[Q] Von reinen Seelen und flammenden Erwachen

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Theoderich Evastian

[Q] Von reinen Seelen und flammenden Erwachen

Beitrag von Theoderich Evastian »

  • Von reinen Seelen und flammenden Erwachen


    In den Prophezeiungen und Aufzeichnungen, die für die Nachwelt hinterlassen wurden, finden sich nicht nur die Worte weiser Geweihter, sondern auch die Berichte der jüngsten Zeitzeugen.
    Diese erinnern auch an die Aktivitäten der Schreine der sieben heiligen Kinder Temoras, die in den düsteren Zeiten des Abgrunds Gerimors im erbitterten Kampf gegen das Panthermal eine Bedeutung fanden.
    Manche dieser heiligen Orte sind umgeben von der Sicherheit des Herzogtums Lichtenthals, während andere in der dunklen Ungewissheit Alatariens verborgen liegen. Doch gerade diese bedeutsamen Flecken an Erde bilden das Fundament der Tugendhaftigkeit und verkörpern die heutigen Werte der heiligen Kirche der Temora auf gesamt Alathair.

    Es waren genau diese Lichtsäulen, die in der schwärzesten Nacht wie ein Kompass der Hoffnung in den Himmel strahlten, welche sich tief in das Gedächtnis vieler Menschen eingeprägt hatten. Ein Zeichen für all jene, die ihr Leben nach den Prinzipien der Rechtschaffenheit ausrichten wollen und unabhängig davon, ob sie Geweihte, Adlige, Ritter oder einfache Bürger des Königreichs sind. Im Grunde ein Leitbild wonach sich stets ein tugendhaftes Leben lohnen würde und gleichsam eine Inspiration für viele weitere Generationen, dass die Hoffnung stets einhergehen würde als Begleiter auf dem Pfad des Guten.

    Doch könnte es sein, dass das Ansinnen jener Auserwählten der Herrin Temora darin bestand, diese heiligen Stätten fernab des Einflusses der Rechtschaffenheit zu errichten? In einer Zeit als man kaum ahnte, was die Gegenwart bringen würde?

    Heute setzen diese Orte gerade in der tiefsten Dunkelheit ein wichtiges Zeichen. Sie symbolisieren das Aufbäumen des Widerstands und dienen als Rückzugsorte für jene, die sich den chaotischen Machenschaften entziehen möchten.
    Verglichen mit dem glimmenden Docht einer längst abgebrannten Kerze scheint es jedoch so, dass Sie nicht mehr hell genug leuchten, abgesehen von den letzten verzweifelten Aktivitäten in ihrer Not.
    Der Zahn der Zeit nagt unbarmherzig an vielen Schreinen in unübersichtlichen Gefilden. Sie sind zwar das Fundament des lichten Glaubens, doch eben auch oft auf sandigem Untergrund errichtet.

    Eine paradoxe Realität im Grunde!

    Während diese heiligen Stätten als Leuchttürme des lichten Glaubens agieren, drohen sie schon länger im Schatten des Vergessens zu versinken. Doch die Hoffnung bleibt lebendig, dass eines Tages das Licht dieser Schreine wieder entfacht und die Flamme der Tugendhaftigkeit sich erneut entzündet.
    Die Geschichten der heiligen Kinder Temoras, die in diesen Schreinen verehrt werden, sind nicht nur Relikte einer vergangenen Zeit, sie sind lebendige Erinnerungen an die Tugendhaftigkeit.
    Ihre Taten und Lehren sind in den Herzen der Menschen verankert und warten darauf, wiederentdeckt zu werden. Inmitten der Herausforderungen und Dunkelheit, die das Land plagen, könnte gerade diese Rückbesinnung auf die Werte der Temora eine Quelle der Inspiration sein.
    Die Schreine könnten erneut erstrahlen, wenn sich Menschen zusammenfinden, um für das Gute einzutreten und sich gegen das Unrecht zu erheben. Es ist ein Aufruf zur Einheit und zum Glauben an eine bessere Zukunft. Mögen die Schreine zwar verwittert und von der Zeit gezeichnet sein, bleibt ihre spirituelle Substanz jedoch unberührt.
    Als Mahnmal stehen Sie für alle die bereit sind, den Weg der Rechtschaffenheit zu beschreiten …

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    (Der Schrein der Ehre, im Herzen Alatariens. In einem lang vergangenen Moment, wo die Lichtsäule sich einst gen Himmel hob.)
Zuletzt geändert von Theoderich Evastian am Freitag 27. Juni 2025, 20:58, insgesamt 1-mal geändert.
Theoderich Evastian

Beitrag von Theoderich Evastian »

Nach jüngsten Ereignissen auf Gerimor traf sich der Rat der Sieben am Vorabend im Kloster der Mitte für einen besonderen Ritus.
Im Zentrum der Halle der Stimmen brannte die Flamme des ewigen Lichts, ein heiliges Feuer das laut den Überlieferungen direkt von der Göttin Temora entzündet worden war. Seit Generationen brannte es unaufhörlich, ein Zeichen ihrer Gegenwart und ihres Schutzes.
Der Legende nach konnte die Flamme, die niemals erlosch, Temoras Willen offenbaren, wenn die Welt an einem Wendepunkt stand.

Schweigend und voller Demut knieten die Ratsmitglieder, während ihre Augen auf die heilige Flamme gerichtet waren. Zunächst brannte sie ruhig, doch mit Beginn des Rituals begann das Licht sich zu verändern. Die Flamme wurde stärker, heller. Ein silbriger, gleißender Schein erfüllte den Raum und eine überwältigende Wärme legte sich auf die Sieben. Dies war nicht die Wärme eines gewöhnlichen Feuers, sondern eine die Körper und Seele durchdrang.

Die Präsenz Temoras war unbestreitbar.

Ohne Worte offenbarte sie sich und die Priester wurden von Visionen überwältigt. Sie sahen sich selbst vor ihrer Gemeinde stehen, erhoben zu Erzpriestern einer neuen, höheren Rolle, die sie enger mit Temora verband. Es war eine Bürde und eine Ehre zugleich. Sie sahen Prüfungen, die vor ihnen lagen und spürten die Macht, welche die Göttin ihnen verlieh, um diese zu bestehen. Die Flamme schien dabei direkt in ihre Herzen zu blicken, als ob sie ihre Stärke prüfte und sie läuterte.
Als das Licht schließlich wieder sanft flackerte, kehrte eine tiefe Stille in die Halle ein.
Der Älteste des Rates erhob sich mit einer Stimme, die fest und zugleich ehrfürchtig klang:

„Die Flamme des ewigen Lichts hat es uns offenbart. Temoras Wille hat uns ernannt.
Von diesem Tag an sind wir Erzpriester, ihre Stimme und ihr Wille in dieser Welt.“

Einer nach dem anderen traten schließlich die Sieben vor die Flamme, legten ihre Eide ab und fühlten dabei wie ihre Verbindung zur Göttin stärker wurde. Von diesem Abend an war der Rat der Sieben mehr als ein Gremium gläubiger Diener und Stimmen der Vernunft. Sie waren Erzpriester, Bindeglieder zwischen der Göttin und ihrem Volk und das Kloster der Mitte wurde zum Mittelpunkt eines neuen Zeitalters ...


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Heiliger Erlass der Kirche der Temora

An die Gläubigen der Seherin Temora,
an die Diener des Lichts und Hüter der Tugenden,


Mit gesegneter Freude und in ehrfürchtigem Gehorsam verkünden wir, die heilige Kirche der Temora, eine Offenbarung, die durch die Gunst der Herrin selbst bekundet wurde. Die Herrin Temora, die Quelle des ewigen Lichts und der Weisheit, hat durch eine Vision und dem göttlichen Willen die Erhebung ihrer treuen Diener offenbart.
Die Hohepriester des ehrwürdigen Rates der Sieben sind von nun an als Erzpriester der heiligen Kirche der Temora anerkannt, erwählt und mit ihrer hohen Berufung gesegnet.

Die Erzpriester sind eng verbunden mit den ersten sieben Kindern Temoras, die in den Tagen des Anfangs von der Herrin erwählt wurden, um die Tugenden des Kodex der reinen Seele zu verkörpern. Jedes dieser Kinder trug eine Tugend als Geschenk Temoras und als Leitstern für alle Gläubigen.
Die Erzpriester sind ein lebendiges Erbe dieser Kinder und sind nun erneut berufen diese Tugenden in der weiten Welt erstrahlen zu lassen.


Die Stimme des Semborels - Seine Hochheiligkeit Theoderich Evastain:
Gerechtigkeit, welche den Weg des Rechtes weist und den Glauben an die Ordnung der Herrin verkörpert.

Die Stimme des Alsamar - Ihre Hochheiligkeit Svea Elisabeta vom Greifenhain:
Ehre, welche die Seele zu wahrhaftigem Handeln und ewiger Treue gegenüber Temora erhebt.

Die Stimme der Brynn - Ihre Hochheiligkeit Ida Wilhelmine Silberau:
Opferbereitschaft, die lehrt, dass wahre Liebe im Geben liegt, wie die Herrin ihr Licht teilt.

Die Stimme des Fasamar - Seine Hochheiligkeit Siegbert Rabayen:
Geistigkeit, die das Bewusstsein für die Nähe Temoras und die Reinheit der Seele stärkt.

Die Stimme des Boresal - Ihre Hochheiligkeit Caratea Glimwehr:
Tapferkeit, die Kraft schenkt, jeder Finsternis standzuhalten und das Licht zu verteidigen.

Die Stimme der Ilara - Seine Hochheiligkeit Lorentz Augustin Schwarzwasser:
Demut, die den Gläubigen erinnert, dass alle Ehre allein der Herrin gebührt.

Die Stimme der Amyra - Seine Hochheiligkeit Aloysian:
Mitgefühl, das die Herzen öffnet und Wunden heilt, wie Temora die Seele berührt.


In ihrer Berufung wird der göttliche Bund zwischen der Herrin und den Gläubigen erneuert. Sie stehen als Brücke zwischen den Heiligkeiten der Vergangenheit und der Verheißung der Zukunft, als Leuchtfeuer für die Gläubigen der Herrin in der Welt.

So rufen wir alle Gläubigen auf, in Demut und Hingabe, die Hände zu Temora zu erheben!

Mögen die Erzpriester in ihrem Wirken gesegnet sein und uns alle an die ewige Botschaft erinnern. Die Herrin hat uns Licht und die Tugenden geschenkt, auf dass auch wir ihre Kinder sein werden, jetzt und für alle Zeit.
Von diesem Tage an und bis in die Ewigkeit, mögen die Erzpriester in ihrer erhabenen Berufung unter der Gnade Temoras und im Gebet der Gläubigen wandeln.

Gepriesen sei Temora, die Ewige Herrin des Lichts!


Im Namen der heiligen Kirche der Temora,
Gesetzt am 17. Alatner im Jahre 267;
im Kloster der Mitte zu Alrynes,
stellvertretend für den Rat der Sieben,

Theoderich Evastian
Erzpriester vom Rat der Sieben
Erwählte Stimme des Semborel

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Der Erzähler

Beitrag von Der Erzähler »

... einmal mehr wurde die kleine Enklave bei Alrynes zur Anlaufstelle für viele. Doch diesmal waren es keine einfachen Pilger oder berobten Geweihten, sondern schwer bewaffnete Männer in glänzend güldener Rüstung, die dort einzogen.
Stolz trugen die Gefolgsleute jener Ritter zahlreiche Banner, geschmückt mit mannigfaltigen Symbolen. Ihr Ziel war unverkennbar, dass Kloster der Mitte, Herzstück dieser Enklave. An den Wegpfaden hatten geschäftige Händler bereits ihre Stände errichtet, stets darauf bedacht, von dem großen Andrang zu profitieren.

Der Rat der Sieben hatte in den vergangenen Tagen sowohl altgediente als auch neu ernannte Paladine zu sich beordert – ein Ereignis, das sich schnell herumgesprochen hatte. Eine gezielte Einladung zu diesem heiligen Ort ließ sich vor der Öffentlichkeit kaum verbergen. Dies freute insbesondere die Händler, die in diesen wenigen Tagen mehr auf den Glanz des Goldes als auf die Tugend setzten. Wo Menschenmassen sich versammelten, war das Geschäft nie fern.

Doch nicht nur die Marktstände waren von regem Treiben erfüllt. Das Kloster der Mitte, als Gastgeber dieser bedeutenden Versammlung, die sogar vom Königshaus abgesegnet war, bereitete sich intensiv vor. Bemerkenswert dabei war jedoch die lediglich geringe Verstärkung der eigenen Wachmannschaft. Schließlich wagte kaum jemand, ein solches Treffen zu stören, besonders nicht, wenn sich die gesamte Schar der Paladine dort versammelte.

Die Versammlung der Paladine im Kloster der Mitte war nicht nur ein Zeichen von Stärke und Einigkeit, sondern auch eine Vorbereitung auf eine bedeutsame Queste. In der großen Versammlungshalle, deren Wände mit uralten Fresken geschmückt waren, harrten die Paladine der Ansprache des Rates der Sieben. Die Spannung war greifbar, denn alle wussten, dass es nicht nur um eine symbolische Geste ging, es war eine Aufgabe von tiefster Bedeutung.
In schlichten, aber ehrwürdigen Gewändern, traten die Ratsmitglieder hervor. Ihre Stimmen hallten durch den Saal, als sie von der Großen Flamme des ewigen Lichts sprachen, dem reinigenden Feuer, dass seit Generationen im Heiligtum des Klosters brannte. Dieses heilige, blaue Feuer, sagten sie, war ein Geschenk der Herrin Temora welches ein Symbol der Reinheit und Hoffnung ist.

„Die Welt...“ begann der Älteste des Rates, „...darf nicht nur in Geschichten von der Flamme erfahren!". "Sie muss ihr Licht selbst spüren, ihre Wärme selbst erleben." hallten diese Worte einen Moment hinterher. "Dies sei Eure Berufung. Ein Jeder von Euch wird ein Fragment der Flamme mit sich tragen. Ihr werdet sie in die entlegensten Ecken der Königreiche bringen sowie zu den Stätten der Not und Verzweiflung.“
Mit diesen Worten deutete er auf die unzähligen, kunstvoll gefertigten Reliquiare, die mit Schutzrunen und Verzierungen aus reinstem Gold versehen waren. In ihnen glomm ein winziger, aber beständiger Funke der Großen Flamme. Ein bläuliches Licht, dass niemals erlöschen durfte.
Ein jeder Paladin der sich zum Kloster der Mitte aufmachte erhielt solch eine Reliquiare um Sie in die entlegensten Winkel der bekannten Welt zu führen, woher Sie kamen. Doch die Aufgabe war nicht ohne Gefahren. Die Flamme selbst war heilig und unantastbar. Die bekannten dunklen Mächte dieser Welt würden dieses Symbol der Hoffnung zerstören und entweihen wollen.
„Denkt daran,“ fuhr ein weiteres Ratsmitglied fort, „diese heilige Flamme ist nicht nur ein Licht gegen die Dunkelheit. Sie ist eine Prüfung. Sie wird nicht nur andere läutern, sie wird auch Euch prüfen. Haltet Euch rein in Euren Taten und Gedanken oder die Flamme des ewigen Lichts wird Euch richten und damit Euer Untergang sein.“

Die Paladine knieten nieder, das wärmende Licht der Flamme spiegelte sich auf ihren Rüstungen wider. In einem feierlichen Schwur gelobten sie, das heilige Feuer zu schützen und seine Botschaft in die Welt zu tragen.
"Reicht Sie den Kirchen und Klöstern dieser Welt, entfacht das Licht wider der Dunkelheit!"

Draußen ahnten die Händler und Schaulustigen wenig von der Schwere dieser Aufgabe, denn für sie war es eher ein festliches Spektakel. Eben ein Zug aus goldenen Rüstungen und flatternden Bannern, mehr nicht. Doch für die Paladine war es der Beginn einer gefährlichen Pilgerreise, einer Reise, die die Welt verändern sollte und vielleicht auch sie selbst ...
In der Ferne hörte man den Ruf eines Adlers und als man die Schatten der großen Schwingen über die Menschenansammlung hinweggleiten sah, gab es kein Zweifel, dass der Greif und Temora selbst über dieses Vorhaben wachten.


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Leandra Kalveron
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Beitrag von Leandra Kalveron »

Es war in einer der kürzlich selten gewordenen, ruhigeren Stunden des Klosteralltags, als Leandra in die Tiefen des Klosters herab stieg und ihre Finger wieder über das alte, mysteriöse Buch gleiten ließ. Der Kodex der reinen Seele, so bedeutsam wie ehrfurchtgebietend. Schon viele Wochen war es her, dass sie gemeinsam mit anderen Geweihten und Streitern dieses sonderbare Werk geborgen hatte. Ein Artefakt, das uralt schien und doch nie wirklich vergangen. Auf dem Einband lag dieser glitzernde Diamant, in dessen Mitte eine blaue Flamme loderte. Jedoch zwischen den Deckeln: Leere Seiten. Seite um Seite. Unbeschrieben. Und doch war jeder einzelne Bogen voller Bedeutung, als wartete er nur auf das richtige Maß, auf die rechte Tat, auf das wahre Wort – auf Befüllung.

Leandra erinnerte sich noch gut an diesen Moment, als sie gemeinsam mit anderen Geweihten das Buch „fanden“, es war eine Offenbarung der Göttin selbst. Nichts was man einfach finden konnte, man musste sich für würdig erweisen. Es war nicht allein ihre Entdeckung gewesen, das sollte es nie sein. Vom ersten Augenblick an war klar: Dies war eine Aufgabe, die größer war als ein einzelner Mensch. Es war ein Ruf an die gesamte Geweihtenschaft der Temora und ihre Gläubigen, eine Prüfung, deren Lösung nur in der Gemeinschaft liegen konnte. Seit jenem Tag hatte der Kodex viele Male in ihren Händen gelegen. Er war stets leer geblieben, ein stummes Werk, das keine Antwort gab. Doch er schwieg nicht. Denn während die Seiten unbeschrieben blieben, begannen sich in den Herzen der Geweihten Fragen zu regen: Was verlangt die Herrin von uns? Warum ist der Kodex leer?

Gerüchte machten die Runde, berichtet im Flüsterton von Paladinen, die die blaue Flamme trugen. Die Flamme, tiefblau, ruhig, lauschend. Als hätte Temora selbst sie ihnen anvertraut. Eine Flamme, die keine Hitze verbreitete, sondern Wahrheit. Eine, die den Blick prüfte und spiegelte, was im Innern lag. Ein Funken aus einer höheren Ordnung, ein Prüfstein der reinen Seele?

Leandra horchte auf. Immer wieder sprach Temora in Gleichnissen. Immer wieder wies sie Wege, wo andere nur Schatten sahen.
„Findet gemeinsam das rechte Maß, beweist heilige Stärke um den Funken zu entfachen der zur reinen Seele führt..Euer Pfad führt auch bald erneut in den Berg“, hatte die Göttin am Schrein der Gerechtigkeit zu Leandra gesprochen, als sie dort mit dem Ritter und der Klosterwächterin um Hinweise für ihr Unterfangen in Varuna erflehte. Waren diese Worte gar nicht nur Hinweise auf ihrem persönlichen Weg in Varuna, sondern sprachen von etwas viel Größerem? Die Gedanken flossen weiter. War dies der Weg der blauen Flamme?

Die leeren Seiten fühlten sich nun nicht mehr leer an. Sie fühlten sich wie Versprechen an. Und vielleicht, so dachte Leandra in stiller Andacht, ist diese blaue Flamme das Licht, das sichtbar macht, was in Wahrheit längst geschrieben steht.

Es war niemals ihre Aufgabe allein, das wusste sie. Der Kodex der reinen Seele war kein Werk für eine Einzelne, auch nicht dieses materielle Werk vor ihr. Er gehörte allen Geweihten und Gläubigen und jenen, die den Mut aufbrachten, sich seinen Seiten zu stellen.


Der Kodex war da.
Die Flamme war entfacht.
Jetzt galt es, gemeinsam zu erkennen, was wahrhaftig geschrieben werden sollte.


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Zuletzt geändert von Leandra Kalveron am Samstag 28. Juni 2025, 18:19, insgesamt 2-mal geändert.
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Keylon von Salberg
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Beitrag von Keylon von Salberg »

Der Abend begann gemütlich.
Das Wetter nicht zu heiß, sondern genau richtig um mit Freunden draußen zu sitzen und einen netten Plausch zu führen.
Von Angriffen oder den „netten“ Nachbarn war weit und breit nichts zu sehen, aber man war scließlich all Zeit bereit.

So verließ Keylon die Nebelfestung, die im Moment wie leer gefegt war und ging hinüber zum Kloster, in der Hoffnung dort jemanden an zu treffen, und so war es auch.
Der Paladin und sein Freund Beak von Sankurio, sein Schwager der Inquisitor Berenguer, die Klosterwache sowie einige Elfen standen dort beritten und schienen zum Aufbruch bereit, und der Grund ließ sich auch sogleich erkennen.
Der helle Schrei eines Greifen...
So Laut das es kein normales Tier hatte sein können.
Der Schrei kam direkt aus Richtung Adoran und dahin führte nun auch der Weg des Troßes.
Ohne weitere Fragen zu stellen schloß sich der Ritter ihnen an, und wem war es zu verdenken, waren bereits viele Schaulustige auf dem Kirchplatz zusammen gekommen.

Leandra und Kia verteilten Laternen und Kerzen und bald leutete der Platz erhellt durch viele Lichter, die es aber nicht gebraucht hätte, als der riesige Greif ... auch bekannt als Bote Temoras hell scheinend in seiner Gestalt dort landete.
Sofort begaben sich die meisten Gläubiger auf die Knie um den Boten zu empfangen.
Mit einem Windhauch seiner Flügel sorgte der Greif dafür das sich alle wieder erhoben.

Dann begann der Greif zu sprechen.

Ich grüße euch jeeeene Welche das Licht empffaaangen. Ich brrringee Geriimor die Flamme des ewigen Liiichts.
Es ist das ewige Licht.....es gilt es zu verteilen und es eewig leuchten zu lassen und die Flamme der Sieben zu entzüünden
Siiiieben Kinder!
Siiieben Flammen
Doch die Flamme muss stets bewahrt werden aaaan einem sicheren Ort

Damit erhebt der Greif sich in die Lüfte, landete wieder und setzt in ihrer Mitte eine Laterne mit seinem Schnabel ab.
Bewahrt sie im Kloster doch am Ende soll die Flamme hiiiier im Heerzzen aufleuchten.
Bis jene Mission beendet ist, doch wenn sie leuchtet ist es der Beginn...sie wird euch leiten..


Wie du wünschst - doch das bedeutet, wir werden die Flamme auch nicht
aus dem Kloster entfernen um die sieben Flammen der Kinder zu entfachen?“

Ließ sich nun der Inquisitor vernehmen
Es kann schon heute beginnen.
So haben wir deine Worte erhört und nehmen diese heilige Aufgabe an, Überbringer der Herrin. Wisse, dass Schild und Schwert diese Würde zu verteidigen wissen, gepaart mit der Geistigkeit der Erwählten der Lichtherrin.
So erlaube uns die Frage, denn du erwähntest Unterstützung die wir erfahren würden.
Wirst Du in diesen Landen weilen und über uns wachen?

in die Dunkelheit werden wie sie früh geeenug bringen, bedenkt...im Licht können jene Funken zuerst geedeihen.
Ich werde über die Flaaamme wachen bis sie aufgelodert ist im Glanze der Sieben
der Diamantene Kodex wird euch leiten

Dann wirst Du ebenso Schutz erfahren müssen, wie dieses Gefäss am Fuße der heiligen Kirche.
Der Kodex ist bereits befüllt, ...es isssst der GLaube!
Mit diesen Worten hob der Greif ab und verschwand in dem Abendhimmel.
Von überall her klangen die Worte
„So sei es“
Der Inquisitor ging zu der Laterne und hob sie ehrfürchtig auf.um dann die Stimme zu erheben
Ihr habt den Boten der Herrin gehört! Tragen wir dieses heilige Feuer gemeinsam zu den Schreinen ihrer Kinder!
Alle die reinen Herzens sind mögen folgen!
Wir werden heute jedoch sicher nicht alle Schreine besuchen können.
Der Paladin wird die Route vorgeben


und mit diesen Worten Berenguers setzte der Paladin sich in Gang.
Das Ziel, der Schrein des Mitgefühles.
Und eine große Menschen und Elfentraube folgte ihm.


To be continue
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Keylon von Salberg
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Beitrag von Keylon von Salberg »

Der Schrein des Mitgefühls war nicht weit entfernt.
Hochwürden Kalveron verschwandt einige Minuten und als sie wiederkehrte hielt sie ein gebundendes Buch in den Händen.
Keylon wusste nicht um welches Buch es sich handelte und so konzentrierte er sich wieder auf den Weg den sie gingen.

Der Schrein des Mitgefühls...
Amyra. Die Tochter einer Dorfheilerin deren Symbol die Buschwindröschen waren.
Jener Schrein lag gleich neben dem Grab seines Bruders und er verweilte dort einige Minuten bevor er wieder aufschloss.
Viele der Gläubigen knieten inzwischen vor dem heiligem Ort, und so entschloss sich der Ritter zu den Wachen auf zu schließen und ebenso, das was auch immer nun geschehen mag zu bewachen.
Dennoch konnte er es sich nicht verkneigen sich immer wieder um zu drehen und zu dem Geschehen zu blicken.
Erst Recht als dort die Heilige Amyra selbst erschien.

Schon hörte man Berenguers sonore Stimme die laut predigte[/color]
Freudig führen wir den Befehl unserer Herrin Temora aus der uns durch ihren gefiederten Boten, den heiligen Greifen, überbracht wurde und tragen die heilige Flamme zu der Stätte Deines einstigen Wirkens! dann übernahm Hochwürden Kalveron Es ist zeichen für alle, die verzweifeln, ein Trost für die Leidenen, ein Besinnen für die geben können. Für unsere Seelen, lass sie mit der mitfühlenden Wärme durchstörmen. dabei ging sie auf die Knie und öffnete das alte Buch, wohl ein Kodex auf ihrem Schoß, doch sobal dieser geöffnet war begann ein Windstoß darüber zu wehen und blätterte die Seten um.
Zeige uns das Wunder des Mitfefühls! Es macht uns nicht schwach, es macht uns menschlich.

Möge es einem jedem flüstern, das er nicht alleine ist.
Für das Kind, das schreit. Für den Alten, der vergessen ist. Für den Feind, der bereut. Für den Freund der schweigt. Für sie alle leuchtet dieses Licht des Mitgefühls.
so endete Hochwürden und der Inquisitor begann wieder
Wir wollen unsere Herzen öffnen für das Leid anderer, wir wollen nicht mit geschlossenen Augen durch die Welt wandeln und uns Abwenden von all dem Elend darin!
Aktiv wollen wir dazu beitragen das Leid und Elend zu mildern unserem Nächsten zu helfen so gut wir es vermögen! Nicht um uns über ihn zu erheben, sondern um ihn wachsen zu lassen!

Berenguer stimmte mit Leandra überein als Beide die Worte glechzeitig sprachen Gepriesen sei das Mitgefühl, das heilt, was gebrochen ist. Das hört, was niemand sagt, Das gibt, was es entbehren kann.
Gepriesen sei das Mitgefühl, das heilt was gebrochen ist. Das hört, was niemand sagt!
Denn es ist einer der sieben Pfade zur reinen Seele!

Ihr seid gekommen... und habt euer Herz mitgebracht
ertönte eine Stimme

Dann leutete es bläudlich auf und daraus erschien eine Gestalt.
Amyra.

So war es auch bei mir. In den fruehen Tagen war ich ein Kind zwischen Krauetern und Wunden, zwischen Traenen und Hoffnung. Ich habe nicht gelernt zu kämpfen - ich habe gelernt zu _fühlen_. Zu sehen, wo Leid wohnt, und es nicht zu scheuen.
Mitgefuehl ist nicht Schwaeche
Es ist die Staerke, bei einem Sterbenden zu knien, wenn alle anderen gehen.
Es ist das Wagnis, einem Fremden zu helfen, auch wenn man selbst wenig hat.
Es ist der Mut, das eigene Leid nicht über das der anderen zu stellen.
Ich bin Temoras Ruf gefolgt, weil das Mitgefuehl nicht nur in Huetten gebraucht wird. Es gehoert ueberall hin, zu Herrschern und Bettlern, zu Kriegern und Friedensboten.
Schaut nicht fort, wenn andere zerbrechen. Lernt zu hoeren, was nicht gesagt wird.
Und vergesst nie: Ein aufrichtiges Herz vermag mehr zu heilen als jede Salbe es vermag Wenn ihr also in den Tagen der Dunkelheit euren Weg sucht
sucht ihn mit offenen Augen. Und mit offenem Herzen.
Und nun darf ein jeder wenn ihr es wünscht ein paar Worte sprechen.
Wir werden Deinen Weisungen folgen Heilige Amyra!
Möge das Mitgefühl in den Herzen aller wachsen und die Welt zu einem besseren Ort machen!


Und schon begannen einige der mitgereisten Worte zu.. Gebete Weisungen zu sprechen und als sie endeten begann Amyra wieder zu sprechen
Raia Lathaia: Du hast dich nicht aus Eitelkeit für mich entschieden... sondern aus Verständnis. Aus Mitgefuehl.
Tritt hervor. Lass dich sehen.
Als Hochwürden der Heiligen entgegentrat, kam jene wie auf unsichtbaren Stufen herabgestiegen.
Sie reichte der Eminenz eine Statue, als wäre es aus einem Stück von ihr selber geformt, mit den Worten

Diese Gestalt, aus ehrlichen Händen geformt, soll dich an dein Versprechen erinnern.
Zu sehen, wo andere übersehen werden, Zu fühlen wo andere urteilen.
Zu handeln, wo andere schweigen.
Trage mein Licht in die Kirche von Adoran. Lasst es niemals erlöschen.
Denn wenn das letzte unserer Lichter erloschen ist, ist die ewige Flamme der Sieben bedroht.
damit schritt die Heilige Gestalt wieder die unsichtbaren Treppen wieder hinauf und begann langsam durchsichtiger zu werden bis sie sich ganz auflöste und verschwandt.

Stille.
Ein jeder war gefangen in dem Moment.
in dem Erstauen und auch Ergriffenheit von dem was man gerade erlebt hatte.
Keylon hatte längst die Wacht aufgegeben und sich längst zu dem Geschehen umgedreht gehabt.
Fast war es ihm als täte er jetzt erst wieder den ersten Atemzug. Als hätte er die ganze Zeit über die Luft angehalten.

Also .. Ich denke ich muss das nicht extra erwähnen aber das ist etwas sehr außergewöhliches, das wir gerade erleben durften! Zudem scheinen wir unsere Mission an diesem Schrein erfüllt zu haben.

Natürlich war die Nacht inzwischen angebrochen, und allen war klar das die Reise weitergehen würde.
6 weitere Schreine warteten doch nicht mehr heute, wie auch der Inquisitor verkündete.

Langsam zerstreuten sich die Anwesenden und nur wenige aber wichtige Wächter und Streiter, begleiteten den Troß zurück nach Schwingenstein.
Hier endete der heutige Abend mit einer kurzen Resonanz des abends und auch mit dem klaren Gedanken daran wie es weiter gehen würde.
Keylon war es der die Stimme erhob und einwarf das man am Besten direkt mit den Schreinen im Westen beginnen sollte, da der Feind ihnen gegenüber noch nicht bewusst war das man kommen würde.
Noch hatten sie sich sicher nicht fomiert und würden auf sie warten und das war dann auch der Plan.
Bald schon ...
Bald schon würden sie wieder aufbrechen.
Und Keylon war sicherlich nicht der Einzigste der an diesem Abend keinen Schlaf finden würde.
Zu sehr waren Alle von den Ereignissen wie erschlagen.
Keylon war nur ein wenig traurig darüber das seine Schwester Amelie und seine Gemahlin diesen Abend verpasst hatten.
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Leandra Kalveron
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Beitrag von Leandra Kalveron »

Es war spät, als Leandra die erste Linie zog. Die Kerze war fast heruntergebrannt, das Pergament wellte sich leicht unter der Feuchtigkeit der Tinte. Vor ihr, ein halbfertiger Greif, bei dem irgendetwas nie ganz richtig wirkte. Beim ersten Versuch hatte er ausgesehen wie ein Pfau mit Übergewicht. Beim zweiten eher wie eine wütende Ente mit Elfenohren. Einmal hatte sie sogar unabsichtlich einen kompletten Löwen mit Flügeln gemalt, der eher Schnute als Schnabel hatte.
Sie seufzte, tupfte die Tinte weg, begann von Neuem.

Zwischendurch wanderte ihr Blick zum Fenster, wo die Nacht still an den Scheiben hing. Bald schon müsste sie wieder zum Kloster, eine Ablösung stand an. Ihre Gedanken kehrten zurück - an die Ankunft des Greifen, an das goldene Gefieder, an den Blick, mit dem er sie gemustert hatte. Nicht hochmütig, nicht streng. Sondern vertraut.

Sie erinnerte sich an den Schrein der Demut, an Amyras leuchtendes Erscheinen. So zart, so still und doch durchdringend. Für einen kurzen Moment war alles in ihr ruhig gewesen, trotz der gewaltigen Aufgabe, die vor ihnen lag. Die Flamme des heiligen Lichts, welche der Greif gebracht hatte, war der Mittelpunkt aller Aufregung gewesen. So klein sie auch schien, so groß war ihre Bedeutung. Noch am selben Abend hatte es hitzige Diskussionen gegeben. Wohin mit der Flamme? Wer sollte sie tragen? Wer sie bewachen? Einzelne wollten sie fortbringen. Dann gab es noch Stimmen die von versiegelten Kammern unter Wasser sprachen.
Dann war da noch der Einband, der Kodex. Ein Relikt aus vergangener Zeit mit einem funkelnden Diamanten, der von blauer, glimmenden Flamme umgeben ist. Viel älter als sie selbst, vielleicht älter als jede Schriftrolle in der Bibliothek des Klosters. Sie fanden ihn nicht, sie verdienten ihn sich mit ihrem unbedingten Glauben. Dieses Geheimnis wurde seit dem gehütet, kaum jemand wusste von seiner Existenz.

Doch der Greif hatte gesagt:
„Der Kodex ist bereits befüllt... es isssst der Glaube.“
Sie hatte diesen Satz immer wieder vor sich gehört, während sie zeichnete.
Nicht Tinte füllt den Kodex.
Sondern das, was man glaubt.

Und endlich, beim fünften Versuch vielleicht, geschah es. Die Linien wurden ruhiger. Der Schnabel schärfer. Die Flügel fanden ihren Schwung. Die Laterne, an feinen Ketten hängend, war endlich dort, wo sie sein sollte: in der Mitte der Brust, leuchtend, ohne zu brennen.
Leandra lehnte sich zurück und betrachtete das Werk, ihre Skizze. Ein kurzer Blick auf die angefangene Geschichte, welchen sie bei der ersten Wache bereits angefangen hat. Nun noch jemanden finden, der ihn und weitere Werke auf die Einbände überträgt, damit die Geschichte darüber auch ihren würdigen Platz finden wird.

Kein Pfau mehr.
Keine Ente.
Ein Greif.
Eine Flamme
und Lösung des Rätsels vom Kodex.


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Zuletzt geändert von Leandra Kalveron am Freitag 18. Juli 2025, 06:35, insgesamt 1-mal geändert.
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Gregor Grann
Beiträge: 28
Registriert: Samstag 5. Juli 2025, 12:07

Beitrag von Gregor Grann »

Gregor hatte schon viele Geschichten gehört, von Wundern, von Erscheinungen - aber nichts davon hatte ihn vorbereitet auf das, was er an jenem Abend erleben durfte. Als der Schrei des Greifen durch die Luft schnitt, so klar und durchdringend wie eine himmlische Posaune, blieb ihm der Atem weg. Er drehte sich langsam in die Richtung des Klangs, als fürchte er, etwas so Heiliges könne sich in Luft auflösen, wenn er zu hastig blickte.

Und dann sah er ihn.

Ein Wesen, das größer war als jedes Ross, strahlender als das Licht der Laternen ringsum, die es gar nicht gebraucht hätte. Der Greif, Bote Temoras, landete auf dem Kirchplatz - und Gregor fiel augenblicklich auf die Knie, nicht aus Nachahmung, sondern aus einem Impuls, der tiefer kam als jedes erlernte Gebet. Er wagte kaum zu atmen.

Da stand er nun: ein junger Mann mit einem Herzen voller Fragen und einem Glauben, der noch nicht viele Prüfungen gesehen hatte. Und doch fühlte sich in diesem Moment alles an, als würde es einen Platz finden. Der Greif sprach, mit einer Stimme, die in den Brustkorb drang, und Gregor lauschte - angestrengt, beinahe verzweifelt bemüht, jedes Wort zu behalten. Flamme, Licht, Kinder, Kodex. Es waren Worte, die er kannte, aber in diesem Moment waren sie mehr. Sie waren echt.

Als der Bote verschwand, blieb Gregor noch lange kniend. Nicht, weil er vergessen hätte aufzustehen, sondern weil er nicht wusste, wohin mit dem, was in ihm aufgestanden war.

Etwas in ihm hatte sich bewegt. Eine feine, leise Ahnung, dass Temora ihn gesehen hatte. Nicht als jemand Bedeutenden, nicht als Streiter oder Priester - sondern einfach als ihn selbst.

Und während er später in der Menge stand, schweigend, die Laternen flackernd um ihn her, strich ihm der Wind über das Gesicht. Und Gregor - ohne dass es jemand sah - legte die Hand auf sein Herz. Nicht dramatisch. Nur fest. Als wolle er bewahren, was da entzündet worden war. Nur für ihn. Nur für sie.
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Aaryon von Hohenfels
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Beitrag von Aaryon von Hohenfels »

Ein Greif!
Bei der strahlenden Herrin Temora, ein ganzer! echter! Greif!
Als er identifizierte, was da am Himmel über Adoran einer riesigen Sternschnuppe gleich in goldenem Licht, von hellblauer Aura umspielt, majestätisch seine Kreise zog, klappte Aaryon die Kinnlade bis an den maximal möglichen Punkt nach unten.
In dem Bemühen, zu beobachten und zu verfolgen, wohin er flog, stolperte der junge Adlige fast über seine Krücken und Cecilia begleitete ihn, um ihn notfalls aufzufangen und wurde selber von Aaryon mitgezogen, wie sie auch selbst die Neugier trieb.

Ein Greif! Er landete!
Nur am Rande sah er, wie sich vor der Kirche bereits mehrere Geweihte und Eminenzen versammelt hatten, das Regiment wurde aufmerksam, irgendwann hörte er Arenvirs Stimme... es rauschte an seiner Wahrnehmung vorbei und streifte diese nur flüchtig.
Kaum hatten die scharfen Klauen des göttingesandten Wesens den Boden berührt, als es auch des Menschen Knie taten, die Krücken sanken achtlos daneben. Wie hypnotisiert starrten die blauen Augen auf die goldenen Federn, die mächtigen Schwingen, die makellos beherrschte Anmut jeder Bewegung wie ein präzise geführtes Schwert aus Licht...
"Er ist so wunderschön...!", wisperte er wieder und wieder.
Leider sah er ihn die meiste Zeit von hinten. Arenvir war da schlauer - er war ja auch wesentlich abgebrühter, was das Erblicken solcher Wesenheiten betraf, als der halb so alte Grafensohn.

"Siiiieben Kinder!
Siiieben Flammen
Doch die Flamme muss stets bewahrt werden aaaan einem sicheren Ort."

"Ich weiß einen!", raunte Aaryon halblaut. Wie ein übereifriger Schüler hätte er sich am liebsten gemeldet und es über den ganzen Platz gebrüllt.
Ich weiß einen!
Sein Herz jubelte auf vor Freude: er hatte eine Aufgabe! Eine Bestimmung gar! Das KONNTE doch kein Zufall sein! Auch Sir von Sankurio war von diesem Moment an offensichtlich dieser Meinung: "Und als hätten wir, als wäre es Schicksalsfügung, nicht vor Kurzem darüber geredet...", sagte der Paladin später im Kloster mit einem feinen Lächeln auf den Lippen.
Ja.
Ja!
Er hätte weinen können vor Freude! Ohne es zu merken, rannen ihm tatsächlich Tränen der Ergriffenheit und Erleichterung auf dem Kirchplatz über die Wangen. Vorbei die Zweifel:
Existiert die Schwertkrypta noch? Ist sie nicht sinnlos geworden nun, wo Temora das Schwert selbst bei sich führt? Das Erbe, das Mutter mir mit so viel Ernst vermittelt hat, obwohl sie spürte, dass sie ihrer Aufgabe entbunden ist... ist es sinnlos? Muss ich schweigen über etwas, das nicht mehr wichtig ist? Soll ich erzählen... über etwas, das nur 'vielleicht' noch existiert?
Und... sollte die Schwertkrypta nicht mehr existieren, wie soll ich dann an die Kiste gelangen, die wir brauchen? Werden wir keine Hilfe durch sie haben? Werden wir die Knochen überhaupt je zurück gewinnen?"

Anaras Gebeine. Seit Jahrzehnten in den Händen des verfluchten Feindes, aber noch immer nicht vergessen - und nicht aufgegeben.
Es hatte Aaryon weh getan wie auch einen intensiven Funken der Hoffnung entfacht, als Arenvir ihm in einem vertrauten Moment erzählte, dass er dieser Queste nun schon so gefühlt ewig nachging, die Gebeine Anaras zurück zu gewinnen.

"Es gibt eine Kopie!", hatte der hinter den Ohren noch völlig grüne Novize in verschwörerischer Begeisterung erzählt und damit die komplette Aufmerksamkeit des erfahrenen Arcomagus. "Eine magische Kopie. Shalaryl hat sie gefertigt, kurz bevor sie die Gebeine übergeben mussten, um Sir Rafael aus der Gefangenschaft Rahals auszulösen."
"Mit solch einer Kopie hätten wir eine Spur zu den Gebeinen! Und könnten prüfen, ob es die richtigen Knochen sind."
Aaryon nickte. Ja. Genau das war damals die Absicht gewesen.
"Aber Shalaryl konnte nicht bis zu den Knochen vordringen, als sie ihre Spur damals verfolgte. Am Tempel des Panthers verlor sich ihre Spur, wurde von klerikaler Macht überlagert, und es wäre unzumutbar gefährlich für Shalaryl gewesen, sich dort hinein zu begeben."
Verstehendes Nicken.
Und dann die naheliegende, essentielle aber auch vernichtende Frage:
"Wo sind diese magischen Kopien jetzt?"
Aaryon senkte den Kopf.
"Als abzusehen war, dass Kryndlagor Varuna überrennen wird, brachte Mutter sie aus der Krypta am Grafenschloss, die für Anara gedacht war, an den sichersten Ort, den sie damals kannte..."

"Existiert der Zugang noch?", fragte Sir Beak zu anderer Zeit, an anderem Ort nicht minder bohrend.
"Ich weiß es nicht, Sir", antwortete der zum Studiosus gereifte Jungmagier wahrheitsgemäß und gestand: "Ich... habe mich bislang nicht getraut, am dafür notwendigen Ort die Herrin um Zugang zu bitten."
Die Angst, dass die Schwertkrypta nicht mal mehr existierte, dass alle Hoffnung dahingehend sinnlos war, war so einschüchternd groß!
"Der Zugang...", bohrte der Paladin unnachgiebig weiter, "Liegt er an einem sicheren Ort? Oder ist er gefährdet wie die Schreine im Westen?"
Jetzt lächelte der Bursche doch.
"Er liegt sicher, Sir.

Ein Wort von Euch, und ich führe Euch hin und genüge meiner Pflicht. Meine Frau Mutter hat mich alles gelehrt, was notwendig ist."

In diesem Moment wirkte er, als hätte er die elenden Krücken nicht gebraucht, um gerade zu stehen. Endlich hatte er hier eine Pflicht. Eine Aufgabe.
Einen Sinn.
"Wo der wohl wieder reingeraten ist... Der zieht das magisch an!"
- Kronritter von Salberg *noch qualmend* -
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Aaryon von Hohenfels
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Re: [Q] Von reinen Seelen und flammenden Erwachen

Beitrag von Aaryon von Hohenfels »

Endlich hatte er hier eine Pflicht. Eine Aufgabe.
Einen Sinn.
Oder auch nicht.
Zumindest nicht diesen? Nachdenklich betrachtete er den glasähnlichen Bodenpart in der Kirche, unter dem die ewige Flamme der Schwertherrin nun wieder zu sehen war. Für ein kleines Weilchen hatte tatsächlich ein riesiger schwarzer Drache sie verschluckt, als wäre es eine Mahlzeit... und die Gläubigen, die auf Geheiß des Greifen gerüstet und kampfbereit zu ihm geeilt waren, lediglich der Nachtisch.

Nun, diese Annahme des Drachen hatte sich zum Glück als Irrtum heraus gestellt, auch wenn der Kampf sehr hart gewesen war. Ausnahmsweise hatte Aaryon dieses Mal nicht allzu viel abbekommen, außer ein paar Schrammen. Zwischenzeitlich, während des Kampfes, hatte er glatt Angst gehabt, vom Drachen eingeatmet zu werden oder so und hatte wie wild um sich gezaubert, Leute entgiftet, sogar den Greifen zu unterstützen versucht... und dieser hatte ihm wiederum ein mal wieder auf die Bei.. das Bein geholfen, oder war es einer der Priester gewesen?

Egal.
Die Flamme war nun wieder dort, wo sie sein sollte.
"Dort, wo sie sein soll...", grübelte er mit gefurchter Stirn.

Es ließ ihm keine Ruhe!
Kurz zögerte er. "Valentin würde schimpfen, wenn ich alleine da runter gehe", war er sich ziemlich sicher. "Wenn mir DA jetzt was passiert, dann Shala-die-Waldelfe!
Der Drache ist aber toooohoooot..!"
, säuselte sein Forscherdrang, "Was soll denn da noch Gefährliches sein, was nicht seitdem schon längst hoch gekommen wäre?
Aber in Hektik blind und völlig kopflos ist die ganze Meute da durch getrampelt wie eine Rinderherde! Wer weiß, was sie übersehen haben! JETZT ist es ruhig!"

Mit zusammen gepressten Lippen löste er entschlossen die Kette, die den Zugang mehr symbolisch abriegelte.

"Seit wann ist das hier?"
"Wo und wie und warum zum Kuckuck hielt sich hier die ganze Zeit in unmittelbarer Nähe ein schlafender, korrumpierter DRACHE auf, von dem keiner etwas wusste?!"
"Wer waren diese drei Leute, die hier bestattet wurden? Warum weiß keiner von denen was? Warum ist der Sarg in der Mitte offen und leer?"

"Ist die Flamme hier wirklich sicher? Oder sollten wir...
...einen Teil davon noch woanders verbergen?"


Von all solchen Gedanken umgetrieben genehmigte sich der junge Nachwuchsmagier eine gründliche Untersuchung der Räume.


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"Kisten... Papiere... Hoffentlich hat nicht irgend jemand einfach mal irgend ein 'Andenken' eingesteckt...!", dachte er missmutig und studierte alles möglichst behutsam, um nichts kaputt zu machen. Wirkte ein Papier zu brüchig, ließ er es lieber unangerührt liegen, als zu riskieren, dass es endgültig zerbröselte.

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Er ließ es, das musste man der Fairness halber sagen, auch an dem nötigen Respekt vor diesem Ort nicht mangeln.

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Aber er vergaß fast völlig die Zeit.
Es machte wirklich SPASS, dabei sein volles Repertoire auszuschöpfen!
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"Wo der wohl wieder reingeraten ist... Der zieht das magisch an!"
- Kronritter von Salberg *noch qualmend* -
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