Konrad saß mit seinem Hinterteil in dem schweren, gepolsterten Sessel seiner Jagdhütte. Die Beine hatte er auf einer kleinen Truhe hochgelegt und sein Blick verlor sich nachdenklich, fast schon mürrisch in dem wärmenden Feuer des steinernen Kamins vor ihm. Pfeil, sein Wolfshund hatte es sich neben ihm auf dem dicken Fell eines erlegten Eisbären niedergelassen, der kräftige Kopf auf den Pfoten gebettet.
Eigentlich ein nicht unüblicher und gewiss auch nicht unbequemer Abend für die zwei Gefährten. Und trotzdem hatte sich in den letzten Wochen in Beiden eine gewisse Unruhe in den beiden Köpfen eingenistet. Eine Unruhe die die Ruhe, die Gemütlichkeit und den Luxus solcher Abend bedrängte. Eine Gemütlichkeit die schnell zu Trägheit werden konnte. Ein Luxus der schnell zu Bequemlichkeit führen konnte. Und genau dieser Gedanke, diese Gefahr war ausschlaggebend für die wachsende Unruhe.
Trägheit, Bequemlichkeit, Behäbigkeit, Faulheit, Schwerfälligkeit, ... alles Begriffe die Konrad nach seinem Glauben verabscheute und Eigenschaften die schon einmal gar nicht in der Natur eines Wolfshundes lagen. Es müsste sich etwas ändern. Sie würden für eine Weile die Vorzüge einer Hütte, einer Siedlung wie Grenzwarth aufgeben.


22. Goldblatt 265
Auf dem Rücken von Lumielle, seiner grauweißen Garde Stute durchstreifte Konrad die weiten Züge des Bitterforsts. Als sie sich ihren Weg durch das Unterholz bahnten, tauchte er hier und da den Kopf in gewohnter Manier unter Astwerk hindurch. Pfeil lief mit einigen Fuß Abstand vornweg, er hatte eine naturgegebene Ausdauer und hätte wohl den ganzen Tag ohne längere Rast die Waldgebiete durchwandern können.
Konrad zog ein silbernes Fernrohr aus der Satteltasche und zog es auf. Zwar kannte er den Bitterforst, den er als Weidmann regelmäßig besuchte, in und auswendig, aber heute gab es einen anderen, einen besonderen Anlass. Heute waren sie auf der Suche nach einem geeigneten Lagerplatz für die kommenden Wochenläufe. Sie würden die kommenden Wochenläufe in der Wildnis verbringen. Tag und Nacht, soweit es eben die Verpflichtungen als Trabant der Legion des Panthers und Rekrut der Scharfschützen erlauben würden.
Es war nicht das erste Mal, dass Konrad im Wald lebte und überlebte. Und so würde es keine komplett neue Lebenserfahrung werden. Dennoch aber eine Lebenserfahrung, die den gewünschten Effekt zeigen würde und zudem noch eine Lebenserfahrung, die im Einklang mit dem Lehrplan der Scharfschützen stand. Überleben in der Wildnis, Spurensuche, Orientierung, Essbares und Kampieren in der Natur.












