Unter dem Glanz des Falken

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Elisabeth van Falkenglanz
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Beitrag von Elisabeth van Falkenglanz »

*ein Brief macht sich auf den Weg nach Greifenhain, zu einer Postreiterstation mit Gasthaus unweit von Greifenstein.... *
21. Eluviar, Adoran - Lichtenthal

Liebe Mutti,

ja, ich melde mich selten. Ja, ich schreibe lieber deinem Knecht Heinrich, wenn ich wissen will, wie es dir geht. Und ja, ich weiß bereits, dass du ihn mies bezahlst. Dass du aber seine Kammer über dem Stall nicht reparieren lässt, geht wirklich zu weit. Ich habe vor ein paar Wochen bereits einen Geldboten mit 25.000 Goldmünzen nach Greifenstein geschickt. Die Bestätigung des Erhalts Seitens des Bankhauses liegt mir hier vor - nimm das bitte und repariere die Kammer und den Stall.

Auch wenn du vielleicht nicht glauben magst, ich wurde soeben zum Feldwebel des Regiments befördert. Damit bin ich die de facto Leitung des Lichtenthaler Regiments. Der Herzog selbst hat mich befördert.
Natürlich wirst du nun fragen: Was ist mit den Orden? Ich habe keinen, immer noch nicht. Ich könnte mir aber nun ein Dutzend selbst verleihen, sie haben für mich also fast jede Bedeutung verloren.
Als Feldwebel habe ich nun den höchsten militärischen Rang inne, den ein Falkenglanz je erreicht hat.
Herzog Anselm von Lichtenthal selbst erhob mich in diesen Rang, den des Korporals - Vaters alten Rang- verlieh mir sogar der König selbst.
Ich will damit nicht angeben oder mich schmücken, Mutti. Ich diene des Dienstes wegen, nicht der Ehren. So wie es einst Vater tat. Aber ich will, dass du weißt, dass ich alles erreicht habe, was du von einem Enkelsohn erwartet hättest.

Ich stehe keinem meiner Vorfahren in etwas nach. Orden hin oder her.
Ich habe den Respekt meiner Kameraden und das Geheimnis des Falkenglanzes erkannt. Der Glanz des Falken zeigt sich nicht in mir, er zeigt sich in der Reflektion, in den Augen unserer Kameraden und Gefolgsmänner, wenn sie unser Vorbild sehen.
Und somit habe ich das Rätsel gelöst.

Du hast mich aufgezogen, als Vater starb. Gabst mir Heim und Speise - für all dies bin ich dir dankbar. Denk bitte nicht, dass ich dich nicht liebe, das tue ich aufrichtig, du bist meine Großmutter. Doch ich möchte mich hiermit befreien - von deinen Erwartungen, denn ich habe sie erfüllt. Ich bin genauso ein Soldat wie alle anderen Falkenglanz - als Frau genauso ein mannhafter Soldat wie es Vater war, seine Brüder oder Großvater.

Wenn du stolz sein willst, sei stolz - wenn nicht, dann ist es dein Problem.
Ich bin eine vollwertige Falkenglanz. Das weiß ich jetzt. Ich bin mir selbst gut genug, das muss reichen.

Und darum bitte ich dich nun um etwas, als Enkelin. Lass mir die Briefe meines Vaters zukommen - alle. Auch die an meine Mutter. Und sag mir endlich, warum du nie über sie gesprochen hast.
Solltest du mir diese Bitte nicht erfüllen wollen - oder können, dann werde ich etwas nutzen, dem du dich als gute Patriotin nicht verwehren kannst.
Als Feldwebel des Lichtenthaler Regiments, befehle ich es dir, so du es nicht als Großmutter freiwillig tun kannst.

Ich weiß nicht, ob du es sehen möchtest, aber ich habe dir ein Bild von mir angefügt. Vielleicht willst es sehen, vielleicht willst du wissen, dass es deiner Enkelin gut geht. Ich jedenfalls hoffe, dass es dir gut geht, dass du mich verstehst und dir trotz allem sicher bist, dass ich dich als meine Großmutter liebe.

Elisabeth

P.S.: Heinrich sagte, dass letztes Jahr kein besonders gutes Jahr war. Bitte sag mir, wenn ich euch helfen kann. Der Sold auf Gerimor ist nicht viel besser als in Greifenstein, aber natürlich unterstütze ich dich, wo ich kann.

Bild
Zuletzt geändert von Elisabeth van Falkenglanz am Mittwoch 21. Mai 2025, 03:17, insgesamt 1-mal geändert.
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Elisabeth van Falkenglanz
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Beitrag von Elisabeth van Falkenglanz »

*Ein ungewöhnlich dicker Brief ergeht, zusammen mit einem ganzen Päckchen kleinerer Briefe an die Frau Feldwebel. Ob des Adressat, scheint diese erst ziemlich wenig erfreut - schließlich ist ihr ganzer Name ein gut gehütetes Geheimnis, aus verständlichen Grünen... In einem ruhigen Augenblick zieht sie sich damit in ihre Schreibstube zurück.*

An: Elisabeth Helene Rosalind Eleonore Falkenglanz
Temoras Segen, Feldwebel Falkenglanz.

- Oder soll ich einfach bei Elisabeth bleiben? Ihr habt sicher schon damit gerechnet, dass eure Großmutter euch nicht zurückschreiben wird. Wird sie auch nicht, aber sie hat mir erlaubt, es in ihrem Namen zu tun.

Natürlich ist sie fürchterlich beleidigt, ob eures „undankbaren und zutiefst verletzenden Briefs". Was auch sonst? Aber ihr kennt eure Großmutter gut genug, dass ihr wisst, dass sie recht schnell diese Ebene des Beleidigtseins erreicht. Sie weigerte sich die ersten Tage sogar, das Gold anzunehmen. Ich musste sie etwas bequatschen, dann ging es. Danke dafür, es regnet nicht mehr in meine Kammer.
Eure Großmutter ist stur wie ein Esel, das wisst ihr selbst - immerhin ist die Sturheit eurer Familie innewohnend- so ist’s ja auch bei euch... Doch kam ich nicht darum zu erkennen, dass sie , ungeachtet ihres verletzten Stolzes, euch für euren Brief eine gewisse Achtung zollt. Dem alten Drachen so entgegenzutreten, traute sich bisher nur euer Vater, an dem Tag, an dem er eure Mutter heiratete.
Euer Bild, vermutlich denkt Ihr, sie habe es gleich verbrannt, hängt im Übrigen neben dem eures Vaters, was wohl die größte Respektsbekundung ist, zu der eure Großmutter fähig ist. Sie hat sogar recht stolz zugegeben, dass Ihr ihre Enkelin seid. So schwer Eure Großmutter im Umgang ist, ich nehme an, sie liebt Euch und scheint Euch sehr zu respektieren.
Was eure Bitte angeht, das Geheimnis um eure Mutter zu lüften, so weigerte sich eure Großmutter vehement. Ein Versprechen, euch dies nie zu erzählen bindet sie. Wem sie es gab, weiß ich nicht, ich glaube sich selbst.
Ich habe die Briefe eures Vaters in einem separaten Päckchen angefügt. Es sind etliche, weswegen ich mir herausgenommen habe, euch das Wichtigste in Kürze zu schreiben. Zentral ist: Eure Mutter war eine großartige Frau und euer Vater liebte sie mehr als alles andere. Es lag nicht an ihrem Wesen, dass euch eure Familie über sie im Unklaren ließ. Euer verhasster Name beinhaltet im übrigen zwei Namen, die zu ihr gehören. Elisabeth, wie ihr ja bereits wisst, doch auch Eleonore. Eure anstehende Geburt, war das größte Glück, das sie in ihrem Leben empfand. Leider verstarb sie dabei.
Eure Großmutter erlaubte mir, euch das einzige Bild eurer beiden Eltern an dieses Schreiben anzufügen. Es ist auch das einzige Bild eurer Mutter.
Da ich eure Familie nun sehr gut kenne, habe ich alles weitere in einen separaten Brief geschrieben, mit der Empfehlung ihn gleich zu verbrennen. Es wird euch nicht gefallen.

-	Euer treuer Heinrich.
- Neugier ist der Katze Tod, so sagt man.
Also habt ihr euch entschieden, den Brief zu lesen. So sei es. Sagt nicht, dass der gute Heinrich euch nicht gewarnt hätte…
Das Wesen und der Charakter eurer Mutter waren ohne Tadel. Es ist ihre Herkunft, die wie ein dunkler Schatten stets über ihr lag. Nun denkt ihr sicher, dass die Hochzeit nicht standesgemäß war, was tatsächlich auch stimmt, nur anders als ihr denkt.
Euer Vater lernte eure Mutter bei einem Ausritt kennen, das alles ist euch bekannt und so weit richtig. Ihre Familie handelte mit Pferden, sie selbst war eine ausgezeichnete Reiterin, auch dies ist Teil der Geschichte. Was euch jedoch verschwiegen wurde ist, dass eure Mutter nicht aus Greifenhain stammt. Sie stammt aus Eirensee. Dies allein würde dem Stolz eurer Familie schon einen harten Stoß versetzen, doch es geht -leider- noch weiter. Die Ehe eurer Eltern ist nicht standesgemäß, weil eure Mutter von edler Geburt war. Eleonore Elisabeth van Liliental. Eine überaus wohlhabende Familie, mehrere Reitgüter, fruchtbares Ackerland und sogar eine kleine Silbermine. Man würde wohl die Bezeichnung „Steinreich“ nutzen.
Jedoch war nicht nur eure Familie gegen diese Vereinigung, sondern auch die eurer Mutter, weswegen sie von dieser verbannt wurde. Daher habt ihr weder Anspruch auf Titel, noch auf Ländereien oder Vermögen – für sie seid ihr nur ein Bastard, getilgt von jeder Ahnentafel. Aber bevor ihr darüber Trauer empfindet, lasst mich sagen, dass es sehr gut so ist.
Die Edlen van Lilientals gehörten zu dem Teil des Eirenseeer Adels, die sich sehr schnell auf die Seite der Aufständischen um den Verräter Theobald von Eirensee schlugen und diesen leidigen Aufstand auch mit ihrem Vermögen unterstützten.
Ich sagte euch ja, es sei besser diesen Brief zu verbrennen. Auch wenn eure Mutter zu diesem Zeitpunkt bereits verstorben war, ist es natürlich keine angenehme Verbindung, erst recht nicht für eine Greifenhainer Soldatenfamilie wie die eure.
Mehr kann ich euch über den Familienzweig eurer Mutter jedoch nicht sagen, einer eurer Onkel wurde wegen Hochverrats hingerichtet, ein weiterer starb in der Schlacht, in der auch euer Onkel Ludger starb. Angeblich hat dieser den verhassten Schwippschwager erschlagen, bevor er selbst fiel. Die Quellenlage hierzu ist aber dünn.
Nach dem Scheitern des Aufstandes dürfte ihnen das meiste genommen worden sein. Ich nehme nicht an, dass ihr nach diesen Verwandten selbst suchen wollt, es sei denn ihr wollt sie endgültig auslöschen.

-	Euer (immernoch) treuer Heinrich.
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Zuletzt geändert von Elisabeth van Falkenglanz am Sonntag 29. Juni 2025, 12:42, insgesamt 1-mal geändert.
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