[Q] Blut, Sand und Schicksal

Cebrail Deen Yazir

[Q] Blut, Sand und Schicksal

Beitrag von Cebrail Deen Yazir »

"Nur mal kurz" ... "Aus reiner Neugierde" ... Dass diese Worte mal zu seinem Verhängnis werden würden, hätte der junge Khaliq nicht gedacht, als er sie seiner Kollegin Asahi entgegenbrachte. Er hatte seinerzeit aus gesundheitlichen Gründen nicht an den Expeditionen rund um das Hass-Relikt in der berüchtigten Wüstenhöhle nahe dem Harpienberg teilnehmen können. Erst seine vielen Tage zwischen Büchern und Berichten des Tempels, um Abschriften für die Bauhütte Cirmias' anzufertigen, hatten seine Aufmerksamkeit wieder auf das Thema Hass-Relikt gelenkt. Asahi hatte ihm, als er sie zu den Ereignissen ausfragte, angeboten, ihn einfach mal zu besagter Höhle zu begleiten, da er sich so ein viel besseres Bild von der damaligen Situation machen könne. Beide Khaliq Eluives hatten nicht damit gerechnet, dass jener private Ausflug so weitreichende Folgen haben könnte.

Als sie dort ankamen, beschlich sie ein merkwürdiges Gefühl. Es war ihnen, als sollten sie dort sein. Fast schon, als wollte die All-Mara höchstpersönlich, dass sie dort waren und etwas fanden. Cebrail hatte einen zarten Lufthauch bemerkt und war von einer ihm unerklärlichen Zuversicht, beinahe schon Sehnsucht erfüllt, dieses Etwas, das sie hier scheinbar finden sollten, auch tatsächlich ausfindig zu machen. Nach anfänglicher Irritation über sein Empfinden hatte er sich also darauf eingelassen und war seinem Herzen gefolgt, um schließlich im Schlick, zwischen alten Pilzgewächsen, ein goldenes Amulett zu finden. Angelaufen war es von langen Jahren in dieser Höhle. Eine merkwürdige Gravur zierte es. Ein Falke - das Symbol des Herrscherhauses Omar - ausgestattet mit einem Zepter und einer Krone, was typische Herrschersymbole der Grünländer waren. "Eine schlechte Kreuzung aus menekanischen und grünländischen Herrschersymbolen" hatte Cebrail es in seiner Irritation genannt und das Amulett Asahi gezeigt, welche unerwartet habgierig darauf reagierte und eilig nach dem Amulett griff. So kannte Cebrail sie nicht. Die Quittung für ihren Übereifer erhielt sie jedoch sogleich in Form einer kleinen Schnittwunde an ihrer Handinnenfläche. Die Kanten des Amuletts schienen also scharf zu sein. Vielleicht ein Resultat der nicht vorhandenen Pflege in dieser Höhle. Als Asahi Cebrail berichtete, dass sie ein ungutes Gefühl verspürt hatte, bis sie das Amulett in der Hand hielt, beschlich ihn Skepsis. Dass er selbst wiederum den Eindruck hatte, mit genau diesem Amulett gefunden zu haben, was die All-Mara ihnen zeigen wollte, machte es für den Moment nicht besser.

Warum sollte es so wichtig sein? Was hatte es mit diesem Amulett auf sich? Stimmte Asahis Vermutung, dass es etwas mit diesem komischen Märchen zu tun haben könnte, in dem ein Grünländer dem Emir ein Geschenk machte, mit dem er seine Erhabenheit umbringen wollte? Falls ja, warum sollte dieser Gegenstand jetzt wieder auftauchen? War der aktuell amtierende Erhabene etwa in Gefahr? Oder - falls das Märchen eine falsche Fährte war - hatte der Fund eine ganz andere Bedeutung? Wenn keine Gefahr drohte, würde sich die All-Mara doch garantiert nicht die Mühe machen, zwei Khaliq raus in die Wüste zu locken, damit sie dieses alte Amulett finden. Das alles war mehr als merkwürdig. Unsicher, ob das ungute Gefühl bei näherer Betrachtung des Amuletts nun einzig von all den ominösen Umständen herrührte, oder ob vielleicht gar ein Fluch auf dem Amulett lastete, den die beiden Khaliq mit ihrer verhältnismäßig geringen Berufserfahrung noch nicht näher identifizieren konnten, beschlossen sie, das Amulett mit nach Menek'Ur zu nehmen und es im Tempelkeller an einem sicheren Ort aufzubewahren. Sogleich wurden der Erhabene und die beiden Haatim informiert. Weder Asahi noch Cebrail fühlten sich zum aktuellen Zeitpunkt des Geschehens irgendwie anders, aber sie wollten nicht diejenigen sein, die am Ende Schuld waren, dass irgendwelche bösen Mächte ungesehen in die goldene Stadt gerieten. Ihnen sollte man im Falle des Falles nicht nachsagen können, empfindliche Informationen nicht mit den entsprechenden Institutionen geteilt zu haben.

Nun hieß es abwarten und hoffen, dass es einfach nur irgendein merkwürdiges Amulett ohne tiefere Bedeutung war ...

As-Salamu 'alaikum Erhabener,

hiermit möchte ich Euch in aller Kürze darüber informieren, dass Khaliq Asahi
und ich in der Höhle, wo seinerzeit das Hass-Relikt geborgen wurde, heute bei
einer ursprünglich privat motivierten Exkursion einen Fund gemacht haben, den
wir Euch neda vorenthalten möchten. Es handelt sich um ein altes Goldamulett,
das womöglich eine Verbindung zum Hause Omar aufweisen könnte. Genauere
Details geben wir gerne in einem vertraulichen Gespräch weiter. Das Amulett
befindet sich zunächst im Tempelkeller. Die Haatim werden parallel zu meinem
Schreiben an Euch auch ins Bild gesetzt, um sicherzugehen, dass wir neda un-
willentlich etwas übersehen, was uns später noch zum Verhängnis werden könn-
te. Sollte es Eure Zeit hergeben und Euer Interesse geweckt haben, dann scheut
neda, zwecks Terminvereinbarung auf Khaliq Asahi und mich zuzukommen.

Für den Tempel der All-Mara
C.D.Yazir
Khaliq Eluv's

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Zuletzt geändert von Cebrail Deen Yazir am Dienstag 4. März 2025, 12:59, insgesamt 2-mal geändert.
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Asahi Sada Ryzan
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Beitrag von Asahi Sada Ryzan »

Die Kühle der Nacht stand im Kontrast zur Hitze, die am Tag im Sonnenreich herrschte, während Asahi sich bereit machte, um Cebrail in die Weite der Durrah zu begleiten. Mit geübten Handgriffen legte sie ihre Rüstung an, spürte das Gewicht des Materials auf ihren Schultern und zog schließlich den Helm über ihren Kopf. Das Gefühl der Sicherheit durch eine Rüstung, das vor mehr als einem Jahr ihr noch gänzlich neu und merkwürdig, war nun jedoch etwas Gutes. Die Rüstung, gefertigt aus den Händen des familieneigenen Kunsthandwerkers war wie eine zweite, schützende Haut. Auch wenn sie nicht mit außergewöhnlich großen Gefahren rechneten, so war es doch stets ratsam nicht ohne Schutz in die Durrah zu reisen und so waren die Khaliq bei der Planung des Abends einig gewesen, dass sie sich gerüstet auf den Weg machen sollten.

Mit raschen Schritten verließ sie das Familienhaus, um sich auf den Weg zum Treppunkt zu machen, dort würde Cebrail auf sie warten und gemeinsam würden sie die Durrah durchwandern, bis sie die Höhle erreichen würden, an welcher das Hass-Relikt vor einigen Mondläufen gefunden wurde. Sie konnte seinen Wunsch diese Höhle zu sehen verstehen, war er doch selber zur Zeit seines Wirkens krank gewesen und so war es ein Stück Geschichte, das er mit einem Ort in Verbindung bringen konnte. Cebrail war wie sie gerüstet, wenn auch wesentlich offensichtlicher und nach einem kurzen verbalen Austausch machten sie sich in der Abenddämmerung auf den Weg.

Der Sand knirschte unter ihren Schritten, während der Wind über die Dünen strich und kleine Sandverwehungen erschuf. Die Sonne war fast gänzlich verschwunden und so war es eher der Mond, der immer höher den Himmel hinauf kletterte. Warum hatten sie dieses Vorhaben nochmal nicht am Tag gemacht? Verpflichtungen vermutlich.. Asahi ließ den Blick schweifen, achtete auf jede Bewegung, die sich im Dunkel der Nacht abzeichnete. Sie wusste, dass die Durrah nie schläft. Als sie schließlich die Höhle erreichten, drang aus dem Osten das Kreischen der Harpien an ihre Ohren, doch sie verließen ihr Nest nicht. Sie betrachteten den Ort, der sich vor der Höhle erstreckte. Ein Ort, der für Asahi nicht einfach nur ein Stück Land war – hier hatte sie einst ein Ritual durchgeführt, eines ihrer ersten. Jene, die sich besonders tief in die Erinnerungen gruben.

»Hier haben wir das Ritual durchgeführt...« begann sie, die Stimme leise, bis sie zum Eingang der Höhle deutete. »Das Relikt befand sich in der Höhle. Es war damals ein... grausamer Anblick. Der Hass, den das Relikt verbreitete, hat sich auf die Menekaner übertragen... und sie haben sich in ihrem Zorn gegenseitig abgeschlachtet.«

Sie schwiegen für einen Augenblick, betrachteten den Eingang, bis sie sich schließlich dran machten, die Höhle selber zu betreten. Sie wirkte optisch unauffällig. Recht schäbig und dunkel. Der Geruch vom alten Dreck hing in der Luft. Cebrail sorgte mit einem leisen Gebet für etwas mehr Licht in der Umgebung und zusammen betrachteten sie die Überreste, die sie dort fanden. Alte Matten, ein längst erkaltetes Feuer. Immerhin waren die Leichen von damals verschwunden. Asahi selber spürte etwas Merkwürdiges, einen Hauch von Vertrauen, aber sie konnte nicht wirklich bestimmen, woher das Gefühl kam.
Sie zeigte Cebrail die exakte Stelle, an dem das Hass-Relik damals gefunden wurde und er begann nachdenklich die Felsen und Wände zu betrachten, als würde er nach etwas suchen? Asahi wusste nicht so recht, warum er das tat, also erzählte sie einfach ein wenig von dem, was damals passiert war. Obwohl sie in einer Höhle waren, die eigentlich Windstil hätte sein müssen, war da ein zarter Lufthauch, der beide irritierte.

Für einen winzigen Moment glaubte sie ein sehnsuchtsvolles Ziehen in ihrer Brust zu bemerken, doch es verschwand, so schnell wie es gekommen war. Der andere Khaliq schien währendessen noch immer damit beschäftigt, die Felswand und nähere Umgebung abzusuchen, er gab an, er hätte eine Art Bauchgefühl - davon konnte Asahi allerdings nichts bemerken. Wieder überkam sie ein merkwürdiges Gefühl, dieses Mal eher melancholisch, seltsam, ohne dass es direkt als unangenehm zu bezeichnen war und wieder war da ein sanfter Windzug. Schließlich lenkte Cebrail den Blick auf Asahi.

»Spürst du das auch?«

»Meinst du.. den Windhauch?«


Eher zögernd. Sie war sich unsicher bei dem, was sie in ihrer Brust spürte, aber offenbar war sie nicht allein mit dieser Art von Empfindungen.

»Auch, aiwa ... und dieses Gefühl ... Ich kann es neda ganz beschreiben. Es ist wie eine Art ... Sehnsucht? Zuversicht? Als erwarte uns hier irgendetwas.«

»Aiwa... aber auch etwas... trauriges? Ob es der Nachhall jener ist, die sich hier gegenseitig... unter dem Einfluss des Relikts getötet haben?«

»Spannend ... Das ... fühle ich neda.«


Ehe er noch weiter darauf anging, fing er plötzlich an im Dreck, zwischen Pilzen und Schlick zu wühlen, als hätte er etwas gefunden. Asahi konnte ihn nur ein wenig verwirrt betrachten, sie verstand nicht so wirklich, wie er darauf kam und noch verwirrter war sie, als Cebrail sie darauf hinwies, dass dort etwas sein musste. Tatsächlich offenbarte sich im schummrigen Licht etwas Glitzerndes und noch während sie sich vorneigte, um Cebrails Fund genauer zu betrachten, spürte sie wieder etwas. Dieses Mal heftiger, fast schon chaotisch und erdrückend. Ein Verlangen, wie ein stummer innerer Befehl, das Amulett zu greifen, welches Cebrail mittlerweile vorsichtig aus dem Schlick gezogen hatte. Da war eine irrationale Sicherheit in ihrem Inneren, dass sie genaue deswegen hier sein mussten und dass SIE es haben musste. Sie griff getrieben von diesem aufflackernden Verlangen so hektisch nach dem Amulett, dass Cebrail sie verwirrt blinzelnd betrachtete.

In dem Moment als ihre Finger sich um das Amulett schlossen, als wäre es ein kostbarer Schatz, von dem sie bis hier hin noch gar nicht gewusst hatte, fühlte sie den kurzen, stechenden Schmerz. Die Gefühle verschwanden und zurückblieb ein stumpfes Pochen in der Handfläche, als die das Amulett wieder losließ. Blut schimmerte auf der Oberfläche, die alten Zacken und Gravuren hatten einen feinen Schnitt auf ihrer Handfläche hinterlassen. Wie unvorsichtig von ihr und doch war sie in diesem Augenblick einfach nur verwirrt. Verwirrt über das Verlangen, welches nun verschwunden war, verwirrt über ihre eigene Hast und vorschnelle Handlung. Das war normalerweise nicht ein Teil ihres Wesens.
Cebrail trug eine gewisse Belustigung, aber auch Irritation auf seiner Mimik, neckte sie noch wegen der fehlenden Handschuhe und schließlich widmeten sie sich wieder dem Amulett, damit sie es eingehender betrachten konnten.

Das Amulett wirkte alt. Das vermutlich goldene Material war angelaufen und zerkratzt. Doch erkannte man noch den stolzen Falken, der in der Mitte prangte. Ein Symbol der Herrschaft der Omar, aber... gänzlich untypisch für das Sonnenreich, wurde jener Falke von einer Krone und einem Zepter geziert. Symbole aus dem Grünland. Die Khaliq tauschten mehr fragende Blicke aus, der Schnitt an ihrer Hand war schon fast wieder vergessen. Er war nicht tief und blutete kaum.

»Welcher Banause hat das denn angefertigt? Das sieht wie eine schlechte Kreuzung grünländischer und menekanischer Herrschaftssymbole aus. Ich mein, schau dir das Zepter und die Krone an. Welcher Omar würde sowas führen?«

»Keiner... aber vielleicht... sollte es ein Geschenk aus dem Grünland sein... ein unbedachtes Geschenk. Es erinnert mich an ein Märchen, das meine Mara mir damals in Akmene manchmal erzählte. Ich erinnere mich neda mehr an den genauen Wortlaut. Meine Mara hatte die Eigenschaft... Märchen manchmal ein wenig anders zu erzählen, als würde sie neda immer das gleiche erzählen wollen.«


Eine Eigenart ihrer Mara, hatte sie immer geglaubt. Manchmal erfand sie neue Dinge zu alten Geschichten, manchmal ersetzte sie jene uns so hatte sie auch damals, als sie das Märchen für Maheen aus ihren Erinnerungen niederschrieb, eine Variante geschrieben, welches jene Symbol nicht enthielt. Es kam ihr einfach zu unwichtig vor. Cebrail krauste nachdenklich die Stirn, während er das Amulett betrachtete.

»Hrmhrm ... und darin kam ein unwissender Suktar vor, der dem Emir ein schlechtes Geschenk macht?«

»Ein wenig aiwa, es ging um einen Grünländer, der den Emir töten wollte. Mit einem Geschenk, das seinen Tod bringen sollte und ich glaube mich an dieses Symbol zu erinnern... was damit in Verbindung stand. Ich habe das Märchen damals niedergeschrieben für Maheen und die Bibliothek. Aber ich hatte... dieses Detail ganz vergessen.«

»Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass da was dran sein soll und dieses 'Geschenk' ausgerechnet hier rumliegt?«

»Vielleicht... ist es nur eine Nachahmung von jemanden der das Märchen kannte.«

»Womöglich. Ich wüsste ehrlich gesagt neda mal, wie ein solches Amulett jemanden umbringen soll.«

»Oh neda... ich... glaube auch nicht... das es in der Geschichte ein Amulett war? Ich erinnere mich... an ein kleines Kistchen, das dem Emir überreicht werden sollte, laut des Märchens und dass... das Kistchen ein Symbol trug, was Grünland und Wüstenreich verbinden sollte. Wie gesagt.. ich hatte es ganz vergessen, in dem Märchen in der Bibliothek steht daher einfach... nur, dass es ein Kistchen war... aber nun wo ich das Symbol wieder sehe... höre ich wie meine Mara mir davon erzählt.«

»Ah. Gut, dann ist es sowieso was anderes.«


Es war ein merkwürdiger Zufall eine Halskette mit diesem Symbol zu finden, das aus einem Märchen stammte, aber die beiden Khaliq entschieden sich dennoch vorerst den sicheren Weg zu gehen, auch wenn beide glaubten, das es vermutlich nur eine Nachbildung oder Ähnliches wäre. Nachdem sie sich auf den Rückweg gemacht hatten, diesmal ohne nennenswerte Gefahren, beschlossen sie den Erhabenen über den Fund zu informieren, sowie die Haatims Callista und Maheen. Das Amulett platzierten sie zwischen den Statuen der Weisen im Kellers des Tempels, wo es vorerst liegen würde, damit die Haatims es sich vielleicht ansehen könnten. Asahi selber kehrte später in der Nacht nach Hause zurück, um sich um den Schnitt an ihrer Hand zu kümmern. Das Pergament mit der Nachricht für die anderen Khaliq ließ sie recht offensichtlich auf dem großen Schreibtisch im Tempelkeller liegen.
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Salam Aleikum hochgeschätzt
Haatims und Khaliqs


Cebrail und ich haben uns heute Abend auf den Weg gemacht, um noch
einmal die Höhle in der Durrah zu untersuchen, in der wir das Hass-Relik
vor einigen Monden gefunden haben.

Eigentlich war es nur eine kleine Exkursion, geboren aus Neugierde,
da Cebrail damals neda dabei sein konnte. Allerdings konnten wir in
der Höhle bereits spüren, dass irgendetwas merkwürdig erschien.

Wir schienen beide etwas zu fühlen, was wir neda genau betiteln können.
Eine gewisse Melancholie, eine gewisse Erwartung oder gar Aufregung.
Dabei fühlten wir beide unterschiedliche Dinge.

Wir haben gedacht, dass es vielleicht ein Nachhall von all jenen ist, die
dort gestorben sind und machten uns vorerst keine genaueren Gedanken
darüber.

Cebrail wurde schließlich auf etwas aufmerksam, er beschrieb es, als
hätte die All-Mara ihn selber zu diesem Ort hingezogen, um zwischen Pilzen
und Schlick ein Schmuckstück zu finden.

Mich selber überkam in dem Moment ein aufwühlendes und überwältigendes
Gefühl, von dem ich neda beschreiben kann, woher es herkommt. Es war
wie ein inneres Verlangen, dass ich dieses Amulett haben musste, als würde
es mir vermitteln wollen, dass wir genau deswegen hier wären.

Beim Griff des Amuletts habe ich mich zwar verletzt, aber alle Gefühle sind
bei uns Beiden schließlich verschwunden, als wären sie niemals da gewesen.
Zur Sicherheit haben wir uns jedoch entschlossen, das Amulett vorerst bei
den Statuen der Weisen im Tempelkeller zu hinterlegen.

Vielleicht wäre es ratsam, sich bei nächster Gelegenheit dieses anzuschauen.

Möge die All-Mare ihre schützenden
Hände über ihre Kinder halten


gez.


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Zuletzt geändert von Asahi Sada Ryzan am Dienstag 4. März 2025, 12:50, insgesamt 2-mal geändert.
Der Erzähler

Beitrag von Der Erzähler »

Es war still in der Wüste, so still in der Nacht, während der Sterne Licht den Sand in eine Flut aus flüssigem Silber verwandelte und die Kälte nach und nach den Sonnenhauch verdrängte. Langsam, doch beständig schob sich eine Woge aus Schwärze vor die Himmelsfunken und wallte weiter über das Firmament.
Blicklos, wie... leere Augenhöhlen, die doch so viel mehr sahen, spürten und mit jedem Moment glomm eine nachfarbene Flamme, deren Name Verlangen lautete, etwas mehr auf.

So lange der Schlummer, so tief und einlullend.
Doch ein vergleichsweise kurzer Segen zu dem Schmerz, welcher mit dem Wind aufwallte und ein Heulen in sich trug, das aus tausendundeiner Brust zugleich zu kommen schien. Die Ruhe war verschwunden, das körperlose Driften in der Vergessenheit und einem Ort ohne jegliche Erinnerungen, die den Geist marterten. Doch dann war es eine einzige Berührung, der Fluch des Blutes und ein leerer Blick in einen viel zu lebendigen Spiegel gewesen, der sie aus ihren Träumen, aus der seligen Ruhe, gerissen und gewaltvoll geweckt hatte. Ja, wach... mit jedem Moment ein wenig mehr. Mehr. MEHR. VERLANGEN!

Die Stille wurde von dem unheimlichen Säuseln durchbrochen, das gespenstisch hohl pfeifend einen gigantischen Wüstensturm andeutete und die ersten Karawanenwachen weckten alle in den Zelten aufgeregt, denn nun galt es sich zu beeilen. Ein jeder, der von dem entstehenden Ungetüm nicht verschluckt werden wollte, beeilte sich rasch die Dünen hinab zu den Bergen hin zu hasten. Die Lamas jammerten kurz auf, doch wurde ihr Blöken von einem grollenden Dröhnen aus dem Himmel übertönt und als die Truppe den rettenden Wall erreicht hatte, wagten die Ersten einen Blick über die Schulter und hinauf in die Nacht.

Was sie dort aber entdeckten, ließ sie erschrocken nach Luft schnappen.
Eine Flut aus Sturmgebräu drang einer Lawine gleich auf die Sternenflut ein und drohte die Wüste in dieser Nacht noch in tobendes Chaos zu stürzen - weh einem jeden, der in dieser Nacht durch Menek'Urs goldene Durrah wanderte und nicht wusste, wo er Schutz vor der Urgewalt bekommen konnte.
Diese armen Seelen würden den Morgen nicht mehr erblicken...

...wie passend.

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Ashanti Bashir
Beiträge: 471
Registriert: Donnerstag 4. Mai 2023, 17:03

Beitrag von Ashanti Bashir »

Karawanenbegleitung ist Unbeliebt

Wie so oft galt es eine Karawane zu begleiten in die Grünlande und wieder zurück.
Eine Aufgabe die nicht bei jedem Janitschar beliebt ist da es nur selten spannend ist.
Doch wenn was passiert gleich in das andere Extrem umschlagen konnte.
Und so hatte man sich wie so oft unter den Kameraden einen Spaß daraus gemacht die Würfel entscheiden zu lassen wer diese Aufgaben übernimmt.
Leider war es dieses mal Ashanti welche nicht vom Glück verfolgt wurde und so hatte sie die unliebsame Aufgabe die Karawane zu begleiten und zu schützen.
Wie zu erwarten war der Hinweg in die Grünlande tatsächlich langweilig und ohne besondere Vorkommnisse.
Doch wie das so mit Plänen ist, halten diese meist nur bis zum ersten Feindkontakt und es kam, wie es kommen musste.
Aus dem Plan am gleichen Abend wieder in der goldenen Stadt zu sein wurde nichts, da sich an der letzten Handelsstation alles verzögerte und man demnach erst spät weg kam und so mit gezwungen war in der Durrah ein Nachtlager auf zu schlagen.
Gesagt getan, wurde das Lager aufgebaut und die Wachen eingeteilt für die Nacht.
So lag Ashanti in ihrer kleinen Sandkuhle die sie des Nachts grub um sich hinein zu legen und eine Decke drüber zu ziehen.
So sorgte sie dafür das die im Sand gespeicherte Wärme ihren Körper umschloss und sie in der doch kalten Nacht warm hielt.
Lange lag sie so da und schaute verträumt in den Sternenhimmel und genoss die Ruhe.
Als sich das dunkel dann vorschob und es immer finsterer wurde dachte sie noch es würde sicher ein Unwetter aufziehen das sich wie immer in den Grünlanden nieder lassen würde.
Erst als sie das erst noch seichte Säuseln vernahm das sich nach und nach zu einem Pfeifen entwickelte und auch die Lamas begannen unruhig zu werden krabbelte sie aus ihrer Grube und schaute sich um.
Da sah sie schon die ersten beiden Wachen hektisch und panisch rufend und in die Richtung deutend wo sich das dunkle Ungetüm am Horizont auf tat.
Das war, was niemand wollte und alle Karawanen fürchteten. Doch genau aus diesem Grund wurde so etwas immer und immer wieder geübt und so wusste jeder was zu tun war.
Waren, Zelte, Lagerfeuer. Alles wurde sich selbst überlassen und so nahm man nur das nötigste in die Hand und suchte so schnell wie möglich mit den Lamas das Weite.
Der dicht am Lager gelegene Wall war es der den Lagerplatz bestimmte und so erreichten sie so gerade eben noch den halbwegs sicheren Schutz vor dieser Urgewalt.
Die Lamas wurden in die liegende Position gebracht und die Decken über ihre Köpfe gelegt. Die eigene Maske wurde hoch ins Gesicht gezogen und so sicherten je zwei Leute die Decke haltend ein Lama ab.
Ungewöhnlich lange hielt es an und selbst durch den Schutz des Walls waren alle dieser Urgewalt ausgesetzt und wurden zum Teil sogar bis zur Hüfte vom Sand zu geweht.
Erst als alles vorbei war und zum Teil nur die halben Lamakörper und halb begrabenen Menekaner zu sehen waren rührte sich allmählich etwas unter ihen.
Ashanti stand mühsam auf und befreite sich vom Sand und begann damit das Lama zu befreien damit auch dieses wieder aufstehen konnte.
Ein anschließendes Durchzählen ergab zum Glück keine lebenden Verluste und so schickte Ashanti als die Sonne wieder auf ging und sich alles beruhigt hatte einen Janitschar zur goldenen Stadt voraus.

Berichte was geschehen ist und verkünde das wir zu Spät kommen. Wir gehen nach den Waren suchen und kommen nach.
Gesagt, getan machte sich der Janitschar auf den Weg und der Rest suchte nach Waren die noch findbar und zu retten waren ehe auch sie zurück in die goldene Stadt kamen.
Zuletzt geändert von Ashanti Bashir am Donnerstag 6. März 2025, 23:06, insgesamt 1-mal geändert.
Ishmael Mahir Ryzan
Beiträge: 44
Registriert: Sonntag 25. Juni 2023, 13:11

Beitrag von Ishmael Mahir Ryzan »

Anders wie Ashanti, hatte Ishmael einen Sinn für Glücksspiele und war besonders geküsst von der All-Mara in diesen Belangen. Womöglich könnten aber auch die gezinkten Würfel Grund dafür gewesen sein, warum er beim Würfeln der Dienste der Begleitung der Karawane “durch glückliche Fügung” - wie so oft - entwischen konnte. Wer wusste das schon!
Gestraft wurde der Barde allerdings mit einem langweiligen Dienst auf den Zinnen des Mauerwerkes Menek’Urs. Hoch oben auf einem der Türme stand er und starrte in die Ferne der Wüste. Sandhügel über Sandhügel. Keine Lebenszeichen, keine Wanderer, keine Tiere. Dass die eintretende Nacht zudem die Sicht raubte, half dabei nicht. Langweile!

“Nie hört jemand auf mich, weisst du?” beschwerte sich plötzlich der Barde bei seinem Gesprächspartner. “Dabei habe ich Menek’Ur vor dem Hass-Fluch gerettet!” - gab er sich überzeugt und schnaubte empört über die durch seine Wahrnehmung mangelhafte Anerkennung.
“Eine Statue wäre angemessen gewesen. Aber ich bin offenbar nur ein unbedeutender Barde. Ein Hofnarr des Emirs!” blabberte der junge Ryzan mürrisch in die zunehmend kälter werdenden Abendluft hinein. Sein Gesprächspartner schweigte unterdessen und lauschte aufmerksam.
“Weisst du aber, was noch viel schlimmer ist!?” Die Stimme nahm einen missbilligenden Klang an. “Meine Rani und Khaliq Cebrail schienen es für eine gute Idee zu halten, nach all dem Leid, das wir erleben mussten, noch einmal die Höhle aufzusuchen, in dem das Relikt, dass ich zerstört hatte, verborgen lag.” Natürlich musste er sich selbst nochmals in den Mittelpunkt stellen, immerhin war es das einzige, dass der Ryzan vorweisen konnte. Umso deutlicher klammerte er sich an diese Errungenschaft.

“Sie weiss, dass mir das nicht gefällt und dass sie sich dabei auch noch verletzt hat, ärgert mich noch mehr! Aber du kennst sie, sie wusste, wie sie mir die Sorge zu nehmen hatte und da konnte ich nicht anders, als resignierend einzulenken. Das kennst du doch auch, nicht wahr, Glubschi?” Der Seitenblick zu seinem Gesprächspartner offenbarte, dass es sich hierbei nicht um einen Hazar’s Durrah handelte, sondern um eine Eidechse, die auf einem der Dachsäulen des Turmes ausharrte und in Ishmaels Richtung spähte. Die Zunge des Reptils strich einmal über das rechte Auge, eine Geste, die Ishmael mit einem Nicken quittierte und als Zustimmung interpretierte. “Wusste ichs doch. Geteiltes Lei-” die Stimme brach urplötzlich ab, als das Safrangelb abgelenkt durch einen Windstoss und dem Lärm des herannahenden Sturmes seine Aufmerksamkeit wieder in die Ferne lenkte.
Das Gespräch war wie vergessen und ohne weiter Zeit zu vergeuden, verliess er seinen Posten - zum Glück nahte der Dienstschluss - und eilte durch die Gassen, um all jene, die er auf dem Weg antraf über die nahende Gefahr zu informieren. Auf direktem Wege, mit einem kleinen Abstecher zu Ashais Haus, begab er sich zum Familienhaus und forderte alle Familienmitglieder auf, das Haus für diese Nacht nicht zu verlassen. Ein unwohles Gefühl überkam den Barden und er wünschte keine unnötigen Risiken für seine Familie einzugehen. Die Nacht würde zeigen, ob die lauernden Ängste gerechtfertigt waren.
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Asahi Sada Ryzan
Beiträge: 123
Registriert: Sonntag 23. Juli 2023, 13:11

Beitrag von Asahi Sada Ryzan »

Es begann erst einige Tage nach ihrer Rückkehr aus der Höhle. Die Tage verstrichen ereignislos, gefüllt mit alltäglichen Pflichten, Gesprächen, die nicht in Erinnerung blieben, und Momenten, die sich zu einem eher gewöhnlichem Alltag aneinanderreihten. Das Amulett lag sicher im Keller des Tempels der All-Mara, umgeben von den Statuen der Weisen und einer Botschaft an die Haatims - nichts war bisher passiert, alles war ruhig.

Die Schnittwunde an ihrer Hand war stets verbunden, doch heilte sie langsamer, als sie es erwartet hätte. Ein leichtes Kribbeln oder Pochen begleitete sie gelegentlich, doch es war nicht genug, um ihr ernsthafte Sorgen zu bereiten. Es war nur ein Schnitt - nichts, das nicht mit der Zeit verschwinden würde. Was wusste sie schon, wie sich das Heilungsverhalten darstellte, bei Wunden, die von einem alten, schmutzigen Objekt verursacht wurden. Nicht gut - wie man sah. Ihre Mara, als Hakim aus Akmene, hätte mehr dazu gewusst, auf der anderen Seite schien ihr dieser Schnitt so belanglos, dass sie allerdings auch keinen Grund sah das Maristan zu besuchen. Die Hakims hatten sicherlich Besseres zu tun, als sich um kleine Wehwehchen zu kümmern.

Wie es mittlerweile Gewohnheit geworden war, legte sich sie sich später am Abend, nach dem alltäglichen Nachtgebet, neben Ishmael ins Bett. Seine Wärme war ihr vertraut geworden, beruhigend, als könnte er die Last von ihren Schultern nehmen und für einen Moment erlaubte sie sich, all die Gedanken und Alltagssorgen der vergangenen Tage beiseitezuschieben. Sie lauschte dem ruhigen Atem ihres Ranims, spürte seinen Arm, der locker über ihrer Taille lag und versuchte sich schließlich in den Schlaf sinken zu lassen.

Doch ihr Schlaf war unruhig, diese Nacht. Immer wieder wälzte sie sich, als könne sie keine bequeme Position finden, was ab und an von einem mehr unwilligen Brummeln des Barden quittiert wurde, der es offensichtlich nicht gewohnt war, dass sie in dieser Art und Weise zappelig neben ihm lag. Die Stille der Nacht schien drückend, als würde etwas darauf warten, sich in ihre Träume zu schleichen, ein ruheloses, nervöses Gefühl.

Irgendwann, als sie endlich den Schlaf gefunden hatte, fand sie sich plötzlich in der endlosen Weite der Durrah wieder. Der Sand war brennend heiß unter ihren Füßen, doch sie spürte keinen Schmerz. Über ihr spannte sich ein Himmel ohne Sterne, schwarz wie das endlose Nichts. Kein Geräusch war zu hören – kein Zirpen, kein Wind, nur eine bedrückende Stille, die sich über die Wüste legte wie ein schwerer Schleier, der alles zu verschlingen drohte.

Dann, aus dem Nichts, ein Hauch von Bewegung. Ein Windstoß, der an ihrem Schleier zerrte, feiner Sand, der an ihrer Haut entlangstrich, als würde etwas sie willkommen heißen. Es war kein gewöhnlicher Wind. Er trug eine ihr unbekannte weibliche Stimme in sich. Eine, die ihren Namen flüsterte.

Asahi. Asahi. Asahi.

Sie drehte sich um, suchte die Quelle, doch die Wüste war leer. Kein Lebewesen, kein Schatten. Nur die Dämmerung des Traumes und das ungreifbare Gefühl, dass sie nicht allein war. Ihr Herzschlag beschleunigte sich, nicht aus Angst, sondern aus einer seltsamen Sehnsucht. Eine Sehnsucht, ähnlich jener, die sie in der Höhle gespürt hatte. Es war, als würde etwas nach ihr rufen - nicht nur mit Worten, sondern mit einer unsichtbaren Kraft, die sie lockte, die sie zu sich zog.

Ihre Füße begannen, sich zu bewegen. Ohne bewussten Entschluss schritt sie voran, als würde ihr Körper den Weg kennen, den sie selber noch nicht verstand. Der Sand unter ihren Sohlen gab nach, doch sie versank nicht. Die Wüste schien sie zu tragen, sie zu führen.

Und dann sah sie es.


Sie fuhr aus dem Schlaf hoch, ihr Atem flach, ihr Geist verwirrt, als bräuchte sie einige Momente um wieder gänzlich im Hier und Jetzt anzukommen, als bräuchte sie einige Momente um zu verarbeiten, was passiert war und festzustellen, dass sie wach war. Wach, Zuhause, im Bett bei Ishmael in Sicherheit. Die Wunde in ihrer Hand brannte, ein dumpfes, beständiges Pochen, als würde jene sichergehen wollen, dass sie nicht vergessen wurde. Der Barde blinzelte ihr verschlafen entgegen, als hätte die plötzliche Reaktion ihres Körpers ausgereicht, um ihn ebenso zu wecken.

Die junge Khalig hatte ein merkwürdiges Gefühl, dass sie überkam. Etwas hatte sie gerufen. Und es wartete noch immer, ohne dass sie mit dem Finger darauf deuten konnte, was es ist oder ohne dass sie sich erinnern konnte, was sie gesehen hatte.
Zuletzt geändert von Asahi Sada Ryzan am Freitag 7. März 2025, 16:18, insgesamt 2-mal geändert.
Cebrail Deen Yazir

Beitrag von Cebrail Deen Yazir »

Ashanti Bashir hat geschrieben:In Menekur werden einige Akemies herum geschickt die folgendes Verkünden.

Aufgepasst Volk von Menekur

Die Armee gibt eine Warnung heraus.
Die Durrah ist derzeit ein noch gefährlicher Ort als sonst.
Karawanen sollten sich momentan nur Tagsüber hindurch bewegen oder Schiffsrouten nutzen.
Des Nachts droht Gefahr in heftige Sandstürme zu geraten.
Tagsüber ist es dringlich zu empfehlen auf den Handelswegen zu bleiben.
Gez: Jikban und Jagdführer Ashanti
Der erste Sturm hatte für ein kurzes Stocken im krisenerprobten Volk der Menekaner gesorgt. Der zweite, deutlich heftigere Sturm aber hallte in den Köpfen der meisten noch nach. Es war unüblich, dass zum äußersten Ende des Winters hin noch so vermehrt heftige Stürme auftraten. Die heiße Phase war eigentlich schon vorbei. Die Mauern der goldenen Stadt waren nicht ohne Grund so hoch gebaut. Sie waren dafür konzipiert, die meisten Stürme abzuwehren. Doch beide vergangenen Stürme hatten beachtlichen Zerstörungspotenzial bewiesen. Für jemanden, der sich nur flüchtig mit dem Thema beschäftigte, sicher nicht weiter beängstigend, aber Cebrail wusste, was er in der Wüstenhöhle erlebt hatte. Er wusste, dass ihn seit dem unruhige Träume, gar Albträume, davon abhielten, erholsamen Schlaf zu erhalten - und er wusste, dass Asahi ebenso unter Schlafproblemen litt. Hatte sie nicht außerdem erwähnt, dass sich ihre Schnittwunde Zeit mit dem Heilen ließ? Das konnte alles kein Zufall sein. Cebrail musste sich dringend mit ihr unterhalten. Sie mussten etwas tun. Beschäftigte Haatims und Emir hin oder her. Notfalls würde Cebrail die Sache eigenhändig angehen.
Ashanti Bashir
Beiträge: 471
Registriert: Donnerstag 4. Mai 2023, 17:03

Beitrag von Ashanti Bashir »

Komm zu mir


Dunkelheit umhüllte sie in der Stille der Nacht.
Langsam nur in leichter Kleidung gehüllt und Barfuss ging sie die Strasse in richtung des Haupttores.
Keine der Wachen die sonst eingeteilt sind standen an jenem. Doch dies schien Ashanti nicht zu bemerken, und so ging sie ohne einen Blick zurück zu werfen durch das Tor in die Durrah hinaus.
Hinter der Karawanserei überquerte sie die hohe Düne hinter der sie dann verschwand und nicht mehr zu sehen war.
Dann blieb sie stehen und schaute zu dem am Horizont sich aufbauenden Sandsturm.
Leises säuseln drang an ihr Ohr und sie lauschte mit einem Blick der fern ab lag.

Komm zu mir meine Blüte.Ich bin hier und warte auf dich.
Lass dich von mir in die Arme schließen. Bei mir darfst du sein wie du bist.
Komm zu mir.

Mit langsamen Schritten setzte sie sich dann wieder in Bewegung. Dem Sandsturm immer näher kommend mit einem seeligen Lächeln auf den Lippen.
Dann zeichnete sich ein Gesicht ab mitten im Sturm und wieder drang dieses verführerische Säuseln an ihre Ohren was sie immer weiter voran tireb.
Nur noch ein letzter Schritt, dann wäre sie endlich im Sturm.
Das Säuseln wurde immer aufdringlicher und lies sie eine innige Geborgenheit spüren.
Den letzten Schritt dann machen wollend spürte sie mit mal einen festen Druck auf ihrer Schulter welcher sie inne halten lies.
Erschrocken und zu gleich verwirrt öffnete sie die Augen und schaute ihren Kameraden ins Gesicht welche sie am Haupttor wohl Schlaf wandelnd aufgehalten hatten.
Zuletzt geändert von Ashanti Bashir am Freitag 14. März 2025, 20:43, insgesamt 1-mal geändert.
Der Erzähler

Beitrag von Der Erzähler »

Träume von mir in den Geschichten aus tausendundeinem Rausch, tausenduneinem Tanz, tausendundeinem Lied...
Träume mit mir in dieser und auch der nächsten Nacht, denn ich bin dein und du sollst mein sein.
Mein, mein ganz allein.



Asahi:

Die Silhouette setzte sich zauberhaft klar vor dem gigantischen stürmenden Wirbel ab, welcher sich so träge drehte, als habe die still stehende, schlanke Gestalt davor die Zeit angehalten. Dafür glitzerte jedes einzelne Korn darin hell, als würden Diamantsplitter im Sturmstrudel tanzen. Immer wieder beleuchteten sie die Umrisse der Gestalt, vermutlich weiblich und von bemerkenswerter Anmut, doch machte sie keinen Schritt vom Hügel und der Gefahr durch den nahen, drohenden Sturm fort. Ja, sie schien auf ihn zu warten oder gar ein Teil des Ganzen selbst zu sein.
Stoisch blickte sie herab und sah... sah... ohne, dass man ihre eigenen Gesichtszüge auch nur im Ansatz erkennen könnte. Jene blieben wie in schwarzen Schleiern durch den Schatten der Nacht verborgen.

"Asahi..."

Das Flüstern schien von überall zugleich zu kommen und so fand es sehr zielsicher den Weg mitten in den Geist hinein, rauschte dort zärtlich und süß, fast lockend.

"Asahi..."

Ein zweites Mal und da erst hob sie die Arme geschmeidig, mit vollendeter Grazie spreizten sich die Finger leicht, streckten sich der Angesprochenen entgegen.

"Asahi... komm... zu... mir."

Kein Befehl und auch kein Betteln, ein gehauchter Zauber, der durch den Körper drang, wie ein Hauchen in den Nacken, welches als Schauder die Wirbelsäule entlangglitt. Sie kam etwas näher, Stück um Stück nur, doch schien die Gestalt zu wachsen, mehr in den Fokus zu rücken. Mit einem Hauch Verwunderung raunte der kluge Kopf nervös, dass sie sich dabei aber nicht bewegte und kurz sankt der Blick von der unwiderstehlichen Gestalt herab und mit Entsetzen kam die Erkenntnis, dass es die eigenen Füße waren, die sich in Bewegung gesetzt hatten. Schritt um Schritt auf die Wartende zu, welche noch einmal zärtlich den Namen flüsterte.

"Asahi..."

Dann erst erwachte sie und fror so sehr, als habe sie wahrlich die bisherige Nacht in leichten Gewändern mitten in der nächtlichen Kälte der Durrah verbracht.


Cebrail:

Schon nach wenigen Momenten, die er im Traum verbrachte, wusste er, dass es sich um einen Traum handeln musste. Nein, nicht um irgendeinen Traum, sondern diesen einen, in welchem er sich seit Tagen immer und immer wieder aufs Neue verfing, wie im Netz einer riesenhaften Spinne.
Er stand vor den Toren Menek'Urs und beobachtete still, wie sich Tag und Nacht einem rasanten Jagdspielchen hingaben. So flink wechselten sie, dass er bald blicklich nicht mehr nachkam, doch obwohl es immer so begann in den nächtlichen Umarmungen der Traumzeit, so war das, was danach kam, immer etwas Anderes. Mal ein markerschütternder Schrei aus der Stadt, mal panisch wimmernde Kinder, die aus den Toren heraus ihm entgegenstürzten oder zuletzt sogar vom Himmel herabfallende Falken, die zuckend und mit gebrochenen Gliedern vor seinen Füßen das Ende fanden.
Doch all diese plötzlichen, jähen Momente hatten Eines gemeinsam:
Das Entsetzen, welches ihn wie eine Woge überflutete und ihm jedes Mal aufs Neue den Atem nahm. Was würde es diesmal sein?

Noch während diese Frage seinen Geist durchzog, spürte er die feuchte Wärme auf den Wangen und glaubte im ersten Moment, dass er zu weinen begonnen hatte, doch als die Hand die vermeintliche Träne beiseite wischte, da spürte er wie klebrig und dickflüssig sie war. Was konnte das sein?!
Er roch es noch, bevor er die Hand vor die Augen führte. Schwer, etwas süß aber zugleich metallisch salzig - Blut.
Als er den Kopf in den Nacken legte, da tropfte es bereits von all den Wachgängen der Stadtmauer, blubberte aus den Fenstern und drohte seine geliebte Heimat darin zu ertränken. Doch das Grauen überkam ihn vor allem, als er die leise Stimme in seinem Nacken vernahm, die zart flüsterte:

"Sie sollen es spüren. Den Schmerz. Jeden einzelnen Moment."

Als er sich herumdrehte, fiel er aus dem Bett, noch im Kampf mit der Lamawolldecke halb verheddert, halb ringend.

Und Menek'Ur träumte. All jene, die sich dem Sandsturm gestellt oder ihn auch nur zu lange beobachtet hatten, wurden vom Strudel der düsteren, verworrenen Träume eingesogen, der schlichtweg nichts Gutes bedeuten konnte...

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Amaya Jamila Ifrey
Beiträge: 26
Registriert: Freitag 15. September 2023, 23:01

Beitrag von Amaya Jamila Ifrey »

Amaya träumte von endlosen Dünen, die sich wie erstarrte Wellen über den Horizont wölbten. Der Sand unter ihren Füßen lebte, pulsierte wie eine riesige Kreatur, die unter ihrer Haut atmete. Jeder Schritt zog sie tiefer in den Sand, als der Boden sie verschlingen wollte. Panik flammte in ihr auf, heiß und unnachgiebig. Sie wollte laufen, wollte fliehen, doch ihre Beine gehorchten nicht.

Aus der Ferne hörte sie Stimmen, wispernd wie zerrissene Seide im Wind, flüchtige Worte, die sich ineinander verfingen und wieder verflogen. Schatten huschten über die Dünenkämme, formten Gesichter, verzerrt, schmerzverzerrt, voller Wut und Verzweiflung. Ein Schauer rann über ihren Rücken. Irgendetwas an diesen Stimmen kam ihr schrecklich vertraut vor, als würde sie verloren gehen. Oder als würde ein Teil von ihr selbst mit dem Sturm sprechen.

Radeh?

Du hast den Sturm gespürt, nicht wahr? Fragte er, seine Stimme von Trauer durchzogen. Du hast uns beide gespürt, und der Wind trägt deine Angst. Du versuchst, zu fliehen, aber du kannst ihm nicht entkommen. Amaya wollte ihn berühren, ihn festhalten, aber ihre Hand durchbrach nur den leeren Raum, als wäre er aus Nebel gemacht. Radeh, warum... warum bist du weg? Warum kannst du nicht bei mir bleiben?

Und plötzlich taumelte Amaya aus ihrem Bett und saß keuchend aufrecht, ihr Herz hämmerte schmerzlich gegen ihre Rippen. Der Sand, der eben noch in ihren Adern geflossen war, war verschwunden, doch das Gefühl blieb, als hätte er sich in ihre Seele gebrannt. Am Ende saß Amaya lange auf ihrem Bett nur noch da, Tränen brannten in ihren Augen, während die Stille sie umhüllte.
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Asahi Sada Ryzan
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Registriert: Sonntag 23. Juli 2023, 13:11

Beitrag von Asahi Sada Ryzan »

Der Tag brach an, doch die Kühle der Nacht wollte nicht weichen, als hätte sie sich fest in ihre Glieder gebissen. Nicht nur das, sie lag auch nicht mehr im Bett, sondern stand am anderen Ecke des Schlafgemaches, direkt vor der Treppe, die zum Ausgang führte. Ein Blinzeln, ein Zittern im Körper und selbst als später die ersten Sonnenstrahlen letztendlich auf ihre Haut fielen, blieb eine feine Gänsehaut auf ihren Armen zurück. Erneut ein Frösteln, obwohl ihre Finger die Tasse heißen Moccas umschlingen hielten – da war etwas anderes, etwas, das tief unter ihrer Haut lauerte. Zunehmend spürte sie die besorgten Blicke des Barden auf ihr lasten, doch sie versuchte jene mit einem Lächeln aufzuweichen. Mehr oder weniger erfolgreich.

Die Erinnerungen an die Nacht waren so lebendig, als hätte sie wirklich durchlebt. Das Flüstern, das sich wie seidene Fäden um ihren Geist gewunden hatte. Der Sturm, der durchsetzt war von unzähligen diamantenen Splittern und die Gestalt, deren Stimme ihre Sinne benebelte.


»Asahi…«

Noch jetzt, während sie durch die befestigten Straßen Menek’Urs schritt, glaubte sie, es zu hören. Ein Flüstern und ein Raunen, das mit dem Wind kam und verschwand, bevor sie es wirklich greifen konnte. Sie schüttelte leicht den Kopf, presste die Lippen aufeinander und zog ihr Gewand enger um ihre Schultern.

Das ungute Gefühl, eine aufkeimende Ahnung, wenn sie alle Zeichen zusammenzählte, machte sich in ihren Inneren breit, während sie mit jedem Schritt zum großen Osttor spürte, wie das Gefühl, der Ruf lockender und intensiver wurde. Sie musste an Cebrails Worte im Tempel zurückdenken und sie trieben ihr ein mehr müdes Lächeln auf die Lippen. Sie würde wohl nicht mehr versuchen müssen, die Träume absichtlich hervorzulocken. Sie sollte für die nächste Zeit vor dem Schlafengehen die schwere Tür des Gewölbes verschließen und Ishmael den Schlüssel reichen, sie traute sich selber nicht, am Ende im Schlaf hinaus in die Durrah zu laufen und wer wüsste dann, was schon passieren könnte.

Als sie schließlich das Tor erreichte, erkannte sie bereits die Gestalt eines Janitscharen, der mit gerunzelter Stirn über die Dünen hinausblickte, während er auf dem Tor seinen Wachposten bezogen hatte. Seine Rüstung war makellos, doch an seiner Haltung war eine Erschöpfung zu erkennen, die bestimmt nicht von körperlicher Anstrengung herrührte. Sie trat näher und erhob ein wenig deutlicher die Stimme, um auf sich aufmerksam zu machen. Sie wollte wissen, ob es auch diese Nacht Stürme gegeben hatte und ob die Wachposten etwas gesehen hätten.


»Salam Aleikum... Ist alles in Ordnung?«

Der Janitschar zuckte kaum merklich zusammen, als habe er sie nicht kommen hören. Er wandte sich zu ihr um, seine dunklen Augen wirkten gezeichnet von Müdigkeit und Erschöpfung, obwohl der Morgen erst angebrochen war und somit vermutlich die erste Schicht? Sie unterhielt sich eine Weile mit ihm, nur um festzustellen, dass er vor wenigen Tagen einer Karawane angehörte, die einem der Sandstürme ausgesetzt worden war und dass er seither immer öfters Albträume hatte. Als würde die Nacht seine schlimmsten Ängste hervorrufen und sie mit den Sandstürmen kommen lassen. Plagende Träume, die ihm den Schlaf raubten, aber er wollte nicht seine Pflicht am Tor vernachlässigen - erst recht nicht zu dieser Zeit.

Asahi ließ ihren Blick selber über die endlosen Weiten der Durrah schweifen, sah sie da am Horizont das Wirbeln von Stürmen, oder war es ihr müder Geist, der ihr einen Streich spielen wollte? Innerlich regte sich ein Beben. Sie spürte es in ihrer Wunde, die nie richtig heilen wollte, in den Momenten der Stille, in denen sie glaubte, den Wind ihren Namen raunen zu hören.

Sie konnte es nicht leugnen.

Der Ruf war da. Hoffentlich würde das Gespräch mit dem Erhabenen Aufschluss bringen oder das mit den Haatims.
Zuletzt geändert von Asahi Sada Ryzan am Montag 17. März 2025, 18:45, insgesamt 2-mal geändert.
Dakhil Bashir
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Registriert: Freitag 8. April 2022, 16:03

Beitrag von Dakhil Bashir »

Das Blütenfest war nun bereits einige Tagesläufe her. Die Veränderungen in der goldenen Stadt waren aber nicht zu übersehen. Brachten diese Stürme aus der Durrah einmal keinen Schaden an Pflanzen oder Gebäuden, so sah man es dennoch in den Gesichtern der anderen Hazar's Durrah. Es brauchte auch eine Weile ehe das Oberhaupt der Schlangen die ersten Auswirkungen selbst bemerkte. Unruhiger werdender Schlaf, aufkeimende Träume, welche er schon lange nicht mehr so hatte. Es erinnerte ihn von Beginn an an die Auswirkungen dieses Medaillons, was vor Mondläufen einmal sein Unheil unter den in Menek'Ur lebenden Seelen verbreitete. Dafür waren die Träume zu ähnlich, die Ängste zu identisch, das Empfinden zu stark.

Viele wussten nicht, dass auch er beinahe im Sturm war. Den ersten Sturm hat er nur nicht miterlebt, da ein Handel im Grünland länger als erwartet dauerte und er die Nacht in einer der dortigen Tavernen verbrachte. Doch nach dem Blütenfest rüstete er sich grimmiger Mine und ritt auf Kemal bereits durch die Durrah, als das erste Säuseln ihn an die Warnung erinnerte, die zu der Zeit zwar noch mündlich durch Menek'Ur hallte, aber dennoch da war. Sein treues Reitlama hatte es vor ihm wahrgenommen. Er war zu sehr in seiner Gefühlswelt gefangen, die das Blütenfest bei ihm ausgelöst hatte. Er hatte ihr geschworen, er zeigt weiterhin Geduld. Und er wusste, sich nun in die Felle zu legen, würde ihn diesen Schwur brechen lassen. Also machte er sich auf in eines der Grünland- Gewölbe einige der dort hausenden Vieher dafür verantwortlich zu machen!
Dank Kemal, der bereits eine Weile zügiger über den Handelsweg der Durrah trabte, war ausreichend Vorsprung zum drohenden Sturm aufgebaut, als Dakhil diesen endlich bemerkte. Hektisch trieb er Kemal in einen schnellen Galopp und preschte durch die ersten Windstöße zum Übergang ins Grünland. Das Gebäude des Schleiers vollkommen neben sich liegen lassend, folgte er einem Instinkt und machte erst kurz vor Grenzwarth wieder halt.

Dakhil schaute über die Schulter, während Kemal unter ihm schnaufend stehen blieb. Der Eingang der Durrah war im Dunkel der Nacht nicht wirklich erkennbar. Der Sturm tat sein übriges und bildete beinahe eine Wand, welche sämtlichen Blick auf den goldenen, sonst so heimatlich wirkenden Sand verbarg. Auch der Sturm an sich sah nicht golden aus. Er konnte nicht sagen, was genau er da sah. Doch es war nichts, was ihm bekannt war. Es war unnatürlich? Solch ähnliche Worte fand Dakhil zumindest für sein Reitlama, als er versuchte zu begreifen, was gerade vor seinen Augen erfolgte.

Und so war der Schmied etwa einem Wochenlauf später mit bestimmten Schritten auf dem Weg zum Palast. Die ersten Sonnenstrahlen erreichten gerade erst den Horizont. Müde, nicht einmal richtig rasiert, aber zumindest angebracht gekleidet. In einer Hand hielt er ein versiegeltes Schreiben. Ein Schreiben, was vom Inhalt her mit nicht direkt unhöflichen, aber zumindest fordernden Worten sie einfordert. Einige spitze Steine auf dem Brunnenplatz, welche sich unangenehm in seine Fußsohlen bohrten, ließen ihn in die Realität zurückkehren. Was tat er da eigentlich gerade? Aus seiner Ungeduld hat sich - genährt von den nächtlichen Träumen - eine Angst entwickelt, welche ihn gerade zu einer dummen Tat zwingen wollte. Unzufrieden schnaubend landete das Schreiben in einer der Kohleschalen, welche den Brunnenplatz erleuchten. Während das Pergament von den Flammen zu Asche verarbeitet wurde, stapfte Dakhil zurück zu seiner Werkstatt. Ein großer Krug voll Met war an diesem Tag sein Frühstück.

Die kommenden Tage sah man das Oberhaupt der Bashir weniger bei Handelstreffen oder vergnüglichen Abenden. Er verschwand, so oft es ihn seine Pflichten zu ließen, im heiligen Cantar. Er hatte bereits einmal diese ganze (Alb-)Traumsache überstanden und hatte für sich damals gute Wege gefunden damit umzugehen. Und noch half dies auch jetzt. Noch.
Er betete zur All'Mara, dass sich dies nicht ändern würde. Was auch immer all dies wieder verursacht.

Es war daher wenig verwunderlich, dass es ihm nicht mehr als anderen anzusehen war, wie die Situation in der Durrah alle beschäftigte. Auch wirkte er nicht sonderlich übermüdet. Von außen betrachtet war er ein Anaan, der sich mit seinen Kollegen Gedanken über den Sturm machte. Dass er selbst Auswirkungen hatte, behielt er für sich. Es fragte auch keiner, wozu auch? Er war dem Sturm doch nicht ausgesetzt gewesen. So nahm man zumindest an.
Cebrail Deen Yazir

Beitrag von Cebrail Deen Yazir »

RÜCKBLENDE ...

Nur mal angenommen, wir hätten es hier tatsächlich mit einem oder mehreren rachsüchtigen Geistern zu tun ... Wovon mindestens einer scheinbar versucht, gewissermaßen Kontakt zu uns beiden aufzunehmen ... Warum auch immer wir, aber egal ... Dann liegt doch die Befürchtung nahe, dass das Unheil hier neda enden wird, solange wir es neda schaffen, mit dem Geist in Kontakt zu treten und ihn irgendwie ... zu besänftigen. Oder? Weil die Träume klingen für mich ziemlich eindeutig danach, dass man uns leiden sehen will, so wie - mutmaßlich - Saqat oder wer auch immer noch gelitten hat.
Ich weiß, das mir nicht gefallen wird, was jetzt kommt.
Erhabener ... Entweder ist das der größtmögliche Yazir-Wahnsinn, den ich bisher von mir geben werde, oder einfach die einzige Option, die wir gerade haben, aber wie wäre es, wenn Khaliq Asahi unter Geleitschutz dem Rufen nachgeht?
Was hab ich gesagt? ... Cebrail Deen Yazir, bist du des Wahnsinns fette Beute?
Noch neda, mein Emir.
Du weißt, das die Stürme da draußen Geschwindigkeiten und Ausmaße annehmen, die einen befürchten lassen, dass der Sand einem das Fleisch von den Knochen reißt?
Mit Verlaub, Erhabener ... Fällt Euch eine bessere Idee ein, dafür zu sorgen, dass die Sandstürme neda noch gefährlicher und die Albträume noch einnehmender werden, ohne dass wir was dagegen tun können?
Du bist derjenige, der die Idee hat. Ich weise dich auf die mögliche Fallstricke hin. Erstens riskierst du Asahis Leben. Zweitens das Leben ihres Geleits. Bist du willens, ihr Leben und das der Janitschare zu riskieren, die sie begleiten?
Und die Nerven eines ohnehin angekratzten Barden.
Je länger wir untätig sind, desto mehr riskieren wir unsere eigene Handlungsunfähigkeit. Die Träume werden weiter an unseren Kräften zehren, und auch an jenen der Janitschare.
Und sie werden Euch an einen Punkt treiben, an dem ihr nicht mehr Herr eurer Sinne seid. Und was nützt einem Priester, selbst einem, der stark im Glauben ist, das dann noch? Ihr steht vor einigen, unmöglichen Entscheidungen. Allerdings habt ihr Euch bewusst entschieden, dieses Ornat zu tragen. Und da es keine anderen Khaliq gibt, ist es diesmal an Euch, die schwerwiegenden Entscheidungen zu treffen. Du verlangst also von mir, das ich dir einige meiner erfahrensten Janitschare zur Verfügung stelle oder zumindest ihre Teilnahme erlaube?
Jeden anderen mitzunehmen wäre ein sicherer Massenmord, Erhabener. Ich würde das neda erbitten, wenn ich nur die leiseste Ahnung hätte, wie ich es anders regeln könnte.
Wann?
Neriman Eslam Yazir hat geschrieben:In der Kaerne wird die Jikban am gestrigen Abend eine Notiz für alle Kameraden sichtbar ausgehangen haben.

Salam Aleikum Kameraden,

im Namen unseres geliebten Herrschers, des Erhabenen Saif Aldeen Omars, auserwählter Eluives soll folgendes verkündet werden.

Mitglieder der Priesterschaft der Eluive werden sich auf eine Gefährliche Reise begeben, um den unnatürlichen Begebenheiten, die im moment in der Durrah herrschen, auf den grund zu gehen.
Hierzu soll von uns Janitscharen eine tatkräftige Gruppe gebildet werden, damit die Khaliqen ihre Aufgabe erfüllen und wieder sicher in die Goldene Stadt zurückkehren werden.

Hiermit fordere ich alle Janitschare, die Erfahren in den Gefahren der Durrah sind und die Fähigkeit besitzen, auch unter den schwierigsten Umständen durch die Durrah zu Navigieren auf, sich bei mir oder einem der anderen Jijkbans zu melden.
Da es sich hierbei um eine Stufe der Gefahr handelt, die niemand wirklich einschätzen kann und es sich Potentiell um eine Reise ohne Wiederkehr handelt, überlegt euch gut ob ihr euch der Aufgabe gewachsen fühlt.

Da ein genauer Termin, an dem die Abreise stattfindet noch nicht feststeht, werden die Janitschare, welche sich für dieses Unterfangen gemeldet haben, bis zu diesem Zeitpunkt in der Kaserne einquartiert, sodass sie zu jeder Zeit bereit sind aufzubrechen.

gez. Jijkban Neriman Eslam Yazir
Die Entscheidung war gefallen, Freiwillige haben sich gefunden und nun steht auch ein Termin für dieses waghalsige Unterfangen fest: Der Abend des 30. Lenzings sollte es werden. Cebrail hatte in den vergangenen Tagen unzählige Stunden im Gebet und in tiefer Meditation verbracht, um irgendwie den Schlafmangel auszugleichen. Er besann sich auf sein stetig wachsendes Band mit der All-Mara, auf die Kraft, die sie ihm vertrauensvoll verlieh. Nicht vom Glauben abzufallen, wenn die Tage dunkel und zermürbend sind, ist das Eine. Stark zu sein, wo andere aufgeben würden, das Andere. Asahi hatte es auf den Punkt gebracht.
Eine Prüfung, hm?
Sie mussten nun stark sein, den Schmerz aushalten. Kraft herholen, wo eigentlich keine mehr war. Sie mussten ihre Weitsicht behalten und besonnen genug bleiben, um Hazars Durrah anzuführen, die ihnen ihr Leben anvertrauten. Der Gedanke daran, dass neda nur Familie und Kameraden, sondern auch Vorgesetzte bereit waren, ihr Leben für Cebrails Idee zu geben, baute einen enormen Druck auf den jungen Khaliq auf. Wenn er versagte, wenn er nicht stark genug war, um sie lebend heimzubringen, dann würden nicht nur die Ryzan ihr Oberhaupt verlieren. Auch das stellvertretende Oberhaupt der Yazir, eine Schülerin des Ordens der Hadcharim, zwei Jijkban der Armee, zwei Khaliq des Tempels, die Esra ... Sie alle würden sterben. Er durfte nicht versagen. Sie mussten überleben. Egal, wie.

Die All-Mara hüte und leite uns ...
Zuletzt geändert von Cebrail Deen Yazir am Freitag 28. März 2025, 16:30, insgesamt 3-mal geändert.
Der Erzähler

Beitrag von Der Erzähler »

Ohn Unterlass... ohn Unterlass...

Sie wogten und wanderten, sie zerstörten und verwüsteten.
In seltenen Fällen, wenn sich ein Tier der Durrah nicht bewegen ließ, zu fliehen oder gar den Kampf direkt suchte, dann töteten sie auch.

Ohn Unterlass... ohn Unterlass...

Immer weiter trieb es sie durch die Wüste, es gab keinen Halt, kein Ende, nur die Suche. Wohin sie diese führen sollte, wussten sie nicht und es hatte auch keine Bedeutung. Der Weg war das Ziel, frei und gebunden zugleich.

Ohn Unterlass... ohn Unterlass...

Sie waren und blieben ein Teil des großen Sturms, nur bedingt von ihm gelöst und stets miteinander verwoben. Besonders aufgeregt, wütend und wild zugleich reagierten sie auf die Gesichter der Menschen, ganz gleich hierbei ob Menekaner oder Grünländer. Jagen wollten sie jene!

Ohn Unterlass... ohn Unterlass...

Viele drehten sich tatsächlich um und rannten, was die Beine im Sand auch nur an Entfernung gewinnen konnten, sie hasteten und eilten. Und die Sturmgeborenen verfolgte sie, bis sie nur noch kleine Pünktchen in der Ferne waren.

Ohn Unterlass... ohn Unterlass...

Manche aber ließen sich nicht jagen oder verschrecken, blieben stehen und forderten sie heraus. In den meisten Fällen endete der wüste Kampf damit, dass sie zerbarsten, den Wind aushauchten und wieder eins mit dem großen Sturm wurden. Nur, um ein weiteres Mal aus ihm zu treten und auf die Suche zu gehen.

Ohn Unterlass... ohn Unterlass...

Auf die Suche nach...
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Kelani Ishtar Ryzan
Beiträge: 34
Registriert: Donnerstag 29. Juni 2023, 21:12

Beitrag von Kelani Ishtar Ryzan »

Ein solch seltsamer Anblick war es ihre sonst stets tatkräftige Cousine, die ihre Tage voller Elan anging, leblos in den Hallen der Bibliothek zu entdecken.
Sanft legte Kelani ihre Hand auf Asahis Wange und strich ihr eine Haarsträhne aus dem Gesicht. „In Eluives Hand, sicher und geborgen sollst du sein. Sie möge dein Licht wieder zu uns führen...“ Leise, gemurmelte Worte des Gebets wurden gesprochen, während die junge Natifah mit gesenktem Blick von ihrer Cousine kniete.
Einige Augenblicke später, wie viele vermochte sie selbst nicht zu sagen, erhob sie sich und streifte ihre Hände über ihre Hose. Nun da die erste Natifah des Hauses nicht in der Lage war sich um die Familie zu kümmern, stand viel Arbeit an. In aller erster Linie werden ihre Cousinen und sie dafür Sorge tragen müssen, dass ihre Vetter nicht verhungern. Sie würde morgen wieder kommen.

Sollte Ishmael an jenem Abend sein Heim betreten wollen, wird er einen Korb mit einer Flasche Dattelsaft, frisch gebackenem Baklava und einen kleinen Tontopf mit immer noch warmen Dahl vorfinden. Wer es dort abgestellt hat, wird niemand sagen können.
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