Buch vom Voss
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Tarin Voss
Buch vom Voss
Splitterarbeit
Es war still, als er erwachte.
Nicht das gewöhnliche Kerker-Still. Nicht das „Wachen-wechseln-und-jemand-schnarcht“-Still.
Sondern das andere.
Das, das kriecht.
Das fragt, ob man noch da ist.
Bork öffnete das eine Auge, das nicht zubetoniert war.
Er lebte. Noch.
Der Schädel pochte, als hätte jemand drin ’ne Glocke gegossen.
Er setzte sich auf. Langsam. Alles schmerzte - aber das war gut. Schmerz bedeutete, dass man noch zählt.
Er war allein. Keine Wache, keine Stimme.
Nur Tropfen irgendwo. Und Stille.
Dann sah er ihn.
Den Glaskrug.
In der Ecke.
Still. Und da.
Bork stand auf.
Nahm ihn in die Hand.
Spürte das dünne Glas, wie es leicht gegen die Finger vibrierte.
Er zögerte nicht lang.
Knack.
Mit einem Ruck gegen die Wand.
Der Krug zerbrach.
Er suchte sich die Spitze. Nicht zu lang, nicht zu kurz. Fest in der Faust, zwischen Finger und Daumen.
Ein Werkzeug.
Vielleicht mehr.
Er trat ans Fenster.
Die Stäbe waren fest, grob ins Gestein eingelassen.
Nicht neu.
Nicht unbesiegbar.
Bork setzte die Scherbe an.
Nicht am Eisen.
Am Stein.
Und begann zu kratzen.
Langsam. Immer im Kreis.
Der Ton war rau, nicht laut.
Wie eine Maus, die mit Zähnen an der Wand nagt.
Wieder. Und wieder.
Die Scherbe rutschte. Riss. Griff neu.
Er spürte, wie winzige Splitter sich in seine Finger bohrten.
Doch er hörte nicht auf.
Mit jedem Zug bröckelte etwas.
Ein Körnchen.
Ein Hauch von Stein.
Ob es genug ist?
Ob er’s je rausbekommt?
Er weiß es nicht.
Aber er arbeitet.
Denn wenn der Stein nachgibt -
kommt vielleicht auch das Eisen.
Und bis dahin kratzt er.
Mit Splitter.
Mit Wille.
Mit allem, was ihm bleibt.
Es war still, als er erwachte.
Nicht das gewöhnliche Kerker-Still. Nicht das „Wachen-wechseln-und-jemand-schnarcht“-Still.
Sondern das andere.
Das, das kriecht.
Das fragt, ob man noch da ist.
Bork öffnete das eine Auge, das nicht zubetoniert war.
Er lebte. Noch.
Der Schädel pochte, als hätte jemand drin ’ne Glocke gegossen.
Er setzte sich auf. Langsam. Alles schmerzte - aber das war gut. Schmerz bedeutete, dass man noch zählt.
Er war allein. Keine Wache, keine Stimme.
Nur Tropfen irgendwo. Und Stille.
Dann sah er ihn.
Den Glaskrug.
In der Ecke.
Still. Und da.
Bork stand auf.
Nahm ihn in die Hand.
Spürte das dünne Glas, wie es leicht gegen die Finger vibrierte.
Er zögerte nicht lang.
Knack.
Mit einem Ruck gegen die Wand.
Der Krug zerbrach.
Er suchte sich die Spitze. Nicht zu lang, nicht zu kurz. Fest in der Faust, zwischen Finger und Daumen.
Ein Werkzeug.
Vielleicht mehr.
Er trat ans Fenster.
Die Stäbe waren fest, grob ins Gestein eingelassen.
Nicht neu.
Nicht unbesiegbar.
Bork setzte die Scherbe an.
Nicht am Eisen.
Am Stein.
Und begann zu kratzen.
Langsam. Immer im Kreis.
Der Ton war rau, nicht laut.
Wie eine Maus, die mit Zähnen an der Wand nagt.
Wieder. Und wieder.
Die Scherbe rutschte. Riss. Griff neu.
Er spürte, wie winzige Splitter sich in seine Finger bohrten.
Doch er hörte nicht auf.
Mit jedem Zug bröckelte etwas.
Ein Körnchen.
Ein Hauch von Stein.
Ob es genug ist?
Ob er’s je rausbekommt?
Er weiß es nicht.
Aber er arbeitet.
Denn wenn der Stein nachgibt -
kommt vielleicht auch das Eisen.
Und bis dahin kratzt er.
Mit Splitter.
Mit Wille.
Mit allem, was ihm bleibt.
Zuletzt geändert von Tarin Voss am Freitag 2. Mai 2025, 11:37, insgesamt 1-mal geändert.
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Tarin Voss
Dreitausend
Die Zelle war wie immer. Zu eng, zu feucht, zu still. Selbst der Tropfen in der Ecke schien seine Lust verloren zu haben, als würde er sich fragen, ob es überhaupt noch Sinn hatte zu fallen.
Dann, ohne Ankündigung, veränderte sich die Luft. Nicht durch Wind, nicht durch Worte, sondern durch Anwesenheit.
Bork sah sie, als sich die Tür öffnete: Eine Frau, aufrecht, ruhig, ohne Lärm. Keine Wache, kein Rüstungsklappern, kein gespielter Zorn. Nur sie.
Die Gräfin.
Nicht so, wie Bork sie sich vorgestellt hatte. Kein Wanst, auch nicht Bleich, kein Tragestuhl, auf dem Mägde sie schleppen.
Nur eine Frau. Aber mit Haltung. Und Augen, die stiller waren als seine Zelle.
Das Haar – frisch. Glänzend. Er konnte fast riechen, wie sauber sie war.
Sie betrachtete ihn lange. Nicht mit Abscheu, nicht mit Mitleid - sondern mit Interesse.
Wie man ein Werkzeug in die Hand nimmt und prüft, ob es noch brauchbar ist.
Er hatte nichts gesagt.
Er wusste, dass Worte hier nichts nützten.
Stattdessen sprach sie.
Von seinen Seiten. Von dem, was sie gelesen hatte. Von den Dingen, die er selbst schon wieder vergessen hatte, weil sie nur aus ihm heraus mussten, damals, als es sonst nichts gab.
Sie forderte etwas.
Dreitausend Pfeile.
Kein Handel. Keine Drohung. Nur eine Bedingung.
Für Freiheit.
Bork verstand es nicht ganz - warum Pfeile? Warum diese Zahl?
Aber er verstand, was dahinter steckte. Arbeit. Kontrolle. Ein Maßband für Reue.
Er akzeptierte es. Nicht mit Freude. Nicht mit Demut.
Sondern weil es wenigstens eine Richtung war.
Später, als der Tag längst in Grau getaucht war, kam die Lageristin.
Eine stille, schmale Gestalt mit Augen, die mehr schwiegen als schauten.
Sie sprach nicht. Oder konnte nicht.
Etwas in ihr erinnerte ihn an Ragai. Diese krächzende Stille, dieses Abwesende im Gesicht.
Sie brachte keine Federn. Nur ihren Auftrag, still getragen in ihrer Bewegung.
Dann verschwand sie wieder.
Und Bork blieb allein.
Mit einer Zahl im Kopf. Mit leeren Händen. Und dem ersten kleinen Rest Hoffnung, den er seit Tagen gespürt hatte.
Noch war nichts da. Kein Holz. Keine Klinge. Keine Feder.
Aber der Weg war da.
Ein Weg mit Kanten, mit Splittern.
Aber ein Weg.
Dreitausend Pfeile.
Und vielleicht…
einer davon für ihn selbst.
Die Zelle war wie immer. Zu eng, zu feucht, zu still. Selbst der Tropfen in der Ecke schien seine Lust verloren zu haben, als würde er sich fragen, ob es überhaupt noch Sinn hatte zu fallen.
Dann, ohne Ankündigung, veränderte sich die Luft. Nicht durch Wind, nicht durch Worte, sondern durch Anwesenheit.
Bork sah sie, als sich die Tür öffnete: Eine Frau, aufrecht, ruhig, ohne Lärm. Keine Wache, kein Rüstungsklappern, kein gespielter Zorn. Nur sie.
Die Gräfin.
Nicht so, wie Bork sie sich vorgestellt hatte. Kein Wanst, auch nicht Bleich, kein Tragestuhl, auf dem Mägde sie schleppen.
Nur eine Frau. Aber mit Haltung. Und Augen, die stiller waren als seine Zelle.
Das Haar – frisch. Glänzend. Er konnte fast riechen, wie sauber sie war.
Sie betrachtete ihn lange. Nicht mit Abscheu, nicht mit Mitleid - sondern mit Interesse.
Wie man ein Werkzeug in die Hand nimmt und prüft, ob es noch brauchbar ist.
Er hatte nichts gesagt.
Er wusste, dass Worte hier nichts nützten.
Stattdessen sprach sie.
Von seinen Seiten. Von dem, was sie gelesen hatte. Von den Dingen, die er selbst schon wieder vergessen hatte, weil sie nur aus ihm heraus mussten, damals, als es sonst nichts gab.
Sie forderte etwas.
Dreitausend Pfeile.
Kein Handel. Keine Drohung. Nur eine Bedingung.
Für Freiheit.
Bork verstand es nicht ganz - warum Pfeile? Warum diese Zahl?
Aber er verstand, was dahinter steckte. Arbeit. Kontrolle. Ein Maßband für Reue.
Er akzeptierte es. Nicht mit Freude. Nicht mit Demut.
Sondern weil es wenigstens eine Richtung war.
Später, als der Tag längst in Grau getaucht war, kam die Lageristin.
Eine stille, schmale Gestalt mit Augen, die mehr schwiegen als schauten.
Sie sprach nicht. Oder konnte nicht.
Etwas in ihr erinnerte ihn an Ragai. Diese krächzende Stille, dieses Abwesende im Gesicht.
Sie brachte keine Federn. Nur ihren Auftrag, still getragen in ihrer Bewegung.
Dann verschwand sie wieder.
Und Bork blieb allein.
Mit einer Zahl im Kopf. Mit leeren Händen. Und dem ersten kleinen Rest Hoffnung, den er seit Tagen gespürt hatte.
Noch war nichts da. Kein Holz. Keine Klinge. Keine Feder.
Aber der Weg war da.
Ein Weg mit Kanten, mit Splittern.
Aber ein Weg.
Dreitausend Pfeile.
Und vielleicht…
einer davon für ihn selbst.
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Tarin Voss
Dornlauf
Sie schickten drei.
Nicht einen. Nicht zwei.
Drei Männer, um einem beim Holzschlagen zuzusehen.
Duran.
Sturmwacht.
Und ein Wachtmeister, der roch wie frisch gebügelte Befehle.
Drei Paar Augen - und ein schweres Eisen an Borks Knöchel, so schwer wie Schuld.
Eine Axt gaben sie ihm.
Als wär’s ein Geschenk. Obwohls seine eigene war.
Und Dorn - sein Pferd - stand angebunden dabei, wie ein Packesel, nicht wie ein Gefährte.
Aber das war’s. Der einzige Funken von Vertrauen in diesem ganzen Aufgebot.
Der Wald war feucht vom Morgen.
Die Rinde splitterte wie alte Narben, und die Vögel waren höflich genug, nichts zu sagen.
Bork arbeitete.
Baum für Baum.
Jeder Hieb lauter als sein Herzschlag.
Jeder Schnitt ein Schritt in eine Richtung, die noch keinen Namen hatte.
Dann kam der Plan.
Einfach. Wahnsinnig.
Sehr Bork.
Er bewegte sich von Stamm zu Stamm.
Langsam. So, als würde er nach der perfekten Faser suchen.
Immer ein Stück weiter.
Richtung Waldrand.
Richtung Unachtsamkeit.
Er wartete.
Auf Stimmen. Auf ein Lachen.
Auf einen Moment, in dem alle Welt für einen Atemzug unscharf wird.
Dann - Bewegung.
Die Eisenkugel - schwer wie Reue - landete in Dorns Satteltasche.
Dazu ein paar Holzstücke. Nicht zu viele. Gerade genug, damit’s glaubwürdig aussieht.
Bork streichelte Dorns Hals.
Flüsterte etwas.
Etwas, das nur ein Narr oder ein Freund sagen würde.
Mit einem Sprung war er auf dem Rücken des Pferdes.
Bauch nach unten, Arme fest umklammert.
Und er schrie:
„Schnell, Dorn! Lauf wie der Wind!“
Es war ungeschickt.
Es war laut.
Es war perfekt.
Dorn schoss los, als hätte er nur auf dieses Wort gewartet.
Der Wald raste vorbei.
Bork hörte Schreie.
Verfolgung.
Und dann - Schmerz.
Ein Dolch.
Geworfen mit Wut oder Können.
Traf Dorn hinter dem Flankenbogen.
Er wankte.
Aber fiel nicht.
Er lief weiter.
Stundenlang.
Nordwestwärts.
Durch Unterholz, über Wurzelwerk, über halb verwilderte Pfade, die kaum noch jemand kannte.
Erst als die Welt wieder still wurde - als die Vögel zurückkamen und der Himmel sich in Abendlicht färbte - erlaubte sich Bork eine Pause.
Sie fanden einen Bach.
Das Wasser war kühl und langsam.
Dorn trank.
Bork wusch das Blut ab.
Redete mit ihm.
Entschuldigte sich.
Flüsterte Versprechen, die größer waren als er selbst.
Dann setzte er sich.
Neben das Wasser.
Eine Hand an der Satteltasche.
Die andere an der Axt.
Noch nicht frei.
Noch nicht sicher.
Aber in Bewegung.
Und das war, für Bork, näher an Freiheit
als alles, was er seit langem gespürt hatte.

Sie schickten drei.
Nicht einen. Nicht zwei.
Drei Männer, um einem beim Holzschlagen zuzusehen.
Duran.
Sturmwacht.
Und ein Wachtmeister, der roch wie frisch gebügelte Befehle.
Drei Paar Augen - und ein schweres Eisen an Borks Knöchel, so schwer wie Schuld.
Eine Axt gaben sie ihm.
Als wär’s ein Geschenk. Obwohls seine eigene war.
Und Dorn - sein Pferd - stand angebunden dabei, wie ein Packesel, nicht wie ein Gefährte.
Aber das war’s. Der einzige Funken von Vertrauen in diesem ganzen Aufgebot.
Der Wald war feucht vom Morgen.
Die Rinde splitterte wie alte Narben, und die Vögel waren höflich genug, nichts zu sagen.
Bork arbeitete.
Baum für Baum.
Jeder Hieb lauter als sein Herzschlag.
Jeder Schnitt ein Schritt in eine Richtung, die noch keinen Namen hatte.
Dann kam der Plan.
Einfach. Wahnsinnig.
Sehr Bork.
Er bewegte sich von Stamm zu Stamm.
Langsam. So, als würde er nach der perfekten Faser suchen.
Immer ein Stück weiter.
Richtung Waldrand.
Richtung Unachtsamkeit.
Er wartete.
Auf Stimmen. Auf ein Lachen.
Auf einen Moment, in dem alle Welt für einen Atemzug unscharf wird.
Dann - Bewegung.
Die Eisenkugel - schwer wie Reue - landete in Dorns Satteltasche.
Dazu ein paar Holzstücke. Nicht zu viele. Gerade genug, damit’s glaubwürdig aussieht.
Bork streichelte Dorns Hals.
Flüsterte etwas.
Etwas, das nur ein Narr oder ein Freund sagen würde.
Mit einem Sprung war er auf dem Rücken des Pferdes.
Bauch nach unten, Arme fest umklammert.
Und er schrie:
„Schnell, Dorn! Lauf wie der Wind!“
Es war ungeschickt.
Es war laut.
Es war perfekt.
Dorn schoss los, als hätte er nur auf dieses Wort gewartet.
Der Wald raste vorbei.
Bork hörte Schreie.
Verfolgung.
Und dann - Schmerz.
Ein Dolch.
Geworfen mit Wut oder Können.
Traf Dorn hinter dem Flankenbogen.
Er wankte.
Aber fiel nicht.
Er lief weiter.
Stundenlang.
Nordwestwärts.
Durch Unterholz, über Wurzelwerk, über halb verwilderte Pfade, die kaum noch jemand kannte.
Erst als die Welt wieder still wurde - als die Vögel zurückkamen und der Himmel sich in Abendlicht färbte - erlaubte sich Bork eine Pause.
Sie fanden einen Bach.
Das Wasser war kühl und langsam.
Dorn trank.
Bork wusch das Blut ab.
Redete mit ihm.
Entschuldigte sich.
Flüsterte Versprechen, die größer waren als er selbst.
Dann setzte er sich.
Neben das Wasser.
Eine Hand an der Satteltasche.
Die andere an der Axt.
Noch nicht frei.
Noch nicht sicher.
Aber in Bewegung.
Und das war, für Bork, näher an Freiheit
als alles, was er seit langem gespürt hatte.

Zuletzt geändert von Tarin Voss am Freitag 25. April 2025, 18:42, insgesamt 5-mal geändert.
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Tarin Voss
Seitn 30 - Neuanfang
Hab wieder’n Buch. Geklaut. War einfach da, in so ner alten Fischerhütte. Hat nach Fisch und alter Tinte gerochen. Passt.
Weiß nich mehr, wo ich beim alten Buch aufgehört hab. Also fang ich hier bei Seitn 30 an.
Heut war viel. Zu viel vielleicht.
Erst mal - die Kugel.
Hab die Axt genommen, richtig reingeschlagen. Hat gedauert. Hat vibriert bis in die Knochen. Aber dann - Kette durch.
Hab die blöde Kugel in den Fluss geworfen. Schönen Flug hat sie gemacht.
Am Bein hängt noch der Ring und’n Stück Kette.
Hab Schilf geflochten, drumrum gebunden, sonst schabt mir das Eisen das Bein weg.
Tut trotzdem weh.
Grün und blau. Und blutig.
Aber besser als’n Toter mit Kugel.
Dann war da das Lager. Strauchdiebe.
So wie ich früher.
Saßen da, tranken, haben nix mitgekriegt.
Ich war leise. Wie’n Windhauch.
Hab Klamotten genommen. Und’n Bogen.
Guter Bogen. Bisschen krumm vielleicht, aber besser als nix.
Keiner hat mich gesehen.
Bork kann das noch.
Dann - Ragai. Immer wieder Ragai.. vielleicht verfolgt sie mich?
Hab sie fast übersehen, aber Dorn hat gewiehert, wie’n Kleiner.
Sie hat den Dorn verarztet. Hat gesagt, ich soll drei Tage nich reiten. Sonst bleibt der Schaden.
Mir egal, Hauptsache, Dorn bleibt.
Hat auch mich angeschaut.
Blut. Schürfwunden.
Ich hab gesagt, dass ich der Dieb war.
Der Strauchdieb bei Bajard.
Sie hat nur genickt.
Oder weggesehen.
Oder nix verstanden.
Vielleicht will sie's auch gar nicht wissen.
Hat mir’n Platz gezeigt.
Unterm Baum, nah am Fluss.
Trocken.
Windgeschützt.
Weit weg von Adorans Schlägern.
Gut zum Schlafen.
Und dann… hat sie was gesagt:
Sie will mir Haare abschneiden.
Damit sie sagen kann, sie hat „Bork“ tot gefunden.
Damit sie mich nicht mehr suchen.
Ich hab erst gelacht.
Dann nachgedacht.
Dann genickt.
Gut für mich.
Schlecht für sie, wenn's rauskommt.
Aber sie hat nur gesagt, sie kümmert sich.
Komische Welt. Komische Leute.
Hab ihr dann auch gesagt, dass ich Tarin heiße.
Tarin Voss.
Will nich mehr Bork sein.
Bork hat gestohlen, gelogen, gerannt.
Tarin…
Tarin vielleicht auch.
Aber Tarin will mehr als nur wegrennen.
Mal sehn, ob’s klappt.

Hab wieder’n Buch. Geklaut. War einfach da, in so ner alten Fischerhütte. Hat nach Fisch und alter Tinte gerochen. Passt.
Weiß nich mehr, wo ich beim alten Buch aufgehört hab. Also fang ich hier bei Seitn 30 an.
Heut war viel. Zu viel vielleicht.
Erst mal - die Kugel.
Hab die Axt genommen, richtig reingeschlagen. Hat gedauert. Hat vibriert bis in die Knochen. Aber dann - Kette durch.
Hab die blöde Kugel in den Fluss geworfen. Schönen Flug hat sie gemacht.
Am Bein hängt noch der Ring und’n Stück Kette.
Hab Schilf geflochten, drumrum gebunden, sonst schabt mir das Eisen das Bein weg.
Tut trotzdem weh.
Grün und blau. Und blutig.
Aber besser als’n Toter mit Kugel.
Dann war da das Lager. Strauchdiebe.
So wie ich früher.
Saßen da, tranken, haben nix mitgekriegt.
Ich war leise. Wie’n Windhauch.
Hab Klamotten genommen. Und’n Bogen.
Guter Bogen. Bisschen krumm vielleicht, aber besser als nix.
Keiner hat mich gesehen.
Bork kann das noch.
Dann - Ragai. Immer wieder Ragai.. vielleicht verfolgt sie mich?
Hab sie fast übersehen, aber Dorn hat gewiehert, wie’n Kleiner.
Sie hat den Dorn verarztet. Hat gesagt, ich soll drei Tage nich reiten. Sonst bleibt der Schaden.
Mir egal, Hauptsache, Dorn bleibt.
Hat auch mich angeschaut.
Blut. Schürfwunden.
Ich hab gesagt, dass ich der Dieb war.
Der Strauchdieb bei Bajard.
Sie hat nur genickt.
Oder weggesehen.
Oder nix verstanden.
Vielleicht will sie's auch gar nicht wissen.
Hat mir’n Platz gezeigt.
Unterm Baum, nah am Fluss.
Trocken.
Windgeschützt.
Weit weg von Adorans Schlägern.
Gut zum Schlafen.
Und dann… hat sie was gesagt:
Sie will mir Haare abschneiden.
Damit sie sagen kann, sie hat „Bork“ tot gefunden.
Damit sie mich nicht mehr suchen.
Ich hab erst gelacht.
Dann nachgedacht.
Dann genickt.
Gut für mich.
Schlecht für sie, wenn's rauskommt.
Aber sie hat nur gesagt, sie kümmert sich.
Komische Welt. Komische Leute.
Hab ihr dann auch gesagt, dass ich Tarin heiße.
Tarin Voss.
Will nich mehr Bork sein.
Bork hat gestohlen, gelogen, gerannt.
Tarin…
Tarin vielleicht auch.
Aber Tarin will mehr als nur wegrennen.
Mal sehn, ob’s klappt.
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Tarin Voss
Seitn 31 - Zuckerspeis und Weiberwirrwarr
Heut is viel passiert.
So viel, dass ich nich weiß, wo ich anfangen soll.
War jagen. Richtig gut diesmal.
Paar fette Hasen, zwei Rebhühner.
Das wird’n guter Tag, dacht ich.
Sitz bei meiner alten Mühle, wo kein Schwein mehr wohnt, hock da, nehm die Viecher aus.
Dann kommt Ragai.
Bringt Zuckerspeisen. Und Münzen.
Einfach so.
Warum?
Ist die verknallt in mich?
Oder spinnt sie?
Weiß nich.
Kaum dacht ich noch drüber nach - kippt sie um.
Plumps.
Wie'n Sack Kartoffeln.
Ohne Pfeil im Aug. Ohne Schrei. Einfach… weg.
Ich hab sie geschüttelt. Gerufen. Geschüttelt.
Nix.
Wie’n Stein.
Und dann kamen sie.
Erst eine - Rosa Kleid, blondes Haar, hübsch wie die Huren von den Reichen.
Dann noch eine - Lederrüstung, nur die Augen zu sehn… und der Arsch.
Der war... herrlich.
Haben Ragai wieder hochgekriegt. Mit so nem Zeug unter der Nase, das stinkt wie alter Tod.
Sie hat sich gewälzt, geächzt - und ihre Börse is ihr vom Gurt gerutscht.
Durch'n Zaun. Ins Wasser.
Hab geguckt. Aber nich zugegriffen.
Bin ja kein Monster.
Heute nicht.
Ragai is dann abgehauen.
Hat gesagt, die beiden sollen mir neue Klamotten geben.
Ich dacht erst, besser nich. Gefährlich vielleicht.
Aber wenn Ragai das sagt...
Bin dann doch mit.
Aber nochmal umgedreht.
Hab nach der Börse gefischt.
Wasser war nich tief.
Gleich war sie an meinem Gurt.
Wer’s findet, dem gehörts, oder?
Haus war riesig. Wie’n Palast.
Drinnen riecht's nach Zeug, das ich nich aussprechen kann.
Beide Weiber sahn gut aus.
Zu gut.
Irgendwas stimmt da nich.
Die Blonde - Vic hat sie geheißen - sagt, sie dient dem Raben.
Dem Rabengott.
Dem, der die Seelen frisst.
Wenn das stimmt… bin ich bald tot.
Die andere - Christine - sagt, sie hat Kinder.
Meint aber ihre Messer damit.
Na herrlich.
Haben mich in’n Keller gesteckt.
Ins Bad.
Wasser bis zu den Knien.
Hab mich geschrubbt wie'n alter Kochtopf.
Dann hat Christine mit'nem Dietrich die Kette vom Bein abgemacht.
War’n schönes Geräusch, sag ich dir.
Wie’n Lied.
Neue Klamotten gabs dann auch.
Passen sogar.
Wollten mir Tee geben.
War aber Schnaps.
Was'n Glück.
Zum Schluss ham sie mich noch in ein andres Haus geschleppt.
Da war 'ne Alte mit’n Kleid, das mehr zeigte als verdeckte.
Sarah hieß sie.
Schlitz im Kleid.. Bein ganz heraus.
Ausschnitt bis fast zum Bauchnabel.
Die hat mir den Fuß eingewickelt.
Mit Tinktur und Verband.
Riecht wie nasser Hund, aber tut gut.
Heilt vielleicht.
Heute war'n guter Tag.
Oder’n verrückter.
Oder beides.

Heut is viel passiert.
So viel, dass ich nich weiß, wo ich anfangen soll.
War jagen. Richtig gut diesmal.
Paar fette Hasen, zwei Rebhühner.
Das wird’n guter Tag, dacht ich.
Sitz bei meiner alten Mühle, wo kein Schwein mehr wohnt, hock da, nehm die Viecher aus.
Dann kommt Ragai.
Bringt Zuckerspeisen. Und Münzen.
Einfach so.
Warum?
Ist die verknallt in mich?
Oder spinnt sie?
Weiß nich.
Kaum dacht ich noch drüber nach - kippt sie um.
Plumps.
Wie'n Sack Kartoffeln.
Ohne Pfeil im Aug. Ohne Schrei. Einfach… weg.
Ich hab sie geschüttelt. Gerufen. Geschüttelt.
Nix.
Wie’n Stein.
Und dann kamen sie.
Erst eine - Rosa Kleid, blondes Haar, hübsch wie die Huren von den Reichen.
Dann noch eine - Lederrüstung, nur die Augen zu sehn… und der Arsch.
Der war... herrlich.
Haben Ragai wieder hochgekriegt. Mit so nem Zeug unter der Nase, das stinkt wie alter Tod.
Sie hat sich gewälzt, geächzt - und ihre Börse is ihr vom Gurt gerutscht.
Durch'n Zaun. Ins Wasser.
Hab geguckt. Aber nich zugegriffen.
Bin ja kein Monster.
Heute nicht.
Ragai is dann abgehauen.
Hat gesagt, die beiden sollen mir neue Klamotten geben.
Ich dacht erst, besser nich. Gefährlich vielleicht.
Aber wenn Ragai das sagt...
Bin dann doch mit.
Aber nochmal umgedreht.
Hab nach der Börse gefischt.
Wasser war nich tief.
Gleich war sie an meinem Gurt.
Wer’s findet, dem gehörts, oder?
Haus war riesig. Wie’n Palast.
Drinnen riecht's nach Zeug, das ich nich aussprechen kann.
Beide Weiber sahn gut aus.
Zu gut.
Irgendwas stimmt da nich.
Die Blonde - Vic hat sie geheißen - sagt, sie dient dem Raben.
Dem Rabengott.
Dem, der die Seelen frisst.
Wenn das stimmt… bin ich bald tot.
Die andere - Christine - sagt, sie hat Kinder.
Meint aber ihre Messer damit.
Na herrlich.
Haben mich in’n Keller gesteckt.
Ins Bad.
Wasser bis zu den Knien.
Hab mich geschrubbt wie'n alter Kochtopf.
Dann hat Christine mit'nem Dietrich die Kette vom Bein abgemacht.
War’n schönes Geräusch, sag ich dir.
Wie’n Lied.
Neue Klamotten gabs dann auch.
Passen sogar.
Wollten mir Tee geben.
War aber Schnaps.
Was'n Glück.
Zum Schluss ham sie mich noch in ein andres Haus geschleppt.
Da war 'ne Alte mit’n Kleid, das mehr zeigte als verdeckte.
Sarah hieß sie.
Schlitz im Kleid.. Bein ganz heraus.
Ausschnitt bis fast zum Bauchnabel.
Die hat mir den Fuß eingewickelt.
Mit Tinktur und Verband.
Riecht wie nasser Hund, aber tut gut.
Heilt vielleicht.
Heute war'n guter Tag.
Oder’n verrückter.
Oder beides.
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Tarin Voss
Seitn 32 - Lauch
War heut unterwegs im Wald.
Wollt nur Holz sammeln, vielleicht n Hase, nix Großes.
Dann hab ich’s gehört.
Ein Winseln, leise.
Nich so’n großes Jaulen, eher wie’n Kratzen in der Luft.
Bin hingegangen.
Hab ihn gesehn.
Ein Hund.
Weißgrau, dürr wie’n alter Besen.
Verfangen in so ner Schlinge, wie die Jäger sie legen.
Konnte sich kaum rühren, aber die Augen - die waren wach.
Schlau.
So’n Blick… wie meiner vielleicht.
Hab mich rangeschlichen, langsam.
Wollt nich, dass er noch beißt.
Aber er hat nur geguckt.
Still.
Wach.
Kein Knurren.
Hab die Schlinge durchgehackt.
Er is aufgestanden, gewankt wie’n Betrunkener.
Dann is er einfach mitgelaufen.
Keine Kette. Kein Halsband. Nur Knochen und Wille.
Jetzt liegt er hier.
Am Feuer.
Neben Dorn.
Dorn mag ihn auch.
Hat geschnuppert, einmal mit’m Huf gescharrt - dann war gut.
Und ich?
Ich hab ihn Lauch genannt.
Wegen der Gräfin.
Erlauch oder so.
Passt doch, oder?
Dünn. Zäh. Und irgendwie zu schade zum Wegwerfen.
Der Hund schläft jetzt.
Eingerollt wie’n alter Sack.
Atmet leise.
Weiß nich, ob er bleibt.
Oder ob er wieder geht, wenn er Kraft hat.
Ist mir auch egal.
Heute is er da.
Lauch.
Mein Hund jetzt.


War heut unterwegs im Wald.
Wollt nur Holz sammeln, vielleicht n Hase, nix Großes.
Dann hab ich’s gehört.
Ein Winseln, leise.
Nich so’n großes Jaulen, eher wie’n Kratzen in der Luft.
Bin hingegangen.
Hab ihn gesehn.
Ein Hund.
Weißgrau, dürr wie’n alter Besen.
Verfangen in so ner Schlinge, wie die Jäger sie legen.
Konnte sich kaum rühren, aber die Augen - die waren wach.
Schlau.
So’n Blick… wie meiner vielleicht.
Hab mich rangeschlichen, langsam.
Wollt nich, dass er noch beißt.
Aber er hat nur geguckt.
Still.
Wach.
Kein Knurren.
Hab die Schlinge durchgehackt.
Er is aufgestanden, gewankt wie’n Betrunkener.
Dann is er einfach mitgelaufen.
Keine Kette. Kein Halsband. Nur Knochen und Wille.
Jetzt liegt er hier.
Am Feuer.
Neben Dorn.
Dorn mag ihn auch.
Hat geschnuppert, einmal mit’m Huf gescharrt - dann war gut.
Und ich?
Ich hab ihn Lauch genannt.
Wegen der Gräfin.
Erlauch oder so.
Passt doch, oder?
Dünn. Zäh. Und irgendwie zu schade zum Wegwerfen.
Der Hund schläft jetzt.
Eingerollt wie’n alter Sack.
Atmet leise.
Weiß nich, ob er bleibt.
Oder ob er wieder geht, wenn er Kraft hat.
Ist mir auch egal.
Heute is er da.
Lauch.
Mein Hund jetzt.

Zuletzt geändert von Tarin Voss am Montag 28. April 2025, 00:24, insgesamt 1-mal geändert.
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Tarin Voss
Seitn 34 – Schwarzes Glas
Heut war seltsam.
Und irgendwie… gut.
Wollt nur auf'm Markt rumlungern.
Vielleicht 'n Messer finden. Oder'n Stück Speck.
Nix Besonderes.
Aber dann standen sie da.
Zwei Rashar.
Fell glänzend im Licht, Augen scharf wie Pfeilspitzen.
Bewegten sich wie Schatten im Feuerrauch.
Rakschnackna und Schuhrina, nannten sie sich.
Oder so ähnlich.
Klang wie’n Stein, den man über’n See schubst.
Redeten auch anders.
Kein normales Quatschen.
Mehr'n Knurren.
Tief, rauh.
Wie wenn Steine auf Steinen reiben.
Worte, die mehr bellen als singen.
Auf'm Stand lag ein Schwert.
Neu.
Wunderbar.
Nicht aus Stahl.
Nicht aus Eisen.
Sah aus wie'n scharfer Stein.
Schwarz wie eine Nacht ohne Sterne.
Glänzend wie nasser Stein am Fluss.
Als ob das Feuer selbst drin gefangen wär.
Ich dachte erst, es wär stumpf.
Weil: Wer stellt sowas aus und sagt, man kann's nich haben?
Hab geboten.
Zwei Hasen.
Acht Wachteln.
Gutes Fleisch.
Frisch.
Aber sie knurrten nur leise, wie Gewitter über'm Gebirg.
Verstanden hab ich kaum was.
Nur, dass sie sagten, das Schwert wär Kunst.
Nicht zum Kämpfen.
Nur zum Sehen.
Und dass, wenn ich es wirklich will,
ich in 'nen Vulkan steigen muss.
Oder sowas.
Ein Vulkan.
Mitten im Wald.
Hab'n wohl zuviel gesoff'n.
Hab dann genickt, wie ich’s immer mach, wenn ich nix kapiere.
Und bin weiter.
Aber das Schwert...
Das Bild davon brennt sich ein.
Ist immer noch da, wenn ich die Augen zu mach.
Vielleicht...
Vielleicht muss ich doch diesen Vulkan finden.
Oder was auch immer das heiß'n soll.
Vielleicht war’s kein Zufall.
-Bork

Heut war seltsam.
Und irgendwie… gut.
Wollt nur auf'm Markt rumlungern.
Vielleicht 'n Messer finden. Oder'n Stück Speck.
Nix Besonderes.
Aber dann standen sie da.
Zwei Rashar.
Fell glänzend im Licht, Augen scharf wie Pfeilspitzen.
Bewegten sich wie Schatten im Feuerrauch.
Rakschnackna und Schuhrina, nannten sie sich.
Oder so ähnlich.
Klang wie’n Stein, den man über’n See schubst.
Redeten auch anders.
Kein normales Quatschen.
Mehr'n Knurren.
Tief, rauh.
Wie wenn Steine auf Steinen reiben.
Worte, die mehr bellen als singen.
Auf'm Stand lag ein Schwert.
Neu.
Wunderbar.
Nicht aus Stahl.
Nicht aus Eisen.
Sah aus wie'n scharfer Stein.
Schwarz wie eine Nacht ohne Sterne.
Glänzend wie nasser Stein am Fluss.
Als ob das Feuer selbst drin gefangen wär.
Ich dachte erst, es wär stumpf.
Weil: Wer stellt sowas aus und sagt, man kann's nich haben?
Hab geboten.
Zwei Hasen.
Acht Wachteln.
Gutes Fleisch.
Frisch.
Aber sie knurrten nur leise, wie Gewitter über'm Gebirg.
Verstanden hab ich kaum was.
Nur, dass sie sagten, das Schwert wär Kunst.
Nicht zum Kämpfen.
Nur zum Sehen.
Und dass, wenn ich es wirklich will,
ich in 'nen Vulkan steigen muss.
Oder sowas.
Ein Vulkan.
Mitten im Wald.
Hab'n wohl zuviel gesoff'n.
Hab dann genickt, wie ich’s immer mach, wenn ich nix kapiere.
Und bin weiter.
Aber das Schwert...
Das Bild davon brennt sich ein.
Ist immer noch da, wenn ich die Augen zu mach.
Vielleicht...
Vielleicht muss ich doch diesen Vulkan finden.
Oder was auch immer das heiß'n soll.
Vielleicht war’s kein Zufall.
Zuletzt geändert von Tarin Voss am Montag 28. April 2025, 22:21, insgesamt 2-mal geändert.
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Tarin Voss
Seitn 35 - Brauch Leder
Alte Sachen taugen nix mehr.
Zerrissen.
Stinken.
Und wenn ich mich bück, sieht man zu viel.
Ich brauch was, das hält.
Nich hübsch. Nur fest.
Was, das'n Messer abhält. Oder'n Dorn.
Leder halt.
Also hab ich Pergament geklaut.
Oder gefunden.
Ist ja egal.
Hab was draufgeschrieben. So in etwa:
„Brauch Lederzeug. Zum Tragen. Zum Halten.
Kein Glanz, kein Gold.
Nur was, das schützt.
Zahle mit Hasen oder Arbeit oder was dazwischen.“
Hab's hingehängt.
Taverne. Baum. Markt.
Bei 'nem Bäcker auch. Der hatte Platz.
Leute haben geguckt.
Einer hat gekichert.
Hab ihn angestarrt, bis er weggeschaut hat.
Weiß nicht, ob wer kommt.
Aber wenn keiner kommt, näh ich’s halt selbst.
Mit Zähneknirschen und zu viel Faden.
Und dann sieht's scheiße aus - aber es hält.
Vielleicht.

Alte Sachen taugen nix mehr.
Zerrissen.
Stinken.
Und wenn ich mich bück, sieht man zu viel.
Ich brauch was, das hält.
Nich hübsch. Nur fest.
Was, das'n Messer abhält. Oder'n Dorn.
Leder halt.
Also hab ich Pergament geklaut.
Oder gefunden.
Ist ja egal.
Hab was draufgeschrieben. So in etwa:
„Brauch Lederzeug. Zum Tragen. Zum Halten.
Kein Glanz, kein Gold.
Nur was, das schützt.
Zahle mit Hasen oder Arbeit oder was dazwischen.“
Hab's hingehängt.
Taverne. Baum. Markt.
Bei 'nem Bäcker auch. Der hatte Platz.
Leute haben geguckt.
Einer hat gekichert.
Hab ihn angestarrt, bis er weggeschaut hat.
Weiß nicht, ob wer kommt.
Aber wenn keiner kommt, näh ich’s halt selbst.
Mit Zähneknirschen und zu viel Faden.
Und dann sieht's scheiße aus - aber es hält.
Vielleicht.
Zuletzt geändert von Tarin Voss am Freitag 2. Mai 2025, 13:42, insgesamt 1-mal geändert.
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Tarin Voss
Seitn 36 - Neue Sachen, neue Last
War heut in Bajard.
Wollt nur was beim Schmied holen.
Ne Beil vielleicht. Oder’n paar Dietriche.
Nix Großes.
Und dann war da Ragai.
Mit’m Kerl - Arno heißt er.
Scheint ihr Macker zu sein.
Redet ruhig. Guckt komisch.
Nich feindlich. Aber so, als würd er dich gleich durchschauen.
Irgendwie kam eins zum andern.
Er wussten von mir.
Von dem, was war.
Kerker. Regiment. Alles.
Sagt ich hätt ihn Mal ausgeraubt...
Wüsste ich doch?
Und dann sagen sie:
„Wir machen was draus.“
Sie reden von Plänen.
Von sauberem Ruf.
Von… Exonerdings.
Also, dass ich vielleicht rauskomme aus dem Dreck.
Ich hab nur genickt.
Versteh nich alles, aber wenn Ragai dabei ist, kann’s nich ganz schlecht sein.
Haben mir was gegeben.
Kleidung.
Lederzeug. Ne richtige Rüstung.
Sitzt gut. Riecht noch neu.
Und Münzen.
Nicht viel, aber reicht.
Für Brot. Oder Seil. Oder was man halt so braucht.
Angeblich soll ich jetzt für Arno arbeiten.
Weiß noch nich, was das heißt.
Will kein Diener sein. Kein Hofhund.
Aber wenn’s hilft…
Wenn’s mich rausbringt aus dem Mist…
Dann beiß ich halt die Zähne zusammen.
Is besser als wieder kaltes Wasser in der Zelle.
Und wer weiß…
Vielleicht ist das ja der Anfang von was anderem.

War heut in Bajard.
Wollt nur was beim Schmied holen.
Ne Beil vielleicht. Oder’n paar Dietriche.
Nix Großes.
Und dann war da Ragai.
Mit’m Kerl - Arno heißt er.
Scheint ihr Macker zu sein.
Redet ruhig. Guckt komisch.
Nich feindlich. Aber so, als würd er dich gleich durchschauen.
Irgendwie kam eins zum andern.
Er wussten von mir.
Von dem, was war.
Kerker. Regiment. Alles.
Sagt ich hätt ihn Mal ausgeraubt...
Wüsste ich doch?
Und dann sagen sie:
„Wir machen was draus.“
Sie reden von Plänen.
Von sauberem Ruf.
Von… Exonerdings.
Also, dass ich vielleicht rauskomme aus dem Dreck.
Ich hab nur genickt.
Versteh nich alles, aber wenn Ragai dabei ist, kann’s nich ganz schlecht sein.
Haben mir was gegeben.
Kleidung.
Lederzeug. Ne richtige Rüstung.
Sitzt gut. Riecht noch neu.
Und Münzen.
Nicht viel, aber reicht.
Für Brot. Oder Seil. Oder was man halt so braucht.
Angeblich soll ich jetzt für Arno arbeiten.
Weiß noch nich, was das heißt.
Will kein Diener sein. Kein Hofhund.
Aber wenn’s hilft…
Wenn’s mich rausbringt aus dem Mist…
Dann beiß ich halt die Zähne zusammen.
Is besser als wieder kaltes Wasser in der Zelle.
Und wer weiß…
Vielleicht ist das ja der Anfang von was anderem.
Zuletzt geändert von Tarin Voss am Samstag 3. Mai 2025, 15:42, insgesamt 3-mal geändert.
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Tarin Voss
Seitn 37 - Wucher-Korthon und eine Schau
War heut in Rahal.
Wollt nur’n Dolch holen.
Nix Großes.
Was zum Werfen. Oder für den Gürtel.
Bin zum alten Korthon.
Schmied, knochig wie’n Ast, rußig bis in die Augenbrauen.
Redet wie’n Amboss - kurz und hart.
Hab mir’n Dolch angeschaut.
Gut gemacht.
Einfach.
Aber dann sagt er den Preis...
Ich dacht, ich hab mich verhört.
Wucher.
Ich schau ihn an, wollt grad fluchen -
da sagt er:
„Heerschau kommt. Hier im Reich.
Viel Bewegung. Viel Marsch.
Vielleicht gibts was zu holen... Dort im Osten.“
Ich hab nix gesagt.
Aber innerlich…
Wenn die in den Osten ziehen…
und ich dazwischen bin…
vielleicht seh ich Duran wieder.
Vielleicht krieg ich mein Buch zurück.
Mein Buch... Borks Buch...
Das sie mir geklaut haben.
Meine Seiten.
Mein Kopf.
Meine Gedanken.
Ich hab den Dolch gekauft.
Teuer.
Aber liegt gut in der Hand.
Scharf.
Klar.
Wie mein Ziel.
Heerschau also.
Nicht aus Ehre.
Nicht für’n Banner.
Für mich.
Für das Buch.
Und vielleicht… für’n sauberen Schnitt.

War heut in Rahal.
Wollt nur’n Dolch holen.
Nix Großes.
Was zum Werfen. Oder für den Gürtel.
Bin zum alten Korthon.
Schmied, knochig wie’n Ast, rußig bis in die Augenbrauen.
Redet wie’n Amboss - kurz und hart.
Hab mir’n Dolch angeschaut.
Gut gemacht.
Einfach.
Aber dann sagt er den Preis...
Ich dacht, ich hab mich verhört.
Wucher.
Ich schau ihn an, wollt grad fluchen -
da sagt er:
„Heerschau kommt. Hier im Reich.
Viel Bewegung. Viel Marsch.
Vielleicht gibts was zu holen... Dort im Osten.“
Ich hab nix gesagt.
Aber innerlich…
Wenn die in den Osten ziehen…
und ich dazwischen bin…
vielleicht seh ich Duran wieder.
Vielleicht krieg ich mein Buch zurück.
Mein Buch... Borks Buch...
Das sie mir geklaut haben.
Meine Seiten.
Mein Kopf.
Meine Gedanken.
Ich hab den Dolch gekauft.
Teuer.
Aber liegt gut in der Hand.
Scharf.
Klar.
Wie mein Ziel.
Heerschau also.
Nicht aus Ehre.
Nicht für’n Banner.
Für mich.
Für das Buch.
Und vielleicht… für’n sauberen Schnitt.
-
Tarin Voss
Seitn 38 – Messe, Macht und Missverstandenes
War auf ’ner Messe heut.
Wegen Paia.
So hab ich’s verstanden:
Paia war mit Alatar, und dann ham sie zusammen ’n Kind gekriegt -
Ahamani oder so.
Oder war das andersrum?
Egal.
Ich wollt reden.
Wegen der Heerschau.
Hab da so'n Kerl von der Legion gesehen, mit Rüstung und wichtigem Blick.
Bin hin, hab gefragt.
Aber der hat mich angeguckt wie’n Stein.
Entweder hat er nix kapiert, oder wollte nich.
Oder beides.
Die andern Leut auch.
Alle wie mit Stock im Hintern.
Reden steif, gucken steif, atmen wahrscheinlich auch steif.
Nich meins.
Ich wollt eigentlich schon wieder gehn.
Und dann…
Kam das Gefühl.
Nich von außen.
Von innen.
Erst kalt.
Wie Schnee im Nacken.
Dann heiß.
Wie Glut in der Brust.
Ich stand da, zwischen all den Leuten,
und auf einmal war’s, als hätt mich was mit’m Finger angerührt.
Wie’n Priester... oder’n Gott.
Oder irgendwas dazwischen.
Hunger kam hoch.
Nach Kraft.
Nach Einfluss.
Zorn auch.
Sehnsucht.
Wie wenn alles, was ich jemals wollt,
plötzlich aufwacht und brüllt.
Ich hab nix gesagt.
Nur gestanden.
Nur gespürt.
Später gab’s Spiel und Gesang.
Irgendwas über Alatar, seine Heldentaten, sein Zeug.
Ich weiß nicht warum -
aber ich konnt nicht weggucken.
Hat mich gepackt.
Alles.
Ton. Wort. Licht.
Wie’n Rausch.
Bin dann gegangen.
Langsam.
Im Bauch noch immer das Ziehen.
Nich schlecht.
Nich gut.
Nur stark.
Vielleicht... zu stark.

War auf ’ner Messe heut.
Wegen Paia.
So hab ich’s verstanden:
Paia war mit Alatar, und dann ham sie zusammen ’n Kind gekriegt -
Ahamani oder so.
Oder war das andersrum?
Egal.
Ich wollt reden.
Wegen der Heerschau.
Hab da so'n Kerl von der Legion gesehen, mit Rüstung und wichtigem Blick.
Bin hin, hab gefragt.
Aber der hat mich angeguckt wie’n Stein.
Entweder hat er nix kapiert, oder wollte nich.
Oder beides.
Die andern Leut auch.
Alle wie mit Stock im Hintern.
Reden steif, gucken steif, atmen wahrscheinlich auch steif.
Nich meins.
Ich wollt eigentlich schon wieder gehn.
Und dann…
Kam das Gefühl.
Nich von außen.
Von innen.
Erst kalt.
Wie Schnee im Nacken.
Dann heiß.
Wie Glut in der Brust.
Ich stand da, zwischen all den Leuten,
und auf einmal war’s, als hätt mich was mit’m Finger angerührt.
Wie’n Priester... oder’n Gott.
Oder irgendwas dazwischen.
Hunger kam hoch.
Nach Kraft.
Nach Einfluss.
Zorn auch.
Sehnsucht.
Wie wenn alles, was ich jemals wollt,
plötzlich aufwacht und brüllt.
Ich hab nix gesagt.
Nur gestanden.
Nur gespürt.
Später gab’s Spiel und Gesang.
Irgendwas über Alatar, seine Heldentaten, sein Zeug.
Ich weiß nicht warum -
aber ich konnt nicht weggucken.
Hat mich gepackt.
Alles.
Ton. Wort. Licht.
Wie’n Rausch.
Bin dann gegangen.
Langsam.
Im Bauch noch immer das Ziehen.
Nich schlecht.
Nich gut.
Nur stark.
Vielleicht... zu stark.
-
Tarin Voss
Seitn 39 - Knecht bin ich keiner
War heut bei der Legion.
Wollt endlich wissen, wie das läuft mit der Heerschau.
Ob man mitlaufen kann.
Ob da Ostler dabei sind.
Ob vielleicht… mein Buch dabei ist.
Hab Jynela getroffen.
Hauptmann, hat sie gesagt.
Aber… is ’ne Frau.
Hauptmann? Frau?
Komisch.
Aber gut, reden kann sie.
Hat gesagt, wenn ich was mit den Ostlern zu begleichen hab,
dann soll ich mich melden.
Bei der Legion.
Landsknecht soll ich werden.
Hab gleich gesagt, ich bin kein Knecht.
Nie gewesen.
Will nie einer sein.
Aber Münzen gibt’s - schon von Anfang an.
Das klang gut.
Dann kam der Haken:
Ich brauch’n Brief.
So'n richtig offizieller.
Mit Namen.
Und Siegel.
Kann ich nich selbst schreiben.
Muss erst Unterricht kriegen.
Recht und Gesetz und sowas.
Dann muss ich zum Stadthalter.
Der macht dann den Brief.
Wenn er will.
Wenn er mich mag.
Klingt alles kompliziert.
Zu kompliziert?
Ich weiß nich.
Vielleicht is das der Weg zum Buch.
Dann mach ich eben diesen Unterricht.
Und hol mir den Brief.
Nicht weil ich’s will.
Aber sonst ist Bork immer noch hier draußen.
Solang das Buch nicht zurück ist,
bin ich’s auch nicht.

War heut bei der Legion.
Wollt endlich wissen, wie das läuft mit der Heerschau.
Ob man mitlaufen kann.
Ob da Ostler dabei sind.
Ob vielleicht… mein Buch dabei ist.
Hab Jynela getroffen.
Hauptmann, hat sie gesagt.
Aber… is ’ne Frau.
Hauptmann? Frau?
Komisch.
Aber gut, reden kann sie.
Hat gesagt, wenn ich was mit den Ostlern zu begleichen hab,
dann soll ich mich melden.
Bei der Legion.
Landsknecht soll ich werden.
Hab gleich gesagt, ich bin kein Knecht.
Nie gewesen.
Will nie einer sein.
Aber Münzen gibt’s - schon von Anfang an.
Das klang gut.
Dann kam der Haken:
Ich brauch’n Brief.
So'n richtig offizieller.
Mit Namen.
Und Siegel.
Kann ich nich selbst schreiben.
Muss erst Unterricht kriegen.
Recht und Gesetz und sowas.
Dann muss ich zum Stadthalter.
Der macht dann den Brief.
Wenn er will.
Wenn er mich mag.
Klingt alles kompliziert.
Zu kompliziert?
Ich weiß nich.
Vielleicht is das der Weg zum Buch.
Dann mach ich eben diesen Unterricht.
Und hol mir den Brief.
Nicht weil ich’s will.
Aber sonst ist Bork immer noch hier draußen.
Solang das Buch nicht zurück ist,
bin ich’s auch nicht.
-
Tarin Voss
Seitn 40 – Mein erster Pfeil
Heut war Heerschau.
Richtig ernst.
Kein Marschieren mit Fähnchen.
Wir sind heimlich los.
Von Rahal aus.
Angriff.
Geplant.
Gelenkt.
Hab kaum was verstanden, aber bin mit.
Erste Wachen gefunden.
Stehn da rum, blaues Kleid, goldene Rüstung.
Wie’n Bild ausm Tempel.
Ich nehm den Bogen,
zieh die Sehne…
Und schieß.
Mein erster Pfeil.
In’n Menschen.
War keine Übung.
War echt.
Pfeil blieb drin.
Steckte schön.
Aber der Kerl hat weitergeatmet.
Bis die Rashari kam.
Und ihm den Kopf abgeschlagen hat.
Dann war er still.
War’n komisches Gefühl.
Nicht schlecht.
Nicht gut.
Nur… anders.
Dann stürmen wir ’nen Turm.
Da war so ne Glocke. Die ham sie geläutert, wie bei ner Hochzeit.
Drin war Wache.
Drei von uns rein - ich und zwei von der Legion.
Die eine sah wichtig aus.
Wie'n Ritter oder sowas.
Rot und Schwarz, mit'm Wappen.
Als wir drin waren, ging’s schnell.
Dolch raus ausm Gurt, rein in den Kerl.
Stille.
Aber dann -
seh ich, wie die Wichtige auf’n Boden klatscht.
Hat er sie erwischt. Wie? Keine Ahnung.
Hab’s nich gesehen.
Wir hab'n den Kerl erwischt,
und er sie?
Lag da. Atmete komisch.
Hab Wasser über sie geschüttet.
Wurde wach.
Hat mich angeschaut, als hätt ich ihr’n Sack Gold gegeben.
Dann weiter.
Kaluren.
Kleine Kerle, große Äxte.
Kam’n aus der Ecke wie Hornissen.
Einer hat mich in die Brust getroffen.
Kurz war alles schwarz.
Luft weg.
Aber ich steh noch.
Und er liegt.
Wegen den Blau'n aus'm Axt Horn.
Tief musste der Kalur' ja nich fallen -
die fangen ja eh schon unten an.
Später ham wir 'ne Burg eingenommen.
Richtig mit Fahne und alles.
Ich hab die erste Wache übernommen.
Witzig, weil der Ardhar vorher noch auf die Königsstatue gestrullt hat.
War laut, war blutig.
Und ich hab noch alle Finger.
Reicht fürs Erste.

Heut war Heerschau.
Richtig ernst.
Kein Marschieren mit Fähnchen.
Wir sind heimlich los.
Von Rahal aus.
Angriff.
Geplant.
Gelenkt.
Hab kaum was verstanden, aber bin mit.
Erste Wachen gefunden.
Stehn da rum, blaues Kleid, goldene Rüstung.
Wie’n Bild ausm Tempel.
Ich nehm den Bogen,
zieh die Sehne…
Und schieß.
Mein erster Pfeil.
In’n Menschen.
War keine Übung.
War echt.
Pfeil blieb drin.
Steckte schön.
Aber der Kerl hat weitergeatmet.
Bis die Rashari kam.
Und ihm den Kopf abgeschlagen hat.
Dann war er still.
War’n komisches Gefühl.
Nicht schlecht.
Nicht gut.
Nur… anders.
Dann stürmen wir ’nen Turm.
Da war so ne Glocke. Die ham sie geläutert, wie bei ner Hochzeit.
Drin war Wache.
Drei von uns rein - ich und zwei von der Legion.
Die eine sah wichtig aus.
Wie'n Ritter oder sowas.
Rot und Schwarz, mit'm Wappen.
Als wir drin waren, ging’s schnell.
Dolch raus ausm Gurt, rein in den Kerl.
Stille.
Aber dann -
seh ich, wie die Wichtige auf’n Boden klatscht.
Hat er sie erwischt. Wie? Keine Ahnung.
Hab’s nich gesehen.
Wir hab'n den Kerl erwischt,
und er sie?
Lag da. Atmete komisch.
Hab Wasser über sie geschüttet.
Wurde wach.
Hat mich angeschaut, als hätt ich ihr’n Sack Gold gegeben.
Dann weiter.
Kaluren.
Kleine Kerle, große Äxte.
Kam’n aus der Ecke wie Hornissen.
Einer hat mich in die Brust getroffen.
Kurz war alles schwarz.
Luft weg.
Aber ich steh noch.
Und er liegt.
Wegen den Blau'n aus'm Axt Horn.
Tief musste der Kalur' ja nich fallen -
die fangen ja eh schon unten an.
Später ham wir 'ne Burg eingenommen.
Richtig mit Fahne und alles.
Ich hab die erste Wache übernommen.
Witzig, weil der Ardhar vorher noch auf die Königsstatue gestrullt hat.
War laut, war blutig.
Und ich hab noch alle Finger.
Reicht fürs Erste.
-
Tarin Voss
Seitn 41 - Nachts, wenn keiner schreit
Bin aufgewacht.
Mitten in der Nacht.
Keiner hat gerufen.
Kein Alarm. Kein Lärm.
Nur Schnarchen.
Überall.
Das ganze Lager atmet wie’n altes Tier.
Soldaten wie Säcke im Dreck.
Manche träumen, manche stinken, manche bluten im Schlaf.
Ich lag da.
Decke über der Schulter.
Dorn irgendwo draußen.
Lauch unterm Wagen.
Schweiß auf der Stirn.
Hemd klebt am Rücken.
Kalt.
Dann heiß.
Hab was geträumt.
Nicht viel.
Nur die zwei.
Der mit dem blauen Rock, wo mein Pfeil drin steckt.
Und der, in den ich den Dolch gesteckt hab.
Beide standen da.
Nicht wütend.
Nur da.
Haben geguckt.
Hab gefragt:
„Was wollt ihr?“
Aber keiner hat geantwortet.
Dann bin ich aufgewacht.
War nur’n Traum.
Aber ich frag mich:
Bin ich das?
Der, der da steht mit Bogen und Dolch und sagt: „Jetzt du.“?
Oder war das nur, weil jemand anders zu langsam war?
Weiß nich.
Alle schlafen weiter.
Ich nicht.
Vielleicht, wenn das Buch zurück ist.
Vielleicht dann.
Aber heut nicht.

Bin aufgewacht.
Mitten in der Nacht.
Keiner hat gerufen.
Kein Alarm. Kein Lärm.
Nur Schnarchen.
Überall.
Das ganze Lager atmet wie’n altes Tier.
Soldaten wie Säcke im Dreck.
Manche träumen, manche stinken, manche bluten im Schlaf.
Ich lag da.
Decke über der Schulter.
Dorn irgendwo draußen.
Lauch unterm Wagen.
Schweiß auf der Stirn.
Hemd klebt am Rücken.
Kalt.
Dann heiß.
Hab was geträumt.
Nicht viel.
Nur die zwei.
Der mit dem blauen Rock, wo mein Pfeil drin steckt.
Und der, in den ich den Dolch gesteckt hab.
Beide standen da.
Nicht wütend.
Nur da.
Haben geguckt.
Hab gefragt:
„Was wollt ihr?“
Aber keiner hat geantwortet.
Dann bin ich aufgewacht.
War nur’n Traum.
Aber ich frag mich:
Bin ich das?
Der, der da steht mit Bogen und Dolch und sagt: „Jetzt du.“?
Oder war das nur, weil jemand anders zu langsam war?
Weiß nich.
Alle schlafen weiter.
Ich nicht.
Vielleicht, wenn das Buch zurück ist.
Vielleicht dann.
Aber heut nicht.
-
Tarin Voss
Seitn 42 – Sieg?
Hab heut gespäht.
Am Waldrand richtung Berchgard.
Hab geseh'n wie die Steine flogen.
Ardhar und seine Katapulte -
wie Donner gegen Stein.
Seit Tagen prasseln die Brocken auf die Mauer.
Und heut…
ist sie gefallen.
Was für’n Krawall.
Staub, Splitter, Rufen,
und dann war da nurnoch’n Loch.
Dann -
Angriff.
Rein in die Stadt.
Krieger vorn, wie’n Rammbock aus Fleisch.
Pfeile flogen. Meine auch.
Viele.
Gestöhne.
Geschrei.
Ein Arm in der Gasse.
Ein Kopf, der noch rollt.
Blut wie Wasser.
Ich hab einen erwischt.
Seydenhain wars.
Blauer Rock, goldne Rüstung.
Pfeil steckte drin.
Lag da im Dreck.
Dann wars irgendwann still.
Kein Rufen mehr.
Sieg, hieß es.
Sieg für Alatar.
Sieg für Tarin?
Weiß nich.
Eine sprach ein Gebet.
Hab hingehört, klang gut.
Aber eigentlich.. Ich wollt nur mein Buch.
Und vielleicht ein paar Münzen aus’nem Haus.
Ardhar sprach von Frauen.
Heute nicht.
Bin dann abgehauen.
In ’ne Spelunke, wo keiner war.
Hab ’n Fass gefunden.
Ein Bier nach dem andern reingeschüttet.
Und dann…
Hab ich mich gefragt:
Was hab ich heut getan?

Hab heut gespäht.
Am Waldrand richtung Berchgard.
Hab geseh'n wie die Steine flogen.
Ardhar und seine Katapulte -
wie Donner gegen Stein.
Seit Tagen prasseln die Brocken auf die Mauer.
Und heut…
ist sie gefallen.
Was für’n Krawall.
Staub, Splitter, Rufen,
und dann war da nurnoch’n Loch.
Dann -
Angriff.
Rein in die Stadt.
Krieger vorn, wie’n Rammbock aus Fleisch.
Pfeile flogen. Meine auch.
Viele.
Gestöhne.
Geschrei.
Ein Arm in der Gasse.
Ein Kopf, der noch rollt.
Blut wie Wasser.
Ich hab einen erwischt.
Seydenhain wars.
Blauer Rock, goldne Rüstung.
Pfeil steckte drin.
Lag da im Dreck.
Dann wars irgendwann still.
Kein Rufen mehr.
Sieg, hieß es.
Sieg für Alatar.
Sieg für Tarin?
Weiß nich.
Eine sprach ein Gebet.
Hab hingehört, klang gut.
Aber eigentlich.. Ich wollt nur mein Buch.
Und vielleicht ein paar Münzen aus’nem Haus.
Ardhar sprach von Frauen.
Heute nicht.
Bin dann abgehauen.
In ’ne Spelunke, wo keiner war.
Hab ’n Fass gefunden.
Ein Bier nach dem andern reingeschüttet.
Und dann…
Hab ich mich gefragt:
Was hab ich heut getan?
Zuletzt geändert von Tarin Voss am Freitag 9. Mai 2025, 23:48, insgesamt 1-mal geändert.