Haarschnitt

Antworten
Benutzeravatar
Tajara Nair
Beiträge: 609
Registriert: Montag 28. August 2006, 16:57

Haarschnitt

Beitrag von Tajara Nair »

Schnipp... Schnapp...

Ungern trennte sie sich von ihren blauen haaren. Waren sie einst das Ergebnis eines missglückten Streichs von Kyra wurden sie irgendwann ihr Merkmal, das was ihre Persönlichkeit ausmachte... Sie waren ein Teil von ihr.

Schnipp... Schnapp...

Ihre Finger glitten über ihr haar während sie sorgsam strähne für Strähne abschnitt. Als wäre es ein Zeichen für das, was sie im Lager zurückließ.

Schnipp... Schnapp...

Ein ganzer Schwall Haare ergoss sich nach hinten, durchnässt vom regen fielen sie schwer zu boden, wo sie liegen blieben.

Schnipp... Schnapp...

Den anderen erzählte sie es wäre ein Auftrag, den sie ausführen musste. In Wahrheit war es die Bewältigung eines Schmerzes - eines Geschehens... - es war eine Flucht in sich selbst.

Schnipp... Schnapp...

Sobald das letzte Haar ab war war sie nicht länger Tajara Nair - von da an hatte sie eine neue Identität angenommen.

Schnipp... Schnapp...

Die letzten Haare fielen endlich zu boden und sie befühlte ihre Glatze. Es fühlte sich ungewohnt an und es tat ihr weh, sich von diesen haaren zu trennen.

Der Pfirsich", dachte sie, Theradil sei Dank, er wird noch nützlich sein.

Nach einem tränenreichen Abschied von Xinthra und Lyn ritt sie in die Nacht davo. Keiner von ihnen wusste, was wirklich ihre Beweggründe waren. Und es war wirklich besser so. Es war ein schrecklicher Tag gewesen.

Schnipp... Schnapp...

hallte es in ihr nach.
Benutzeravatar
Tajara Nair
Beiträge: 609
Registriert: Montag 28. August 2006, 16:57

Am Durchdrehen

Beitrag von Tajara Nair »

Der gestrige Tag war schlimm - der tag davor war schön.

Zwei Tage zuvor wäre noch Sommer gewesen, könnte man es daran messen - ein paar Wolken am Himmel zwar, aber warm und einladend, die Grillen hätten gezipt - doch eine drückende Schwüle wäre zu spüren geween, allerdings hätte es ein schöner Sommertag sein können.

Nicht nötig erwähnen zu müssen, dass der gestrige Tag die Entladung eines Gewitters war - und ehe sie sich versah stand Tajara mitten drin, von einem Blitz nach dem anderen getroffen stand sie dann im Regen, der schwer auf sie herabrieselte.

Es war Herbst, aber es regnete - und schwer hingen ihre blauen Haareherab, als sie alles gesagt hatte, die letzten Tränen vergossen und weggeritten war.

Doch heute war es nur kalt - es lag Traurigkeit in der Luft - es ging allen schlecht, und sie fühlte sich schuldig wegen etwas, woran sie wohl keine Schuld trug - doch sie fühlte sich schuldig.

Es tat ihr um alle betroffenen leid - und sie sehnte sich... Sie spürte eine Sehnsucht in ihr die sie lange nicht mehr gefühlt hatte. Es war zum Durchdrehen.

Sie war zuweit gegangen als sie blindlinks ein Bier nach dem anderen Trank - und gerade an der Schwelle zwischen Nüchternheit und Trunkenheit kam ihr der Gedanke, dass sie einen Fehler beging - sie beging den Fehler, dass sie sich betrank, gerade etzt wo sie eine neue Aufgabe zugewiesen bekam.

Eigentlich hatte sie das gar nicht verdient - eigentlich war sie immer wieder mitten drin wenn es Schmerz gabb - nichts wurde gelindert - die Wunden brannten und brannten bis sie verhärteten und zu Narben wurden - viele Narben - hässliche Narben. Sie konnte ihren Anblick nicht ertragen - ihre Trägheit - ihren Schmerz - sie konnte ihn nicht lindern. Wer linderte denn den ihren? Wie konnte sie helfen wenn ihr nicht geholfen wird?
Xinthra

Beitrag von Xinthra »

Es war schrecklich. Eine Qual. Die schönen Haare.. einfach so abgeschnitten, geopfert für einen Auftrag, Tarnung, wie sie sagte. "Lass den Ring hier, wenn man den bei dir findet.." meinte Xinthra noch zu ihr. Besorgt waren alle, die am Feuer saßen, und sicher auch jene, die schon schlafen gegangen waren und von Tajaras Auftrag wussten. Traurig war die Frau, die gern mal einen über den Durst trank. Durch ihre Art war sie sehr direkt, nahm sich kein Blatt vor den Mund. Ganz wie ein Hinrah. Heute sollte ihr Auftrag beginnen und sie würde nun nach Bajard reisen. Die am Feuer saßen wünschten ihr Glück, Erfolg und alles nur irgend erdenklich mögliche das man jemandem wünschen kann wenn man will, dass er heil wiederkommt. Doch das seltsame war, dass Ronya mit keinem Wort von so einem Auftrag gesprochen hatte. Nicht einmal mit den vieren, die sie nun vertreten sollten. Aber das hatte sicher keine Bedeutung.
Antworten