Ein Jäger, der sich in den Tiefen der farblosen Schemenwelt versteckt hielt und schlichtweg wartete, lauschte, beobachtete.
Grau.
Einfach nur Grau.
Vielleicht noch ein paar Nuancen, die man beinahe schwarz oder weiß nennen könnte, doch das war schon das Höchste der Gefühle.
Ah, Gefühle... auch sie wurden hier nach und nach dünner, faseriger und ausgemergelt schwächer. Wobei dieses Auszehren nur die kleinen, menschlichen Dinger betraf, denen sie nach und nach vom Licht und den Farben nahm, ihre Erinnerungen fraß und die Flamme zurechtstutzte, bis nur noch der Hauch eines Schimmers vorhanden war. Diesen aber ließ sie ihnen, damit sie niemals erlöschen und zugleich auf ewig wie wirre Irrlichter im endlosen Grau dahinwandern würden. Auf einer Suche, an deren Kern sie sich nicht mehr erinnern konnten.
Armselig.
Erbärmlich.
Schwach!
Doch daneben ruhten Andere, jene die ihm weit ähnlicher waren, als diese keinen Würmer. Und sie alle verharrten, eingefroren wie gigantische Spinnen in Winterstarre. Mit schier ebenfalls unendlicher Geduld - lauernd.
Ganz und gar wie er. Mit dem kleinen Unterschied, dass seine Zeit gekommen war und er sog sie mit einem neuen Atemzug, den er eigentlich nicht brauchte, tief ein. Spürte den Puls, den er eigentlich nicht hatte, und fühlte die Kraft Stück für Stück zurückkommen. Süß, der Gedanke dabei, dass sie wiederum anderen, jungen Widersachern fehlen würde, diese Kraft, dieser Puls, dieser Atem.
Bald schon würde er sich aus seiner persönlichen Winterstarre befreien und beiden entgleiten, dem Raben und seiner vermalledeiten Torwächterin!
Er konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen und entblößte dabei eine lange Reihe mit viel zu vielen Zähnen.
Und es war dieses Grinsen, welches diejenigen aus dem Schlaf riss, welche unter den Flügeln des Ewigen wandelten. Es kroch bis in die Traumwelt und verblasste erst im Nebel, hinter welchem die Albträume still und andächtig einer geisterhaften Mädchenstimme lauschten. Es besudelte den Rausch des Blutes, den Puls der Extaste, der im schnellen Rhythmus mit dem Herz des weltenverbindenden Paktes schlug. Es huschte höhnend über einen Mantel voller verzerrter Gesichter und stummer Schreie. Es spiegelte sich einen zu langen Moment in einem Kelch, der mehr als nur Artefakt und Lebenswerk war. Es strich um die Rosen der Schwellenwelten und verdarb kurz ihren Duft...
Vor allem aber wurde es besonderen, blinden Augen in ganzer Pracht gezeigt und diesmal schwangen Worte mit, leise von Frau zu Frau gesprochen, die eisige Stimme darin bekannt:
"Es kommt etwas auf euch zu. Nimm meine Worte als Warnung und gib sie an deine Geschwister weiter. Die Zeit wird knapper werden und Zeit ist Leben. Seid bereit."
Ein Bild vor dem inneren Auge...




