"Wirklich ein wunderbarer Fleck."
"Das Meer mögen wir doch alle irgendwie, oder...?"
"Vielleicht ist das hier dann ja kein schlechter Platz"
"Den Strand vor der Türe...das wäre schon etwas...."
"Würde mir sehr gut gefallen."
"...und Platz ist doch hier."
"Den Baum vielleicht stehen lassen und ihn wachsen lassen."
"Wenn wir hier unsere Zukunft aufschlagen und Wurzeln schlagen, sollten wir dem Baum, der seine Wurzeln hier bereits Jahre hat, nicht den Platz nehmen."
"Ich finde das....wirklich gut hier..."
"Eine Hängematte am Ufer…und ich bin sowieso zufrieden."
"Leute, wir haben einen Bauplatz!"

Regungslos stand sie nicht unweit der Klippen, die nicht einmal sonderlich steil zum Meer hinab fielen. Es war noch recht früh, doch ihre Wangen waren noch erhitzt von den Übungen auf dem Parkour. Der Nebel hing noch immer tief über dem Meer und dennoch konnte sie in ihrem Rücken schon das erste Licht erahnen, welches den Sonnenaufgang ankündigen würde.
Es war, als würde der Wind noch einmal die Wortfetzen zu ihr tragen, die sie genau an diesem Ort erst am Abend vorher gesprochen hatten. Zusammen waren sie zum Strand aufgebrochen, eigentlich um das Winterfest zu planen, welches irgendwann stattfinden sollte. Der Wind war ihnen recht kalt vom Meer her ins Gesicht geweht und vielleicht war auch das der Grund gewesen, weshalb sie den Strand verlassen hatten um einige Schritte weiter ins Grün zu gehen, etwas geschützt durch die Felsen an der Küste.
Dort standen sie dann, sagen sich um und jene Wortfetzen fielen genau an jener Stelle.
Einfache Worte eigentlich, dahingesagt, Gefühle und Empfindungen von einem kurzen Moment, die aber am Ende für sie alle von Bedeutung waren.
Sie hatte gar nicht bemerkt, dass sie vollkommen in Gedanken weitergelaufen war und jetzt wieder an dieser Stellel stand.
Genau auf dem Boden, den sie ausgewählt hatten.
Es war nicht mitten im Wald, wie es eigentlich geplant war.
Nicht viele Bäume, nicht nahe am Weg.
Eigentlich hatte es wenig mit den Vorstellungen zu tun, die am Anfang in ihren Köpfen gereift waren. Aber am Ende spielte das auch keine Rolle. Wichtig war nur, dass es sich in jenem Moment richtig angefühlt hatte.
Schon Abende vorher hatten sie immer wieder über ihre Pläne gesprochen, wenn sie zusammen am Lilienhof saßen. Mehr als einmal musste sie doch Schmunzeln, als die Wünsche an das neue "Zuhause" geäußert wurden.
Jeder hatte seine Vorstellung, manche durchaus realistisch, andere sicher weniger.
Über die Pläne mit der Leichenentsorgung zum Beispiel wollte sie gar nicht weiter nachdenken.
Was aber faszinierend war:
Grundsätzlich waren sie sich alle einig.
Wichtig wäre der eine Raum, in dem sie zusammen sitzen könnten. Mit einem großen Kamin, einem großen Tisch dessen Holz bereits lagerte und mit dem sie noch einiges an Schnitzarbeit haben würde.
Eine offene Küche mit einem Weg hinaus.
Einen Platz um draussen zu sitzen.
Wenn es darum ging sich etwas vorzustellen, war das ihre Stärke.
Genau jetzt hier, mitten in der kalten Morgendämmerung sah sie regelrecht das Haus vor sich.
Nicht wirklich groß, eher gemütlich als imposant, bewachsen mit Farn, der sich an schlichtem Fachwerk und Holz hinauf schlängeln würde.
Sie konnte sogar die großen Fenster vor sich sehen, die Ziegel des Daches und die Offenheit zum Meer hin.
Was sie nicht konnte, war es, dieses Bilder anständig in einem Plan auf das Papier zu bringen. Mit einem leisen Seufzen wandte sie sich schließlich ab. Ihr Weg führte sie dann mit einem kurzen Umweg über den Lilienhof direkt weiter nach Düstersee.
Pläne zu zeichnen, war tatsächlich nicht ihre Stärke gewesen. Alles was sie zu Papier gebracht hatte waren kleine Zeichnungen von einem Häuschen. Mehr verspielt als sachlich geplant.
Aber eben jene wenigen Pergamente, nahm sie nun mit.
Denn jetzt würde Lilyth ins Spiel kommen.
Sie hatte damals die Bauzeichnungen selbst gemacht, als es um den Umbau ihres Hauses ging und sie würde nun diejenige sein, die aus all den Vorstellungen und Wünschen einen Plan zu zeichnen hatte.
Und nein, hier ging es nicht einfach nur um eine grobe Zeichnung, sondern einen wirklichen Bauplan, den man dem Baumeister vorlegen konnte. Die Pergamente waren schnell eingeworden und sie nutzte den Rückweg um sich bereits in Düstersee nach Handwerkern und Arbeitern zu erkundigen. Bald würde der erste Schnee fallen und mit etwas Glück, würde sie einige finden, welche in den nächsten Monden den Bau unterstützen könnten.
Wenige Tage später waren die ersten Pläne fertig. Lilyth hatte bereits an so viele Kleinigkeiten gedacht, dass sie regelrecht begeistert waren.
Sie selbst hatte etwas Probleme die Grundrisse, welche vor ihr Lagen in ihrem Kopf zu einem wirklichen Haus zusammen zu bauen.
Aber einige weitere Zeichnungen mit den Aussenwänden, machten am Ende das Bild komplett.
In diesen Tagen kam es immer wieder vor, dass eben jene Pläne auf dem großen Tisch ausgebreitet lagen und sich ein paar Köpfe darüber beugten und diskutierten.
Sie mochte den Anblick.
Aber noch fehlte ein entscheidener Schritt.
Ihre Aufgabe war es nun, die letzte Erlaubnis einzuholen.
Auch wenn sie bereits bei der Sitzung ihre Gemeinschaft offiziell vorgestellt hatten, musste die Statthalterin den Bauplatz noch freigeben. Das Schreiben war schnell aufgesetzt und er Bote unterwegs nach Rahal.
Jetzt hieß es abwarten und die Zeit bereits sinnvoll nutzen.






