Deswegen war er nun hier. Zum ersten Mal.
Langsam schlenderte er dann wenig später durch die hohen Hallen des Palastes, seine Schritte hallten von den dunklen Steinwänden wider, als er sich dem Thronsaal näherte. Er war noch nie hier gewesen, aber er vermutete, dass der Ritter die Wachen bereits instruiert hatte, weswegen man ihm tatsächlich den Weg wies. Der Raum selbst war von einer feierlichen Stille erfüllt, die nur das Flackern einiger Fackeln durchbrach und weiche, tanzende Schatten auf die Basaltwände warf. Am Ende des langen Saales stand der Thron des Alka, der Herrscherplatz selbst – ein massiver Sitz aus tiefschwarzem Basalt, der mit blutroten Kissen ausgelegt war, nicht mehr ganz, eine Erinnerung an eine Zeit, die ihm reichlich egal war.
Mychael nahm sich einen Moment, um den Anblick auf sich wirken zu lassen.
Er trat näher, legte die Finger an das kühle, glatte Gestein und bewunderte die Schlichtheit und die imposante Aura des Thrones. Nahm die Details auf und entschied mehr oder minder sofort, dass es Zeit für etwas Neues war. Wenn die Ritterschaft nicht darauf bestand, würde er nichts davon weiter verwenden, etwas vollkommen Neues schaffen.
Die Bilder von seinem eigenen Thronentwurf flossen ihm schon in den Kopf, bevor er den Saal verließ. Nein, er hatte sie bereits gesehen, noch während der Ritter ihm von dem Auftrag erzählt hatte.
Er spürte, dass dieser eine Herausforderung sein würde – eine, die sein Talent und seine Fähigkeiten als Steinmetz und Feinschmied wirklich auf die Probe stellen könnte. Genau deshalb reizte es ihn so.
Abgesehen davon würde es ein Aushängeschild für ihr Geschäft werden, das man nur einmal im Leben geboten bekam. Bei dem Gedanken hoben sich seine Mundwinkel zufrieden an.
Er ging nicht in die Werkstatt nach Düstersee zurück, sondern blieb in Rahal in seinem eigenen Haus.
Auf seinem Schreibtisch lag mehr als genug Pergament. Er legte seine Skizzenblätter bereit, zündete zwei weitere Lampen an und griff nach Zeichenkohle und Zirkel.
Der erste Entwurf begann schlicht. Hier würde es keine verzierte Üppigkeit, keine feinen Ornamente geben – nur die rohe Stärke des dunklen Basalts, der die Macht und Standhaftigkeit des Alka spiegelte.
Die Armlehnen, die klar und eckig geschnitten waren, die scharfen Kanten, die den Thron so uneinnehmbar und stolz machen würden. Die roten Samtkissen würden ihm am Ende eine spürbare Wärme, eine Art stiller, doch kraftvoller Würde verleihen.
Seine Hand flog regelrecht über das Pergament. Genau damit, genau hier war er in seinem Element.
Er stellte sich eine robuste Struktur aus Basalt vor, wie der bestehende Thron, mit einem einprägsamen, mächtigen Pantherkopf, der auf der Rückenlehne des Thrones prangte. Der Panther, Symbol des Schutzes und der Furchtlosigkeit Alatars, sollte erhaben in das Zentrum eingelassen sein, mit grimmigen, scharfen Augen, die jeden anblicken würden, der dem Thron zu nahe kam, eingesetzt aus geschliffenen Rubinen, die das Licht reflektieren würden.
Wenn er es richtig machte, würde sein Blick jedem folgen.
Seine Kohle fuhr über das Papier, zeichnete feste Linien und klare Kanten. Die Sitzfläche war großzügig, flankiert von Armlehnen, die an der Oberseite aus schwarzem Mahagoni gefertigt waren, um die Kühle des Basalts durch die Wärme des Holzes ergänzen. Die Armlehnen waren schlicht gehalten, gerade und ohne Schnörkel – ein Thron für einen Herrscher, der Stärke und Klarheit über Zierde stellte. Die Kissen aus tiefrotem Samt, so beschloss Mychael, sollten das einzige weiche Element sein und das Bild vervollständigen.

Mit einem zufriedenstellenden Seufzen betrachtete er die erste Skizze, und obwohl er wusste, dass sie genau das repräsentierte, was viele als würdig und edel ansehen würden, spürte er, dass die künstlerische Freiheit ihn doch noch reizte. Da gab es noch mehr.
Er griff erneut zur Kohle und begann an einem zweiten Entwurf zu arbeiten.
Für diesen zweiten Thron ließ er seine Hände freier über das Papier gleiten, ließ Rundungen und sanfte Linien entstehen. Der Pantherkopf in der Mitte sollte ebenfalls erhalten bleiben, doch diesmal in einer weniger starren Position. Statt nur zu verharren, wollte er die Illusion schaffen, dass der Panther auf diesem Thron leise und wachsam lag, die Krallen sanft in den schwarzen Mahagoni eingelassen und bereit, jederzeit aufzustehen. Die Holzarbeiten an der Front und den Seiten waren feiner, geschwungen, als ob sie den Lauf eines geheimnisvollen Flusses nachahmten, und schufen ein harmonisches, doch kraftvolles Bild. Auch hier würde Basalt die Grundlage sein, eine robuste Struktur als Zeichen von Macht und Standhaftigkeit, aber bei diesem Vorschlag wählte er mehr Holzarbeiten.
Er war dem alten Alka nie begegnet, damals lebte er noch in Drakon und interessierte sich wenig für politische Belange.
Mychael stellte sich vor, wie der Alka auf diesem Thron sitzen würde – ein Platz, der sowohl Eleganz als auch Macht ausstrahlte und die Furchtlosigkeit des Herrschers in der Leichtigkeit der Kurven und Linien widerspiegelte.

Zufrieden fuhr er mit der Hand über die beiden Skizzen. Die Nacht war bereits weit vorangeschritten, der Regen war aber immer noch zu hören. Doch die Müdigkeit schien ihn nicht zu erreichen; er spürte eine ruhige, tiefe Zufriedenheit, während seine Augen über die Pergamente glitten.
Es waren zwei Bilder.
Zwei Ansichten, die zusammengehören und dennoch vollkommen unterschiedliche Blickwinkel bieten.
Welche Skizze würde es wohl werden?
Wenig später waren beide Skizzen zusammengerollt in Leder zum Schutz gegen das Wasser verstaut. Er bezahlte keinen Boten, sondern machte sich selbst auf den Weg und übergab sie an der Burg der Bruderschaft einer der Wachen. Dabei lag noch ein Schreiben für die Bruderschaft.
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Meinen Gruß an die Bruderschaft!
Ich übergebe eurer Wache zwei Skizzen für einen möglichen Thron.
Am besten wäre es, eine erste Entscheidung über die grobe Richtung zu treffen. Wenn ihr den Rest mir überlasst, werde ich sofort mit dem Bau beginnen. Solltet ihr gewisse Details wünschen, Verzierungen, Inschriften, Materialänderungen, lasst es mich wissen.
Meinen Gruß,

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Meinen Gruß an die Bruderschaft!
Ich übergebe eurer Wache zwei Skizzen für einen möglichen Thron.
Am besten wäre es, eine erste Entscheidung über die grobe Richtung zu treffen. Wenn ihr den Rest mir überlasst, werde ich sofort mit dem Bau beginnen. Solltet ihr gewisse Details wünschen, Verzierungen, Inschriften, Materialänderungen, lasst es mich wissen.
Meinen Gruß,

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Sein Rückweg führte ihn über Wetterau. Er war sowieso nass bis auf die Knochen, ein Umweg machte ihm nichts aus.
Er konnte nicht anders. Nur einen Blick.
Selbst wenn es dunkle Fenster waren.


