vielleicht mehr.

Sie erwähnte ein weiteres Gerücht: Ein Hirtenjunge habe im Nebel eine große Gestalt mit schwarzem Bogen gesehen, ein Geweih auf dem Rücken. Manche Kinder hielten es für einen zornigen Waldgeist. Gadri blieb skeptisch. Doch Andrik meinte: „In jedem Märchen steckt ein Körnchen Wahrheit.“

Die Bäuerin wies auf eine alte Jagdhütte im Südosten hin. In der Nähe der besagten Hütte sei Rauch aufgestiegen – vielleicht durch einen Kamin oder ein Lagerfeuer. Die Männer wurden hellhörig. Sie verabschiedeten sich, baten sie, etwaige Hinweise an der Kutsche in Sichelhoch zu hinterlassen, und setzten ihre Spurensuche fort.

An der Jagdhütte

Zwischen Himbeersträuchern fanden sie Kraft und Erfrischung, dann ging es weiter. Bald tauchte die Jagdhütte im Wald auf. Vorsichtig näherten sie sich. Gadri prüfte die Tür, lauschte – nichts. Sie traten ein. Die Hütte war verlassen, verstaubt, nicht bewohnt. Vielleicht war sie zu nah an belebtem Gebiet.

Während Andrik aufs Dach kletterte, um die Umgebung zu sichten, ertönten Schritte. Gadri zuckte zusammen, griff zum Bogen – und ließ die Hand sinken. Es war Amelie von Salberg, die Freiherrin von Kronwalden. Er erkannte sie und begrüßte sie respektvoll.

Amelie war neugierig, ob etwas vorgefallen sei. Gadri sprach von Gerüchten – nichts Konkretes. Sie wusste nur, dass in letzter Zeit weniger Tiere das Dorf aufsuchten. Vielleicht wegen der Hitze. Aber die beiden Männer wussten es besser: Etwas störte das Gleichgewicht.

Andrik warnte sie, vorsichtiger zu sein – nicht jeder mit Kapuze sei so freundlich wie sie. Sie konterte stolz, ließ sich nicht gerne einsperren. Auf ihre Frage, ob sie Rauch aus den Hütten gesehen habe, verneinte sie.

Sie verabschiedeten sich höflich. Amelie versprach, wachsam zu bleiben und etwaige Beobachtungen an der Kutsche zu hinterlassen.

Die Spur vertieft sich

„Diese Hütte war zu nah“, meinte Gadri. „Zu nah an der Bibliothek.“
Sie machten sich auf in Richtung einer weiteren Hütte im Süden. Auf dem Weg suchten sie gezielt nach Zeichen. An einer Weide wurden sie fündig: eine große, gepflegte Kerbe. „Frisch“, stellte Andrik fest. Vielleicht ein Signal. Sie beschlossen, sich in der Gegend genauer umzuschauen und nicht unweit von hier einen geeigneten Lagerplatz aufzusuchen.

Die Stelle bot Schutz – dichter Strauchwuchs, Sichtbarrieren. Nicht zu nah an der Weide, aber gut zur Beobachtung. Während Gadri eine kleine Feuergrube ausgrub, sammelte Andrik Steine. Sie wollten sich einrichten, für längeren Aufenthalt. Ein Unterstand, getarnt mit Laub und Moos, nah am Wasser, aber fern genug, um nicht entdeckt zu werden.

Vorbereitung auf den nächsten Schritt

Der Wald war still – doch sie wussten: Der Täter war noch dort draußen. Die Zeichen häuften sich, das Muster wurde klarer. Wer immer hier wirkte, tat es nicht aus Zufall – es war geplant, systematisch.

Mit Geduld, Ausdauer und geschärftem Blick würden Keiler und Kauz nun ihren Kreis enger ziehen.
Sie hatten ein Lager, eine Spur, und den Willen, den Wald zu schützen.

Die Jagd hatte begonnen.
Gadri Tinel
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Beitrag von Gadri Tinel »

Lagerbau: Ein Lager im Schutz der Bäume

Der Nachmittag neigte sich dem Abend zu, als Gadri und Andrik sich für einen Lagerplatz entschieden hatten. Tief im Wald, wo das Blätterdach dicht genug war, um den Boden schattig und kühl zu halten, fanden sie eine kleine, geschützte Senke. Umgeben von niedrigen Sträuchern und knorrigen Eichen bot sie Sichtschutz von drei Seiten und war von den Pfaden kaum zu erkennen.

„Hier ist gut“, murmelte Gadri, sein Blick streifte die Umgebung. „Windgeschützt. Kaum ein Tier verirrt sich hierher.“
Andrik nickte stumm, trat einen Schritt nach vorn und prüfte die Feuchtigkeit des Bodens mit der Hand. Trocken. Fest.
„Das tun wir“, bestätigte er knapp.

Zuerst begannen sie damit, die Stelle für den Unterschlupf vorzubereiten. Ein flaches Rechteck wurde vom Laub befreit, der Boden mit kleinen Steinen und Wurzeln geglättet. Gadri wies auf eine breite Haselnuss, deren Zweige den Boden streiften.
„Wenn wir dort anlehnen… und hier ein paar Äste stützen, könnten wir ein flaches Dach bauen.“

Gemeinsam sammelten sie lange Äste, möglichst gerade gewachsene, und stützten sie gegeneinander, sodass ein leicht schräges Gerüst entstand. Über das Grundgerüst legten sie frische Zweige, vermischt mit getrocknetem Laub und Moos, das sie mit vorsichtiger Hand zwischen die Lücken stopften. Es entstand ein niedriger Unterschlupf, unter den sich ein Mann auf allen Vieren hineinkriechen konnte – gerade hoch genug zum Sitzen, breit genug für zwei Schlafplätze. Die Decke wurde zuletzt mit dichten Strauchästen getarnt – so wirkte der Unterschlupf von weitem wie ein unscheinbarer Hügel aus Waldgrün.

„Wenn man’s nicht weiß, übersieht man's“, sagte Andrik leise und trat ein paar Schritte zurück, um das Ganze aus der Ferne zu betrachten. Gadri folgte seinem Blick und nickte zufrieden.
„So soll's sein.“

Im Innern des Unterstands verteilten sie trockenes Moos, das sie zuvor aus einer nahen Senke gesammelt hatten – ein weicher, federnder Boden. Gadri schob sein Bündel hinein, warf noch eine Decke darüber. Der Platz roch nach feuchtem Wald, nach Erde und frischem Grün. Ein Ort zum Schlafen. Ein Ort zum Wachen.

An einer kleinen freien Stelle, nur ein paar Schritte vom Unterschlupf entfernt, begannen sie mit der Feuerstelle. Andrik zog mit seinem Messer eine flache, ovale Grube in den Waldboden, etwa einen halben Schritt breit, einen halben Arm tief. Sie kleideten die Grube mit Steinen aus, die sie am Seeufer gefunden hatten, und schichteten dann sorgsam ein erstes Bündel aus trockenem Holz auf.
„Kein hoher Rauch“, mahnte Gadri. „Das Licht soll wärmen, nicht leiten.“

Das Lager nahm Form an.

Schließlich fand Andrik einen kleinen Baumstamm, vom Sturm vor Jahren gefällt und bereits entrindet, aber stabil genug. Mit vereinten Kräften rollten sie ihn an den Rand der Feuerstelle.
„Sitzplatz“, murmelte Andrik, als er sich prüfend darauf setzte und der Stamm nicht nachgab. Ein Platz zum Wachen. Oder zum Schweigen.

Der Wald wurde dunkler. Die Geräusche der Tiere veränderten sich. Die Dämmerung kroch durch die Äste, als Gadri das erste Feuer anzündete – klein, behutsam, tief in der Grube. Ein sachter Lichtschein tastete sich durch das Blattwerk, ließ Schatten tanzen über Moos, Stamm und Zweige.

„Kein schlechtes Lager“, sagte er schließlich.
Andrik nickte. „Gemacht für die Nacht. Vielleicht für mehr.“

Sie schwiegen eine Weile. Das Knacken des Feuers, das ferne Rufen eines Vogels, das Rascheln der Blätter im Wind – all das umhüllte sie wie ein Mantel.
Sie waren bereit. Bereit zu ruhen. Oder zu jagen.
Je nachdem, was der nächste Morgen verlangte.
Andrik Dornhain
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Beitrag von Andrik Dornhain »


-erste Nacht im Lager-
Die Flammen des kleinen Feuers flackerten leise in der Grube. Das Knistern des Holzes war leise, kaum genug um die Tiere zu verscheuchen. Das Feuer spendete Wärme und hielt die Dunkelheit in Schacht. Gadri saß geduckt auf dem Stamm, der ihnen nun als Sitzplatz diente dabei den Umhang über die Schultern gezogen sein Blick aufmerksam ins Dunkel gerichtet. Andrik hatte sich bereits in den Unterschlupf zurückgezogen, doch der Schlaf kam nicht leicht in dieser ersten Nacht im fremden Teil des Waldes.
Der Wind trug die Stimmen der Nacht mit sich. In der Entfernung vernahm man ein Heulen eines Wolfs. Ein leiser Fluglaut, als eine Eule über das Lager hinwegstrich oder der Kauz welcher noch eine kleine runde drehte. Dann und wann knackte es in den Büschen doch Gadri lauschte mit der Gelassenheit eines Hüters, der gelernt hatte die Sprache des Waldes zu deuten. Es war nur das Rascheln kleinerer Tiere. Als die Sterne am klarsten waren, weckte er Andrik mit einem kurzen, sanften Stoß.
„Noch ist alles ruhig“, flüsterte Gadri. „Aber da war... etwas. Vielleicht nur ein Ästchen. Vielleicht auch nicht.“
Andrik nickte stumm und fuhr sich durch das Gesicht und richtete sich auf. Die Nacht war kühl gewesen aber klar. Gadri kroch in den Unterschlupf, seine Silhouette wurde von Schatten und Ästen verschluckt kaum noch sichtbar. Andrik saß nun an der Feuerstelle. Er hörte das Rufen des Käuzchens und das Zirpen vereinzelter Grillen. Die Ruhe sie war durchzogen von einer Spannung, wie wenn der Wald selbst den Atem anhält.
Als Andrik einen Laut vernahm, schaute er in den Wald hinein, dass Geräusch war nicht weit weg. Es klang wie ein kurzes Winseln. Er stand lautlos auf, dabei griff er zum Bogen ließ die Sehne aber locker. Dann trat er ein paar Schritte vom Lager weg, dort, wo der Farn dichter wuchs. Ein zweites und zittriges Geräusch folgte.
Auch Gadri wachte dabei auf. Ohne Worte trat er neben ihn und sie wechselten nur einen kurzen stummen Blick. Dann bewegten sie sich langsam nebeneinander,Schritt für Schritt durch das Unterholz. Schließlich fanden sie das Geräusch. Ein kleiner Rotfuchs, noch jung, hing in einer Drahtschlinge, die sich tief in das Fleisch seines Hinterlaufs eingeschnitten hatte. Der Körper zitterte und das Maul des Fuchses war vor Anstrengung leicht geöffnet ebenfalls seine Augen weit vor Schmerz aufgerissen. Die Falle war grob und aus festem Draht dabei an einer Wurzel befestigt diesmal eine andere Konstruktion als die, welche zuvor von den beiden gefundene wurde und eine Bärenfalle gewesen war. Doch ebenso rücksichtslos. Gadri er kniete sich sofort daneben, während Andrik den Bereich sicherte und einen Pfeil in die Sehne legte.
Gadri nahm das Messer zur Hand . „Er ist schwach, aber wir müssen vorsichtig sein.“ Andrik trat näher, kniete sich an die andere Seite. Gemeinsam arbeiteten sie schweigend zusammen um dem Tier zu helfen. Gadri beruhigte das Tier mit leiser Stimme, während Andrik die Drahtverbindung mit einem Ast entlastete. Gadri schnitt dabei die Schlinge mit seinem Messer auf er war vorsichtig aber dabei zügig im handeln. Der Fuchs jaulte kurz auf das Bein war wund, aber nicht gebrochen.Andrik zog aus seinem Bündel einen kleinen Leinenstreifen, welchen er tränkte mit ein paar Tropfen aus einem Lederfläschchen dabei durchzog ein schwach duftender Kräuterlösung die Nachtluft diese reichte er schließlich Gadri, der ihn vorsichtig um das verletzte Bein vom Fuchs wickelte. Sie trugen das Tier ein Stück fort, an einen stillen Ort am Bach dort betteten es unter einen Strauch auf Moos dazu gaben sie ihm etwas Wasser daneben.
„Entweder er schafft’s, oder er gehört bald dem Wald, doch seine Chancen stehen sehr gut“, sagte Andrik leise.
Gadri nickte. „Aber er wird nicht hilflos in dieser Falle enden.“
Zurück im Lager, als die ersten Schleier des Morgens durch das Laub sanken, saßen sie noch eine Weile schweigend nebeneinander. Das Feuer war fast erloschen. Der Tag kündigte sich an, bleich und kühl.„Es waren zwei Fallenarten“, sagte Andrik schließlich.
„Und zwei Absichten, vielleicht“, erwiderte Gadri. „Oder zwei Täter.“der Wald, gab ihnen Zeichen und in dieser Nacht hatte er zwei seiner Hüter auf die Probe gestellt.
Zuletzt geändert von Andrik Dornhain am Freitag 25. Juli 2025, 10:35, insgesamt 1-mal geändert.
Andrik Dornhain
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Beitrag von Andrik Dornhain »

Die ersten Lichtstrahlen drängten sich zwischen den Bäumen durch. Das Lager war gut verborgen im dichten Unterholz. Gadri streckte sich aus, während Andrik schweigend auf einem Baumstamm hockte, den Dolch prüfend im Schein des Feuers.

Frisches Wasser aus dem Trinkschlauch und ein paar gesammelte Beeren reichte Gadri ihm rüber,sie teilten während die Sonnenstrahlen den Beginn des Tages einläuteten.

„Das Lager haben wir gar nicht mal so schlecht hinbekommen“, murmelte Gadri.

Die Unterhaltung wandte sich dem Wild und der Jagd zu – und ihrer Grausamkeit, wenn sie von Menschen ausgeübt wird, die nur aus Gier oder Lust töten. Gadri sprach von seiner Heimat, wo einst rücksichtslos gerodet und gejagt wurde. Erst als er begann, sich dem entgegenzustellen, wuchs langsam ein Bewusstsein für das Gleichgewicht des Waldes unter den anderen seiner Heimat.

Sie sprachen über Banditen, über Feierlichkeiten der Städter, über das Handeln der Menschen mit der Natur. Ein leises Lachen, ein Scherz über Banditen, denen man besser das Gerbermesser abnimmt – oder gleich die Hände. Die Stimmung war trotz des ernsten Gespräches von Kameradschaft und Vertrauen geprägt.

Dann kam die Idee:

„Wir könnten uns eine Angel bauen“, schlug Andrik vor.

Gadri nickte, durchwühlte seinen Beutel und fand ein altes Stück Garn. Sie begannen, ihre Idee umzusetzen. Ein Regenwurm zappelte schließlich an der Spitze des improvisierten Hakens. Die Angel war bereit.

„Dann versuchen wir mal unser Glück.“

Mit einem leisen Sirren schnellte die Angelschnur durch die Luft. Ein Plop – und die Schnur samt Köder war im Wasser. Ein Ruck ging durch die Schnur. Schließlich ein kräftiger Zug – ein Karpfen biss an. Der Fisch wurde vorbereitet, aufgespießt und über dem Feuer gedreht.

Sie aßen und lachten leise, sie teilten den Moment wie Brüder und berieten sich:

„Zuerst zum verletzten Fuchs, dann zum Lager der Banditen.“

Der Fuchs war noch da – verletzt am Bein, aber lebendig. Seine Ohren zuckten, als sie sich näherten. Gadri sprach mit ruhiger Stimme, bot Fisch an, und während das Tier fraß, verband er das Bein neu und erneuerte die Salbe. Sie ließen dem Fuchs den Rest des Fisches und zogen sich zurück.

„Zum Lager der Banditen“, sagte Gadri schließlich leise und spannte seinen Bogen, als sie dort ankamen. Die Zeit der stillen Momente war vorüber. Was nun kam, war Pflicht und Verantwortung.

„Deine Freunde sind fort“, sagte Andrik ruhig, die Stimme ernst. „Sie haben dich im Dreck zurückgelassen.“

Der Bandit kauerte sich in die Ecke – der Pfeil in seinem Oberschenkel machte ihn redselig.

„Ich… ich weiß nicht viel…“, begann er.

Doch das war Keiler und Kauz zu wenig. Das Ziehen und Drücken des Pfeils in seinem Fleisch ließ ihn aufkeuchen – aber half ihm, seine Erinnerungen hervorzurufen. Gadri stand still daneben, seine Augen sprachen Bände.

Nach und nach sickerte das heraus, was sie wissen wollten. Er sprach von einem Fremden, der erwähnt wurde. Am Lager im Westen wüssten die anderen Banditen mehr.

So machten sie sich auf.

Ein weiteres kleines Feuer der Wegelagerer erschien – und auch dort fanden sie einen, der mit etwas Nachhilfe begann zu reden:

„Mit einem Hirschkopfschmuck auf dem Schädel… Er tuschelte mit dem Anführer der Bande. Etwas Dunkleres lag unausgesprochen in der Luft… Östlich von hier“, presste der Bandit hervor.

„Sieh zu, dass du Land gewinnst“, knurrte Gadri.

Als der Mann auf allen Vieren davontaumelte, legte Andrik einen Pfeil auf die Sehne – schoss aber nicht. Gadri löste einen Pfeil der Warnung, der knapp am Flüchtenden vorbeiflog.

„Es wäre so leicht“, murmelte Andrik, während er auf den Banditen zielte.
Gadri grinste. „Ja, wäre es.“

„Überprüfen wir die Falle von gestern“, beschlossen die beiden und stapften los.

Die Falle war leer – kein Tier, auch kein Mensch. Sie trugen sie fort, um sie im Graben bei Varuna zu versenken.

Sie folgten den Hinweisen der Banditen, den Zeichen, die sie fanden, und durchquerten weiter die Wälder in Richtung Osten.

Ein Hauch von Rauch stieg auf – ruhig schlichen sie voran. Als sie die verlassene Feuerstelle erreichten, war nur noch Glut zu sehen.

Andrik kniete nieder, hob etwas vom Boden auf: Ein Kaninchenbein – brutal abgerissen.

„Nicht gejagt... verstümmelt“, murmelten sie.

Ein paar Schritte weiter – Eingeweide, achtlos weggeworfen.
Ein Eichhörnchen wurde aufgespannt, gequält und zur Schau gestellt.

Gadris Augen füllten sich mit Tränen, und Wut schnitt durch sein Raunen.
Andrik war still – nur sein Blick sprach: voller Schmerz, voller Zorn.

Mit schweren Schritten befreiten sie das Tier aus der makabren Pose und betteten es unter Laub ein.

„Lass uns zurück zum Lager. Morgen errichten wir eine Falle. Eine richtige.“
Und so gingen sie entschlossen zurück.
Gadri Tinel
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Beitrag von Gadri Tinel »

Die Falle am alten Pfad
(Erste Episode einer längeren Wildererjagd)

Der Wald lag noch im Halbdunkel, als Gadri und Andrik aufbrachen. Nebelschleier zogen zwischen den Stämmen, das Zwitschern der Vögel setzte erst zögerlich ein. Die Morgendämmerung bot den einzigen Schutz, den sie noch hatten, bevor der Wald wieder lebendig wurde und die Wilderer womöglich zurückkehrten.

„Jetzt oder nie“, flüsterte Gadri, der Kauz, während er sich die Kapuze tiefer ins Gesicht zog.

Andrik, der Keiler, antwortete nicht. Er trug bereits die Feldschaufel auf der Schulter und stapfte voraus, zu dem Ort, den sie am Vortag ausgekundschaftet hatten.



Der Ort

Es war eine schmale Stelle im Wildpfad, eingerahmt von zwei alten Eichen. Der Boden war weich, von Regen durchtränkt, übersät mit Laub. Unten verlief ein schmaler Hang, wenn der Wilderer dort entlangging, würde er zwangsläufig in die Falle tappen.

„Das ist sein Rückweg. Immer denselben genommen. Gewohnheit wird ihm das Genick brechen“, murmelte Gadri.

Andrik nickte und stieß die Schaufel in die Erde.

„Dann graben wir ihm ein neues Zuhause.“



Der Bau

Sie arbeiteten schweigend. Nur das Scharren der Schaufel, das Knacken von Wurzeln und das schwere Atmen durchbrachen die Stille des Morgens. Der Nebel um sie herum dämpfte jedes Geräusch, als hielte selbst der Wald den Atem an.

Andrik hob und warf, hob und warf, als grabe er ein Grab. Gadri bewegte sich schneller, feiner, er schnitt mit dem Messer Wurzeln frei, zog sie beiseite, prüfte das Erdreich auf Stabilität. Sie kannten ihre Rollen, sprachen kaum. Zeit war kostbar, und der Wald war noch blind, aber nicht mehr lange.

Der Schacht wurde tiefer, steiler. Fast zwei Meter maß er bald. Hoch genug, dass ein Wilderer nicht ohne Hilfe hinausfand. Breit genug, dass man in voller Wucht hineinpoltern konnte, mitsamt Schwert, Bogen, Messer, Beutel.

„Nicht zu steil, dass die Wände brechen“, murmelte Gadri und warf eine Handvoll lockerer Erde aus dem Loch. „Aber steil genug, dass ihm die Hoffnung gleich mit abrutscht.“

Am Grund stampften sie die Erde fest, rammten mit Knüppeln eine Mulde in den Boden. Gadri holte flache Steine, legte sie aus, fügte kurze, abgebrochene Äste hinzu, unscheinbar. Nicht spitz, aber unnachgiebig.
Es ging nicht um Blut.
Es ging um Kontrolle.

„Vielleicht verstaucht er sich nur den Fuß“, sagte Andrik, während er einen Stamm zur Seite rollte.
„Oder fällt auf sein Schwert. Bricht sich den Arm. Vielleicht mehr.“
Gadris Stimme war ruhig.
„Wichtig ist nur: Er kommt nicht mehr hoch.“

Ein Moment des Stillstands. Beide blickten in das Loch, das zwischen ihnen klaffte.
Eine Öffnung in der Welt.
Ein Maul, das darauf wartete, zuzubeißen.

„Du denkst, er kommt allein?“
Gadri nickte langsam.
„Er schleicht sich vor Sonnenaufgang durch. Immer. Bevor sein Komplize nachzieht.“
„Dann haben wir ihn bald.“

Und dann, nach einem Herzschlag Pause, fügte der Kauz leise hinzu:

„Oder wir beide sind morgen früh das, was er diesmal jagt.“



Die Tarnung

Gadri war in seinem Element. Für ihn war Tarnung kein Trick, sie war ein Handwerk. Geduld, Muster, Intuition. Der Boden um die Falle war seine Leinwand, die Materialien seine Farben.

Er begann mit einem lockeren Gitter aus jungen Birkenzweigen, kaum daumendick, miteinander verschlungen, sodass sie unter dem ersten Tritt brechen würden, nicht sofort, aber zu spät. Dann schichtete er Rindenstücke auf, morsche, unauffällige, solche, die der Regen weichgespült hatte.
Darauf verteilte er trockene Nadeln von der benachbarten Zeder, bröselte sie mit den Fingern zu einem natürlichen Muster. Es war nicht einfaches Abdecken, es war Imitation.

„Siehst du den kleinen Ast da?“ flüsterte er.
Andrik trat heran.
„Jetzt schon.“
„Vorher lag der drei Schritte weiter links. Hätte er ihn gesehen, hätte er sich gewundert. Hätte gestutzt. Vielleicht wäre er langsamer gegangen.“

Gadri klaubte Moos von einem alten Stamm, zupfte es in flache, unregelmäßige Streifen. Er atmete gegen seine Hand, prüfte die Feuchtigkeit, bevor er es auflegte. Frisches Moos glänzte anders als altes. Zu viel Licht, Verdacht. Zu wenig, ebenfalls.

Rund um die Grube ordnete er zerbrochene Zweige an. Einige barsten beim Biegen, was ihn nicht störte, auch das war Tarnung. Geräusche, wie sie ein Tier gemacht haben konnte. Spuren, die nichts erzählten.
Ein Eichhörnchen hätte hier vorbei können. Ein Fuchs. Ein Windstoß.

Zuletzt streute er Waldboden darüber: feine Krümel, dunkle Erde, alte Blätter.
Er trat zurück, kniff die Augen zusammen, wechselte den Winkel, ging in die Knie.

„Wenn du es kennst, findest du es.“
Andrik trat neben ihn.
„Wenn nicht?“
„Dann fällst du.“

Ein paar letzte Federn, kleine, von einem Eichelhäher, die er gestern gesammelt hatte, ließ er achtlos im Umkreis liegen. Als wäre jemand in Eile hier vorbei. Als sei hier alles normal.

Dann legte sich Stille über die Stelle, wie ein Laken aus Nebel.

„Jetzt ist der Wald wieder ganz.“
Andrik betrachtete die Stelle, die vor einer Stunde noch klaffte wie ein offener Schlund.
„Nein“, sagte er. „Jetzt ist er bereit zu beißen.“


Rückzug zum Lager

Die Sonne kroch langsam zwischen die Bäume, ließ den Nebel in dünnen Schlieren zerfallen. Ihre Arbeit war getan. Kein Wort fiel mehr, als sie die Werkzeuge säuberten, die Spuren verwischten, Laub zurückverteilten. Alles sollte aussehen wie immer. Als sei niemand hier gewesen.

Sie verließen den Ort weiträumig, querfeldein, über moosige Hügelrücken, unter umgestürzten Bäumen hindurch. Ihr Lager lag gut verborgen, zwischen Brombeerranken und einem umgestürzten Zedernstamm, nahe eines alten Flusses.

Dort angekommen, machten sie kein Feuer. Nur ein Glutnest, tief in einem Loch verborgen. Frisches Wasser, getrocknetes Wild, ein stilles Mahl.

Andrik rollte sich bald zusammen, das Messer unter der Decke.
Gadri saß noch lange wach, die Augen auf den Wald gerichtet. Er lauschte nicht auf Stimmen oder Tiere.
Er lauschte auf die Stille, und auf das, was sie vielleicht verschwieg.

Heute Abend würden sie zurückkehren.

Dann würden sie hören, ob die Falle gefressen hatte.
Gadri Tinel
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Beitrag von Gadri Tinel »

Die Jagd im Schatten

(Zweite Episode der Wildererjagd)

Das Feuer war nur noch ein Nest aus Glut.
Sein Licht reichte kaum über den Kreis der Steine hinaus, die sie tagsüber gesetzt hatten. Die Flammen flackerten träge, wie müde Augen. Es war still geworden im Lager.

Da trat Andrik aus dem Schatten.

Er trug den Dolch locker in der Hand, in der anderen einige Pilze, noch feucht vom Tau. Seine Schritte waren leise, sicher. Gadri sah ihm entgegen, regte sich kaum, beobachtete, wie Andrik die Pilze aufspießte, sie vorsichtig über die Glut hielt. Kein Rauch. Kaum Geräusch. Nur der Geruch von Erde, Harz und Pilzfleisch in der Luft.

Die Pilze drehten sich langsam, drehten goldbraun. Andrik nickte zufrieden und bot sie stumm an.

Gadri schüttelte den Kopf. „Fisch“, murmelte er nur.

Mehr sprachen sie nicht. Auch das Schweigen konnte Nahrung sein.

Nach einer Weile legte Gadri den Blick in Richtung der Falle. „Wir sollten nachsehen. Oder warten. Aber nicht hierbleiben.“

Andrik schwieg zunächst. Dann kam es leise, fast zögerlich:

„Ich fühle Zorn. Wie er sie hinterlässt. Die Tiere. Verletzt, erstickt, lebendig ausgeweidet…“

Sein Blick war finster. Dann fuhr er fort:

„Aber meine Mutter sagte: Der Wald nimmt nur, wenn du zu viel willst.“

Gadri antwortete nicht. Er stand auf, griff nach dem Köcher.

Es war genug gesagt.


Wartend im Dickicht

Sie rüsteten sich schweigend. Wasser aus dem Schlauch. Honig auf trockenem Brot. Bögen geprüft, Sehnen gespannt. Dann schlüpften sie lautlos in den Wald, trugen sich selbst wie Schatten durch das dichte Grün.

Die Falle lag dort, wo der alte Pfad sich verengte. Sie hatten sie tief gegraben, mit Wurzeln getarnt, mit Moos belegt. Jetzt warteten sie unweit im Unterholz, auf dem Bauch liegend, reglos.

Ein Käfer kroch über Andrik. Er ließ ihn gewähren.

Die Nacht trug Stimmen. Ein Fuchs schrie in der Ferne. Blätter flüsterten im Wind. Ein Vogel pickte im Laub, erschrak, flog davon. Gadri zog eine Maus aus der Tasche, warf sie lautlos dem Kauz zu, der über ihnen saß, der Vogel fraß sie ohne Dank.

Dann kam das Knacken.

Zwei Männer traten aus dem Dunkel. Laut, nachlässig. Sie lachten, spuckten, trugen blutige Trophäen am Gürtel. Ein Rebhuhn, halbnackt. Ein Feldhase, das Fell notdürftig abgezogen. Der eine roch nach Schnaps, der andere nach Eisen.

Sie machten Halt am Feuer. Benahmen sich wie Herren.

Andrik und Gadri lagen flach. Nur die Augen bewegten sich.


Die Konfrontation

Gadri sah zu Andrik, hob zwei Finger. Dann stand er auf. Langsam. Keine Eile. Der Bogen war gespannt.

„Wie wäre es mit mir, ihr Bastarde?“, sagte er.

Die Männer drehten sich um, erst erschrocken, dann höhnisch. Spott, Drohungen, Grimassen. Sie lachten über Tiere, prahlten mit Grausamkeit. Einer sprach vom Reh, das sie angebunden hätten, „nur für den Spaß“.

Der Pfeil zischte.

Er streifte das Ohr des Mannes, ein Haar tiefer, und er hätte es nicht mehr gebraucht.

Stille.

„Eure Wahl: Nach Osten verschwinden, oder als Aas enden“, sagte Gadri.

Sie lachten wieder, doch ihre Stimmen klangen anders. Dann rannten sie los, genau in die Richtung, in die sie gedrängt werden sollten.

Ein Knacken. Dann ein Rumpeln.

Einer stürzte in die Falle, der andere stolperte und fiel über eine Wurzel.


Die Grube

Die Blätter brachen. Der Deckel aus Zweigen und Rinde gab nach. Ein dumpfer Aufprall, gefolgt von einem Schrei. Einer winselte. Der andere schrie wie ein verletzter Hund.

Gadri trat näher. Andrik behielt die Sehne gespannt.

„Wir sollten ihn da drin verrecken lassen“, sagte Gadri.

„Wie er’s bei den Tieren tat“, ergänzte Andrik. Dann laut, zur Grube: „Sag mir, warum ich dich nicht wie das Reh verrecken lassen sollte.“

Der Mann antwortete mit Spucke. Er griff zu Steinen, warf, brüllte. Einer flog nahe an Gadris Kopf vorbei.

Der zweite Pfeil kam, diesmal nicht daneben. Er traf ins Fleisch. Ein Aufschrei. Blut rann.

Gadri sprang zu Josch, der versuchte zu fliehen. Er riss ihn zu Boden, presste ihn ins Laub. „So wie bei der Wachtel?“, zischte er. Die Hände wurden auf den Rücken gezwungen, Seil um die Gelenke geschlungen.

Der Mann in der Grube keuchte. Spuckte weiter. Doch Andrik zielte nun direkt auf die Brust.

„Ich wäre nicht besser, wenn ich’s täte“, sagte er. „Aber ich bin nicht hier für Gnade.“

Ein Band wurde geworfen. Der Mann fesselte sich unter Druck selbst die Füße. Gadri reichte ihm die Hand.

Ein Zögern. Dann griff er zu.

Er zog ihn hoch.


Flucht, Blut, Entscheidung

Oben angekommen, taumelte der Mann. Andrik drückte ihn zu Boden. Janosch nutzte die Ablenkung, versuchte zu entkommen, auf halben Füßen, gebückt. Gadri warf sich auf ihn, begrub ihn unter seinem Gewicht.

Der andere spuckte. Traf Gadri am Bein. Ein letzter Versuch, Ehre zu retten.

Andrik verlor die Geduld.

Die Klinge zuckte. Das Messer drang in den Oberschenkel des Mannes. Er schrie, sank auf die Knie. Der Boden sog das Blut auf, ohne Kommentar.

Gadri hielt sich die Hand. Josch hatte gebissen.

„Wir bringen ihn zur Wache“, sagte Gadri ruhig.
„Ich trage ihn, wenn ich muss.“


Der Marsch und das Tor

Die Männer wurden gebunden, versorgt, geschultert. Einer humpelte, der andere musste gestützt werden. Die Bärenfalle schleppte Gadri selbst. Sie klirrte bei jedem Schritt, eine metallene Anklage.

Am Wachhaus brannte eine Fackel. Zwei Gestalten traten heraus, Ottkar, breit wie ein Schrank, und Alun, der stumm wirkte wie ein Stein.

„Zwei Wilderer. Gefangen. Beweise anbei“, sagte Gadri. Er sprach von der Falle, den Tieren, dem Lager. Er sagte, was gesagt werden musste.

Die Männer in einer Kammer begannen zu schreien. Eine Farce. Sie riefen nach Mitleid, Temora, dem Reich. Einer spielte den Sterbenden, der andere den Märtyrer.

Ottkar lachte.

„Sollen sie schreien. Wir haben Mauern.“

Die Tür fiel ins Schloss. Alun verriegelte. Die Stimmen wurden dumpf.


Der Abschied

„Wir verfüllen die Grube. Und kümmern uns um die Kadaver“, sagte Andrik.

Gadri nickte.

„Der Wald muss atmen.“

Ottkar hob die Hand zum Gruß.
„Krone und Reich zur Ehr.“

Gadri antwortete: „Und dem Wald zur Ruhe.“

Sie gingen in die Dunkelheit zurück. Die Nacht war noch lang.

Und irgendwo über ihnen kreiste ein Kauz.
Zuletzt geändert von Gadri Tinel am Sonntag 27. Juli 2025, 15:44, insgesamt 1-mal geändert.
Gadri Tinel
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Beitrag von Gadri Tinel »

Verfüllung der Grube und Tierbestattung

Der Morgen war grau, der Nebel hatte sich noch nicht verzogen, als Keiler und Kauz zurückkehrten zur Falle. Die Grube lag stumm da – offen, schwarz, ein Maul, das nun gesättigt war. Kein Wind regte sich. Nur das Knistern der Blätter unter ihren Stiefeln.

Sie begannen schweigend mit der Arbeit. Erst wurden die Reste der Tarnung entfernt, dann Schaufeln in die Erde gestoßen. Einer sammelte die Kadaver: ein Eichhörnchen, das wie zur Schau aufgespannt worden war. Ein Kaninchenbein. Reste, die man nicht hätte zurücklassen dürfen.

Die Grube wurde erst mit einer Schicht Laub ausgelegt, dann legten sie die Tiere in die Mitte, vorsichtig, fast feierlich. Kein Gebet. Aber Achtung.

Dann folgten Schichten aus Erde, vermischt mit altem Laub und Moos, bis das Loch verschwand. Sie traten das Erdreich fest, bedeckten es mit Fallholz, trockenen Nadeln, Zweigen.

Nach einer Stunde war nichts mehr zu sehen.

„So wie es war“, murmelte Andrik.

Gadri nickte. „Und wie es bleiben soll.“

Der Wald nahm das Schweigen wieder auf.


Abbau des Lagers – Rückkehr zur Stille

Der Tag war noch jung, als sie zum letzten Mal das Lager betraten. Ihr Unterschlupf lag da wie eine Wurzel im Grün – still, unscheinbar. Nichts war gestört worden in der Nacht.

Zuerst nahmen sie das Moos aus dem Innern, sorgfältig verteilt über den Waldboden. Dann wurden die Äste des Dachs gelöst, leise aufgeschichtet, in der Nähe einer alten Eiche – dort, wo Totholz willkommen war. Nichts wurde weggeworfen, nichts unnütz verbrannt.

Die Feuerstelle wurde ausgehoben, die Steine entfernt, das Erdloch mit altem Waldboden bedeckt, als hätte nie eine Glut darin geglüht. Ein Rest Glut wurde am Fluss gelöscht, dort, wo sie ihr Wasser geschöpft hatten.

Zum Schluss sammelten sie die letzten Reste: ein Bindfaden, ein Haken, ein alter Kieferzapfen, der einst als Köder gedient hatte.

Als alles fort war, traten sie zurück.

Der Platz sah aus wie jeder andere. Wie ein Ort, den man übersieht.

„Der Wald vergisst schnell“, sagte Gadri.

„Wenn man ihm hilft zu vergessen“, ergänzte Andrik.

Dann wandten sie sich um und verließen den Ort, ohne Spuren, ohne Rückblick.

Nur der Kauz sah ihnen nach. Doch selbst der schwieg.
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Elisabeth van Falkenglanz
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Beitrag von Elisabeth van Falkenglanz »

Die Feldwebel blickte von ihrem Schreibtisch hoch, zu dem Soldaten der im Türrahmen stand.

"Was ist..?" Sie nahm dem Soldaten den Salut ab und trank eine widerliche Mixtur aus geklebbertem Ei in Kornkaffee. "Hab zu tun..."

"Wegen Ottkar und den Wilderern.." Meinte der Soldat.

"Breg und Kabo kümmern sich um die Überführung.. Glaube ich hab's Kabo auch so gesagt." Sie widmete sich ihren Akten. "Sind sie schon hier?"

"Nein, aber was machen wir dann mit denen?" fragte der Soldat nach, "Wir können die ja auch nicht in der Zelle lassen..."

"Hat die Baronin von Silbersteyn sich gemeldet..? Nein? .. eine der Gräfinnen? Auch nicht..?" sie seufzte als der Soldat den Kopf schüttelte, "Dann muss ich das erledigen?"

"Schon.. irgendwie." der Soldat nickte.

"Brandmarken und zwei Monde in den Bruch." sprach sie und blickte zu ihren Akten runter. "Natürlich erst, nachdem ich mir die Geschichte angehört habe.."

"Soll ich das Brandeisen schon bereitlegen?" fragte der Soldat nach

"Sicher, "gebrochener Pfeil" - für Wildsünder." Sie machte eine abwinkende Bewegung, wandte sich wieder ihren Akten zu.. "Ich mach schon die Papiere für die Überführung in den Bruch fertig..- Ich meine natürlich.. nur für den Fall wir überweisen sie."


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Zuletzt geändert von Elisabeth van Falkenglanz am Mittwoch 30. Juli 2025, 13:54, insgesamt 1-mal geändert.
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