Seit den Wochen, da die Wiesen wieder grüner wurden, begannen die Unstimmigkeiten in Wetterau. Zuerst war es nur ein Schatten am Himmel gewesen – ein Habicht, größer als gewöhnlich, der in niedrigen Kreisen über das Dorf zog. Er flatterte auffällig nahe an den Dächern, als suchte er etwas oder deutete an, dass jemand beobachtet. Das Brückendach war kurzzeitig zum Rastplatz auserkoren worden, bis er sich wieder in die Lüfte erhob. Im Gepäck war dieser Adler, wie er eher segelnd über den oberen Baumwipfeln schwebte, dann mit einem unschönen Schlag in die Krone eines alten Eichenbaums stieß und verschwand. Vielleicht hat es Eine gesehen, die da gerade ihre Wanderschaft über den Trampelpfad antrat, jedoch hat sie sich einen Reim darauf gemacht? Zumindest dieser Adler war scheinbar nicht wirklich flugfähig, aber vielleicht hat nur eine Raubkatze die Federn gestutzt und daran lag es, wer weiß das schon. Seitdem waren zumindest diese Vögel nicht mehr gesehen worden.
An mehreren Tagen fielen einzelne Personen mit tiefroten Umhängen oder Wappenröcken auf, stets in Blickweite zueinander. Mal an einem Waldesrand, dann wieder nahe des Schreins oder kurz vor dem Zaun am Bauernhof. Sie trugen keine Waffen offen, aber ihre Blicke waren wach, ihre Bewegungen zu sicher für gewöhnliche Wanderer. Wurden sie gesichtet? Vielleicht von den Wachen, denn die Ortschaft schien in diesen Tagen ziemlich leer.
An anderem Tag, soll eine Gestalt mit golden schimmernder Rüstung am Waldrand gestanden haben. Kein Laut, kein Schritt – nur der Glanz der Lamellen, wie Sonnenlicht auf altem Metall. Sie verschwand, noch bevor jemand näher treten konnte. Wurde da etwas gezählt?
Wie viele Personen waren es nun gewesen, die in den letzten Wochen immer mal wieder den Rand von Wetterau aufsuchten und was wollten sie?
Kommen sie wieder und wann? Vielleicht schon morgen?
Was ist los in Wetterau?
- Leandra Kalveron
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