
Kyrae dar Ch'tar
- In den Tiefen des Leth'Axorn versammelten sich an diesem Abend abermals die Letharen, umgeben von den düsteren Gängen, den qualvollen Schreien und den Gerüchen ihres kompromisslosen Daseins. Sie bereiteten sich vor, es gab etwas zu erledigen, für das der Zeitpunkt kaum besser hätte sein können.
Die versammelten Brüder und Schwestern erhielten die nötigen Informationen für das Vorhaben, doch gerade als der Lethyr den Befehl zum Aufbruch gab, drang etwas durch die Weiten des Leth'Axorn an ihre Ohren.
Es war ein unheilvolles Kichern.
Etwas, das man hier unten in diesen Tiefen so wohl niemals vernehmen würde. Selbst die Lethraen waren nicht im Stande, ihre Gehässigkeiten und Intrigen durch ein derartiges Kichern zu untermalen. Etwas war hier unten, etwas wollte sie locken. Denn das Kichern drang in all ihre Ohren und nicht nur in vereinzelte und vor allem der Lethrixor Ryx'tar verhielt sich gänzlich untypisch.
Während die anwesenden Lethraen ihre Augen auf den Lethrixor legten, versuchte der Lethyr die Quelle dieses unheilvollen Kicherns auszumachen. Sein Wille schob sich in der Disharmonie Vater's wie ein zerstörerischer Fluss aus Gift durch die Dissonanzen und da war sie, die Quelle.
Doch warum dort? Konnte es sein?
Während der Lethrixor mit seinen eigenen Qualen kämpfte, rief der Lethyr die Geschwister dazu auf ihm zum Lethyrenturm zu folgen. Denn die Quelle dieses merkwürdigen Säuselns in den Ohren lag dort. Und das Kichern wurde nur durch ein Wort unterbrochen, "Mael".
Zunächst ging der Lethyr davon aus, dass womöglich wieder ein verwirrter und dem Wahn verfallener Erzlethyr in das Leth'Axorn eingedrungen ist, um es aus falschen Annahmen heraus zu zerstören. Doch es sollte sich anders herausstellen.
Als die Letharen im Lethyrenturm ankamen, wurde schnell deutlich, was dort nach ihnen rief. Und der Lethyr wusste, er musste mit ihnen hinunter in die Tiefen, doch gleichzeitig musste er seine Geschwister schützen. Schützen vor sich selbst und anderen.
Und so kam es, dass er eine Illusion für die Brüder und Schwestern erschuf, die ihnen den klaren Blick auf das folgende nehmen würde. Der Zugang in die Tiefen und die Gänge hinab, waren verworren wie das Wurzelwerk eines Jahrhunderte alten Baumes. Während es von den Decken und Wänden in einem fast schon Trance ähnlichen Takt auf die uralten Steinstufen tropfte.
Doch alles was die Geschwister sahen, war ein normaler Treppengang, wie es sie so oft im Axorn gibt. Denn das was sie in diesen Tiefen erwarten würde, ist eine zu große Gefahr. Nicht nur für sie selbst, sondern das ganze Reich, gar ganz Gerimor.
Was in den nächsten Stunden geschah, blieb verborgen...
Die meisten der Geschwister erinnerten sich nur noch an ein unsanftes Aufkommen vor dem Lethyrenturm. Doch was in der Zwischenzeit geschah, entzog sich anscheinend ihren Erinnerungen.
Und auch der Lethyr war einen Moment lang benommen und musste sich einige Augenblicke Zeit nehmen um sicherzugehen, dass sie auch wirklich in ihrem Axorn gelandet sind. Doch als auch Ryx'tar vor den Füßen der anderen unsanft auf dem Boden aufschlug, wurde ihm bewusst, dass alles was in den Tiefen geschah real war. Die Erinnerungen des Lethyren waren nicht verblasst.
Es schien, als wäre das unheilvolle Kichern verschwunden, als wäre die Gefahr für den Moment vorbei. Zumindest bis erneut eine Stimme in die Ohren des Lethyren drang. Eine Stimme, ungleich der Vater's, sie klang krächzender, gar familiärer, als würde ein Bruder aus längst vergangenen Tagen zu ihm sprechen. Und das einzige Wort das in seine Ohren drang lautete...
"Suche!"Es verwirrte den Lethyren in dieser Situation, war doch der ganze Abend ein einziges Rätsel. Warum jetzt, warum auf diese Art, warum in diesen tödlichen Tiefen...
Doch lange Zeit blieb ihm nicht, um darüber zu Grübeln. Denn er hatte die Stimme vernommen, welche kein Zufall sein konnte. Nicht nach dem heutigen Abend, nicht nach dem was geschehen war dort unten.
Also begann er sofort mit seiner Suche, seiner Suche nach... nach was eigentlich? Es könnte vieles bedeuten, es könnte Zusammenhänge geben aber auch gänzlich zusammenhangslos sein. Haben seine Geschwister diese Stimme auch vernommen? Oder nur der Lethyr?
Er würde es sicher herausfinden, spätestens bei der Versammlung würde er sie ausquetschen, wenn sich bis dahin keiner von selbst zu Wort meldete.
Und so begab sich der Lethyr durch die zahlreichen Gänge des Leth'Axorn und suchte. Und jeder Lethar dem er über den Weg lief konnte den Lethyren fast schon wahnhaft immer und immer wieder das selbe Wort sagen hören, "Suche!" und auch Velvyr'tae blieb von der Umtriebigkeit des Lethyren in den nächtlichen Stunden nicht verschont. Hetzte er doch in alle möglichen Ecken der eigenen Höhle und sprach immer wieder dieses eine Wort und nur dieses eine Wort.

















