"Goldener Fuchs, Weiser der Weisen,
Vater der Eledhrim, der Sterne und Magie.
Dein Reich so alt, so groß, so hell,
es bröckelt, ich bin so nah wie noch nie!"
So lange hatte sie gewartet, so lange gelauert, so lange ihren Blick auf Ihn und alles, was Er erschaffen hatte gerichtet. Sein goldenes Fell, das mit jeder Faser Seiner Existenz Seine Vollkommenheit widerspiegelte, Seine Unantastbarkeit.Vater der Eledhrim, der Sterne und Magie.
Dein Reich so alt, so groß, so hell,
es bröckelt, ich bin so nah wie noch nie!"
"Unantastbar? Oh nein, kleiner Fuchs. Du bist genauso wenig unantastbar, wie Deine kleinen, wertvollen Eledhrim.
Wie sehr ich Dich beneidet habe, für all das, was Dein ist, was Du geschaffen hast und für jede einzelne Seele, die Dir treu ergeben ist.
So lange habe ich Dich beobachtet, Dich studiert, jede noch so kleine Einzelheit. So lange habe ich mich vorbereitet, jedes Detail geplant und alle nötigen Kräfte gesammelt, die ich brauche, um Dir alles zu nehmen, was Dein ist."
Jenseits allem Bekannten, an einem Ort, der dunkler ist als die tiefste See, drang Jahrhunderte, fast ein ganzes Jahrtausend, kein einziges Licht. In der Dunkelheit wartete Sie, bei dem Käfig ihres Feindes.
Doch der Tag war gekommen. Der Tag an dem das Warten ein Ende hatte. Der Tag an dem Sie sich erheben und der Fuchs in Vergessenheit geraten würde!
Tief in der Nacht, die Sterne funkeln wie gewohnt am tiefschwarzen Himmel, geben ihren Bildern ihre Form und bringen, wie stets, die Schönheit in die sonst so grausame Dunkelheit.
Doch in dieser Nacht war etwas anders. Etwas, das nie da war, das nicht zu den anderen gehörte, glomm am Nachthimmel auf, plötzlich und unscheinbar, doch nicht weniger präsent.
Niemand konnte auch nur ahnen, was dort passierte, was es bedeutete oder nach sich ziehen würde. Selbst die Traumklänge der Eledhrim blieben gänzlich unberührt. Doch etwas war.. anders.
Uril Nácame, Symbol des Wissens und der Weisheit, Mutter der Eledhrim, das göttliche Wiesel mit güldenem Fell. Es war, als sei es nie anders gewesen; nein, es war nie anders! Sie war es immer, die die Eledhrim schützte, die Mutter der Magie und die Mutter aller Sterne.
Es war nie anders!
Phanodain war im Bruchteil eines Herzschlages aus den Köpfen und Erinnerungen der Eledhrim verschwunden. Und nicht mal diese lästigen Menschen würden mit Seiner Erwähnung zu ihnen durchdringen können, war doch alles, was sie hörten allein Ihr Name, Uril.
Doch ein einzelnes Licht, eine einzelne unter den Eledhrim, die besonders nah zu Phanodain steht, plagten an genau diesem Abend unruhige Traumklänge.
Vor deinen Augen erblüht eine Lichtung, umhüllt von einem satten, fruchtbaren Wald. Eni sanftes Rauschen dringt an deine Ohren, das über die Baumwipfel streichelt und sie sanft wiegt. Golden und durch und durch angenehm warm hüllt das Licht der Sonne alles ein, was deine Augen erblicken. Ein paar Rehe hüpften durch den Wald, aus ihm heraus auf die Lichtung, nur kurz innehaltend, um zu grasen. Eines der Rehe, ein kleines, zierliches, nicht mal ganz ausgewachsen, sieht dir direkt entgegen, keinen Moment abschätzend oder beängstigt, scheint es dir ganz und gar zu vertrauen.
Ein Jaulen durchbricht die idyllische Stille und lässt sich nur die Rehe aufschrecken, die du gerade erblickt hast. Dein Blick schwenkt herum, zum Wald, tief in ihn hinein. Doch bevor du etwas erblicken kannst, packt dich etwas an beiden Beinen und reißt dich unsanft in den Boden.
Erde rauscht an deinem Gesicht vorbei, Wurzeln schlagen nach deinem Körper und mehr und mehr Dunkelheit umfängt dich, bis...
Tief atmest du durch, als du wieder auf der Lichtung stehst, im selben goldenen Licht, mit dem selben Anblick und dem selben wohligen Gefühl, das Heimat und Geborgenheit ausdrückt.
Wieder erklingt, jenseits deines Sichtfeldes, ein Jaulen, das deinen Blick herumschwenken lässt, doch wirst du nichts als den heimischen Wald erblicken. Außerdem bist du dir der absoluten Sicherheit bewusst, denn Sie ist an deiner Seite.
Uril Nácame war immer an deiner Seite.