Dass sie nun auf solch eine schreckliche Tat gestoßen waren, konnte man ob der mystischen Hintergründe der Insel zwar nicht ausschließen, dennoch hätte niemand damit gerechnet. Viele Untersuchungen und Gespräche waren mittlerweile geführt worden und dennoch war dieser Vorgang nach wie vor nicht gelöst. Sie hatten Appius, dem Ersten, mit dem sie nun bereits schon einige Male unten im Tempel gesprochen hatten, ihr Wort gegeben diesen Todesfall aufzuklären.
Um dem Ganzen die notwendige Ordnung zu geben und gleichzeitig auch den Überblick zu behalten, beschloss er die wie im Flug verstrichene Zeit Revue passieren zu lassen und sich den Fortschritt ihrer Nachforschungen und den damit einhergehenden Erkenntnissen bewusst zu machen.
[03.07.2023] Die Geheimnisse von K'awi II
Als wäre es gestern gewesen, erinnerte er sich noch an jene offiziell ausgerufene Expedition. Sie hatten nichts Konkretes geplant, lediglich das verrottete Haus im Nordosten der Stadt genauer unter die Lupe zu nehmen und zu ergründen, was es damit auf sich hatte.

Dort angekommen war es ausgerechnet er selbst, welcher im Eifer der Nachforschungen die spröden Balken übersehen hatte daher mit Ach und Krach einbrach und beinahe im Schlamm versank. Man könnte es Glück im Unglück nennen, sofern man an solche Gegebenheiten glaubte, jedoch offenbarte ihm sich dort, ein paar Schritte unter dem Dielenboden, eine uralte Kiste mit losen Zetteln darin, welche sich alsbald als offenbar altes Tagesbuch herausstellten.
„Ich habe nicht viel Zeit. Die Käufer sind zum nächsten Vollmond am Hafen.
Zum Glück habe ich durch meinen Dienst an der Mauer den Tunnel gefunden.
Direkt neben der Taverne. Diese betrunkenen Nichtsnutze stolpern leider dauernd rein.
Ein Stein wird helfen.“
Loser Zettel 2: Verfasser: Chankio
„Ich muss zusehen, wie ich an einen Spross dieser Ungeheuer komme.
Die Jungen sind neugierig und noch nicht so vorsichtig.
Ich habe aus Kräutern und Ködern ein gutes Mittel gemischt, dass sogar ein Pferd benommen macht.
Es muss es nur in die widerlich fischigen Finger nehmen.“
Loser Zettel 3: Verfasser: Chankio
„Ich glaube, der Biss dieser Ungeheuer ist giftig. Ich konnte es in der Höhle nördlich vom Sumpf einsperren und sie verschließen.
Ich muss in 3 Tagen den Handel machen. Ich bin stärker als deren Gift.“
Loser Zettel 4: Verfasser: Chankio
„Es behauptet kein Unbekannter zu sein und den Namen Licinius zu tragen. Albern.
Niemand wird ihn suchen. Niemand wird ihn finden. Bald bin ich ein reicher Mann.“
Natürlich hatten sie versucht die Hinweise aus den losen Zetteln zu einer zusammenhängenden Geschichte mit Sinn zusammenzustückeln und waren gewillt alsbald auch direkt jenen Ortsangaben zu folgen.
Die nächste Suche, nachdem er wieder aus dem Sumpf gezogen worden war, war jene nach dem in der Notiz angesprochenen Tunnel. Ob der guten Beschreibung fanden sie auch ziemlich schnell den dort angesprochenen Stein und somit den Eingang zu besagtem Durchgang durch die Stadtmauer. Der Eingang war direkt hinter der Taverne zu finden, nachdem der Stein beiseite gerollt worden war. Was sie dort unten fanden brachte sie zu der Vermutung, dass Chankio, der Verfasser dieses Tagebuches, offenbar eine Art Schmuggler und Händler gewesen sein musste. In einer alten, fast zerfallenen Kiste, fanden sie einige Flaschen Brandwein mit grünem Wachsverschluss und der Aufschrift ‘Jubiläumsbrand aus dem Jahre 100‘. Nun war auch klar, dass das beschriebene Vergehen schon sehr lange her gewesen sein musste.

Angestachelt von der Neugier und dem Schauer der mit dem Tagebuch einherging machten sich alle noch direkt am selben Abend auf um die darin beschriebene Höhle nördlich vom Sumpf zu finden, was auch immer sie dort erwarten mochte. Dort angekommen fanden sie nach einiger Zeit des Suchens tatsächlich einen mit Holz verbarrikadierten Höhleneingang, welche ob seiner dichten Bewachsung offensichtlich schon lange dort verschlossen und unbemerkt lag. Mit Hilfe von diversen Hilfsmitteln, welche sie zum Aufstemmen der Bretter nutzten, gelang es der Gruppe schließlich die Höhle zu betreten. Doch was sie dort antrafen hinterließ bei vielen der Beteiligten einen tiefen Schock. Ob der Tatsache das die Höhle offensichtlich seit vielen Jahrzehnten nicht mehr betreten worden war, waren es lediglich die knochigen Überreste des im Tagebuch angesprochenen ‚Licinius‘, welche sich ihnen, angekettet an einen Pfahl, vor ihren Augen offenbarte. Das einzige was sie zur eindeutigen Identifikation des Opfers fanden, war eine Kette mit der Inschrift ‚Licinius‘. Nachdem die Starre durch den Schock dieses Anblicks langsam gelöst war, wurde beschlossen die Überreste zunächst dort zu belassen, um die Durchführung der letzten Ehre den Ersten zu überlassen. Zudem man auch über die Rituale jener nicht Bescheid wusste. Daher wurde die Höhle magisch versiegelt, um ein weiteres Eindringen zu verhindern, bis ein Gespräch mit den Ersten darüber stattgefunden hatte. Jeder musste nun auf seine Weise mit dem Geschehenen umgehen und so begab es sich, dass nach diesem Fund die Gruppe beschloss diesen Abend zu beenden.

[23.10.2023] Die Geheimnisse von K’awi III
Es wurden viele Gespräche geführt, um das Geschehene einzuordnen und zu ergründen, wieso offenbar ein Erster Opfer eines so grausamen Verbrechens geworden war. Eine ganze Weile verging, ehe man sich dann dazu entschloss wieder einmal im Tempel Kontakt zum Ersten Appius aufzunehmen, um ihm von diesem schrecklichen Vorfall zu berichten.
Es hatte sich erneut eine Gruppe von wissbegierigen zusammengefunden. Jene die gewillt waren diese Tat aufzuklären, um zum einen dem in der Höhle ‚Vergessenen‘ die letzte Ruhe zu gewähren und zum anderen mögliche dunkle Geheimnisse der Insel aufzuklären und dadurch die Heimat zu einem sichereren Ort zu machen. An jenem Abend betrat man also erneut die heiligen Hallen des k’awianischen Tempels und bat einen der Tempelwachen Appius, jenen der Ersten, zu kontaktieren, um ihn über diesen Vorfall zu informieren.
Es machte sich wie nicht anders zu erwarten Erschütterung breit bei jenem Wesen, als versucht wurde die Geschichte in all den herausgefundenen Einzelheiten wiederzugeben. Durch Appius erfuhr die Gruppe, dass es sich bei Licinius, dem Opfer dieser Geschichte, um einen jungen Krieger längst vergangener Tage handelte. Selbst Appius kannte ihn nur aus Erzählungen, da die Geschehnisse auch lange vor seiner Zeit stattgefunden hatten. Auch wenn die Kunde trauriger Natur war, bedankte sich Appius für die Informationen und teilte den Anwesenden mit die Bestattung, wie auch immer jene aussehen mochte, selbst zu übernehmen und hierfür die Überreste selbst zu bergen. Selbst Appius konnte nicht erklären, wie es zu einer solchen Tragödie kommen konnte. Er bestätigte lediglich, dass es in der Geschichte der Ersten schon des Öfteren zu sogenannten Bruderkriegen kam, wobei sich selbst die Ersten untereinander um die Rangordnung bekämpften. Ob der Hintergrund dieser Tat, welche allem Anschein nach von einem der Zweiten verübt wurde allerding ein solcher war, konnte an diesem Abend keiner beantworten. Daher bat Appius schlussendlich am Ende des Aufeinandertreffens um zwei Dinge: Dem finalen Aufklären dieses Verbrechens, sowie einer Wegbeschreibung zur Bergung der Überreste aus der Höhle.
Nachdem sich somit auch dieser Abend dem Ende geneigt hatte, beschloss man nach weiteren Hinweisen auf der Insel zu suchen, um diese Geschichte zu einem ‚gerechten‘ Ende zu führen, was auch immer dies heißen mochte ...*














