Bereits früh am Morgen, noch bevor die Sonne wirklich über Adoran aufgegangen war, suchte ein pflichtbewusster Soldat die Frau Feldwebel in ihrer Schreibstube auf - doch da war sie nicht. Nur eine Tasse Kornkaffee, in die sich der Kaffeesatz des Vortags bereits eingebrannt hatte. Eilig ritt der Soldat weiter nach Schwingenstein, klingelte bei der Feldwebel, doch auch hier fand er sie nicht. Da er blickte er einen Soldaten der Schwingensteiner Wachmannschaft.
"Kamerad! Wo ist denn die Feldwebel?" rief er diesem zu.
"So früh am Morgen? ... vermutlich noch in Sichelhoch. - Bei den Feldern." meinte der Wachsoldat, als wäre es das Normalste von der Welt. "Die Mühle.. Wirst sie schon finden.."
"Aha.. bei den Feldern..?" Der Soldat sprang sich aufs Pferd und ritt sogleich durch den Pass dorthin. Die Sonne war noch immer nicht ganz aufgegangen, die Wiesen waren feucht von der Nacht und es war windstill. Ein Müller saß auf einem Stein, der Ochse graste.
"Ich suche Feldwebel van Falkenglanz.. habt ihr sie gesehen?" meinte der Soldat zum Müller. Dieser schaute nur müde von seinem Brot auf und deutete gen Mühle, deren Flügel sich stet bewegten. "Eisen-Lizzy? Is da drin."
Und tatsächlich, wie ein Ochse, wenn auch ohne Joch, drehte die Feldwebel an einem schweren Stamm den Mühlstein der Mühle, diesen in monotonen Schritten umkreisend. "Was ist los..?", schnaubte sie angestrengt, "Leibesertüchtigung am Morgen... dabei werd ich ungern gestört."
"Wegen der Korrespondenz..? Das Schiff..." murmelte der Soldat und versuchte den Blick von den Oberarmen und dem ausgeprägten Waschbrettbauch seiner Vorgesetzten abzuwenden. "Die Werft sagt, sie brauchen so langsam Holz.."
"Aha?.. Kam den Rückmeldung bisher?" brummte sie, ohne ihre Leibesertüchtigung zu unterbrechen.
"Nur die von Lascari..." der Soldat zog den Kopf ein, als habe er Furcht, gleich im Mühlstein zu landen.
"Wurde ihr mein Dank schon ausgerichtet?" die Feldwebel blickte auf, der Soldat schüttelte den Kopf, "Dann macht das, Schreibzeug habt ihr keins dabei..? Dann holt`s, wir treffen uns gleich am Weinberg..."
..... Der Soldat eilte also zurück nach Adoran, das Schreibzeug holend und schließlich zum Weinberg.....
Inzwischen war die Sonne halb über den Weinberghängen aufgegangen, noch immer war die Morgenluft frisch und feucht. Doch wo war die Feldwebel? Er blickte zu den Hängen hinauf und erblickte sie. Mit einer großen Kiepe, beladen nicht mit Weintrauben, sondern mit Steinen, stapfte sie in Marschgeschwindigkeit den Weinberg auf und ab.
"Hochkommen! Höhenmeter beißen nicht! Zwacken nur etwas in den Waden! Los Los!" winkte sie den Soldaten empor.
Als dieser schließlich oben war, setzte sich die Feldwebel auch hin, pellte ein hartgekochtes Ei und frühstückte. "Auch was? Ist noch Frühstücksquark da."
Der Soldat schüttelte den Kopf, zu sehen, wie die Feldwebel zwei Eier und ein Stück Handkäse verspeiste, erfüllte ihn nicht mit Appetit. "Danke, Feldwebel.."
"Dann zur Arbeit. Schreibzeug raus." brummt sie und wischte sich die Hände an ihrer kurzen Stoffhose ab. "Umdreh'n, Rücken grade!"
Dann schrieb sie, der Rücken des Soldaten war ihre Tischplatte.
Im Feld - Lichtental,
31. Cirmiasum 268
An Serina Marcel
Der Krone und dem Reich zur Ehr, Fräulein Marcel,
ich weiß nicht, ob das Schreiben, dass ich an Meister Arne schickte, schon soweit Wurzeln schlug, dass auch weitere Sappeure informiert wurden. Das Regiment baut ein Schiff - eine Brigg, so wills der Herzog. Die Werft braucht Holz - und jemanden, der sich zutraut ein hochseetaugliches Schiff zu bauen, oder besser diesbezüglich die Leitung zu übernehmen. Ich weiß nicht, wie eure Kenntnisse im Schiffsbau aussehen. Wenn ihr es euch zutraut, so wäre mir jede Hilfe recht! Sehr sogar...
Des weiteren brauche ich Eichenholz, solide und fest. Damit wir an Heck und Deck schon beginnen können, würde ich euch fragen, ob ihr uns etwa.. 200 x 10 Schritt lange Eichenholzbretter liefern könntet. Also 2000 Schritt Brett insgesamt.
Über eine Rückmeldung würde ich mich freuen.
Temora beschützt,

"So! Das geht nach Kronwalden. Und richtet gefälligst Lascari in der Graik meinen Dank aus.." die Feldwebel erhob sich, die Kiepe gleich mit. "Ich gehe nochmal meine Runde schwimmen, dann komme ich zum Regiment zurück."
"Ehh.. Schwimmen?" der Soldat wusste schon als er es aussprach, dass er es bereuen würde.
"Wollt ihr etwa mitschwimmen? Von Ährenaue nach Adoran... nicht weit, ist zur Entspannung." kam es zur Antwort, ehe der Soldat sich entschied lieber schnell weiter zu laufen..