Die Geschichte der "Maus" Nisa Luminy
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Idir ann is
Idir ann is idir as
Idir thuaidh is idir theas
Idir thiar is idir thoir
Idir am is idir áit
Casann sí dhom
Amhrán na farraige
Suaimhneach nó ciúin
Ag cuardú go damanta
Mo ghrá
1. „Wer bist du?“Idir ann is idir as
Idir thuaidh is idir theas
Idir thiar is idir thoir
Idir am is idir áit
Casann sí dhom
Amhrán na farraige
Suaimhneach nó ciúin
Ag cuardú go damanta
Mo ghrá
Die leisen Worte, mit einem Anflug von Irritation und ehrlichem Interesse versetzt, wurden regelrecht sanft und wispernd vom Abendwind an ihre Ohren getragen und dennoch dauerte es einen winzigen Moment, bis sie sich dort in niederlassen und in die Gedanken fließen konnten.
Jene umgingen die Frage und versuchten dahinter zu blicken, mahnten vor bösen Absichten oder falschen Motiven. Doch in dem blassen, gebeuteltem Gesicht des Fragenden war keine Hinterlist zu lesen, nur eine seltsame Müdigkeit, die aus Kummer entstand und sein Seufzen unterstrich diesen Eindruck nur noch, so dass sie gewillt war, eine Antwort zu geben.
Nur eine letzte Unsicherheit blieb zurück – welche war in diesem Moment die Richtige?
„Das käme darauf an, wer fragt.“
Sie hatte alle Mühe möglichst keinen Dialekt oder Akzent in ihrer Rückfrage anlauten zu lassen und war daher eher auf die eigene Stimme fixiert, bis sie erneute Verwirrung in seiner vernahm.
„Na, ich…“, begann er stockend und erst da erhellten sich die sowieso schon so bleichen Züge verstehend etwas.
„ Daeves... Katzenjammer. Das ist mein Name.“
Sie befand in genau diesem Moment, dass somit zumindest ein Name wegfallen würde, denn Katzen, selbst wenn sie jammerten, offenbarte man sich sicher nicht als „Maus“.
Stattdessen entschied sie sich für den ersten aller Namen, den sie lange genug tragen durfte, um mit ihm in den frühen Jahren ihres noch jungen Lebens aufwachsen zu können.
„Dann ist es Nisa.“
***
Sie schlief.
Er hatte gehofft, dass sie um diese Zeit am frühen Abend wach sein und nach Nahrung quäken würde, dass sie vielleicht sogar durch den Raum starren würde, um die Schemen, die sie schon erkennen konnte, genauer zu betrachten oder, dass sie eines dieser seltenen glucksenden Lachgeräusche von sich geben würde. Denn all das hätte ihre Chancen darauf, das Herz dieses jungen Burschen zu erwärmen, erheblich gesteigert und wenn er sie nicht mitnahm… nun, dann waren die Optionen dahin und die Tage des Kindes jetzt schon gezählt. Er konnte sich ein leises Seufzen nicht verkneifen, denn er mochte das Bündelchen und er verstand, dass die junge Herrin geschrien und hysterisch geweint hatte, als man es ihr entreißen musste, doch er verstand auch, dass ein Bastard aus einer solchen Verbindung nicht nur Schimpf und Schande für zwei hohe Familien bedeutete, sondern den Krieg in ihrem Landstrich nur weiter anheizen würde.
Das Bündel musste weg.
So oder so.
„Also, wie schaut es nun aus, Herr Luminy, nehmt Ihr das Angebot an oder nicht?“
Eamons Stimme riss ihn aus den dunklen Gedanken und zeigte gleichfalls auf, wie verzweifelt die Lage war, denn Eamon, der schon zu Beginn der brisanten Angelegenheit eher gewillt war, dem ersten Impuls des Herren zu folgen und das Bündel Leben zu ertränken, war nun am Ende seiner Geduld und Zeit, dieser letzte Versuch wurde nur noch aus Hingabe zur jungen Herrin getan, die in den Augen ihres Vaters tief genug gesunken war.
Alle Blicke fixierten nun den jungen, schlanken Mann mit dem cabezianischen Schnurrbart und dem dazu passend windig-charmanten Äußeren eines Freibeuters. Sein zuvor so breites Lächeln, als sie ihm die Entlohnung zur Aufgabe genannt hatten, war nun allerdings verschwunden und etwas desperat fixierte er den schlafenden Säugling.
„Ich… ich weiß nicht. Sie sieht mir ja nicht einmal ähnlich.“, begann er stammelnd und nun war es wieder Eamon, der sowohl am Ende der Nerven als auch Geduld grantig murrte:
„Nein, dann ähnelt sie eben ihrer Mutter mehr. Seid erfinderisch, verdammt!“
Ja, das tat sie wirklich. Wenn die Augenfarbe sich nicht stark ändern würde, so würde diese nach dem Vater kommen, doch alles andere, vom weichen Antlitz mit fein geschnittenen Zügen, den Lippen bis hin zum orangeblondem Schopf, konnte man das Erbe der jungen Herrin in ihr erkennen.
Vermutlich war das auch der Grund, warum ihr Vater zuletzt entschieden hatte, das Lebenslicht des Kindes nicht gleich auszulöschen, sondern eine Alternative ersann:
Sofern es ihm, Bryden, alter und treuer Diener des Hauses und Eamon, Leitender der Wacht, gelingen würde eine gute Seele auf der anderen Seite des Ozeans zu finden, die sich dem Kind annehmen könnte und wollte, so würde das Bündel, fernab der Heimat aufwachsen und leben dürfen.
Sicher, ihre eigenen Wurzeln und Herkunft würde sie nie kennenlernen, doch was war das schon im Austausch gegen das Leben?
„Also?“, Eamons schroffer Ton brachte ihn zurück aus den philosophischen Tiefen.
„Ihr sagtet… eine halbe Millionen, ja?“
Er kannte Eamon zu lange und zu gut, um nicht zu wissen, dass ihn die Nachfrage hinsichtlich der Entlohnung genauso anwiderte wie ihn selbst.
„Genau und das erste Jahr wird das Fräulein Kenna Euch unterstützen.“
„Un… unterstützen?“, kurz war das Misstrauen in der Stimme des jungen Mannes zu hören.
„Richtig, es sei denn Eure Brüste geben gerade Milch?“
Er musste bei diesen Worten leise auflachen, doch Eamons Miene blieb eisig und die Wangen des Herrn Cassian Luminy waren nun dunkelrot.
„Oh, äh… achso. Natürlich nicht… ich meine… ich nehme die Unterstützung natürlich gerne an.“
Verlegen rieb er sich den Nacken und ließ den Blick zwischen den beiden hin und herschwenken.
Unbewusst berührte die andere Hand aber tätschelnd das Bündel, wahrscheinlich um sich selber ein wenig zu beruhigen, doch da geschah das kleine Wunder, auf das er so gehofft hatte.
Nein, sie erwachte nicht, doch ein winziges Händchen streckte sich und griff zielsicher nach dem Zeigefinger des vermeintlichen Ziehvaters und hielt diesen fest umklammert. Gleichwohl machte sich ein seliger, zufriedener Gesichtsausdruck in den Zügen des Säuglings breit, der ein feines, unschuldiges Lächeln als Krönung erstrahlen ließ.
Still standen die drei Männer um den kleinen Tisch in der Kammer und als Eamon ein drittes Mal fragte, ob er sie nun zu sich nehmen würde, da war seine Stimme sanfter und die Antwort des jungen Mannes gefestigter.
„Ja, ich werde mein Bestes geben ihr ein guter Vater zu sein.“
Sie beide antworteten nicht und er hoffte innerlich sehr, dass das Beste des Burschen auch wirklich genug war. Zweifel blieben, doch war es ein geschenktes Leben, nicht wahr?
„Hat sie denn einen Namen?“
Er nickte, Eamon schüttelte den Kopf und so blieben sie ihm eine Antwort schuldig, die diesmal er liefern musste.
„Die Mutter gab ihr einen Namen, doch… es ist besser, wenn sie neu anfangen kann und nicht übers Meer nach Buidheann blickt. Gebt Ihr dem Kind einen neuen Namen, sie wird eh Euren Nachnamen tragen, Herr Luminy, und dieser klingt nach… einer anderen Insel.“
Er sah das kleine, kurze Zucken und ein wenig Triumph kitzelte wohlig in der Brust.
„Nun denn“, warf er rasch hinterher, „… habt Ihr schon einen Namen im Sinn?“
Wieder kam Verlegenheit auf und der Junge füllte die Wangen mit Luft, bis sie rund waren.
„N…“, begann er und wollte wohl den Kopf schüttelt, als Eamons frostiger Blick ihn erneut traf und er rasch zum schlafenden Kind sah.
„N… Nisa?“
Eamon schnaubte, doch die Kleine ließ ein zufriedenes Schmatzen erklingen und zog den umklammerten Finger in den Mund. Erst als sie gingen und er einen letzten Blick auf das Bündelchen warf, beugte er sich rasch seitlich herab und raunte dem jungen Herrn Cassian Luminy den Geburtsnamen des Kindes rasch zu. Staunend weiteten sich die dunklen Augen des gebürtigen Cabezianers.
„Sie beginnen beide mit dem gleichen Buchstaben?“
„Hmmm.“
„Was bedeutet er?“
„Lämmchen.“
„Kein guter Name für diese Gegend in Siebenwacht. Lämmer finden hier ein rasches und düsteres Ende.“
„Ja…deshalb ist sie nun Nisa, nicht wahr?“
„Aye, Nisa Luminy aus Siebenwacht.“

