31. Cirmiasum 265
- Adoran
____________________________________________________________________________________
Sie hatte noch immer die fassungslosen Ausdrücke ihrer Geschwister vor Augen als sie vor den Trümmern standen, in denen sie einst so viel Herzblut und Arbeit gesteckt hatten. Mit der Ankündigung des zornigen Meeres hatten sie natürlich alles Wichtige hinaus geschafft, aber alles konnte man nie mitnehmen und so ging mit dem Wasser, welches in das Meer zurück floss, auch ein Teil der Erinnerungen mit und zurück blieben nur Trümmer. Heftiger als erwartet. Es schmerzte in ihrer Brust und doch hatte sie sich zusammenzureißen, auch wenn sie den prüfenden Blick ihrer Geschwister auf sich fühlte. Sie war ja die "Kleine" unter den Barasthans, auf die man aufpassen musste.
So packten sie an und räumten nach und nach die Trümmer davon, bis die Arme schmerzten und sie ihren Knien nicht mehr so wirklich Vertrauen schenken wollte. Diese recht stoische und unkreative Arbeit hatte allerdings den Vorteil, dass ihre Gedanken kreisen konnten und tatsächlich war es ein winziger Keim an Trost, dass sie das Haus des Kraken nun gänzlich von neuen, aus eigenen Händen, mit errichten konnten. Nach ihren Vorstellungen und Wünschen formen, bis das Meer im Bauernviertel auf einem guten Weg ein Zuhause finden würde. Das trocknete immerhin, zu einem winzigen, winzigen Teil die Tränen ihres Herzens.
~
02. Ashatar 265
- Adoran
____________________________________________________________________________________
Es war vom Vorteil das Tamyr sich schon vor der Flut Gedanken gemacht hatte, wie der neue Kraken aussehen sollte und so konnten sie die Baupläne vorlegen und ihre Wünsche äußern und anschließend auch dabei helfen das Fundament zu schaffen. Rhena hatte noch nie so viele Steine, Holz und Sand für den Mörtel in ihrem Leben geschleppt und sie glaubte nicht, dass der Muskelkater der Bauarbeiten innerhalb der nächsten Jahre jemals nachlassen würde. Das war noch einmal etwas ganz anderes als einen Bogen zu spannen oder Leder zu gerben.
Auch Konrads Gesichts wurde immer länger, auch wenn er es besser wegsteckte als Rhena - aber sie wusste ganz genau das die Krähe sich sicherlich besseres vorstellen konnte, als Baumaterial zu schleppen. Gut, das konnte sich vermutlich jeder... aber Konrad war schon immer ein Spezialist darin gewesen seine Gemütlichkeit zu perfektionieren. Damit kam er hier allerdings nicht davon, Tamyr stand fast schon wortwörtlich mit der Peitsche an seinem Hintern. Ein wenig erheiterte es die junge Schneiderin, aber das zeigte sie natürlich nicht. Sie würde sich nicht zwischen die Stühle schieben.
Der Platz, welcher dem Kraken im neuen Bauernviertel zuteil wurde, war beachtlich und doch nicht ausufernd, denn die Gemeinschaft wollte nicht unnötig viel Platz haben - eben nur so viel, dass jeder dort seinen Platz bekommen würde. Während Rhena Steine über Steine stapelte, träumte sie innerlich schon davon, wie sie ihr Stübchen einrichten würde... oder sie träumte von ihrem erholsamen Bett. Nur noch ein Stein... dann nur noch einer. "Nur noch ein Stein" - Das war wie ein neues Mantra für sie geworden.
Schließlich jedoch stand das Fundament des Kraken, das Treppenhaus war bereits, so gut es ging, fertig gestellt und doch... war an Ruhe nicht zu denken, denn wenn die Arbeiten am Kraken fertig gestellt waren für den Tag, schaute sie nach den Überresten ihres alten Heimes, um dort anzupacken wo sie konnte.
Es musste immer weiter gehen, damit bald wieder Normalität einziehen konnte.
~
04. Ashatar 265
- Adoran
____________________________________________________________________________________
Nachdem das Fundament stand, war es nun daran die Wände zu errichten und die Böden zu legen, sowie auch das obere Stockwerk auszubauen. Das würde noch anstrengender werden, als das Fundament und dabei hatte Rhena nun schon keinen Bedarf mehr daran auch nur jemals wieder einen Stein in den Händen zu halten.
Als würde Rafael die Gedanken seiner Zwillingsschwester kennen zuckten seine Mundwinkel verräterisch bei der Bauplanbesprechung, während das Grün seiner Augen auf ihr ruhte. Sie schürzte die Lippen und widmetet ihm einen entsprechend garstigen Blick - es war unfair, das es ihm so viel einfacher fiel. Aber vermutlich war das sein Lohn dafür, seinen Körper entsprechend bei den Übungen mit dem Schwert und Schild gefordert zu haben. Sein Muskelkater lag Monde im Land zurück.
Je mehr jedoch das Gebäude, oder eher gesagt alle Gebäude, in Adoran an Form annahmen, je besser konnte Rhena sich das Endbild vorstellen und es gefiel ihr. Sie mochte diese hellen, strahlenden Bauten in denen das Licht zu wohnen schien und sie hatte schon beim Errichten der hellen Wände im Kopf, was für Farben wohl passend für die Einrichtung wären. Zusammen mit Rafael schleppte sie die Holzbretter für die Böden hinauf, trugen die wunderschönen blaustichigen Fenster oder ... ja Steine. Aber so konnten die "richtigen" Handwerker, die damit vertraut waren Häuser zu bauen, sich jedoch auch darauf konzentrieren und sie konnten Ihnen somit einen schweren Teil abnehmen.
Die Dachschindeln stapelten sich vor den Gebäuden und auch die Zaunteile wurden letztendlich zusammengebaut und irgendwie erinnerte Rhena das Zusammenspiel des Blaus und des Weiß sie an die Gischt auf dem Meer. Ja, es war schön. Noch ein kleines Stückchen und es wäre bald vollbracht ... doch erstmal, ja erstmal musste jeder etwas Essen und so zog sie sich vom Schleppen zurück, besorgte für jeden etwas Essen und Trinken und gemeinsam setzten sie sich auf die neuen Stufen des Krakengebäudes. Eine kleine Pause... bis die Arbeit weitergehen würde.
~