In der Nacht vom 17. auf den 18. wird ein gefalteter Bogen Pergament im Foyer des Hauses von Dynal hinterlegt.
Nur ein kurzer Text ziert die Außenseite des Papiers.
Wie gewünscht.
Entfaltet man den Bogen, wird man in einer alles anderen als perfekten Handschrift, folgendes Text vor sich sehen, welcher hier und da auch etwas unsauber wirkt, wo scheinbar ein Stück Kohle weggewischt wurde.
Die Anhänger Temoras sollten in erster Linie gütig, gerecht und maßvoll sein. Aus den Lehren und der Geschichte TemoraDas s ergibt sich ein klar umrissener Idealtypus, kein makelloses, aber ein bewusst strebendes Wesen.
Tugendhaft im Herzen
• Streben nach Ausgleich und Harmonie: Temoras oberste Tugend ist das „rechte Maß“. Ihre Anhänger sollen Maß halten in Wort, Tat und Urteil.
• Wahrhaftigkeit und Aufrichtigkeit: Vor Temoras Blick gibt es keine Lüge. Ihre Anhänger sollen ehrlich sein, zu sich und zu anderen.
• Mitgefühl und Nächstenliebe: Sie helfen jedem, unabhängig von Rang oder Herkunft, ohne Zwang, aber mit offenem Herzen.
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Stark und wachsam
• Kampfbereitschaft zumSchutz, nicht zur Herrsch
aft: Temora ist eine kriegerische Göttin. Ihre Anhänger sollen bereit sein, die Schwachen zu verteidigen, ohne sich durch Machtgelüste korrumpieren zu lassen.
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Demütig und lernbereit
• Wissen und Weisheit suchen: Ihre Geweihten und idealerweise auch ihre Anhänger, sollen sich bilden, um klug zu handeln, nicht nur stark.
• Bereitschaft zur Selbstaufgabe: Besonders bei Geweihten: Das eigene Ego, Stand, Herkunft, alles soll hinter dem Dienst an der Göttin und den Menschen zurückstehen.
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Friedensstifter und Ratgeber
• Kein missionarischer Zwang: Die Lehre wird angeboten, nicht aufgezwungen.
Wer Hilfe ablehnt, wird respektiert.
• Respekt gegenüber Andersgläubigen: Sie ehren andere lichtere Glaubensrichtungen und bemühen sich bei Feinden
der Lehre um Umkehr, bevor sie richten.
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Geprüft in Herz und Tat
• Keine Heuchelei: Wer Temora aus Eigennutz anruft oder ihre Gaben zur Herrschaft über andere missbrauchen will, wird von ihr gemieden, oder sogar bestraft.
• Bereitschaft zur Prüfung: Ein wahrer Anhänger fürchtet nicht Temoras Blick am Ende des
Lebens, sondern bereitet sich darauf vor, mit offenem Herzen und ehrlicher Reue.
Ein Anhänger Temoras ist kein makelloser Heiliger, sondern ein Mensch, der mit Aufrichtigkeit und Mut gegen Hass, Neid und Maßlosigkeit ankämpft, in sich selbst und in der Welt. Sein Ziel ist nicht Herrschaft, sondern das stille, standhafte
Streben nach einem besseren Miteinander.
Wenn Temoras Lehre der
Maßhaltung, des Mitgefühls und der Wahrheit ist, dann ist der zunehmende Hass, selbst wenn er sich gegendie „Feinde des Lichts“ richtet, ein gefährliches Anzeichen für Abkehr von genau diesen Prinzipien.
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Wenn Hass in den Herzen der Geweihten und Gläubigen Wurzeln schlägt, dann..
• …wird das rechte Maß verloren. Die Tugend, die Temora über alle anderen stellt, ist dann durch Überreaktion und Vergeltungsdrang ersetzt worden.
• …werden Feinde entmenschlicht, und man beginnt, sich selbst als unfehlbar zu sehen – ein gefährlicher Pfad, der nicht weit von Alatars Hochmut entfernt ist.
• …nimmt man sich die Freiheit zu richten, die allein der Göttin gebührt und vergisst, dass selbst der irrende Bruder noch zur Umkehr fähig sein könnte.
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Ja, es ist an der Zeit, zu den alten Wurzeln zurückzukehren. Zurück zu Temoras eigentlichem Auftrag: „Sie sieht in eure Herzen, und vor ihrem Blick bestehen keine Lügen.“
Das bedeutet:
• Selbstprüfung vor Fremdverurteilung.
• Gnade vor Rache.
• Mut zum Mitgefühl auch dort, wo der Schmerz am größten ist.
Nicht um Naivität geht es, Temora ist eine Göttin des Krieges wie des Mitgefühls, sondern um Verantwortung.
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Wenn Temoras Kirche sich dem Hass ergibt, läuft sie Gefahr, selbst
ein Werkzeug Alatars zu werden, ein Paradox, das nur durch ehrliche Einkehr, Demut und Erneuerung überwunden werden kann.
Vielleicht braucht es nun Menschen, einfache Gläubige oder Geweihte, die sich nicht von der Wut mitreißen lassen, sondern eine stille, aber standhafte Flamme bewahren. Die den Dialog suchen, ohne dabei blind zu werden. Die den Mut haben, auch unter den eigenen Reihen den Finger auf die Wunde zu legen.
Temora ruft nicht zu Hass,sondern zur Erkenntnis und zur Stärke, Barmherzigkeit trotz allem zu wahren. In Berchgard wurde viel verloren. Aber wenn ihre Anhänger beginnen, einander zu misstrauen, zu hassen, zu richten, dann geht der Sieg letztlich nicht an Temora, sondern an Alatar.
Pergamentbogen für Haus von Dynal
Moderator: Adoran [Mod]
- Vincent Stahl
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- Viktoria Hamberg
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*Viktoria wird den Bogen in der frühen Morgenstunde entdecken – ihr Blick wird kurz darauf verweilen, das Herz einen Moment lang stocken, ehe sie leise seufzt. Nach einem prüfenden Lesen, die Stirn noch leicht gerunzelt, wird sie das Pergament sorgsam glätten, ein letztes Mal darüberstreichen und es anschließend gut sichtbar und ordentlich auf Antarians Schreibtisch hinterlegen. So, dass es ihm gewiss nicht entgehen wird, sobald er seinen Arbeitsraum betritt.*