
sang ich gerade noch volltönend und mit neckischem Grinsen und meine Finger griffen fest in die Saiten
von Frau Leise, als das ohrenbetäubende Kreischen zu hören war, das direkt aus K’awis Herz zu stammen schien.
Das Erste, was ich daraufhin wahrnahm, waren ratlose und erschrockene Blicke, nämlich die der Männer,
die sich am Strand von K’awi versammelt hatten, um einen unbeschwerten und heiteren Abend zu genießen.
Darauf folgte bald schon das Beben. Ein Beben, anfänglich noch mild, dass man lediglich leicht aus dem
Gleichgewicht geriet, dann aber so kräftig, dass wir uns schutzsuchend hinhockten, um nicht umgeworfen
zu werden. Wir machten uns direkt auf den Weg zu den Frauen, die am anderen Strand von K’awi feiern wollten,
doch sahen wir aus der Ferne bereits die bröckelnden Stadtmauern. Ich spürte, wie mir das Herz stehen blieb.
Was zum Henker war passiert?! Wie konnte es sein, dass die Stadt schaden nahm, woher kam dieses Kreischen
und verdammt nochmal, was hatte dieses immense Beben verursacht?! Und wo war K’awi?
Wir versammelten uns rasch, einige von uns noch in Badekleidung, doch war ich wenigstens so geistesgegenwärtig
gewesen und hatte meine Chaostasche vom Strand mitgenommen, wo ich gerade nicht mehr als meine Badehose trug.
Das Wasser an der Furt, wo wir zu den Frauen stießen, fing an sich zu regen und es entstand ein Strudel, der
rasch größer wurde. So groß sogar, dass sich das Wasser auftürmte, immer höher stieg, um dann über die
Stadtmauer hinweg sich seinen Weg ins Innere zu suchen und innerhalb weniger Sekunden das Gebiet um
die Taverne zu verwüsten. Das war ein Anblick, der mich tief erschütterte. Sämtliche Häuser waren bewohnt,
auch die Tavernenzimmer waren momentan alle vermietet und die Zweiten zogen ihre Patrouillen durch
die Straßen. Es war fast unmöglich, dass niemand durch diese Flutwelle Schaden genommen hatte.
Sethrad, Ignatius und Allturius änderten ihre Gestalten und mir war spätestens jetzt klar, dass ich
in Badehose nicht weit kommen würde, also zwängte ich mich ins Leder.
Diejenigen, die nicht kämpfen konnten, wurden rasch in Sicherheit gebracht, denn schon am Stadttor
wurden wir von den wütenden Wasserwesen begrüßt, die direkt kreischend auf uns losgingen.
Der Kampf lief routiniert ab, immerhin waren die meisten von uns seit Monaten eingespielt. Danach wurde
die Stadt nach weiteren, aggressiven Wasserwesen abgesucht, doch gefunden wurde nichts mehr.
Was allerdings gefunden wurde war die verwüstete Taverne und noch mehr, die völlig zerbröckelte Stadtmauer,
die einst dahinterstand. Dazu war alles so stark überflutet von Algen, Pflanzen und Efeu, dass ein
Durchkommen nicht zu machen war, vor allem nicht mitten in der Nacht, ausgelaugt und schockiert.
Die, die noch zu aufgewühlt waren, um ins Bett zu gehen, trafen sich noch an der Sitzgruppe vor der Bibliothek.
Zweisamkeit tut mir immer gut, wenn ich mich schlecht fühle und ein paar gesellten sich mit dazu.
Was zum Stärken des Körpers hatten wir ja, immerhin hatten Varek und Kael großzügig für die Bewirtung
der beiden Strandfeste gesorgt.
Leoras berichtete noch, dass er mit der Axt es geschafft hatte, durch den dicken Teppich der Ranken
zu kommen, aber das im trockenen Zustand sicher einfacher machbar war. Und so hatten wir dann
beschlossen, dass wir uns am nächsten Abend trafen, um mit den Arbeiten zu beginnen, denn so konnte
K’awis heiße Sonne einen Tag lang das ganze Gemüse trocknen.
Ich war froh, irgendwann ins Bett zu kommen und gefühlt wollte meine Haut gar nicht mehr trocknen,
nach dem Bad in diversen Wassergolems und -elementaren.
Doch die anstrengenden Tage sollten erst kommen. Und da würde es jede Hand brauchen.









