[MMT] Verschlungene Geister

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Auriane Treuwind
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[MMT] Verschlungene Geister

Beitrag von Auriane Treuwind »

Müdigkeit. Penetrante anhaltende Müdigkeit war nicht nur in den letzten Wochenläufen zu einem ständigem Begleiter geworden, nein wie ein klebriger Schatten der einen überall hin folgte, selbst bis in die Träume hinein. Da war die Suche damals nichts dagegen, auch wenn sie letzten Endes ins Leere lief und ich akzeptieren musste, dass dieser Kampf für mich mit einer Niederlage geendet hatte. Wobei... war es wirklich eine Niederlage? Vielmehr war es ein siegreiches Patt, denn ich hatte andere Erkenntnisse daraus schlagen können, nicht nur allein neue Informationen sondern auch Wissen darum auf wen man zählen konnte. Doch... hier in dieser Angelegenheit würde mir niemand außer dem Herrn allein helfen können, auch wenn dies nicht so ganz richtig war.

"So müde..."

Viel war passiert, dass es mich beinahe überwältigt hatte. Wo schlicht zu anfangs der Wunsch war, dem Tempel einfach etwas näher zu sein, hatte man mich weit mehr aufgenommen als eine einfache Messdienerin, gar so als wäre ich ein Teil von ihnen. Nach und nach übertrug man mir wieder neue und andere Aufgaben und diese neue Erfahrung war als wäre eine Quelle der neuen, frischen und mächtigen Kraft in mir geöffnet worden. Eine Quelle der Verbundenheit und Zugehörigkeit dazu und von Tag zu Tag hatte es sich mehr angefühlt als wäre ich... vollständiger. Richtiger. Es war schwer zu beschreiben, dieses erhabene Gefühl nicht nur angenommen sondern auch gewollt zu sein. Teil sein zu dürfen. Wie ein Vogel, der fliegen und zurückkehren durfte wie er wollte, nur dass es mit Pflichten verbunden war. Und bei jeder Rückkehr war es wie ein erfrischendes Bad zu nehmen.

Loyal und aufrecht, das war es wie sie mich teilweise genannt hatten und doch wurde diese Loyalität und das Aufrechte auf eine schwere, schwere Probe gestellt. Wo ich doch stets das wahre Wort unter ihnen gesucht habe, musste ich ihnen nun Dinge verschweigen. Noch mehr wurde es allerdings auf die Probe gestellt zum Fest des Getarestodes. Das Feuer hatte so geknistert, so unsäglich verlockend geknistert dass ich es in meinen eigenen Fasern spüren konnte wie eine zärtliche Berührung eines Gefährten. Jeder Kummer und jeder Schmerz war in diesen jenen kleinen Momenten wie weggeblasen, jeder hatte sich in kleineren Gruppen zusammengefunden um zum Alltag zurückzukehren kaum dass die Messe vorbei war, nur für mich... für mich war sie noch nicht vorbei.

War es der Weihrauch gewesen? Die Aufregung? Oder wurde der Zornkristall mit neuem Leben gespeist? Warum sah ich da diese Bilder im Feuer? Eindeutige und klare Bilder! Sie riefen mich, sie wollten dass ich zu ihnen kam... und dann... eine Stimme. Oh Herr, diese Stimme in meinen Gedanken war eine solche Wohltat gewesen, so samtig und weich, so unirdisch und unbeschreiblich. Über der ganzen Haut hatte es gekribbelt beim Vernehmen, dass ich mir wünschte sie würde gar nichtmehr aufhören zu reden. In diesem klaren vernebelten Moment war ich so klar, dass ich wusste nicht besessen zu sein. Sie raunte mir zu was zu tun wär, was ich zu tun hätte und dann... Schwärze. Als wär von jetzt auf gleich jedes Licht und die Welt ausgelöscht worden und ich fand mich am Boden wieder, umringt von den verbliebenen Gästen und Templern. Nur langsam kehrte das Leben und Bewusstsein wieder ein, doch eine gewisse Fahrigkeit blieb noch. Weder konnte ich verstehen was man zu mir sagte noch konnte ich erfassen was um mich herum zu sehen war. Ja gewiss, ich sah es, aber es entwich mir ohne dass ich sagen konnte ob ich es wahrgenommen hatte oder nicht. Nach und nach war ich wieder Herr meiner Sinne und damit auch einer Erkenntnis, wie ich sie zu dem Zeitpunkt noch nicht begreifen, doch umso intensiver spüren konnte. Und leidigerweise hatten die Templer sogleich eine Vermutung was passiert war... oder wussten es gar? Wussten sie, dass es eine Vision gegeben hatte und hatten etwas gespürt? Oder war es einfach... Wissen?

Schnell hatte ich das nächstbeste mir über die Zunge als Ausrede gehen lassen; zugeben, dass etwas passiert war, so nah wie möglich an der Wahrheit entlang ohne sie zu präsentieren. "Deine Aufgabe, teile sie mit keinem." schallte es in meiner Erinnerung wider, ohne dass sich die Stimme nochmal meldete. Und wie sehr sehnte ich mir diese Berührung der Stimme nochmal her und mit niemandem dufte ich darüber sprechen. Mit niemandem...

Der erste Plan war es den "Bericht" einfach zu "vergessen", ihn totzuschweigen sodass die Templer ihn einfach vergaßen und hoffentlich damit auch was passiert war, doch Velvyr'tae durchkreuzte ihn und wurde nicht müde mich zu erinnern, dass er noch ausstand. Cailen hingegen... stellte keinerlei Nachfragen mehr noch eine Anmerkung. Immerhin konnte ich mir so halbwegs sicher sein, dass er auch künftig nicht zu viele Fragen stellen würde. Verdammt, so hartnäckig wie ich öfter war, so bekam ich nun meine eigene Medizin zu schmecken. Lügen, das wollte ich aber nicht und doch musste ich es. Nur wie? Hineinweben, die Geschehnisse des Abends miteinander verweben wie ein feines Stück Stoff sodass man nicht erkennen konnte, was darunter lag. Die Wahrheit neu formen ohne sie zu verbiegen. Plausibel klingen lassen... und so tat ich es. Bis heute gab es keine Beschwerden oder Fragen, der Bericht wurde genommen wie er gebracht wurde.

Doch wie sollte ich möglichst meine Fragen stellen ohne dass jemand Verdacht schöpfte? Ah, die Harpyien, eigentlich musste ich ihnen dankbar sein, denn sie machten es mir möglich meine Fragen zu verstecken auf die ich eine Antwort brauche ohne dass jemandem der Gedanken kam, dass es für die Sache war. Der Berg an Sucharbeit wurde auch nicht geringer derweil...

Wo ich vorher noch eine Vermutung war, woher die Stimme gekommen war wurde diese nur noch mit der geheimnisvollen Nachricht untermauert. Ein Rennen gegen die Zeit begann womöglich. Ein Rennen in dessen Zentrum scheinbar dieses Rätsel lag, welches mir schlaflose Nächte und gedankenschwere Tage bereitete. Ich träumte davon, viel und intensiv, nicht nur von "der Sache", nein auch von diesen Harpyien und manchmal ging alles ineinander über in meinen Träumen und die Harpyien wurden zu meinem Rätsel. Und der Berg an Büchern in meiner Schreibkammer wurde größer und größer und der Platz an verbrauchten Pergamenten unter meiner Holzdiele immer weniger. Das Rätsel, so leicht und doch so schwierig zu knacken. Und meine Versuche mussten gut versteckt und dann vernichtet werden. Niemand sollte auf einen Hinweis kommen das Rätsel entschlüsseln zu können. Oder noch nicht? Wer wusste das schon...

"Deine Aufgabe, teile sie mit keinem. Deine Aufgabe, teile sie mit keinem."



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Auriane Treuwind
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Beitrag von Auriane Treuwind »

Gleich wo ich wandelte hatte ich das Gefühl dass mit jedem Blick den man mir zuwarf alle um mein Geheimnis wussten. Alle sahen sie mich vorwurfsvoll an, weil ich diesen kleinen Funken mein Eigen nannte und nicht zu teilen bereit war. Ohnehin, behandelt wie eine Fremde ging ich durch die Straßen ohne dass man mir Einlass erteilte. Warum nur? Ich hatte ihnen doch nichts getan. Die kleine mit blutrotem Samt ausgeschlagene Schatulle in meinen Armen wurde ohnehin schwerer und schwerer und barg noch ein weiteres Geheimnis. Ein Geheimnis aus langer langer Vorzeit welches mir der Tempel überreicht hatte und nun nicht zu glühen aufhören wollte. Als würde ich ein schlagendes Herz in den meinen Armen tragen begann dieses Etwas nun auch zu pulsieren in einer unauffälligen Weise dass allein nur ich es zu spüren mochte. Und doch... diese Blicke, die mich durchbohrten. Sie wussten es alle! Alle wussten sie es und machten mir einen Vorwurf daraus. Mein Verstand sagte mir, dass der Dienst am Herrn seine Opfer mit sich brachte und dies nur normal sei. Sie wären neidisch auf das Geschenk des Tempels und des Herrn. Und dann... wie durch Zauberei stand ich vor dem örtlichen Tempel und davor sämtliche Templer in Reih und Glied aufgereiht und jeder mit der rechten Hand auf mich deutend. Vorwurfsvoll. Anklagend. "Du hast versagt."
Versagt? Wobei denn? "Du hast das Herz unseres Herrn verloren."
Was? Konnten sie meine Gedanken lesen? Was passierte hier? Sie kamen auf mich zu, der Oberste von ihnen zog sein Praeceps aus der Waffenscheide und richtete es geradewegs auf mich zu... angekommen hob er es um zum letzten Schlag abzuholen...


... nur um dann polternd zu Boden zu gehen und unter einem Berg an Pergamenten begraben zu werden. Irgendetwas nasses und zähes ronn mir über den Kopf den Nacken hinab. Eine kleine leise Stimme sagte mir, dass es das Tintenfass war, was ich zuvor nicht verschlossen hatte. So ganz aber war ich noch nicht wieder bei mir und blieb entsprechend liegen und mich mühevoll gedanklich sortierend. Wo war ich? Was war passiert? Und warum verdammt hatte ich meine Disziplin vernachlässigt und war eingeschlafen! Kostbare Zeit war verstrichen und wer weiß, wie lang ich schon im Sitzen geschlafen hatte bevor ich vom Stuhl wie ein nasser Sack gefallen war. Ein klägliches Maunzen drang an mein Ohr und kurz darauf hauchzartes Schnuppern und ein schon fast spürbares Schnurren an meinem Ohr. Lorcan, der es sich auf meinem Schoß gemütlich gemacht hatte, hatte natürlich auch seinen Schlafplatz verloren und es dauerte nicht lange bis er mich lautstark mit seiner Pranke anstupste und damit seine Anklage an mich richtete. "Lass mich nur noch einen Moment hier liegen, ruhen... schlafen..." PATSCH! Da war seine Pfote an meiner Nase und versuchte sich Einlass zu erschleichen. Seufzend ergriff ich den vorwitzigen Kater mit einem einzigen Griff und erhob mich mit ihm. Seine Augen... sie waren irgendwie etwas Besonderes und riefen doch vielerlei Gedanken in mir wach. Die beiden hatten gewisse Gemeinsamkeiten, denn: Sie verschwanden nicht, gleich was ich tat. Es waren verwirrende Gefühle, denn niemals mehr hatte ich jemanden nochmal so nahe kommen lassen wollen...

So nahe... so nahe... nah! Die Lösung... wie konnte ich nicht darauf kommen! Ich ließ den Kater mit einem Male fallen und setzte mich wie in aller Hast zurück an den Schreibtisch und nahm den Protestmaunzen an meinen Beinen gar nicht mehr wahr. Ich wühlte und wühlte herum, mittlerweile konnte ich die Zeit förmlich in meinem Nacken herunterrinnen spüren (oder vielmehr die Tinte, die sich noch immer an meinem Hinterkopf ausbreitete...) als ich mich dabei selbst verfluchte. Eins der einfachsten Dinger die ich gleich zu anfangs verworfen hatte. Warum nur, warum?!

Ich begann zu zeichnen, zu schneiden, wieder zusammenzufügen und den Finger über mein Rätsel gleiten lassen um die Auffälligkeiten nochmals zu untersuchen und dann... ja! Ein Treffer und als würde damit die Morgensonne aufgehen perlte die Erkenntnis in einem Schaudern und berauschenden Hochgefühl über meinen Leib hinweg. Lorcan, der mittlerweile meinen Rock mithilfe seiner Krallen hochkletterte, bemerkte ich nicht, denn es war einfach zu schön als dass es stimmen konnte. Es passte, alles begann zu stimmen und jede Müdigkeit war verflogen. Dieses Rätsel konnte gelöst werden, hoffentlich auch nicht zu spät. Schnell zog ich ein frisches Stück Pergament hinzu und begann langsam, sehr langsam zu transferieren während meine Linke dabei unablässig zitterte. Während der Kater es sich unterdessen unter meinem Nachthemd gemütlich gemacht hatte und wieder völlig seelig vor sich hin schnurrte konnte mich der Schlaf nicht mehr so leicht übermannen. Irgendwann, deutlich später als für mich üblich, verließ ich das Haus, mit Tintenflecken in Haar, Nacken und Händen, um meine Nachricht persönlich in der Bajarder Bank für "Wiedehopf" zu hinterlegen...

Unter dem Segen unseres Herren seien Euch Grüße entboten Wiedehopf,

mit Betroffenheit las ich von dem Zustand Eures Vaters und möchte Euch hiermit ausdrücklich mein aufrichtiges Beileid zusprechen. Es ist gewiss eine Situation die man niemandem wünscht und so hoffe ich, dass Ihr wie auch Euer Vater trotz der Gewissheit stark bleiben werdet.

Nun zu Eurem Rätsel: Ich muss zugeben, dass Ihr mich mit Eurem Rätsel fast überrumpelt hattet. manchmal liegt erstaunlicherweise die Kraft doch im Einfachen und manchmal sind die besten Verstecke gleich in aller Öffentlichkeit. Doch ist es gelöst und ich möchte zugeben, dass ich zwischendurch dabei schwankte ob ich das ganze Geheimnis des Geheimnisses lesen möchte oder nicht, doch wäre ich nicht die Person die ich bin, wenn ich nicht den Weg nun zuende gehen würde den ich zu beschreiten begonnen habe. Wer die Wahrheit sucht muss auch stark genug sein sie zu ertragen, wenn man ihr begegnet. Der Herr hatte Seine Gründe wie auch Euer Vater, so möchte ich Euch also die Antwort geben nach der Ihr verlangt habt: NHspHua

Seid Euch überdies noch versichert, dass sich alles an einem Ort befindet, der nur mir allein bekannt und nur durch mich allein erreichbar ist. Ich freue mich bereits auf Eure Nachricht und bange der Zeit bis die meine Euch erreichen mag. Eure Antwort erreicht mich am gleichen Ort.

Seid gesegnet, Geheimniswahrer!
Auriane



Und nun hieß es wieder warten und bangen... und hoffentlich endlich lange und ruhig schlafen können, wenngleich mich die neue Fülle an Geheimnissen nicht unberührt ließ...



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Auriane Treuwind
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Beitrag von Auriane Treuwind »

Die Tage verstrichen zu Wochen und es kehrte Stille ein, zumindest in dieser Angelegenheit, doch dafür kannte ich nunmehr das Rätsel oder auch das, wie es sich am wahrscheinlichsten zugetragen haben mochte. Doch da diese Vision noch mit dabei war schätzte ich es als unleugbar ein. Unzählige Male hatte ich mir nun meine Übersetzung des Rätsels durchgelesen, dass das Pergament rissig und abgegriffen geworden ist, die Tinte an gewissen Stellen gar verblasst durch das ewige Drüberstreichen der Finger. Und noch immer wusste ich nicht, wie oder was ich dafür empfinden sollte... und vor allem aber schien das Rätsel der Rätsel dennoch nicht gelöst worden zu sein. "Deine Aufgabe, teile sie mit keinem", echote es immerzu in meinem Kopf und selbst in der Stille und Dunkelheit meiner Schlaf- und Schreibkammer hatte ich das Gefühl, dass Aliyahna mit ihren Augen auf mich hinabstarren und nur darauf lauern würde, dass ich mich verrate oder dass etwas passierte. Nur war ich genauso unwissend wie zu Anfang, gefüttert mit einem Körnchen neuen Wissens; oder war es der Samen? Sollte es meine Aufgabe sein einfach zu wissen oder dieses Wissen zu teilen? Wenn denn die Wahrheit dieser Geschichte je ans Licht kommen würde, müssten sich so einige vermutlich das eine oder andere eingestehen, wenn sie denn der Geschichte glaubten.

Der Frust drohte mich zu übermannen als sich meine Hand wie von allein zu ballen beginnen und das Stück Pergament in meiner Hand zu einer Kugel umformen wollte.
Und dann... als würde sie gleich mit im Raum neben mir stehen und direkt in mein Ohr flüstern, ich konnte es förmlich spüren wie der Hauch des Atems wie kleine Spinnenbeine über mein Ohr kroch... die Ermanung, sich nicht vom Zorn lenken zu lassen sondern ihn zu lenken und dann war es mir als würde ein Krug eisigen Wassers über mich gekippt, eine zu Leben gewordene Erinnerung meiner alten Mentorin und Freundin. "Verdammt sollst du sein!" brüllte ich förmlich und konnte mich dennoch gerade eben noch zügeln das Tintenfass in seine Bestandteile zu zerlegen. Leere, nichts als erschöpfende und sinnlose Leere würde bleiben, würde ich diesem Drang, nein, diesem Wunsch, nachgeben. Wie eine lästige Mücke begann das Versprechen um meinen Kopf herumzusirren, dieses Versprechen, das ich einst gegeben hatte... und dem immer offensichtlicher wurde, dass ich es nicht mehr halten würde können; zumindest nicht mehr lange. Befreiung, Drang und Druck, Unglaube... all das mischte sich hinein und zusammen wie in Wasser ausgegossene Farbe. "Herr, wie sieht nur diese Aufgabe aus die Du mir zugedacht hast? Bin ich so blind, dass ich sie nicht erkenne oder hast Du sie mir noch nicht offenbart?"

Letzten Endes stand der Entschluss fest und ich würde meine Studien kurzzeitig aufs Festland verlagern, vielleicht konnte ich dort etwas finden, vielleicht dort suchen wo alles begonnen hatte... den Ort finden oder weitere Stücke des Ganzen finden und ebenso herausfinden ob das gewonnene Artefakt gar wirklich ein wahres Artefakt war... oder nur eine weitere Geschichte des Ganzen.
Und so packte ich noch in der Nacht das Nötigste ein, was man für eine kurze Reise brauchte, vor allem aber viel Schreibwerk. Kevke würde sich bestimmt um Lorcan kümmern, immerhin hatte er akzeptiert, dass dieser zu einem regulären Besucher geworden ist und keine Mordversuche mehr begangen. Sobald es dämmerte fand Kevke einen Brief in seinem Briefkasten der ihn über alles aufklärte, Aliy eine kurze allgemeine Notiz für den Tempel, dass die Messdienerin kurzzeitig für Studien abgereist wäre und Velvy eine Art liebliche Drohung bezüglich eines Treffens...
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Auriane Treuwind
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Beitrag von Auriane Treuwind »

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Konnte man diese Zeiten eigentlich nun auch als "Zeit des Wandels" bezeichnen? Oder wie sollte man es benennen was sich vor unseren Augen auftat? Vor meinen Augen auftat und unweigerlich auch etwas in mir veränderte. Es gab kaum eine Nacht die nicht kurz war und damit verbracht worden war alte Bücher oder Berichte zu wälzen. Irgendetwas musste doch zu finden sein und es würde mir keine Ruhe lassen bis ich auch nur den kleinsten Halm gefunden hätte der anders als der Rest aussieht. Vielleicht würde es auch eine erneute Reise aufs Festland brauchen, doch hierfür müsste ich mehr wissen. Mehr Halme haben die ich zum Wachsen bringen konnte... ob sie am Ende Blüten oder gar Früchte tragen würden würde sich mit der Zeit zeigen. Gleich was oder wie es sein würde, so war ich mir gewiss, dass der Herr mit mir war oder es gar wohlwollend wahrnahm. Die Träume die in den kurzen Spannen des Schlafes aufkamen machten es nicht unbedingt besser, doch durfte ich nicht in meiner Disziplin nachlassen. Vielleicht war unter all dem Geschriebenen, unter all den niedergeschriebenen Gedanken, Eindrücken und Geschichten etwas, was dem Herrn helfen konnte, uns helfen konnte... und der Eingebung, der Vision damit einen Sinn gab, denn noch war es mir als würde ich durch Nebel wandeln ohne das Ziel zu kennen, durch eine Landschaft des Nebels in der sich nur hier und da etwas auftat was von Interesse war während die Stimme des Herrn beständig in meinem Ohr flüsterte.

Harpyien, Angriffe, die Wiederkehr Getares, zornerfüllt, die scheinbare Rückkehr des oder eines Alkas.. wahrlich, man konnte dies als eine Art Zeit des Wandels nennen, im großen wie auch im kleinen Sinne und damit war ebenso die Gefahr mit dem jüngsten Angriff gleich in Düstersee auch vor unseren Haustüren. Und die Mauer die ich um mich errichtet hatte begann zu bröseln gegen meinen Willen was mich schwach und angreifbar fühlen ließ. Ich hasste dieses Gefühl, es erinnerte mich an Zeiten die vergangen waren, an Zeiten von denen ich dachte ich müsste sie nie wiedersehen nur um eines Besseren belehrt zu werden. Ob der Herr mir damit ein Zeichen gesendet hatte? Eine Prüfung? Sei es wie es sei, ich hatte nie mehr zulassen wollen jemandem nocheinmal zu vertrauen, auf diese Weise zu vertrauen, niemals mehr Einlass gewähren um nicht noch ein einziges Mal diesen glühenden schmerzhaften Dolch in meiner Brust zu spüren, der sich tief und tiefer hineinfraß wie ein hungriges Ungeheuer, sich hineinbohrte wie die Schwertspitze eines Feindes, die ihr Opfer erlegen wollte. Nicht noch einmal diesen ungezügelten ziellosen Hass und Wut verspüren müssen, er einen ausschröpfte wie ein vertrockneter Boden im Sommer, der auch nicht fähig ist so schnell den Regen aufzunehmen wie er müsste.

So ließ ich meine Stirn auf die endlosen Pergamente und Bücher vor mir sinken und raufte mir die Haare. "Oh Herr, was ist das nur für eine Prüfung auf die Du mich schickst..." konnte ich nur flüstern und vergrub meine Hände nur noch tiefer im frisch gewaschenen Haar. Dieser Rosenduft, den ich einst so geliebt hatte... er wurde bitter wie das Sterben des Herbstes. Mein Kopf schien zu platzen vor all den Dingen die in ihm herumschwirrten. Irgendwo, irgendwo musste doch ein Muster in all dem stecken. Irgendwo musste der Anfang sein der alles miteinander verband. Nicht alles geschah grundlos und vor allem nicht so Großes. So ließ ich mir einen Moment der Verzweiflung zu, der Resignation, dem Fallen der Disziplin, einen Moment der Schwäche den ich mir stets versagte. Stimmen kamen auf, Stimmen die mich mahnten und erinnerten, dass ich ein Vorbild sein müsse. Irgendwo klirrte es und ich schreckte auf. Das Tintenfass war zerbrochen... nicht am Boden sondern an der Wand. "Verdammte Vorbilder..." murmelte ich und riss mich doch wieder am Riemen. Der kleine Ausbruch hinterließ nichts als erschöpfende Leere, so wie es mir einst prophezeit wurde. Es half nichts, wenn ich dies nicht unter Kontrolle hatte, dann konnte ich weder Ihm noch dem Reich dienlich sein. Ich würde fasten, drei Tage lang um mich wieder daran zu besinnen wofür die Lehren des Herrn standen, wofür nicht umsonst gelehrt wurde, dass wir uns der Wut und dem Zorn nicht gedankenlos hingeben sollten und letzten Endes auch wofür ich einst Disziplin gelernt hatte und zur Perfektion treiben wollte...
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Auriane Treuwind
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Je mehr Zeit verstrich desto klarer wurde mir dass ich mich auf dem richtigen Wege befinden musste. Ein Werkzeug, dass in meiner Hand liegen und nur auf seinen Einsatz warten musste. Er hatte Angst, wie sonst sollte man die Panik und die Drohungen verstehen die von -ihm- ausgegangen waren. Hätte der dem Einhalt gebieten können so hätte er es gewiss getan, doch wie es schien war die Hand unseres Herrn über mir und zwar sehr direkt, was meiner Seele eine gewisse... Ausgeglichenheit verschaffte trotz der Träume, trotz aller Gedanken; es war eine Ausgeglichenheit die eine tiefe Ruhe und in gewisser Weise Zuversicht hervorsprießen ließ und jede Angst in einem Moment des Blinzeln sich ins Nichts auflösen ließ. Und so ich den Worten glauben durfte, war dies nicht nur der einzige Schutz dessen ich mir gewiss sein konnte, fast schon kam in mir eine Spur Mitleid mit jenen auf die die Götter leugneten oder sich von ihnen abwendeten weil sie zu schwach waren ihr Schicksal nicht nur in die eigene Hand zu nehmen sondern auch dafür etwas zu tun, fast schon tat sich Mitleid mit jenen auf die sich nur als Schachfigur der Götter sahen, ohne einen freien Willen... doch das waren wir nicht, bei Weitem nicht. Gewiss, das Werkzeug unseres Herrn waren wir, doch hatten wir auch einen eigenen freien Willen, dessen wir uns bemächtigen konnten. Wären wir solche Schachfiguren, dann würden wir nichts mehr aus eigenem Antrieb heraus machen, würden nur noch so dahinvegetieren wie Getares einst die Menschen dazu verdammt hatte. Nur so eine Erkenntnis konnten womöglich nur jene erhalten die eines offenen Geistes waren oder so gesegnet waren wie ich es zu sein schien, obgleich ich mir noch immer nicht so ganz sicher war, ob dies ein Segen oder eine Prüfung darstellen sollte... oder beides.

Sei es jedoch wie es sei, ich wurde dazu beordert unter dem Schutz der Catuli die nächste Zeit im Tempel oder Hort zu verbringen. Meine Studien jedoch waren mir wichtig, sodass ich darum bat mich gänzlich im Hort einzurichten bis die Gefahr vorüber war. Es war durchaus ein gewagtes Spiel, ein Akt des Gleichgewichts auf einem ganz schmalen Grat der Wortwahl, der Kunst sich auszudrücken ohne preiszugeben was einen am Ende bewegte. Mir war es zuwider den Tempel zu belügen zu müssen, sodass ich schlicht ein Stück der Wahrheit wegließ, versuchte geschickt zu umschiffen was mir auch gelang, doch nun hieß es schnell zu handeln. Ich hatte Zeit, wenig Zeit um noch letzte Nachforschungen außerhalb des Hortes zu tätigen bevor mir auch dies nicht mehr möglich war ohne jemanden in Gefahr zu bringen und in diese Sache hineinzuziehen.
Die wenigen Habseligkeiten die ich benötigte waren schnell gepackt und durch einen Boten zum Hort gebracht, der Rest... dauerte länger. Ich musste unerkannt sein, unter den meinen Leuten wie auch unter jenen in Bajard, mich anders kleiden, einen anderen Duft nutzen und so gut es ging auch mich anders zu verhalten. Ein weiter, schlichter Umhang musste her, eine neue Hose aus den Häuten eines Ogers, versehen mit laienhaft gefertigten Schnüren und ramponiert. Freizügigere Kleidung die trotzdem die Narbe an meinem Hals zu verdecken wusste und schließlich auch ein Tuch welches ich mir über das Gesicht ziehen konnte... Waffen jedoch mussten zurückbleiben und lediglich ein Dolch der sich gut verstecken ließ konnten mit... und für den Fall der Fälle mein Siegelring, sollte ich mich doch einmal ausweisen müssen.

So führten mich meine Wege zunächst per Kutsche gen Bajard zum dortigen Schwarzmarkt. Meine Haltung, an meine Haltung musste ich denken, ich durfte nicht vergessen zu gerade, zu korrekt zu gehen, durfte mich nicht zu gewählt ausdrücken und so wenig Aufmerksamkeit wie möglich auf mich ziehen.
Es war schwierig unter so viel Volk und Ostlerpack zu navigieren, dem Drang zu widerstehen dem einen oder anderen zu aufdringlichem Feind meinen Dolch in sein Herz zu stoßen um ihn von seinem Leid zu erlösen oder ihm zu zeigen was es hieß den falschen Pfad zu beschreiten. Ich fragte mich wie nur manche der unseren mit ihnen bereitwillig handeln konnten, dementsprechend waren meine Hoffnungen mit einem Freund oder Verbündeten handeln zu können, doch dies... war etwas anders gelagert. Hier würde es um etwas gehen was wichtig war, für etwas Größeres... nicht nur für mich allein sondern womöglich für das ganze Reich, dem Herrn oder etwas anderem Großen. Hier musste allein der Nutzen im Vordergrund stehen.
So schlich ich über den Markt mit seinen unscheinbaren Ständen, kaufte hier und kaufte dort ein Schriftstück, ein "Artefakt" was mir zumindest irgendwie von Interesse schien und bedrohte letzten Endes den letzten Händler mit meinem Dolch als dieser schier unverfrorene Preise für etwas verlangt was vermutlich nichtmal so viel wert war wie das Pergament auf dem es geschrieben war, was mich dazu zwang den Weg gen Rahal auf mich zu nehmen, denn so konnte ich mich auch nicht mehr blicken lassen. Wer wusste, welche Schätze sich in den unwissenden Händen der dortigen Händler befanden.

Im Hafen Rahals angekommen, gerade noch dem wütenden Händler entkommen, wurde ich wachsamer und vorsichtiger, musste doch einmal meinen Siegelring vorzeigen, doch so sollte es sein. Manche Preise musste man auf andere Art und Weise bezahlen. Und auch hier auf dem Rahaler Schwarzmarkt gab es die eine oder andere Kuriosität, doch ging es immerhin ordentlicher zu als in diesem gottlosen Fischerdorf, wenngleich "ordentlich" hier sicherlich sehr dehnbar war. Meine Taschen begannen sich zu füllen, weiterhin musste ich an dem Punkt vorbei suchen was ich eigentlich suchte, um die Ecke denken im Grunde und so wechselten auch hier Bücher, alte Berichte, Geschichten, Tagebücher, weitere "Artefakte" den Besitzer und mein Goldbeutel leerte sich indes mehr und mehr. Musste die nächste Spende an den Tempel eben geringer ausfallen.

Und so, mit schwerem Gepäck an meiner Seite, begann ich im Morgengrauen den Weg zum Hort anzutreten, legte meine Kleider ab und tauschte sie mit anderen aus, nur um im gewohnten Bild, vielleicht aber mit etwas lockerer Kleidung als sonst, die Pforten der Hallen des Wissens zu durchschreiten nur um meine weiteren Studien auf mich zu nehmen. Es würden viele lange und schlaflose Nächte werden vermutlich...
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Auriane Treuwind
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Das dumpfe Flackern der Öllampe gleich neben den sorgfältig ausgebreiteten Schriften tauchte meine Schreibkammer in trübes Licht. Jeden freien Moment den ich aufbringen konnte, und war es auch nur eine halbe Stunde, hatte ich damit verbracht die Dinge, die ich auf dem Schwarzmarkt zusammengetragen hatte, zu sichten, neu zu lesen, beiseite zu legen, wieder zu lesen und zu sichten bis mir in all dem Wust doch noch etwas untergekommen war dem ich nicht so viel Beachtung zunächst geschenkt hatte, hielt ich ich jenen Fetzen doch zunächst für etwas anderes. Meine Fingerspitzen begannen zu zittern als sie über das brüchige Pergament zu streifen begannen. Jedes dieser Schriftstücke vor mir versprach einen weiteren Schritt auf der Reise meiner Forschung, doch dieses hier... war besonders. Vielleicht hatte es eine Art alter Magie in sich, welches es den gezielten Suchenden übersehen ließ? Mein Herz begann zusätzlich zu flattern und in einem nahezu pochenden Tanz gegen meine Brust zu hämmern. Es würde so viel erklären, so viel und den Kreis schließen lassen. Dieser Kreis, der vermutlich zu jener Aufgabe gehörte die der Herr mir in einer Vision geschickt hatte. "Deine Aufgabe, teile sie mit keinem. Deine Aufgabe, teile sie mit keinem" hallte es in meinem Kopf wider und wider. Jenes Verlangen sie mit jemandem zu teilen hatte ich meisterhaft geschafft zu unterdrücken, gar gänzlich sich verflüchtigen zu lassen. Niemals sollte jenes Vertrauen missbraucht werden.

Paia, es musste Paia sein über die in diesem Schriftstück gesprochen wurde. So viel Neues oder Erahntes was noch mehr Fragen oder Spekulationen aufwarf und doch zeitgleich beantwortete, dass mir der Kopf nur so sauste. "Paia, oh Du gute Paia, warum nur hat man Dir so wenig Beachtung geschenkt?" hallten dafür nun die meinen Worte durch den Kopf, wieder und wieder während zur gleichen Zeit sich leis wie eine Maus ein begleitender Gedanke sich hineinschlich und einnistete. Manche Dinge sollten vielleicht besser vergessen sein oder außerhalb des Bewusstseins der Mengen, doch der Zorn darüber der in mir aufwallte bei dem Gedanken wie sehr der Osten Paias Andenken missbrauchte, er fraß sich tiefer in mein Fleisch und mein Sein. Sie selbst beteten doch eine Schildmaid an, eine Frau, wie nur konnten sie Paia da nur so für ihre eigenen Zwecke missbrauchen? "Oh Paia, das hast Du nicht verdient..."

Mit der neuen Erkenntnis begann ich nicht nur mein Material neu zu sichten, nein ich durchstöberte meine Dokumente und Karten als hätte ich sie ganz frisch erst erstanden. Alte Karten vor allem die es waren die mein Interesse nun geweckt hatten, doch keine schien auf den ersten Blick aussagekräftig zu sein. Doch wer weiß, vielleicht wenn ich sie oft genug durchsuchte oder mit Neuigkeiten die ich dort fand. Ein ganz gewisser Ort fiel mir da jedoch ein, der eventuell etwas Aufmerksamkeit gebrauchen könnte. Vielleicht war es gar jener Ort an dem sich alles zugetragen hatte weshalb dieser eine besondere Ort hervorstach.
Paia war mehr als nur die Auserwählte Alatars gewesen, sie musste eine starke, aufrechte Frau mit einer gewissen Weitsicht und Weisheit gewesen sein die ganz durch ihren eigenen Willen durch diese Welt getragen wurde. Eine Frau, die Ungemach, Neid und Missgunst auf ihren Schultern lange Jahre tragen musste und darunter nicht gebrochen ist, obgleich diese Bürde so viel hatte wiegen müssen. Es wurde ihr nicht gerecht und vermutlich wurden auch wir ihr nicht gerecht und wer weiß wem noch.
Dann, als würde ein kurzes aber scharfes Zucken mich durchfahren, kamen andere Erinnerungen auf, so klar und rein wie Quellwasser es nur sein kann. Der Nachmittag im Hort, ein Angriff und eine Warnung. Eine mir bis dahin unbekannte Stimme die gesprochen hatte und von der ich doch gewusst hatte wer sie war. Horteras. Kind der Wahrheit und der Geschichten hatte sie mich genannt, diese Stimme. Ob Er damals schon mehr wusste als ich? Vermutlich.
Wenn wir einander den Segen des Herren wünschten, war dies für manche eine schlichte Grußformel und nicht mehr, für mich hingegen war es weitaus mehr als das: Sie sollten erfahren wie gesegnet wir alle doch waren unter Seiner Pranke. Gesegnet mit Freiheit der Wahrheit auf den Grund gehen zu können ohne dass man es uns verbot. Gesegnet unter Seiner Führung und Seinen Geboten erstarken zu können um den Gefahren und Lügen dieser Welt begegnen zu können. Gesegnet eines klaren Geistes werden zu können, Lüge von Wahrheit unterscheiden zu können.
Es hieß also einen Plan zu schmieden und Verbündete zu finden, die keine Fragen stellten. Oder wenigstens nicht zuviele. Die Nachricht der Bibliothek war klar gewesen, nur die Höheren Geweihten des Tempels und meine Person durften von dem Inhalt erfahren, doch um gründlichere Nachforschungen treiben zu können brauchte es auch eine zweite Sicht. Eine, die den Mund verschließen konnte und die hoffentlich ihren Verstand am richtigen Fleck hatte. Ein Name fiel mir ein und jene würde aufgesucht werden in dem einen Versuch so wenig oder gar nichts preis zu geben wie möglich und dennoch voranzukommen und wenn es eine erste Fährte ins Nichts war. Es wäre trotzdem eine Antwort. Mit tiefem Seufzen verstaute ich die ganzen Papiere in meinem ganz eigenen Versteck wo hoffentlich niemand sie jemals finden würde und ließ mich zu einem Gebet an den Herrn vor meinem Hausschrein nieder.

"Allmächtiger, mein Herr und Gebieter,
gesegnet sind wir unter Deiner Pranke
Erfüllst uns mit Stärke und eisernem Willen
auf dass wir auf Deinem Wege niemals schwanken mögen.

Allmächtiger, gesegnet hast auch Du mich
Schenktest mir Dein Vertrauen in Deiner Weitsicht
Unbegreiflich ist diese Gnade die Du mir zuteil ließest

Möge stets der Zorn im Angesicht der Lügen dieser Welt wallen
Möge der Hass im Angesicht der Ungerechtigkeiten des Ostens heiß in uns pulsieren
Möge Dein Geschenk uns leiten und führen im Kampf gegen die Blindheit die man uns aufzwingen will"
Zuletzt geändert von Auriane Treuwind am Montag 31. März 2025, 00:39, insgesamt 1-mal geändert.
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