Die Kette wurde neben eine Schale mit exotischen Früchten und selbst gemachtem Tee in einem Bouquet aus Blumen zurechtgelegt. Ein hölzerner Speer, den sie beizeiten geschnitzt hatte, wurde vor die Kiste gelegt. Ein Zeichen des Tributes, aber auch eine Nachricht, dass ein Konflikt im Raume stand. Ein Konflikt, den sie versuchte diplomatisch beizulegen, doch mit Drohungen gefestigt wurde.
Freya holte noch ein Pergament hervor und legte es mit in die Kiste, erhob und begab sich sogleich zu Nanauatzin, einer der Tempelwachen, dessen Lebensaufgabe es war, den Zugang zwischen Insel und Meer zu behüten. Der Inhalt des Briefes entsprach der Worte, die sie zu der Tempelwache entrichtete, mit der Bitte sowohl Kiste als auch Nachricht an Kawi schnellstmöglich weiterzugeben. Die Zeit drängte.
K'awi xan yasha werter Nanauatzin.
Die Dritten haben ein Anliegen an die Zweiten und Kawi selbst. Es gibt einen möglichen Konflikt zwischen den Dritten und des westlichen Großreiches von Gerimor. Eine mögliche Bedrohung, bei der wir eine friedliche Lösung ersuchten. Ein von finstrer Gottheit getriebener Hass sucht nach einem ehemaligen Führer ihrer Ritter, dessen Berufung und Titel genommen wurde, der Liebe fand, sein altes Leben hinter sich lies und auf Kawi ein neues Leben beginnen will.
Unsere aktuellen Gesetze und Einstellung zum Leben auf Kawi legen offen, dass er den Konflikt auf diesem neutralen Boden lösen könnte durch Gespräche. Ein diplomatisches Vorgehen unsererseits wurde allerdings abgelehnt und eine Auslieferung unseres Gastes durch mehrfache Drohungen, Beleidigungen und gar Bestechung mit Füßen getreten wurde.
Seitdem die Insel unmittelbar vor der Grenze zum Reich des Aggressors liegt, war es nur eine Frage der Zeit, bis so mancher Konflikt vor unsere eigenen Türen gebracht wird. Wir möchten jeglichem Kampf aus dem Weg gehen, doch müssen uns womöglich verteidigen.
Eine Drohung wurde ausgesprochen. Sieben Tage, sonst … den Ausgang ließen sie offen, doch so mancher vermutet, dass sie einen Kampf der Vernunft vorziehen. Ich weiß nicht, was sie vorhaben werden, egal ob wir den Forderungen nachgeben oder sie ignorieren.
Egal, ob der ehemalige Ritter bleiben oder uns verlassen würde, so sei zu vermuten, dass der Aggressor ein Exempel statuieren könnte, um herauszufinden, wie angreifbar die Insel ist.
Ich erfrage hiermit mit höchster Demut und Dringlichkeit um Rat und Hilfe.
Rat von Euch und Euren Kriegern sowie von Kawi selbst.
Hilfe, sofern uns eine Macht überrollen mag, der wir alleine nicht standhalten können.
Alatar selbst mag ihren Zorn leiten, doch möge unser aller Herzschlag wie laute Trommeln ihren Marsch noch im Sumpf versickern lassen.
Teilt meine Worte, die auch im Briefe stehen, Kawi mit. Bis dahin werden wir Vorbereitungen treffen, um uns verteidigen zu können.
Wir haben noch sechs Tage.
K'awi xan yasha.
