Dieses Stück Seil und ein kleiner Unfall mit einer Kerze im Zelt waren die Ursache dafür, dass Xinthra sich bis auf die Knochen blamiert hatte. Alassea, Ronya und gar noch ein Mann standen im Zelt und lachten gemeinsam über die äußerst mißliche und peinliche Lage in die sich die sonst so besonnene Kriegerin hatte bringen lassen.
Selbst am Feuer ging das Gefeixe weiter, als Xinthra sich etwas zu Essen nehmen wollte.. ein Stück gut abgehangenes Fleisch vielleicht.. Räucherwurst.. Jaja, lacht ihr nur. Das unverfänglichste in dieser Situation war wohl Brot.. und Milch. Denn mit Wasser hatte man den Brand gelöscht. Diese Mahlzeit sollte am wenigsten Anreiz zum weiteren frötzeln geben. Wie erwartet, ebbte das Gegacker der drei, einer davon ein Mann, der kurz zuvor sämtliche Trankbestände von Alassea aufgekauft hatte. Ahsai van Gor. Eine Weile wurde sich unterhalten, Ronya legte sich schlafen.
Einige Momente bereits hatte dieser Ahsai Alassea schon Avancen gemacht, Komplimente, Xinthra wusste sofort, auf was die abzielen sollten. Leicht mürrisch ob des Tages begab sie sich daran, den angerichteten Schaden in ihrem Zelt zu beheben, tauschte die angebrannten Felle aus, räumte die Kiste wieder ein, aus der ihr zu allem Überfluss die Kirschen heraus purzelten. Zu allem Überfluß hörte sie die säuselnden Worte dieses Mannes.
Zunächst entsorgte sie die Felle, warf währenddessen einen argwöhnischen Blick auf die Beiden, die da Hand in Hand neben einander saßen, Alassea wohl eher unfreiwillig. Zurück im Zelt sortierte sie einige faulige Früchte aus, die sie entdeckt hatte und begab sich mit dem Beutel wieder in Richtung Kompost. Da musste sie am Feuer sehen, wie Ahsai mit seiner Hand an Alasseas Wange zugange war, sein Lächeln und ihr Blick gen Xinthra reichten aus, das Blut der Kriegerin in Wallung zu bringen.
"Darf ich mal Fragen was das hier wird?"
"Was wohl, ich mache ihr den Hof."
"Vielleicht habt ihr nicht mitbekommen, mag ja sein. Aber sie hat ein Kind, also ist sie schon vergeben."
"Das würde sie doch wohl selbst sagen"
"So, würde sie?" Ein Blick gen Alassea, Xinthra hoffte inständig, dass diese etwas dazu beitrüge. Doch sie tat es nicht, blickte nur zwischen den beiden hin und her.
"Das denke ich doch", sein Ton wurde brummelig und fauchend.
"Und ich werde so lange um sie werben, bis sie sagt ich solle verschwinden, und nicht irgend eine mir doch recht unbekannte Person dies sagt"
"Ich denke ihr möchtet nun gehen." Was erlaubt sich der Kerl?
"Ich denke ich möchte noch bei Alassea bleiben"
"Und ich denke ich muss mich nicht innerhalb unseres Lagers von einem Mann anfauchen lassen"
"Gebt acht mit wem ihr redet. Ich bin kein dahergelaufener Stallbursche!. Er behielt seine brummelige Stimme.
"Das weiss ich selber. Überlegt lieber, um wen ihr da buhlt. Denn wenn ihr genauer wissen wollt, sie ist tatsächlich vergeben. Und zwar an mich!"
Ein erschrockener Blick von Alassea, ein überraschter Blick von Ahsai gen der Heilerin. "Ist das so?" fragte er. Jene nickte nach einer Weile, sehr sacht und immer noch erschrocken drein blickend.
"Ihr seid ein Grund, kein Hindernis" meinte er noch gen Xinthra, ehe er langsam in Richtung Tor ging. "Heute habt ihr den falschen angemault, Xinthra". Sein tiefer grollender Ton klang wie eine Warnung. Er blickte Alassea auf ihrem Pferd und Ahsai hinterher, denn sie wollte ihm den Weg zur Herberge weisen. Doch Xinthra war klar, dass sie nicht die übliche viertel Stunde abwarten würde. Das Tor war geschlossen, da griff sich Xinthra ihre Waffe aus dem Zelt, bestieg ihr Pferd und preschte los, zunächst in Richtung der Herberge. Doch der Weg dorthin war befremdlich leer, so weit hätten sie gar nicht kommen können, und doch ritt sie bis zur Herberge, fragte die Wirtin dort, doch es war kein Mann mit weißen Haaren in Begleitung einer Frau mit weißen Haaren dort gewesen.
Ein schrecklicher Gedanke breitete sich in Xinthra aus. Alassea.. entführt? Ihr erster Gedanke lag am Hafen. Und richtig. dort angekommen irrte ihr Pferd am Pier herum, Alasseas Stab lag auf der Wiese davor. Aber keine Kampfspuren. Warum jedoch sollte Alassea ihr Pferd hier unangebunden stehen lassen und ihren Stab in den Dreck werfen? Xinthra packte ihren Speer so fest, dass die Knöchel sich weiß unter der Haut sichtbar machten. "Ahsai van Gor ich werde dich jagen und töten wenn du meiner Alassea auch nur ein Haar krümmst!" brüllte sie aufs Meer hinaus, die Wut war ihr ins Gesicht geschrieben, und sie hatte auch schon eine Ahnung, dass dieser Mann sie nach Rahal verschleppt haben würde. Doch es sollten die anderen Schwestern davon erfahren, also ritt sie erst einmal zurück, mit Sperenzia im Schlepptau und Alasseas Stab in der Hand, schrieb einen Zettel den sie gut sichtbar am Haupthaus befestigte:
Schwestern!
Gestern in der Nacht wurde Alassea entführt! Vermutlich war dies der Rahaler Gardehauptmann Ahsai van Gor. Jenen zur Herberge zu geleiten gedachte Alassea, doch sie trafen dort nie ein. Ich fand ihren Stab und ihr treues Pferd am Hafen, werde gleich noch weiter suchen nach Hinweisen.
Warum habe ich sie nicht begleitet.. nach den Worten die ich an ihn gerichtet hab hätte ich das ahnen müssen.. warum nur.. oh Ala.. Es spukte in ihrem Kopf und raubte ihr die Konzentration, aber die Angst um ihre Liebste stahl ihr die Müdigkeit, vor Erschöpfung einfach umzufallen und zu schlafen.