Aus luftiger Höhe auf steinigen Boden

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Meredorn Volospa

Aus luftiger Höhe auf steinigen Boden

Beitrag von Meredorn Volospa »

Mit einem zufriedenen Lächeln auf den etwas trockenen Lippen saß der junge Magier Meredorn Volospa auf seinem eher mäßig bequemen Schemel und blickte durch das Fenster seines Hauses in Varuna hindurch auf die abendliche Stadt hinaus. Das vom verschiedenenfarbigen Qualm und Dunst seiner alchemistischen Geräte recht trüb gewordene Fenster vor ihm tauchte die hellen Lichter der Stadt in ein merkwürdiges Zwielicht und doch war das rege Treiben auf den Straßen gut zu erkennen. Händler fuhren mit schwer beladenen Eseln ihre Waren durch die Straßen, die Soldaten schritten ruhig begleitet vom metallenen Klappern ihrer Rüstungen durch die Gassen und einige wenige Bürger schienen lediglich einen Spaziergang durch die Stadt zu machen. Fast im gleichen Takt trieb der seichte Abendwind die abfallenden Blätter der Bäume durch die Lüfte, ließ sie tänzeln, aufsteigen und sinken. Heute wollte er keines dieser regen Blätter sein, sondern eher wie ein Stein ruhig in seinem Zimmer verharren und sich, wie Magister de Jagotin ihm nahe gelegt hatte, über seinen heutigen Erfolg freuen.

Candidatus Volospa…

Er hatte es gemerkt, wie sich sein Innerstes in den letzten Wochen begann zu wandeln. Deutlich konnte er noch sehen, wie er in den ersten Tagen seiner Lehre am Konvent zur Akademie schritt. Mit ungeduldigem, hastigem Gang trieb es ihn durch die Stadt, gleich ob es regnete, stürmte oder schneite. Ungestillter Durst nach Wissen ließ seinen Geist an keinem Tage ruhen, die Augen fast schon wund von den vielen Zeilen der Bücher, welche er in den späten Abendstunden in sich aufsog mehrte sich sein Wissen und sein Können. Diesen stetigen Drang nach Wissen, nach neuer Befähigung und einer verstärkten Öffnung seines Geistes hatte er sich bewahrt, doch etwas verschwunden.
Der Sturm der in seinem Herzen wühlte, der seine Hände fast zittrig vor Ungeduld werden ließ, ebbte ab. Er wurde mit der Zeit ein laues Lüftchen und schließlich schien er an eine harte Wand aus Fels zu prallen, bevor er den Geiste des damaligen Studiosus erreichen konnte. Seinen Durst hatte er sich bewährt, sein Eifer scheinbar noch gestiegen doch Ruhe und Besonnenheit kehrte in seinem Wesen ein.
Wie der Wind sein? Wie die hastigen Schwingen eines Vogels durch die Lüfte wirbeln? Dies war einst sein Ziel, doch die Schwingen fingen an sich langsam zu bewegen und doch wuchsen sie dabei, gewonnen Kraft und Präzision und schienen ihn nun weiter zu tragen als je zuvor. In der Ruhe liegt die Kraft, Weisheit gewinnt man nicht an einem Tag und Wissen nicht durch Hast!

Er war ein wenig verunsichert. Die Luftmagie, faszinierend und einzigartig, schien neben seinem Weg zu verlaufen. Seine Schritte waren fester als je zuvor, sicherer und doch trugen sie ihn nicht dort hin, wo er erst vermutete. Einzigartig, war jedes Element. Eines von Vier und doch einzigartig in seinem Wesen. Der arkane wind schien ihn kaum mehr zu tragen, höchstens zu streifen. Zu bodenständig, nachdenklich und besonnen war er geworden. Und doch voller Leben, mit den Füßen fest verharrend auf dem Boden… der Erde näher.
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