Bislang hatten die Studien in den zumeist vom Staub der Zeitalter bevölkerten Bibliotheken des Eilandes wenig neue Erkenntnisse gebracht. Die Schöpfungsgeschichte, sei es aus der Hand eines Lakaien der Lichteinigkeit, oder aus der Hand eines Dieners des dunklen Pantheons, waren sich zumindest in einer Tatsache einig.
Am Anfang, als die Welt noch jung und unerforscht war, und die Menschheit in vager Ungewissnheit über die Umstände der eigenen Existenz verbracht hatte, wandelten Götter noch regelmässiger auf Erden.
Und während der Verblender Getares damit beschäftigt war, seine Nachläufer in Unwissen zu halten und vor der eigenen Schaffenskraft zu behüten, wandelte der Panther bereits unter Getier und Pflanzen, um Sein göttliches Werk zu tun.
Gleich, wie man es bewerten mochte, Pflanze und Tier waren erfolgreicher darin, zu wachsen, sich zu wandeln und anzupassen. Und hätten wohl beinahe der Existen höher entwickelter Völker ein jähes Ende gesetzt, hätte der Herr Alatar kein Einsehen gehabt, auch die Menschen unter Seine Fittiche zu nehmen.
Die Folgen waren bekannt. Bruderkrieg, der Tod einer Geliebten, die Verstossung eines Kindes. Und der Herr, der nicht mehr in alle Farben der Existenz gekleidet durch die Welten zog, wie Sein pfauenhafter Bruder, sondern schwarz wie die Nacht, in Schatten getan. Und Dunkelheit.
Und eben da setzten auch die Überlegungen des Templers an, die ihn letzthin nicht mehr gänzlich verlassen wollten. Die Geschichten sprachen vom Herren in hellen Farben, den nur Unmut und Niedertracht in die Farben der Nacht zu kleiden vermochten. Und dennoch war der Herr, so man Ihm gegenüber zu stehen vermochte, ohne den Verstand einzubüßen, weit davon entfernt, nicht Herr Seines Zornes oder Opfer der Missgunst Seiner Geschwister zu sein.
Kurzum, der Herr war eine Existenz personifizierter Macht, Weisheit und Strahlkraft. Kein Geschöpf der Dunkelheit, welches darin herum kreuchen und sich verbergen musste.
Woher also kam die Eigenart des All-Einen, mit den Schatten zu verkehren, und sich in dunkelste Nacht zu kleiden. Gewiss war er ein Jäger, nicht zu sagen, der ultimative Jäger und Ausdruck wilder Dominanz. Und dennoch war in den Geschichten der Vergangenheit, oder vielmehr den Lücken darin, wohlmöglich mehr über das Wesen des Herren verborgen, das es weiter zu ergründen galt.
Verständnis hatte einen Anfang, letztlich aber niemals ein Ende. Die Lehren Alatars mehr als nur eine Bedeutung und mehr als nur einen tieferen Sinne. Und alle waren sie in Dunkelheit geschlagen, wo sie sich im Lichte nicht zu verbergen brauchten.
So musste Band um Band die Hände dieses Suchenden durchgleiten, Geschichte und Erklärung, auf der Suche nach der einen, scheints unbedeutenden, aber viel zu brennenden Frage.
Was lag tatsächlich in den Schatten, die der Herr um sich warf...
Welches Geheimnis mochte sich darin verbergen ... welches von vielen?
*so würde man den Templer wohl Mal um Mal die Bibliotheken des Tempels und des Hortes durchstöbern sehen, auf der Suche nach alten Schriften. Büchern. Aufzeichnungen. Scheints stetig auf der Suche nach etwas, ohne wahrlich benennen zu können, nach was.*






