Bewaffnet mit einer Schaufel, Setzlingen und in einfache Kleidung gehüllt, stand die zur Gärtnerin angepasste Kriegerin am Treppenansatz. Sie rückte den Strohhut zurecht, der vor den kräftigeren Sonnenstrahlen schützen sollte, während sie ausatmete. Jene Arbeit war nun nicht unbedingt etwas, das sie gerne machte, doch hatte es in ihren Augen eine Daseinsberechtigung. Es wäre jedoch nichts, dem sie in ihren Ruhezeiten abseits des Dienstes sowie anderer Verpflichtungen öfter als notwendig nachgehen wollte.
Für jede ihrer Bekanntschaften hatte sie ein Gewächs gewählt, mit dem sie jene in Verbindung brachte. Bis auf eine von ihnen, wussten alle bereits, was sie in Byulis Augen darstellten. Diese Eindrücke wollte sie gerne auch für sich festhalten, nicht nur über die angefertigten Schmuckstücke. Langsam sank sie auf die Knie hinab, um den ersten Spatenstich zu setzen, die Pflanzen ihrem angedachten Bereich zuführend.
- ✥ Zunächst war da das Windröschen, das für sie selbst mit ihrem geduldigen Wesen stand.
✥ Der Erdbeerstrauch samt seinen Blüten mochte unauffällig wirken, da einerseits so selbstverständlich als auch alltäglich, doch andererseits beliebt und verlockend.
✥ Die rote Hyazinthe, vermittelte für die Kriegerin Aufrichtigkeit, Wohlwollen, zugleich natürlich Schönheit.
✥ Dagegen war die Narzisse eine Pflanze, die geheimnisvoller nicht sein konnte. Die Fruchtbarkeit mit der damit verbundenen Lebendigkeit war ein Widerspruch zu ihrer Botschaft als Todesbote.
✥ Hinter dem Windröschen war die Ranunkel zu finden. Individuell, dazu einmalig, aber auch sehr giftig, wusste man nicht, wie sie zu behandeln war.
✥ Das Veilchen vermochte fast keinen Platz bei den anderen finden, doch tat sie es. Passte zu ihrer bescheidenen Art wie auch Verschwiegenheit.
✥ Zuletzt war da die Glockenblume, die noch nichts davon wusste, dass sie eine war. Sobald es jedoch dazu kam, wollte die Zusammengehörigkeit mit Anerkennung bestätigt werden.
✥ Die Rotkiefer, die für Mut, Lebenskraft, überdies für Standhaftigkeit stand, sollte zu einem anderen Moment auf andere Art ihre Ecke finden. Gutes braucht bekanntlich Zeit, besonders bei einem wählerischen Wesen.
Als alle eingesetzt waren, erhob sie sich, den Schmutz sogleich abklopfend, während sie ihr Werk betrachtete. Länger bekam der Kirschbaum ihre Aufmerksamkeit. Bald schon hätten er mitsamt dem Pfirsichbaum ein eigenes Blütenkleid zu tragen. Die Vorstellung daran weckte Erinnerungen.
Das erste Mal, dass sie diesen Anblick auf andere Art erleben würde. Dazu kam der Brief, den sie am Morgen nach Bajard brachte, damit er mit dem nächsten Schiff in ihre Heimat getragen wurde. Die Narzisse war sich gar nicht bewusst, was es für eine Überwindung bedeutete die Zeilen zu schreiben, zumal jene Person ihr womöglich nicht wohlgesonnen war. Dessen ungeachtet, gab es nichts zu bereuen.
Abzuwarten würde nun die Geduld der Windrose fordern. Bis eine Antwort eintreffen könnte, gab es noch anderes, das bevor stand und sie beschäftigt hielt.