Die Gewitterwolke im Axorn

Bericht – Tag 1 – 20. Lenzing 266
Der Tag neigte sich bereits dem Ende, als ich nochmals in Richtugn des Bankturms aufbrauch. Auf dem Weg dorthin stand der Junglethoryx Jyn'drarr auf halbem Weg zum Bankturm und starrte auf eine Wolke. Eine Art Gewitterwolke, geladen mit Energie, die sich über dem Eingang der Lethrixorenhöhle aufbaute. Diese Gewitterwolke war vorher nicht im Axorn zu sehen, sie musste also kurz vor entstanden sein. Man konnte spüren, dass die Wolke klare Strukturen in den Dissonanzen hinterließ und auch der Junglethoryx bestätigte das mehr oder minder, da er selbst keine Anhaltspunkte auf die Wolke im klerikalen Gefüge finden konnte. Der Junglethoryx und ich gingen hinab, direkt vor den Eingang über dem die Wolke thronte und ihre energetisch geladenen Blitze entlud. Während ich dabei in den Dissonazen nach einem möglichen Ursprung des Geschehens suchte, konnte ich nur herausfinden, dass die Quelle wohl in der Höhle selbst lag. Das betreten erschien ungefährlich und so gingen der Junglethoryx und ich hinein. Im Inneren der Höhle angekomen, erblickten wir in der Ferne etwas. Allerdings war es noch recht unklar, da uns eine energetische Barrire am weiterkommen hinderte. Ich versuchte also in den Dissonanzen selbst einen Gegenstrom zu erzeugen, eine Art Umleitung des Energieflusses, um die Barriere zu entfernen. Doch das einzige was geschah, war das der Zufluss immer stärker wurde bei diesem Versuch und ich eine Ladung der Energie abbekam – schmerzhaft. Allerdings weckte dieses Vorgehen die Aufmerksamkeit des Ursprungs all dessen. Es war ein bis dahin unbekannter Erzlethyr, der auf einer ähnlichen Gewitterwolke wie jener vor dem Eingang der Höhle, näher zu uns heran flog.
Nunja, die Wolke flog, er stand auf jener Wolke. Während ich es auf recht diplomatische Weise versuchte, war der Junglethoryx aufgrund seiner Vergangenheit weniger zimperlich im Umgang mit dem Erzlethyren und beantwortete seine Fragen mit forschen Gegenfragen. Es war deutlich spürbar, dass das dem Erzlethyren nicht gefiel. Doch viel wichtiger in diesem Moment waren die Worte, die er sprach. Er sprach davon, dass es keine Axorne mehr gäbe und alle Geschwister tot seien. Das er die letzte Instanz ist, der letzte Erzlethyr. Während der Junglethoryx weiterhin auf seine eher respektlose Art versuchte dem Erzlethyren Informationen zu entlocken, stelle ich dazwischen ruhigere, überlegtere Fragen. Am Ende nannte er uns zumindest seinen Namen, Erzlethyr Varr'pilar des ersten Axorns. Und seine Anweisung war klar, er sprach nur mit einem Lethyren ab dem Rang eines Junglethyren. Bevor er uns schlussendlich mit Blitzen aus der Höhle vertrieb.
Wieder außerhalb der Höhle angekommen, veranlassten der Junglethoryx und ich alles Nötige. Unter anderem setzten wir die Geschwister in Kenntnis und ließen das Axorn für alle sperren, die nicht unserem Volk angehörten. Dieser Umstand, das ein uns unbekannter Erzlethyr innerhalb des Axorns verweilte und anscheinend an Verwirrung litt, war eine zu große Gefahr für alle Geschwister und für alle anderen, die das Axorn aufsuchten. Außerdem sollte uns dieser Schritt vor dümmlichen Fragen des Schlachtviehs der Oberwelt bewahren. Keiner von uns war in der Stimmung, irgendeiner dieser verweichlichten Hüllen auch nur annähernd eine Erklärung zu dieser Wolke geben zu müssen. Nach Gesprächen mit dem Erhabenen Aron'deryl, dem Meister unseres Axorns, wurde zunächst veranlasst, dass die Junglethry Dur'hazak, der Lethrixor Zor'tator und ich die Höhle abermals aufsuchen sollten. Wir sollten ergründen, was der Erzlethyr Varr'pilar bei uns wollte. Weshalb er so wirr spricht und wir sollten ihm ein Gespräch unter Brüdern mit dem Meister anbieten. Kurz darauf kam Lethyr Szyr'dhar, mein Mentor, auf mich zu und erklärte mir, dass er eine Art Hinweis durch Vater erhielt und ich mich bereit halten sollte. Bereithalten für eine Art Prüfung. Diese Worte verwirrten mich zunächst. Doch nahm ich mir den Rat zu Herzen und studierte nochmals alle Unterlagen die ich im Lethyrenturm gelagert hatte.
Bericht – Tag 2 – 25. Lenzing 266
Es war soweit, der Tag unseres erneuten Aufbruchs in die Höhle stand an.
Lethyr Szyr'dhar und Lethrixor Zor'tator warteten vor dem bankturm auf mich. Es war ein spannungsgeladener Abend, nicht nur wegen der Gewitterwolke.
Keiner von uns wusste so recht, was uns erwartet. Und zu alle dem, teilte der Lethyr mir noch mit, dass ich mit dem Lethrixor alleine hineingehen würde. Da es wohl meine Prüfung sei.
Ich sollte die Führung innerhalb der Höhle übernehmen, der Lethrixor würde nur eingreifen, wenn körperliche Gefahr drohe. So waren die Worte des Lethyren. Ich benötigte einen Moment, um mir dieser Verantwortung und Aufgabe bewusst zu werden, immerhin schien der Erzlethyr in der Höhle darauf aus zu sein, dieses Axorn zu zerstören. In der Höhle hatte sich nichts verändert, noch immer war diese Barriere da. Und auch Erzlethyr Varr'pilar wurde sich schnell unserer Anwesenheit gewahr. Der Lethrixor hielt sich während der gesamten Zeit in meinem Rücken auf und als der Erzlethyr näher kam, fragte er zunächst ob wieder dieser vorlaute Junglethoryx dabei sei. Ich erklärte ihm dann, dass dieser nicht anwesend sei, sondern der Lethrixor Zor'tator und ich selbst.
Der Erzlethyr war nicht gänzlich zufrieden, verlangte er doch mindestens einen Junglethyr. Aber er ließ uns durch seine Barriere hindurch, um mit ihm zu sprechen. Ich traute den Worten zunächst nicht und versuchte zuerst in den Dissonanzen zu erspüren, ob es eine Falle sein könnte. Doch die Barriere öffnete sich tatsächlich und so konnten der Lethrixor und ich hindurch gehen. Nur um dann vor einem Labyrinth aus Dornenbüschen zu stehen. Der Weg war kaum erkenntlich, doch konnte wir ihn erfolgreich begehen und standen vor dem Erzlethyren. Sein Raum, seine Halle war geladen voller Energie. Gewitterwolken, Blitze, man konnte seine Macht deutlich spüren und er ließ sie auch sehr nah neben uns einschlagen.
Als wir respektoll, wie es einem Erzlethyren gebührt, auf unser Knie absanken und den Kopf tief neigten, sprach er mit uns. Er machte deutlich, das er nicht weniger als einen Junglethyren forderte und was ihn nun davon abhalten sollte, uns zu Asche zu verarbeiten. Daraufhin habe ich mich zunächst im Namen des Axorns für das Verhalten des Junglethoryx entschuldigt. Es schien mir der effizienteste Schlüssel, um Zugang zum Erzlethyren zu erhalten und es zeigte auch die gewünschte Wirkung. Nachdem er mich aufforderte fortzufahren und ich ihm das Angebot unseres Meister unterbreitete für ein gemeinsames Gespräch, sagte er folgendes:
„Dann überbringe ihm folgende Nachricht. Ich bin der letzte Erzlethyr, ich weiß nicht was ihr seid, doch ich bin der letzte Erzlethyr. Und meine Aufgabe ist es, das letzte Axorn in seinen Überresten zu vernichten. Kein Lethar lebt mehr. Ich bin der letzte seiner Art“.
Diese Worte waren die Bestätigung für meine schlimmsten Befürchtungen. Der wirre Geist des Erzlethyren sollte die Vernichtung unseres Axorn bedeuten. Die einzige Möglichkeit in diesem Moment, die ich sah, war den Erzlethyren zu überzeugen, dass es noch immer ein intaktes Axorn gibt und auch der Pfad der Lethyren weiterhin besteht. Also forderte ich ihn auf, mich ihm gegenüber beweisen zu lassen, dass die Stimme Vaters, die Stimme der Vergifter weiterhin besteht und weitergetragen wird. Das schien das Interesse des Erzlethyren zu wecken und so willigte er ein. Jedoch nicht ohne Hindernisse. Er verschloss unseren Rückweg und ich sollte ihm nun also beweisen, dass ich tatsächlich ein Nachfahre der Lethyren bin und es tatsächlich noch ein intaktes Axorn gibt. Der Erzlethyr verschwand und nur noch seine Stimme war ab und an zu vernehmen, spöttisch. Zunächst versuchte ich mich zu orientieren, der Raum war so geladen mit Energie, das jeder Schritt tödlich enden konnte. Die Blitze schlugen wirr im ganzen Raum ein.
Doch versuchte ich mich auch an die Lehren mit dem Lethrixor und Letherx Hartar'sul zu erinnern, wie man sichere Pfade in unbekannter Umgebund findet. Diese Lehren halfen in jenem Moment und so schafften wir es zum anderen Ende des Raumes an dem sich eine weitere Barriere auftat. Diese Barriere konnten wir allerdings dieses Mal überwinden, mit Hilfe meiner Methodik der Dissonanzumleitung die einige Tage zuvor noch fehlgeschlagen war.
Vor uns war ein Gang, nach links schien er verschlossen, nur Wände. Nach rechts führte eine Treppe in einen weiteren Raum, dieser war gefüllt mit einem starken Wind der Sand umherwirbelte. Und als wir den Raum betraten, schien sich dieser sandige Wind auf uns zu fokussieren. Ich machte mir hier die Lehren mit Lethyr Szyr'dhar zu Nutze, wie man die Sekundärdissonanzen beeinflussen und lenken kann und schaffte es, den raumfüllenden, sandigen Sturm zu bündeln, bis er nur noch ein kleiner Sandwirbel war. Doch erblickten wir dabei, dass es hier kein weiterkommen gab. Also gingen wir zurück und betrachteten die Linke, augenscheinlich verschlossene Hälfte des Ganges. Was beim ersten Mal nicht auffiel, wurde nun bei genauerer Betrachtung sichtbar. Ein verstecktes, grünlich schimmerndes Schlüsselloch. Doch welcher Schlüssel passte hierzu? Wir fanden unterwegs keinen. Allerdings ging von dem Schlüsselloch eine Art energetische Signatur aus, die von einer anderen Quelle stammte. Ich folgte dieser Signatur durch die Dissonanzen wie an einem roten Faden, bis wir wieder im Labyrinth mit den Dornenbüschen angelangten. Tatsächlich fand ich hier den Schlüssel, versteckt. Grün, pulsierend mit letharischen Runen. Das musste er sein und tatsächlich, also wir ihn in das Schlüsselloch einführten, machte sich ein klackendes Geräusch breit und es öffnete sich eine Art geheime Tür. Auch hier gingen wir hindurch und fanden uns in einem Raum mit einer zerstörten Brücke, unter welcher sich sumpfartige, aggressive Tentakelpflanzen befanden. Diese reagierten sofort auf unsere Anwesenheit und wollten nach uns greifen. Ich versuchte mich daher zu beeilen und nutzte die umliegenden Felsenstrukturen, um die zerstörte Brücke mit Erde und Luft angereichert zu verbinden. Es gelang zum Glück und doch machte sich die Anstrengung unseres Weges deutlich bemerkbar. Es half nichts, der Lethrixor und ich mussten über diesen Graben und so beeilten wir uns. Nach der Überquerung, standen wir lebendig, aber erschöpft vor dem Erzelthyren Varr'pilar. Dieser zeigte sich erstaunt, doch sah er ein, dass er sich täuschte und offensichtlich falsch lag. Er bestätigte, dass ich meine Aufgabe eines Junglethyren ebenbürtig absolviert habe und das er nun diese Höhle verlässt und das Axorn weiterhin bestehen bleibt. Im selben Atemzug forderte er allerdings von mir, dass ich seinen Auftrag vollende, wenn ich einmal der letzte Lethyr sein sollte. Ein Auftrag, der gleichermaßen Anerkennung, Verwunderung und Fragen in mir aufwühlte.
Doch ein Auftrag, den ich erfüllen werde...





