Im Nebel verloren

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Sha'yl

Im Nebel verloren

Beitrag von Sha'yl »

Sha’yl bewegte sich lautlos wie ein Schatten zwischen den Bäumen. Die Rinde war feucht, der Boden von nassem Laub bedeckt. Über allem lag der dichte, silbergraue Schleier des Nebels – wie ein uralter Atem, der nie wich. Der Nebelwald. Ein Ort, der in den alten Schriften nur mit Warnungen erwähnt wurde. Ein Ort, den die meisten mieden wie den Tod selbst.

Doch Sha’yl hatte keine Wahl.

Er war ein Werkzeug. der Gemeinschaft des Leth’axorn, geformt von Disziplin und Schweigen. Sein Wille war nicht sein eigener – er war der Wille Vaters. Was Alatar befahl, wurde vollbracht. Immer.

Diesmal hatte ihn der Befehl in den Nebelwald geführt. Eine Spionagemission. Er sollte etwas beschatten, etwas sehen, das Vaters vorhaben weiterbringen sollte.

Schon nach den ersten Schritten spürte Sha’yl, dass dies kein gewöhnlicher Wald war. Der Nebel war zu dicht, zu wachsam. Er kroch nicht einfach – er beobachtete. Die Bäume standen zu still. Die Luft war zu schwer, als würde sie Erinnerungen atmen.

Und dann kamen sie.

Zuerst nur Lichtpunkte am Rande seines Blickfelds. Flackernd. Zitternd. Kein Wind trug sie – sie trugen sich selbst. Kleine Irrlichter, bleich und schön, mit einem Glanz wie frisch vergossenes Silber. Sie bewegten sich mit einer eigentümlichen Neugier, tanzten zwischen den Stämmen, mal nah, mal fern.

Sha’yl versuchte, ihnen zu widerstehen. Aber ihr Ruf war nicht laut. Er war sanft – eine Einladung, kein Befehl. Und so folgte er ihnen. Schritt für Schritt, Stunde um Stunde.

Je weiter er ging, desto mehr verlor er den Weg. Keine Landmarken, keine Spuren. Der Wald war ein einziger endloser Gedanke, der sich selbst vergaß. Und die Irrlichter führten ihn tiefer – nicht aus Bosheit, sondern aus Natur. Wie ein Fluss fließt, flossen sie. Und Sha’yl folgte.

Seine Erinnerungen begannen zu zerfallen. Namen bedeuteten nichts mehr. Die Gemeinschaft des Leth’axorn wurde zu einem blassen Schleier, stimmen zu einem Echo ohne Klang.

Irgendwann fiel er. Oder kniete. Oder blieb einfach stehen. Sein Körper war noch da – sein Geist aber… verflüchtigte sich, wie warmer Atem in der Kälte.

Und der Nebel nahm ihn auf.

Im Wald blieb nichts zurück außer dem Hauch eines Schrittes – und ein leises Glimmen, das im Dunst verschwand.

Als der letzte Schleier des Nebels über ihn fiel, hörte sein Herz auf zu schlagen – und Sha’yl, Sohn Alatars, war nicht mehr.

Wochen später bricht ein Späher des Axons auf um nach den angehenden Letherx zu suchen - im Nebelwald angekommen findet er den Leblosen Kadaver des jungen Letharfen und wird den Meister über seinen fund aufklären.
Zuletzt geändert von Sha'yl am Montag 21. April 2025, 20:45, insgesamt 1-mal geändert.
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