
- Wie man Haarausfall behandelt -
Wenn der Mond zur Tagundnachtgleiche im Sternbild der Nachtsonne stand, dann war der ideale Zeitpunkt gekommen, um einen Auszug aus getrockneten Apfelschalen und dem Staub von Hühnerknochen und Fischleich in einem Kupferkessel anzusetzen.
Einen Mondlauf später war die daraus gewonnene Essenz ein probates Mittel zur Bekämpfung von Haarausfall und damit ein probates Mittel zur Bekämpfung irreparabler Schäden am Standesbewusstsein der städtischen Bevölkerung. Anders als auf dem Land führte die Haarpracht und ihre Zurschaustellung den Nachweis einer schier ewigen Jugend.
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Dass sich der Lakai einer mittlerweile in die Jahre gekommenen Beamtengattin aus Adoran sogar in Bajard nach einer Heilerin umsah, war Ausdruck einer zunehmenden Ratlosigkeit angesichts des hartnäckig fortschreitenden Haarausfalls. Da die bekannten Mittel nicht die gewünschte Wirkung gezeigt hatten und die Mediziner allmählich das Vertrauen der Beamtengattin einbüßten, war dem Lakaien nichts anderes übriggeblieben, als über die Grenzen der Stadt hinaus nach Heilkundigen Ausschau zu halten.
Auf der Suche nach Abhilfe erreichte ihn schließlich die Kunde einer Wahrsagerin und Sterndeuterin, die sich in Bajard und den umliegenden Wäldern aufhielt. (Dass es Mavi unlängst mit einem Auszug aus Heilbuttinnerein, dem Harz von Zirbenholz und einer Ginsengwurzel gelungen war, den Gichtanfall eines lang gedienten Kapitäns zu lindern, war ihrem Ruf sicherlich nicht abträglich gewesen ...)
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Mavi wurde also zum Anwesen der adoraner Beamtengattin gerufen. Es galt sich zu beeilen, denn zum Haarausfall hatten sich ein übelriechender Mundgeruch gesellt und ihre Zähne und Fingernägel begannen sich allmählich zu verfärben und auszufallen.
Es bedurfte keiner langjährigen Erfahrung, um festzustellen, dass die Beamtengattin unter Symptomen litt, die über das Ungemach eines gewöhnlichen Alterungsprozess hinaus bedenklich waren. Mavi wurde durch die Küche in die oberen Stockwerke ins Schlafgemach der Kranken geführt. Schon beim Betreten der Küche wehte ihr der bittersüße Geruch des Schwarzen Nachtschattens um die Nase und da sie wusste, dass bei entsprechender Dosierung aus einem Mittel gegen Magenkrämpfe ein tödliches Gift wurde, war sie entsprechend gewarnt. Ihr Verdacht erhärtete sich schließlich beim Anblick der Beamtengattin, die mit blutunterlaufenden Augen wegen Kopfschmerzen klagte.
Mit Hilfe ihrer Tarotkarten ließ sich nun folgende Diagnose stellen:
Die erste Karte zeigt, was war:
"Die Liebenden" - Eine emotionale oder materielle Abhängigkeit.
Die zweite Karte zeigt, was ist.
"Der Gehängte" - Die Fähigkeit, die Perspektive zu ändern und Licht ins Dunkel zu bringen.
Die dritte Karte zeigt, was wird.
"Das Gericht" - Die Lösung eines Problems und ein Neuanfang.
In Kombination mit dem Sternbild des Baum des Lebens deuteten die Karten auf einen glücklichen Ausgang hin. Sie verabreichte der Patientin einen Gebräu mit Ginsengwurzel, frischem Knoblauch und dem Sirup aus Tannenwipfeln und Thymian. Ein Gegengift gegen Haarausfall!

