In der Nähe der Elfen...

Überregionale Themen, Gerüchte und Bekanntes, das im Spiel frei aufgegriffen werden darf.
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Tami
Beiträge: 12
Registriert: Freitag 31. Januar 2025, 14:08

In der Nähe der Elfen...

Beitrag von Tami »

Relativ früh am Morgen, als die ersten Nebelschwaden noch wie Geisterhände zwischen den Bäumen des Elfenwaldes tanzten, kniete eine blonde Frau am Ufer eines schmalen Bachlaufs. Der Himmel war noch grau vom verblassenden Mondlicht, nur das sanfte Gluckern des Wassers durchbrach die Stille.
Mit einer geübten Bewegung zog sie ihr Halstuch höher über Nase und Mund. Der beißende Geruch von Verwesung hing schwer in der feuchten Morgenluft. Behutsam öffnete sie den schweren Rucksack, den sie hergetragen hatte. In ihm lagen mehrere verweste Tierkadaver. Hasen, Vögel, kleine Waldbewohner, bereits von Maden durchsetzt und schwarz vor Fäulnis.
Ohne sichtbaren Ekel griff sie nach den Leibern, band jeweils die mageren Beine mit groben Hanfschnüren zusammen und befestigte sie an Ästen. Mit geübten Handgriffen versenkte sie die makabren Bündel im Wasser und ließ die Strömung ihr grausames Werk beginnen. Schon bald würde das faulende Fleisch das Wasser durchdringen, Krankheiten verbreiten und den Bach, der tief in das Herz des Elfenwaldes floss, vergiften.
Ein kaltes Lächeln huschte über ihr Gesicht, während sie dem Wasser nachsah. Dies war nur der Anfang. Der Wald sollte leiden.
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Alaun Estelcolron
Beiträge: 169
Registriert: Donnerstag 1. Juni 2023, 10:07

Beitrag von Alaun Estelcolron »

Ein ungutes Gefühl ergriff Besitz von dem Lindel, das er doch nicht recht ergründen konnte. Ihm war, als vernähme er einen leichten Missklang in den ihn umgebenden Harmonien, ohne diesen konkret benennen und aufzeigen zu können. Schwach war er und doch ausreichend, ihn ergründen zu wollen, hatte der Missklang seinen Ursprung doch irgendwo im Nebelwald.
Auf seine Frage hin bestätigten ihm auch andere Elenothrim jenes Gefühl. Daher beschloss er, den Nuya'tan gemeinsam mit weiteren Geschwistern zu durchwandern, die Quelle jenes Missklangs zu finden. So verging nicht allzu viel Zeit, bis erste Kunde von verendeten Tieren ihn erreichten, qualvoll an einer Vergiftung gestorben wie ein hinzugerufener Nestor erkannte. Bald schon hatten die fähigen Kundschafter erkannt, dass die toten Tiere alle vom selben Wasserlauf getrunken hatten. Von da an war es nur noch eine Frage der Zeit, ehe die den Fluss stromaufwärts absuchenden Eledhrim die Ursache fanden.
Und als sie die präparierten Kadaver sahen, war allen rasch klar, dass jemand dies geplant haben musste. Diese Gefahr war gebannt, und doch...
Wer immer das getan haben mochte, würde er sich mit diesem einen Versuch zufrieden geben? Es galt, sich vorzubereiten.
Tami
Beiträge: 12
Registriert: Freitag 31. Januar 2025, 14:08

Beitrag von Tami »

Die Stelle war leer.

Kein Kadaver. Kein Gestank. Nichts als das leise Murmeln des Wassers, das nun wieder klarer floss, als es sollte. Sie hatten aufgeräumt.
Tami erstarrte. Nur ein Herzschlag lang, dann setzte sie sich in Bewegung, leichtfüßig, gelassen, wie eine Wanderin, die zufällig an einem hübschen Waldbach rastete. Ihre Finger tasteten unauffällig nach dem kleinen Dolch an ihrer Hüfte, nur um sicherzugehen. Sie war nicht allein, das wusste sie. Der Wald beobachtete sie. Oder schlimmer noch, die Elfen taten es.
Als sie sich wieder erhob, war ihr Gesicht ruhig. Ihre Haltung unverfänglich. Doch in ihr brodelte es wie Galle.

Ihr habt die Leichen gefunden, ja? Wie schnell ihr seid, wenn es um das Leid der Bäume geht..

Sie atmete tief ein. Der Plan, der so präzise vorbereitet war, hatte nicht den gewünschten Durchbruch gebracht. Die langsame Vergiftung, das feine Eindringen von Krankheit, zu subtil. Zu zaghaft. Sie brauchte... mehr. Etwas, das nicht so leicht bereinigt werden konnte. Etwas, das nicht nur den Körper, sondern auch den Geist zersetzte.

Die Letharen.

Die feuchten Blätter unter ihren Stiefeln gaben kaum einen Laut von sich. Nur das leise Klirren ihrer Gürteltasche begleitete sie, jedes Fläschchen darin ein kleines Versprechen. Der Nebel lichtete sich nur langsam, die Sonne versuchte vergeblich, mit ihren Strahlen durch das graue Geäst zu dringen.
Der Pfad war schmal und von Wildwuchs überwuchert, kaum begangen. Genau deshalb hatte sie ihn gewählt. Und genau dort, wo das Moos zwischen zwei alten Baumwurzeln heller leuchtete, wartete ihr Pferd.
Es hob den Kopf, als sie aus dem Nebel trat. Kein Wiehern, kein Schnauben. Das Tier war wie sie, ruhig, abwartend, durch nichts zu überraschen.

Sie warf einen letzten Blick zurück zum Bach. Der Ort sah wieder aus wie ein ganz gewöhnlicher Waldabschnitt, friedlich, beinahe idyllisch. Ein Ort, an dem Kinder Blumen pflücken könnten.

Lüge. Alles daran ist Lüge.

Tami stieg auf, strich sich das zerzauste Haar aus dem Gesicht und richtete sich auf. Sie wusste, wohin sie musste.
Zuletzt geändert von Tami am Samstag 21. Juni 2025, 12:28, insgesamt 1-mal geändert.
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