Ein Leben voller Erinnerungen und ein Wandel des Lebens

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Ark Nathanael Seydenhain
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Registriert: Dienstag 14. März 2023, 07:02

Ein Leben voller Erinnerungen und ein Wandel des Lebens

Beitrag von Ark Nathanael Seydenhain »

Am Abend saß Ark in seinem Haus am Esstisch, vor sich das sanft nach Zitronen duftende Wasser im Glas, welches er bei Yette und Luisa gekauft hatte. Er mochte dieses Wasser mit einem Hauch von Zitrone, es erinnerte ihn an zu Hause.

Sein Blick auf die Straße gerichtet, sah er zwar Menschen daran vorbeigehen, nahm sie aber nicht wirklich wahr. Er schwelgte in Erinnerungen, alte, als auch neue. Ein bunter Mix an Erinnerungen, zwischen welchen er tatsächlich, wenn auch überraschend Parallelen erkennen konnte.
Wie in Trance blickte er hinaus, nahm das Wasser und führte es zum Mund. Er nahm einen Schluck, ließ das Wasser im Mund ein wenig seine Wirkung und den Geschmack der Zitrone entfalten, ehe er es langsam herunterschluckte.

Neben dem Wasser genoss er auch die Stille. Es war keine Einsamkeit, die er in diesem Moment spürte, aber es war auch kein Drang, keine Verpflichtung, keine laute Atmosphäre. Es war einfach nur er, das Glas Wasser, der Geschmack nach Zitrone und Stille. Endlich ein Moment, an dem man über vieles nachdenken konnte, Erinnerungen, Erfahrungen, Erlebnisse. Seiner Ansicht nach kam dies sowieso zu kurz. Er sollte sich häufiger diese Ruhe nehmen und das überdenken und verarbeiten, was ihn in diesem Moment in Gedanken belastete.

Tatsächlich belastete ihn einiges in der letzten Zeit. Nicht das Haus Dynal betreffend, da war alles in Ordnung. Nein, es war er selbst als Person, es waren andere Personen, Emotionen und Erlebnisse und das Regiment. Viele Dinge, welche ihn stark an früher erinnerten, Emotionen, welche er nun das erste Mal bewusst und gewollt empfand, bekannte und auf das Gemüt schlagende Erkenntnisse und Erfahrungen. Alles in Allem ein großer Stein, der sein Gemüt belastete.
Er dachte an Theodoras Tod, welcher ihn immer noch sehr mitnahm. Natürlich tat es das. Er verbrachte mit ihr Jahrzehnte. Jahrzehnte, in welchen er besonders Theodora und auch ihre Schwestern beschützte. Seine Lebensaufgabe, welche mit ihrem Tod endete. Es war nicht nur eine Lebensaufgabe, sondern auch ein Versprechen gegenüber ihrem verstorbenen Bruder, seinem besten Freund, dass er nicht weiter erfüllen konnte. Ein Versprechen, dass Ark ihm an seinem Sterbebett gab. Trotz der Monate, die nun zwischen dem Tod Theodoras und heute lagen, hatte die Trauer nicht nachgelassen. Noch immer war er traurig, bestürzt, verwirrt und verletzt. Eine Empfindung die er damals unter großen Mühen zu verbergen und zu ignorieren lernte. Nun war sie wieder da, stärker denn jäh und zeigten ihm trotz dessen, dass er lebte und nicht nur ein emotionsloses Werkzeug war.

Immerhin konnte er eine neue Lebensaufgabe im Haus Dynal und in Antarian finden. Antarian imponierte ihm. Er strahlte Würde aus, eine gewisse Strenge und Erwartung. Im gleichen Zuge hatte er aber auch eine würdevolle Freundlichkeit und ein Verständnis, welches er schon lange nicht mehr so gesehen hatte. Man konnte schon sagen, dass Antarian ein Adeliger war, dem Ark gerne nacheifern wollte.
Er war stolz, als Antarian ihn in seinen Haushalt einlud. Ein Teil dessen zu werden, was Antarian war. Eine Möglichkeit, die nicht jeder erhielt und die ihn nicht nur im Bezug auf seine Fähigkeiten, sondern auch von seinem Wesen positiv beeinflussen könnte. Ark war gespannt, wie sich die Mitgliedschaft im Haushalt von Dynal positiv auf ihn auswirken würde. Tatsächlich konnte er es, wenn er ehrlich zu sich selbst war, gar nicht erwarten.

Auch konnte Ark es nicht erwarten, sich selbst neu kennenzulernen. Es gab eine Zeit, eigentlich mehr als zwei Jahrzehnte, in welchem ihm durch seine strenge Familie und das erbarmungslosere Regiment in Krähenau eingebläut wurde, dass er als Streiter des Reiches keine Emotionen zu zeigen hat. Dass er alle Emotionen unterdrücken muss. Im Regiment, aber auch bei seiner Familie war es Voraussetzung eine unerschütterliche Ernsthaftigkeit und eine unverkennbare Gefasstheit zu erlernen. Erlernen war das falsche Wort, es war eher ein Zwang. Wer erfolgreich sein wolle, müsse alles Weltliche fallenlassen und nur seiner Berufung folgen, egal wohin sie ihn brachte. Egal wie lange es dauern würde, auch gerne ein Leben lang.
Umso überraschter war er, als er in der Trauerzeit, in welcher er um Theodora trauerte, eine Person kennenlernte, welche ihm zeigte, dass auch er noch immer fühlen konnte. Eine Person, welche ihm positive Gefühle zeigte. Gefühle, von denen er dachte, dass er sie nie wieder fühlen könne. Freude, Gelassenheit, Zuneigung, Gemeinschaft, wenn nicht sogar auch Wärme und Verständnis. All jenes, was er zu Ablegen gezwungen worden war, tauschte plötzlich wieder auf. Überkam ihn, überwältigte ihn. Ein großer Strom an Gefühlen. Diese Person schaffte es, ihm den Umgang damit zu zeigen, diese Gefühle kennenzulernen und anzunehmen, mit ihnen umzugehen, wenn nicht sogar zu akzeptieren.
Natürlich zeigte sie ihm auch Enttäuschung und weitere Trauer, als sie sich von ihm auf emotionaler Ebene abwendete. Es war schmerzhaft, gar niederschmetternd. Schließlich hatte er es das erste Mal in seinem Leben geschafft, jemanden sein Herz zu schenken. Doch alles, was blieb war Einsamkeit und Ablehnung. Erneut Emotionen, welche er nicht richtig handhaben, oder einordnen konnte, mit welchen er aber nun allein zurechtkommen musste. Es ist schwer, zu schwer. Ark war sich sicher, dass er diese Emotionen nicht noch einmal spüren wollte. Verletzlichkeit, Ablehnung, Enttäuschung. Der Verlust von etwas, was sehr wichtig und wertvoll war.
Doch trotz allem würde er weiter zu ihr stehen. Auch wenn sie ihm weh tat, so war sie dennoch weiterhin sehr wichtig für ihn. Eine Person, die es zu beschützen galt. Nicht als Resultat eines Versprechens oder einer Pflicht, sondern aus eigenem Willen. Ein Wille, sein eigener Wille. Ein Wille, welchen sie schaffte ihn ihm wiederzuerwecken. Ein Wille, der lange im Verborgenen blieb, der durch andere unterdrückt wurde. Dafür dass sie ihm all das ermöglichte, war er ihr auch heute noch sehr dankbar und würde deswegen auch weiterhin für diese Person da sein. Sie unterstützen, sie beschützen. Er würde immer ein offenes Ohr für sie haben, mit ihr gemeinsam Lachen. Auch wenn er sein Herz, welches immer noch ihr gehörte, dabei verletzte. Es würde weiter ihr gehören.

Während dieses Gedankens riss die Türglocke Ark aus seinen Erinnerungen und Gedanken. Es schien so, als sei er wieder gefragt und die Ruhe leider vorbei, welche er sich eigentlich wirklich verdient hatte. Eine Ruhe, welche hoffentlich in Zukunft erneut auftreten würde. Eine Ruhe, in der er wieder seine Erinnerungen, Erfahrungen und Gefühle sortieren konnte.
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