Fast kein Stand kann der Seiler- Arbeit entbehren. Am mächtigen Ankertau liegt das gewaltige Schiff, und am dünnen Bindfaden läßt der Knabe seinen papierenen Drachen steigen. In jedem Haus ist des Seilers Arbeit anzutreffen, und nur wenige Geschäfte könnt ihrer ganz entrathen… Ungeheuer ist der Verbrauch von Seilarbeit, die Schiffarth erfordert eigene Vorrichtungen zu ihrem Bedarf; das Kriegswesen erfordert ungemein Qualitäten von Seilen und Stricken; im Handel werden zum Packen Stricke und Schnüre gebraucht, das Fahrwesen bedarf derer deren in bedeutender Menge und verschiedener Qualität. - C. Heidendorf, 1834
Ein leises Seufzen verließ die Kehle und bahnte sich den Weg über die Lippen hinaus in die Freiheit. Es sollte nicht das Einzige an diesem sonnigen Goldblattnachmittag bleiben und das hatte so seine Gründe.
Der Kern oder eher die Bestätigung besagter Gründe war formschön oder beinahe malerisch um sie herum drapiert und dazu muss man wohl erwähnen wie die Bajarder Göre an diesem traumhaft goldenen Goldblatt ihre Zeit verbrachte und wo genau sie wie gerade verweilte:
Sie saß auf einer Bank draußen im idyllischen Krakengarten, ein Respektstückchen von Eckis Zuberwanne entfernt und teilte dieses Bänkchen mit einem Gewirr aus frischgezurrtem Seil. Keine zarten Stricklein, wie sie die Seiler kunstvoll anfertigten, damit daraus später filigrane Netze, zierliche Bindfäden und feine Wäschelenen entstanden, sondern robuste Hanfseile, mit Drähten verstärkt und vom Reepschläger erworben.
Ein Seil, wie man es auf See nutzte, etwas, das den Elementen trotzte, das weder Salz noch Witterung anknabbern konnte und auf das man sich schlichtweg verlassen konnte! Ach und wie stolz war sie, als sie davon dank einem guten Handel, mehr als genug davon bekam.
Irvin hatte bereits einen Großteil der Seile angeschleppt und diese hingen schon recht einladend aus, doch eine kleine Leiter hinauf konnte nicht schaden und sie hatte laut genug getönt, dass sie diese Arbeit übernehmen würde, doch was Reepschläger und Seiler bereits gezaubert hatten, wollte keine weitere Form annehmen. Sie versuchte zu wickeln, zu zurren und sogar teilweise wieder aufzudröseln, nur um aus dem Seilsammelsurium eine Art "Leiter" zu verbasteln. Ohne Zweck und vermutlich ohne Sinn, denn nichts davon wollte gelingen.
Kurz bevor die Frust sich grummeln und grantig in der Brust verbreiten konnte, da stierte sie (vielleicht durch Zufall, vielleicht aber auch von der Schaumgeborenen gelenkt) etwas länger in Richtung Eckis Wanne und plötzlich kam die Erleuchtung.
Seemannsgarn!
Also nein, nicht der verbal gesponnene, doch all die Knoten zur Vertauung und Sicherung diverser Seile an Bord der "Bean Sídhe". Das waren die Arten Unterrichte, die nicht Roibeard, sondern die Mitglieder der Mannschaft führten und jene waren ihre (fast) alle ans Herz gewachsen. Vielleicht fiel es ihr deshalb nun nicht allzu schwer darüber nachzusinnen, welcher Knoten ihr es ermöglichte, die Seile so miteinander zu verbinden, dass eine Strickleiter entstehen konnte.
Eine Achterschlinge nach der Nächsten wurde geknüpft, bevor sie auch mit den Weberknoten die unterschiedlichen Seile verbinden konnte. Es dauerte dennoch fast einen Stundenlauf, bis sie das Ergebnis - eine kleine Strickleiter, die nach oben spitz zulief, genau wie man es am Ende eines Krähennests gebrauchen konnte, betrachten konnte.
Ein seliges Lächeln erhellte die jungen Züge und der letzte Dank, in Form eines saloppen Saluts galt noch Eckis Badezuber, ehe sie nach innen eilte, um Irvin das letzte Stück Leiter zu zeigen.