Melodien, die das Herz erweichen
Erster Tag
„…und dann wird hier der Zapfen eingesetzt und zuletzt alles mit dem Sack zusammengesteckt. Schau`… So! Nur noch stimmen und im Grunde sey die Sackpipa dann auch schon fertig.“ Mit geübten Handgriffen setzte die Holzpranke Arnfior das Mundstück und die Spielpfeife noch in die dafür vorgesehenen Anschlussstücke in dem Luftsack und präsentierte die fertige Sackpipa.
Thorlav hingegen machte einen Gesichtsausdruck der offenkundig zur Schau stellte, für wie unmöglich er es hielt, selbst ein solches Instrument mit den eigenen Händen zu erschaffen.
Bei dem Meisterschreiner sah alles so einfach aus. Hier etwas wegdrechseln, dort etwas schleifen und dann noch diese Löcher hier bohren. Fertig…
Für das Clansschwert wirkte der Berg von Aufgabe die ihm der Jarl gegeben hatte, eher kaum erklimmbar. Aber vor Herausforderungen hatte er sich noch nie gedrückt. Gut! - man musste anmerken, dass es sich bei seinen bisherigen Aufgaben, oder auch zurückliegenden Herausforderungen, stets um seine Berufung als Schwert der Thyren handelte. So musste er Oger aus den Höhlen vertreiben, oder einer Harpyienbedrohung nahe des Dorfs Herr werden. Selbst mit dem Rudel gegen Dämonen und dergleichen zu marschieren, erschien ihm deutlich machbarer als dieses filigrane und fein gearbeitete Instrument zu fertigen. Seine prankenartigen Hände waren es mehr gewohnt die schwere Brynblod zu schwingen, oder mit einem Kriegshammer die Schädel der Kreaturen zum Bersten zu bringen, als der Arbeit mit Hobel, Drechseleisen oder Stechbeitel nachzugehen.
Die Krönung der Aufgabe war dann ja noch die Tatsache, dass er sich zwar Rat holen konnte, jedoch kein anderer Claner aus dem Rudel ihn mit eigenen Taten bei der Erfüllung seiner Aufgabe unterstützen durfte.
So saß er nun zusammen mit Arnfior in der Händehütte und schaute der Holzpranke zum wiederholten Male zu, wie er die Sackpipa zusammensetzte und wieder auseinandernahm.
Den gesamten Herstellungsprozess, vom Rohholz bis zum fertigen Instrument, hatte Arnfior ihm nun vorgeführt. Vom Luftsack mal abgesehen - die Herstellung dieses Bauteils wollte er mit Ylvi besprechen. Konnte ja nicht so schwer sein etwas Leder zurecht zu schneiden und zu vernähen. Das würde er schon hinbekommen.
„Zeigst du mir nochma wie de Bohrungen für das Bordun und de andren Pfeifen gemacht werdn`?“
erklang die Stimme Thorlavs. Nachdem er den Gedanken an die Luftsackherstellung wieder beiseitegeschoben hatte, war der Blick nun wieder fokussiert und aufmerksam auf das Instrument gerichtet. Ein kurzes Nicken von Arnfior und das nächste Holzstück wurde in die Drechselbank gespannt, erst rund gedreht, bevor der Handwerker die Bohrung in der Mitte setzte.
Kinderspiel! Dachte der Hüne sarkastisch bei sich, folgte aber einer jeden Handbewegung des Schreiners mit Neugierde und offenem Interesse.
Eine Weile saßen sie noch zusammen und gingen mit einer Engelsgeduld der Holzpranke jeden Schritt noch einmal durch. Thorlav verstand im Grunde schon was zu beachten war und hatte sich die einzelnen Arbeitsschritte gut eingeprägt, ledigilich die Umsetzung, das benötigte Feingefühl und die vielen Besonderheiten der Materialbearbeitung machten ihm zu schaffen.
Irgendwann, die Sonne war schon lange hinter den Bergen Sturmmouves verschwunden, verabschiedete sich Thorlav von seinem Lehrer und schlenderte in Richtung des Signalturm, wo er sich in letzter Zeit recht häufig aufhielt. An diesem angekommen legte er die Hände auf die Balustrade und wandt den Blick auf die offene See. Hier an diesem Ort, fiel es ihm immer einfach sich seinen Gedanken zu überlassen. Etwas entfernt vom Trubel des großen Feuers oder den Geräuschen der Händehütte.
Der Jarl hatte keine einfache Aufgabe gewählt, dachte er bei sich und schmunzelte leicht während die Worte des Oberhaupts in seinem Kopf widerhallten „Sey darf ney skepp klingen, sondern sey soll das Herz des Weibs erweichen.“
Da musste er Trygve im Stillen recht geben. Diese Aufgabe war nicht einfach nur ein notwendiges Übel, mit dem man sich eben herumzuschlagen hatte. Vor allem war diese Art von Aufgabe dazu gedacht, sich selbst, dem Rudel, aber vor allem dem Weib Ehre zu machen und ihr damit zu beweisen aus welchem Holz man geschnitzt war. Eine mächtige Kreatur in den hiesigen Höhlen zu erschlagen wäre als Aufgabe schon fast einer Beleidigung gleichgekommen. Der Sinn hinter dieser Tradition war eben genau die Tatsache, dass man von seinem gewohnten Weg abweichen musste und sich neuen Herausforderungen zu stellen hatte. Selbst wenn diese im ersten Augenblick unmöglich erschienen. Aufgeben war hier keine Option. Auch eine schludrige Arbeit kam nicht in Frage. Das die fertige Sackpipa sicherlich kein Meisterwerk werden, sondern eher grobschlächtig daherkommen würde, war ihm klar. Aber wenigstens klingen sollte sie gut. Sie sollte -Melodien, die das Herz erweichen- hervorbringen können.
Zweiter Tag
Am nächsten Tag brach Throlav in aller Früh auf, um damit zu beginnen das Material für das Instrument zu besorgen. Ogerleder hatte Trygve gesagt. Gut - dann sollte es Ogerleder werden!
Gerüstet und mit der zweischneidigen Axt über der Schulter begab er sich zu einem Erdloch, in dem schon eine ganze Weile die verschiedensten Biester ihr Unwesen trieben. Zum Beispiel die gesuchten Oger. Der Weg war schnell freigeräumt und die schwächlichen Skelette, die sich hier und da erhoben, um sich ihm in den Weg zu stellen, waren nur einen Axtschwung von ihrer ewigen Ruhe entfernt, wie der geübte Thyrenkämpfer sich den Weg zum unteren Teil der Höhle bahnte.
Nach dem Abstieg war da vorerst nur Dunkelheit. Nur langsam gewöhnten sich die blauen Augen des Hünen an die äußerst spärliche Beleuchtung in diesem tunnelartigen Bereich der Höhle.
Eine Weile ging er langsam und leise den Tunnel entlang, als er plötzlich ein leises Geräusch vernahm. Ganz so als würde etwas Schweres durch die Luft fliegen… Und zwar in seine Richtung! Mit einem Hechtsprung brachte er sich aus der Gefahrenzone, ehe der schwere Felsbrocken dort zu Boden ging, wo er gerade noch gestanden hatte. Langsam schälte sich die Silhouette einer breiten Gestalt aus der zähen Schwärze, die nach einigen Metern die Höhle erfüllte. Ein Oger. Ein Oger der gerade im Begriff war den nächsten Brocken in seine hässlichen Pranken zu nehmen um ihn als Wurfgeschoss zu nutzen. Thorlav sprang auf, rannte im Zickzack auf die Kreatur zu und wich dem nächsten Fels knapp aus bevor er sein Ziel erreichte.
Noch im Lauf des Hünen beschrieb die Axt einen halbmondförmigen Bogen und durchtrennte mit dem ersten mächtigen Hieb den linken Unterschenkel des Ogers. Dieser jaulte schmerzerfüllt auf und begann nach vorne zu fallen. Der Thyre hingegen, von dem Schwung der Axt nun seitlich zu der Bestie positioniert, beschrieb mit der Waffe einen engen Bogen, um sie schließlich wieder nach oben zu reisen. Sie biss tief in den Hals der Kreatur und hinterließ eine schreckliche Wunde. Diese besiegelte das Ende des Ogers, der nun gänzlich vorn über kippte und seine Lebensessenz aushauchte.
Oger waren schon eine ganze Weile keine Herausforderung mehr für das Schwert der Sturmheuler und geschützt durch die perfekt sitzende Rüstung, die Erik ihm gefertigt hatte, konnte er deutlich mehr Fokus auf den Angriff richten und musste sich weniger um die Defensivarbeit kümmern. Das Häutemesser wurde gezückt, brauchbare Lederteile der Kreatur entfernt und verschnürt, ehe er sich dann wieder auf den Rückweg machte.
Nun war dieser erste Teil seiner Aufgabe erledigt und so führte ihn sein Weg zurück zur Hütte der Hände in Wulfgard. Dort wollte er gemeinsam mit Ylvi das erbeutete Leder präparieren, um es später für den Sack der Pipa zu verwenden.
Es fehlte noch das Holz, aus dem die restlichen Teile des Instruments gefertigt werden sollten. Kernholz sollte es sein. Möglichst mit einer geraden Maserung. Vom Holzfällen verstand er glücklicher Weise ein wenig mehr als von der Bearbeitung. So Griff er nach seiner Fällaxt und machte sich auf den Weg in den nördlichen Wald. Einige passende, gerade Äste wollte der Hüne heraussuchen, die er für den Bau verwenden konnte. Diese waren recht schnell gefunden und mit der Beute im Gepäck wurde der Weg zur Händehütte erneut angetreten. Nach einer kritischen Begutachtung durch Arnfior schieden allerdings einige der Äste wieder aus und abermals musste er sich in den Wald begeben. Mit dem zweiten Besuchs im Wald war dann aber ausreichend Material vorhanden, welches auch von dem Meister für gut befunden wurde. Der Bau der einzelnen Teile konnte beginnen.
Dritter Tag
Am dritten Abend traf er sich dann mit der Skjorte Ylvi um das erbeutete Leder zu einem anständigen Sack zu vernähen. Das war zumindest die Hoffnung des Hünen, die jedoch recht schnell zunichte gemacht wurde. Just in dem Moment wo Ylvi ihm, während er von seinem Vorhaben berichtete, mitteilte das Ogerleder sich nur bedingt, oder mit erhöhtem Aufwand, für den Sack eignen würde. „Rüstleder sey ney weich genug Thorlav.“ Hatte sie ihm erklärt und dann eine Weile gegrübelt, ehe sie verkündete wie es weitergehen würde. „Heut üben wey mit Ziegenleder Kerl. Morgenfrüh spalten wey das schwere Ogerleder und ölen es ordentlich ein. Dann sollte es auch für eynen Luftsack zu gebrauchen seyn.“
Gut! - Dachte sich Thorlav, etwas Übung konnte wirklich nicht schaden. Also begann der Abend damit, dass ein Oval, unter Zuhilfenahme einer Filzschablone und einem Ledermesser, aus der Ziegenhaut geschnitten wurde. Hier stellte sich recht schnell heraus, dass zu viel Druck, als auch zu wenig Druck, auf der Klinge nicht zielführend war. Zuviel, und die weiche Haut verzog sich. Zu wenig, und das Messer schnitt nicht gleichmäßig tief durch die Lage. Es gelang jedoch im Verlauf von zwei oder drei Missgeschicken. Nun noch die Löcher für die Verbindungsstücke herausstanzen und vernähen. Fertig.
Zumindest klang es recht einfach, wenn Ylvi die Arbeitsschritte mit ruhiger und geduldiger Stimme erklärte. War es aber nicht. Die Löcher zu stanzen war da noch die einfachste Arbeit. Schablone auflegen, Lochstanze ansetzen und ein kräftiger Hieb mit dem Hammer. Nach einem kritischen Blick der Skjorte, mit dem sie das Clansschwert musterte, wurde vorsorglich eine recht feste Korkplatte unter den Lederrohling geschoben. „Nich das dey mey noch eyn Loch in den Tisch haust Kerl.“ Hatte die Schneiderin dazu angemerkt und war mit einem sachten Schmunzeln auf den Zügen wieder zurückgetreten. So beobachtete sie weiter was Thorlav tat.
Nachdem die Löcher heraus getrennt waren wurde das lederne Ei mittig gefaltet und Ylvi brachte ihm die Benutzung von Rillenreiser und Nahtlochstanze näher. Eine Linie ritzte sie vor und schlug einige Löcher in einem gewissen Abstand entlang der Linie durch die übereinander liegenden Lederlagen.
Dann war es an ihm sein Glück zu versuchen. Der Beginn der Linie verlief noch ähnlich wie bei dem Beispiel der Skjorte parallel zum Rand. Gegen Ende hin verlief sich dieser Abstand aber immer mehr und die Linie wurde schief. Mit einem unzufriedenen Brummen wurde das Werkzeug erneut angesetzt und akribisch darauf geachtet den Druck nicht zu mindern.
Die Löcher für die Naht vorzubereiten war hingegen wieder recht einfach. Die Nahtlochstanze, die ein wenig wie eine Gabel oder ein kurzer Kamm anmutete, wurde auf die Rille gesetzt und erneut mit einem gezielten Hammerschlag durch das Leder getrieben.
Bei der Naht wurde sich für eine Sattelnaht entschieden. Für den Faden kramte die Handwerkerin einen mit Birkenpech getränkten Garn hervor und demonstrierte mit diesem wie eine Sattelnaht funktionierte. Beide Nadeln am selben Faden kamen Thorlav vorerst seltsam vor. Aber nach den ersten Stichen, bei denen Ylvi mit geschickten Handgriffen und gleichzeitig mit beiden Nadeln nähte, verstand er die Vorteile dieser Technik. Wie sie das eine Ende des Fadens mit dem anderen einfing und zurück durch das Loch zog, war höchst interessant und hinterließ ein absolut sauberes Nahtbild als Ergebnis.
Irgendwann übernahm der Hüne dann die Nadeln und versuchte die Naht fortzuführen. Erst langsam, denn er musste immer wieder überlegen welche Nadel wo hinsollte, dann jedoch immer sicherer führte er die Nadeln durch Leder. Nach jeweils zwei vernähten Löchern wurde der Faden strammgezogen, um die Lederlagen möglichst fest gegeneinander zu zurren. Einige Löcher vernähte er noch auf diese Weise, ehe er von Ylvi erlöst wurde.
„Das sieht doch guad aus Thorlav. Für Heute sey das genug. Morgen Früh machen wey weiter.“
Vierter Tag
So kam der nächste Morgen und zusammen mit der Schneiderin wurde das erbeutete Ogerleder gespalten und gut geölt, um es für den Verarbeitungsprozess weicher werden zu lassen. Das so präparierten Leder würde noch trocknen müssen. Dann jedoch, so teilte ihm Ylvi mit, könne er gerne die Werkstatt der Skjorte nutzen, um das eigentliche Werkstück anzufertigen.
Mit einem dankbaren Neigen des Hauptes verabschiedete sich Thorlav bei der Skjorte. Jedoch nicht ohne noch einige lobende Worte an sie zu richten. „ Bei ner sou guten Lehrerin, sollts mir wohl gelingen de beigebrachten Schritte au umzusetzen!“ Später wollte er dann zurückkommen, um das getrocknete Leder zu verarbeiten.
Der Abend kam und der Hüne fand sich, mit dem Leder in Händen, wieder in der Werkstatt der Schneider ein. Voller Tatendrang wurde die Schablone wieder aufgelegt, mit Steinen beschwert und ein Oval aus dem Leder geschnitten. Die Löcher der Verbindungsstücke wurden gestanzt und der Rohling gefaltet. Wohlweislich schob er auch hierbei wieder die Korkplatte unter das Werkstück, um die Arbeitsplatte der Skjorte nicht zu ruinieren.
Nun ging es ans Eingemachte. Mit ruhiger Hand riss er die Nahtlinie vor und versah diese anschließend mit den Löchern. Er achtete genau auf den Abstand der Löcher zueinander, um das Bild der späteren Naht nicht zu verfälschen. Dies gelang nicht immer, sicherlich würde hier und da ein geübtes Auge Unregelmäßigkeiten erkennen können. Aber für ein ungeübtes Clansschwert konnte sich die Arbeit durchaus sehen lassen. Als es nun an die Naht ging wurde der halb fertige Sack zwischen die Beine geklemmt und für den Faden Maß genommen. Die Nadel wurden mit Birkenpeck getränktem Garn bestückt und so konnte es losgehen.
Nach getaner Arbeit wurden die Enden der Fäden noch mit dem Saxkniv abgeschnitten und anschließend verödet. Fertig!
Das erste, eigens hergestellte Teil der Sackpipa lag vor ihm. Einem genaueren Blick hielten die Nähte, wie bereits erwähnt nicht stand. Waren sie doch hier und da, etwas schief und auch die gestanzten Lochabstände waren nicht überall identisch. Aber er war dicht! Er hielt die Luft ganz ausgezeichnet und so bedankte sich Thorlav in Gedanken für die Handwerkskunst der Skjorte. Ihn, einen absoluten Anfänger, so präzise anzuweisen das dieses Resultat möglich war wollte schon was heißen.
Fünfter Tag
„Arnfior de Sack is fertig un er is prächtig gewordn`!“ rief Thorlav in dem Moment da er die Doppeltür zur Händehütte mit Elan aufstieß. Mit dem Luftsack in Händen stapfte er dann sogleich auf die Holzpranke zu. Diese war offenkundig angetan von der bereits geleisteten Arbeit. Auch wenn es offensichtlich war, dass er die Makel durchaus wahrnahm, sie aber nicht erneut erwähnte. Sicher hatte Ylvi das schon zur Genüge getan. „Guad Kerl, dann kümmern wey uns zuerst um dey Anschlussstücke. Während diese eingesetzt sind und die Dichtmasse trocknet, haben wey Zeit uns um den Rest zu kümmern.“
Damit ging es dann auch schon los. Mit vor der Brust verschränkten Armen stand der Handwerker, mit dem aufmerksamen Blick eines Adlers, neben der Drechselbank und beobachte jeden Handgriff des Schwerts. Sobald Thorlav im Begriff war das falsche, oder das richtige Werkzeug im unpassenden Winkel an das Werkstück heranzubringen, griff er ein und korrigierte den Fehler fachmännisch, bevor er tatsächlich passiert war. So wurde zuerst das benötigte Holz in die Drechselbank gespannt, das nun mittels Pedal zum Rotieren gebracht wurde. Nach und nach, wurde dann erstmal jedes Werkstück mit Hilfe der verschiedenen Drechseleisen in eine gleichmäßig runde Form gebracht.
Im nächsten Schritt sollten die Bohrungen des Luftkanals herausgearbeitet werden. Bei den Anschlussstücken fiel diese noch recht kurz aus, so dass die Arbeit zügig von der Hand ging.
Um die Stücke nun mit dem Sack zu verbinden, wurde noch eine Nut am Ende der Teile eingearbeitet, die später mit einer zähen Dichtmasse versiegelt werden würde. Diese Masse, so teilte Arnfior ihm mit, würde nach dem Aushärten eine solide Verbindung mit den Werkstoffen eingehen, dabei jedoch weiterhin flexibel bleiben.
Es war an der Zeit den Sack fertigzustellen. Alle Einzelteile wurden unter Anweisung der Holzpranke in die entsprechenden Löcher gesetzt. Dabei war ein wenig Kraft nötig, denn Ylvi hatte die Ausschnitte im Sack absichtlich etwas kleiner ausfallen lassen, als es der Durchmesser der Anschlussstücke eigentlich forderte. Mit dieser Technik saßen die Lederränder nun aber satt in den dafür vorgesehenen Nuten und konnten fachgerecht versiegelt werden.
Nachdem alle Teile zu einem Ganzen zusammengefügt waren, wurde der Luftsack behutsam zur Seite gelegt. Mit einem forschenden Blick, sowie vollem Tatendrang, wendete sich das Schwert wieder dem Schreiner zu. „Guad! Weiter!“
Mit einem zufriedenen Ausdruck auf den Zügen neigte Arnfior das Haupt und deutete mit dem Kinn auf die Drechselbank wo die bereits vorbereiteten Rohhölzer lagen.
Also wieder von Neuem. Runddrechseln, nicht zu viel Material wegnehmen, ruhige Hand und sicherer Griff am Werkzeug.
Immer wieder der prüfende Blick zu dem Lehrmeister, der meistens damit quittiert wurde, dass der Schreiner nur gutmütig nickte um ihm so stumm mittzueilten das er noch etwas weiter machen könne.
In diesem Stadium der Produktion war Thorlav äußerst vorsichtig geworden.
„Noch mehr wegnehmen kann ich immer. Wieder dran pappen wird da schon schwieriger.“
Hatte er immer geantwortet als er und Arnfior diesen Schritt schon einige Male geprobt hatten. So dauerte es eine ganze Weile, bis die einzelnen Holzstangen rund gedreht waren und es endlich mit dem Luftkanal weiter gehen konnte. Dieser Arbeitsschritt wurde ebenso behutsam, wenn nicht sogar behutsamer, als der Vorherige angegangen. Würde er hier den Bohrer verkannten… Dann hieß es von vorne anfangen. So dauerte es bis zum Abend, als die Sonne rotglühend am Himmel stand und kurz davor war sich hinter den Bergen zur Nachtruhe abzusenken. Die Rohlinge der einzelnen Pfeifen waren fertig. Spielpfeife, Bordunrohr, und Anblasrohr wurden somit erneut zur Seite gelegt, ehe Thorlav das Schnitzmesser von Arnfior entgegennahm und sich daran machte das Rückschlagventil zu schnitzen. Diese Arbeit war besonders herausfordernd für die groben Hände des Clansschwert. Ein Missgeschick nach dem anderen landete in der Ecke der Hütte, wo sich mittlerweile ein kleiner Haufen von defekten Ventilen sammelte. Nach etlichen weiteren Versuchen gelang es dann endlich das Bauteil zur Zufriedenheit der Holzpranke fertigzustellen. Nun galt es noch das Doppelrohrblatt der Spielpfeife, sowie das Einfachrohrblatt des Bordunrohrs aus Schilfrohr herstellen. Hierbei war besondere Vorsicht geboten, um den Klang der Sackpipa nicht zu verfälschen. Mit höchster Konzentration und stetigen Hinweisen des Lehrmeisters, gelang auch dieser Arbeitsschritt nach einer ganzen Weile.
Nachdem die Bauteile mit Bedacht zu den restlichen Stücken gelegt wurden, lehnte Thorlav sich erschöpft an die Lehne des Stuhls und blickte zu dem Handwerker auf. „Geschafft!“ brachte der Hüne dann nur knapp hervor und besah sich erneut die Früchte seiner Arbeit.
Am nächsten Tag sollten die Restarbeiten und letzten Feinschliffe folgen, bevor das Instrument endlich zusammengesetzt und ausprobiert werden konnte.
Sechster Tag
Die beiden Kerle trafen sich schon früh an der Werkbank. Arnfior hatte ein ordentliches Frühstück mitgebracht, welches nun auf der Werkbank lag. Thorlav betrat die Werkstatt mit jeweils einem großen Krug in jeder Hand. Während dem ausgiebigen Mahl wurden die letzten Schritte noch einmal durchgegangen.
Es galt die Löcher der Spielpfeife zu setzen, die Verbindungsstücke mussten mit einem fein fasrigen Band umwickelt werden, um zu verhindern das die Teile auseinanderglitten, oder aber Luft an den Verbindungsstellen entweichen konnte. Abschließend galt es die Rohrblätter einzusetzen und zu fixieren, bevor dann sämtliche Teile zusammengefügt werden konnten.
Für die Bohrungen hatte die Holzpranke erfreulicherweise eine Schablone, was die Arbeit um einiges vereinfachte. Dieser Schritt war somit schnell erledigt.
Nun begann der Hüne ein breites, aber sehr dünnes, fasriges Band durch eine Schüssel mit flüssigem Bienenwachs zu ziehen, um es anschließend um die Verbindungsstücke der einzelnen Pfeifen zu wickeln. Diese Arbeit war nicht sonderlich anstrengend oder schwierig. Doch sie war langwierig und erforderte einiges an Konzentration, ehe man überall Wachs verteilte, wo es nicht hingehörte.
Irgendwann war diese Arbeit auch endlich beendet. Die Rohrblätter wurden noch in die dafür vorgesehenen Vertiefungen im Luftkanal gesetzt und mit Wachs fixiert, ehe dann endlich das fertige Instrument vor ihnen lag. Gut, es musste noch zusammengesetzt und gestimmt werden, aber das sollte nun kein Problem mehr sein. Immerhin hatten die beiden immer wieder die einzelnen Bauteile versuchsweise zusammengesetzt, um die Maße zu kontrollieren. Dabei waren sie immer ohne Probleme ineinander gerutscht. Nun da das Band aufgetragen war, war zu erwarten das ein fester Sitz der Komponenten gegeben war.
Beinahe ehrfürchtig, schob das Schwert zuerst das Bordunrohr in das Verbindungsstück am Luftsack. Und es passte hervorragend!
Als nächstes das Anblasrohr und die Spielpfeife. Diese fügten sich etwas schwerer in die Verbindungsstücke ein, was der Hüne auf ein oder zwei Lagen zu viel Faserband schob. Mit etwas „thyrischem Gefühl“ konnte aber auch hier ein Erfolg erzielt werden.
Die Arbeit hatte sich gelohnt! In Zusammenarbeit mit Arnfior wurde das Instrument noch gestimmt und abschließend der Überzug aus Tartanstoff in den Farben der Mandre und der Hinrah über den Luftsack geknöpft.
Herausragend! Kam da der begeisterte Ausruf des Clansschwert, als er das fertige Instrument in den prankenartigen Händen hin und her drehte. Begeistert wurde jeder Zentimeter der Arbeit begutacht.
Niemals hätte er es für möglich gehalten die Aufgabe mit diesem Ergebnis zu bewältigen.
Sicher gab es bessere Arbeiten, und an die Qualität, wie sie ein Meister wie Arnfior zu Stande brachte, würde er niemals herankommen. Aber diese eine Sackpipa war etwas Besonderes.
Sie war ein Symbol! Ein Symbol für einen neuen Anfang - für das endgültige ziehen lassen der Vergangenheit und für ein Versprechen einer atemberaubenden Skaldin gegenüber.
Jetzt musste die grobschlächtige Sackpipa dem Weib nur noch gefallen…
Daran hegte er jedoch keine allzu großen Zweifel. Immerhin gefiel „ER“ ihr ja auch in seiner Grobschlächtigkeit.
Melodien, die das Herz erweichen
- Thorlav Hinrah
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- Registriert: Mittwoch 23. April 2014, 21:20