Eine dicke Pergamentrolle fuer die Tore zu Wulfgard

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Gustav Grann

Eine dicke Pergamentrolle fuer die Tore zu Wulfgard

Beitrag von Gustav Grann »

Adoran, 13. Schwalbenkunft 268

An die freien Männer und Frauen der windumtosten Küstenlande,
an die Axtträger, Felsbewohner, Fischer, Kesselrührer und was sich sonst noch in den nebligen Buchten der Thyren-Lande regt und rührt,

Höret und staunet!

Inmitten der dröhnenden Stille des Adoranschen Morgens trat ich vor meine geölte Seekarte, ließ mein Auge über Grenzen, Bäche, Besitzverhältnisse und Geisteszustände wandern - und siehe da! Mein künftiger Wohnsitz, das ehrenvolle Lehen Argantfels, liegt in wohldosierter Nachbarschaft zu Euren Küsten - jenen Landstrichen, in denen Männer sich mit Fellen bekleiden und Boote mit bloßen Händen aus waldbärtigem Holz schnitzen.

Ich, Gustav van Grann, Summus Anserarch, Träger des Goldenen Eis, Erster Advokat Adorans und Blaublut par excellence, werde also demnächst Euer Nachbar. Eine Aussicht, die man kaum hoch genug einschätzen kann.

Doch fürchtet Euch nicht: Ich komme in friedlicher Absicht.

Mehr noch: Ich bringe Gelegenheit! Denn es wird in meinem herrschaftlichen Einflussbereich allerlei zu tun geben - nicht für Denker oder Gelehrte, sondern für robuste, wettergegerbte Hände wie die Euren:
  • Das Pflegen und Schuppen von Zierfischen in den goldenen Bassins meiner Gartenanlagen.
  • Das Reparieren der Bootsstege, auf denen meine Gäste in seidenen Schuhen schreiten sollen, ohne sich Splitter einzufangen.
  • Und nicht zuletzt: Die Wartung der Grannschen Flotte, bestehend aus mindestens drei Booten mit vergoldeten Ruderköpfen, welche in ruhigen Fahrten zur Abenddämmerung anmutig übers Wasser gleiten sollen.
Dies sind ehrenvolle Tätigkeiten im Dienste des Hauses van Grann - und ich bin bereit, denjenigen unter Euch, die mit Willen, Fischgeruch und einem Mindestmaß an Höflichkeit erscheinen, die Möglichkeit zu geben, Teil dieses glorreichen Projekts zu werden.

Ihr müsst weder lesen noch schreiben können (ich gehe davon aus, dass dies ohnehin selten ist), doch ein Mindestmaß an sauberem Auftreten und Werkzeugdisziplin wird erwartet.

Kommt, bringt Eure Netze, Hämmer und grobes Besteck. Meldet Euch beim Verwalter des Hauses van Grann in Argantfels - sobald mein Palast errichtet ist, und nicht früher. Ich danke für Euer Verständnis, auch wenn Ihr diesen Satz vermutlich nicht versteht.

In der Hoffnung auf wohlriechende Nachbarschaft und fischreiche Zusammenarbeit,
verbleibe ich mit einem majestätischen Nicken,

Gustav van Grann
Summus Anserarch - Erster Advokat zu Adoran -
Träger des Goldenen Eis – Nachbar in spe – Versatus et Astutus


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Djurgeirr Mandre
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Beitrag von Djurgeirr Mandre »

* Eine Wache am Stadttor von Wulfgard nimmt die Pergamentrolle entgegen, und lässt sie direkt zur Stimme des Nordens bringen. *
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Djurgeirr Mandre
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Beitrag von Djurgeirr Mandre »

* Zwei Tage später wird ein Bote ein Holzbrett aus Wulfgard überbringen an Gustav Grann *

Stolz und Ehre ! Gustav Grann,


Dey Pergament sey bey uns eyngetroffen. Mey sey sey nuad sicher ob dey Skepp oder Lebensmüde seyst. Vermutley von beydem etwas. Aver set gehört sey ouch eyne ordentley Portion Mut oder Wahnsinn dazu, set Volk der Sturmheuler derart in ihrer Ehre zu kränken.

Alleyn de erste Hälft von deynem Schrieb, reycht für gewöhnley dafür aus, dass wey unsere Schwerter losschicken und dey Städderanwesen dem Erdboden gleich machen.

Offensichtley hast dey aver noch nuad wirkley mit dem edlen Blute Thrails zu tun gehavt. Und weyl mey und mey Volk mit de Städder vom Lichtenthal verbündet seyn, werden wey für dies eyne Mal davon absehen , dir dey Fressleiste umzugestalten.

Es sey dey aver palavert, dass dey auf dem Land der Thyren nuad erwünscht seyst. Solltest dey also von eynem unseres Rudels auf unserem Land angetroffen werden, oder dey noch eyn mal de unscheinbarste Beleidigung unseres Volkes erlauben werden wey nuad mehr Nachsicht üben, und dey skeppen Existenz eyn verdientes Ende bereyten.

Und sey gewarnt ! Vom Volk der Sturmheuler, in deren Adern das Edle Blut Thrails fließt reicht selbst der einfachste Pferdeknecht um dir de Schädel einzuschlagen.



Gez.


Djurgeirr Mandre, Dyrbjornsson, Kind der Mandre, Clansschwert der Sturmheuler und Stymme des Nordens
Gustav Grann

Beitrag von Gustav Grann »

Des Nachts mag Gustav an seinem Schreibpult sitzen, und, in gewohnt dritter Person über sich selbst berichtend, folgende Zeilen in das Manuskript seiner Autobiographie niederschreiben.

Eine kleine Begebenheit aus dem Salon der Enttäuschungen

Es war der dritte Tag nach dem Schreiben, als ein verbeulter Bote mit Schafspelz, schwefeliger Ausdünstung und einem grob behauenen Holzbrett an der Schwelle des Hauses van Grann erschien.

Gustav, in Samt gehüllt und mit einer frisch gepuderten Stirn, nahm das Ding zunächst mit zwei Fingerspitzen, betrachtete es eine Weile mit einer Mischung aus ästhetischem Ekel und intellektuellem Schaudern - dann ließ er es fallen.

"Ein Brett", murmelte er, "sie senden mir ein Brett. Ein Symbol ihrer Weltauffassung, gewiss."

Er setzte sich, rang die Hände, schritt dann zwei Mal im Zimmer auf und ab, ehe er innehielt und mit bebender Stimme sprach - nicht zu jemandem, sondern eher zur über sich selbst staunenden Ewigkeit:

"Ich gestehe: Ich bin entsetzt. Nicht über die Antwort - denn von Wilden erwartet man keine Briefe auf Seidenpapier - sondern über die Heftigkeit, mit der meine zivilisatorisch wertvolle Einladung zurückgewiesen wurde. Man wirft mir... Beleidigung vor. Dabei war es doch Gnade! Ich wollte ihren Bootssteg! Ich wollte ihren Fisch! Ich hätte sie beschäftigt - mit Dingen, die man ihnen auch zutrauen kann. Kein Flötenspiel, kein Kanzleiwesen, aber immerhin... schuppen!"

Er nahm einen tiefen Atemzug, schüttelte bedächtig das Haupt.

"Doch offenbar ist die grobe Axt näher an ihrem Herzen als die feine Feder. Ihre Worte... so roh, so archaisch, so... laienhaft geflucht. Ich fürchte, ihr Intellekt reichte kaum über den Bierkrug hinaus. Ein tragisches Völkchen, das zwar laut schreit, aber wenig liest."

Mit einem nachdenklichen Nicken trat Gustav an sein Bücherregal, zog eine Karte hervor und strich mit dem Zeigefinger über ein anderes Gebirge.

"Vielleicht... die Kaluren. Zwerge mögen grob sein, ja. Aber sie verstehen Wert. Sie verstehen Ordnung. Und vor allem... Rechnungen."

Er legte die Karte zurück, setzte sich, tunkte die Feder in Tinte - und begann ein neues Schreiben.
Mit dem Rücken zum Holzbrett.

Das lag noch immer am Boden. Unberührt. Und irgendwie... beleidigt.
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