Sein Augenpaar huschte rasch über die Zeilen des Pergaments, als dieses bei einer bestimmten Passage etwas länger hängen blieb. Er zog etwas Luft durch die Nase ein und ließ diese durch seinen Mund ausströmen, die Zähne presste er aufeinander. Der junge Anaan der Familie Ryzan kämpfte sichtlich damit, nicht die Fassung zu verlieren. Seine Beine trugen ihn schnell nach Hause, wo er einige Dinge in einen Beutel packte und sich sofort auf den Weg zum Hafen machte. Nach kurzer Suche ging er an Bord eines Schiffes, dem Kapitän drückte er einige Goldmünzen in die Hand und das Schiff legte ab mit dem Ziel – „Sadiha“…
Nach einigen Tagen auf hoher See erreichte Samir endlich sein Ziel, seinen Geburtsort, wo er von seiner gesamten Familie und Verwandtschaft empfangen wurde. Die Stimmung war sichtlich gedrückt, denn seine Großmutter lag im Sterben. Bei einem Ausflug in die Berge, überkam sie ein Schwächeanfall, gefolgt von starkem, zehrendem Fieber. Dies war auch der Grund, warum Samir sich rasch auf den Weg in seine Heimatstadt machte.
Die gesamte Sippe brauchte wohl ein wenig Zeit um sich zu sammeln, doch einige Stunden nach seiner Ankunft trat er ins Zimmer, wo sich seine Großmutter befand. Einige Hakims standen um das Bett herum, als seine Großmutter einen leichten, schwachen Deut mit der Hand machte, verschwanden diese auch sofort und sie winkte Samir näher zu sich heran. „Samir, mein Junge… "Es ist schön dich zu sehen, du bist groß geworden, hast dich gut entwickelt, wie mir scheint.“
Die alte Frau unterbrach die Worte, welche sie an den Anaan richtete, und etwas Blut lief ihr aus dem Mundwinkel heraus. Ein schwacher Anfall von Husten kroch ihre Kehle hinauf, ehe sie fortfahren konnte: „Samir… bevor ich mich von diesem Leben verabschiede, habe ich eine Bitte an dich. Dein Gesicht erinnert mich immer an die Züge meines Radeh, meines Vaters. Vielleicht mag mein alter Name dir gute Dienste leisten - deine Mutter erzählte mir von deinen Briefen, deiner Nähe zu jener Familie. Denk darüber nach, ob dies dein Pfad sein mag. Egal was passiert, mach mich stolz. Sa..m...i...r...Da...wa...d...". Die alte Frau schaffte es nicht einmal mehr den Satz zu beenden, eh mit einem tiefen Atemzug das letzte Licht in ihren Augen verblasste.
Samir verharrte noch einige Minuten, ihre knochige, leblose Hand in den eigenen Fingern gebettet. Er würde eine Entscheidung treffen müssen, schon bald…
