In die Tiefe

Geschichten eurer Charaktere
Antworten
Gabriella Mittgenstein

In die Tiefe

Beitrag von Gabriella Mittgenstein »

Rahal. Lange war es her, seit sie die Burg besucht hatte, den Hort oder das dunkle Reich. Dennoch schien vieles vertraut und manche Dinge würden sich wohl nie ändern. Das neue Haus war ein großes Durcheinander, aber der wunderschöne Garten machte alles wett. Es wäre nicht schwer gewesen Gemütlichkeit und Ordnung zu schaffen, aber dafür war sie nicht hergekommen.

Weit ab vom Orden hatte die Macht der Elegida sie nach einiger Zeit verlassen und sie wusste, dass Veränderungen vorgingen. Manchmal jedoch, in Momenten, die es laut der verinnerlichten Geschichte nicht gab, gab es Dinge, um die man sich vor den Ordensbelangen kümmern musste. Vermutlich genau deshalb war die Macht der Elegida geschwunden oder ein neuer Meister hatte sich erhoben und jemanden erwählt, der ein Fleischschild zwischen dem Dolch der rangniederen Arkorither und ihm oder ihr bildete. So oder so, wenn sie in Narans lächelndes Gesicht sah, seine Fortschritte beobachtete und seine Zukunft in die Wege leitete, war sie zufrieden. Ihr Sohn hatte sich schon in Rahal prächtig gemacht, doch mit jedem Fingerbreit den er wuchs, schien er mehr Talent zu entwickeln und es war Zeit geworden einige Dinge mit seinem Vater zu besprechen. Deshalb war sie im dunklen Reich.


Tage später:

Lange hatten sie sich besprochen und die gemeinsame Zeit ausgekostet. Der Abend als sie wieder auf das Schiff schritt war rau. Wind peitschte durch die Gassen und der Abschied fiel ihr schwer. Natürlich ließ sie sich das nicht anmerken. Stets ein freundliches Lächeln war eine ebenso dienliche Maske wie eine gewisse Höflichkeit. Man hatte sie immer für die 'nette' Arkoritherin gehalten, aber die Menschen, die sie getötet, verletzt und deren Gedanken sie manipuliert hatte, kannten eine andere Gabriella. Das Gesicht im Wind, die Locken tänzelnd hob sie die Hand und sah noch so lange zu Keldaron wie er zu erkennen war. Naran würde sich über die Neuigkeiten von seinem Vater freuen, da war sie sicher.


Nach Tagen auf See:

Mehr und mehr geriet das Wasser in Bewegung. Wellen türmten sich haushoch auf und alle magische Hilfe nutzte nur wenig. Wenngleich sie das Schiff stärkte und den Matrosen so oft es ging ein wenig Kraft zukommen ließ. Mit knirschenden Zähnen hielt sie durch, zumindest am Anfang, doch dann wurden die Pausen länger und länger. In einer besonders stürmischen Nacht konnte nicht verhindert werden, dass Menschen über Deck gespült wurden. Mit Seilen gesichert war sie auf das Klanggefüge konzentriert, versuchte das Schiff zu stärken, doch dann, von einer Sekunde zur anderen Sekunde war sie unter Wasser. Unbarmherzig zogen die Seile sich zusammen und die Schiffsteile, die nun Trümmer waren, an denen sie festgebunden waren, zogen sie in die Tiefe. Wie ein großer, dunkler Schatten war das Schiff noch einen Moment zu sehen. Vollkommen erschrocken zerrte sie, versuchte sich zu befreien und griff in aller Panik in das Lied ein. Bevor sie jedoch irgendetwas ausrichten konnte, traf etwas ihren Kopf und das Bewusstsein vernebelte. Blut verlor sich im Wasser und Kälte kroch in ihre Glieder als sie die Augen schloss. Stille, die Geräusche des Sturms waren verstummt und je mehr ihr Geist davon dämmerte, desto klarer sah sie ein Bild vor Augen das sie lange nicht erblickt hatte. Er war hier, bei ihr und in den letzten, bewussten Momenten streckte 'die Goldene' ihre Sinne nach 'dem Dunklen' aus und die beiden Magier waren wieder vereint. Im Hier und jetzt jedoch sank sie tiefer und tiefer in das Meer, ertrank am salzigen Meerwasser und starb einen stillen Tod. Wochen später, nachdem das Schiff den nächstbesten Hafen erreicht hat, erging entsprechende Nachricht an Ritter Rabenstein in Rahal und an die Familie in Shevanor.
Jaryan'dolor
Beiträge: 884
Registriert: Donnerstag 1. Mai 2014, 11:42

Beitrag von Jaryan'dolor »

Einige Tage nach dem tragischen Ereignis, stand plötzlich ein junger Mann mit dem Siegel Shevanors im Leth’Axorn. Selten trauten sich die Menschen hinein in diese warmen Höhlen, die einst so unbetretbar für die Bewohner der Oberfläche galt. Der Bote fragte die Lethrixoren danach, wo man den Ala’thraxor Jaryan’dolor auffinden könnte, um ihm eine Nachricht über das Ereignis überbringen zu können. Der Bote bemerkte, dass die Lethrixoren etwas verwirrt von seinem Auftreten waren. Nicht nur, dass er mit Kleidung von Außerhalb ausgestattet war, sondern auch die Frage selbst, den Ala’thraxor treffen zu wollen war für sie eher mit Verwunderung im Blick geziert. Die Lethrixoren haben mit einer Befragung begonnen und ihre Waffen wurden schon gezückt. Sie umzingelten den Boten. Der Bote fühlte sich ausgeliefert und schwach, so ganz allein im Leth’Axorn. Er war sich sicher, dass er diesen Tag nicht überstehen würde und ärgerte sich, wie sehr er doch seinen Beruf eigentlich bereuen würde. Diese weite Reise, um hier zu sterben. Die Pantherklauen richteten sich auf ihn und er schloss die Augen. Ein Windhauch, durch den Schwung dieser Waffen, ließen sich durch das Auftreffen auf der Haut seines Gesichts ankündigen und er wusste, dass sein letzter Atemzug gleich folgen würde. Allerdings geschah ihm Nichts. Er öffnete die Augen und sah die zahlreichen Klingen der Pantherklauen vor ihm stocken. Zitternd hielten die Waffen vor ihm inne. Er schaute an den flachen Seiten der Pantherklauen vorbei und erkannte nur durch die Haltung der Lethrixoren, dass sie wie erstarrt voller Ehrfurcht dastanden. Es war sehr still plötzlich. Es war so still, dass man von weiten Schritten hören konnte. Sie wurden sehr gezielt und langsam gewählt, wie von Jemandem, der die Zeit der Welt hat. Die berüchtigten Doppelstimmen erhoben sich und fragten mit der altbekannten Disharmonie der Letharenkultur in die Richtung der kleinen Versammlung.

Wer wagt es uns aufzusuchen?

Die Lethrixoren machten den Weg frei und standen diszipliniert und koordiniert in ihrer Formation. Stolz hielten sie ihre Waffen in einer einheitlichen Pose und machten den Eindruck, wie zu Statuen erfroren zu sein. Der Bote richtete sich auf, kam dem Ala’thraxor näher und ging auf ein Knie runter. Ihm kamen vor Furcht die Tränen als er mit beiden Händen ein Pergament hielt und seine Gebete zu Alatar vor sich hinmurmelte. Plötzlich entriss eine schnelle Bewegung das Pergament und der Bote wartete nur auf seinen Gnadenstoß. Ein lautes Knurren wurde vernommen, ehe er einmal laut aufgeschrien hat und einen der Lethrixoren, welcher seitlich von ihm Stand ergriff und durch einen Haufen Stalagmiten schleuderte. Was der Bote sah, war eine Kraft, die er nie zuvor in so einer Wucht und Kraft gesehen hat. Er wusste, ein falsches Wort bedeutet das Ende, jedoch dem Boten geschah kein Leid. Die Atmung des Ala’thraxors war kurzatmig und vorerst unkontrolliert. Die Haltungen der Letharen wurde noch angespannter, bis er sich wohl doch noch zusammengerissen hat und sich entgültig beruhigte. Nochmals erhob er die fürchterlich kratzigen und dunklen Doppelstimmen.

Gebt seiner schwächlichen Hülle Nahrung und lasst ihn Ruhen, bis er wieder bereit zur Heimkehr ist. Lasst uns allein, verschwindet.

Die Lethrixoren führten den Boten rasch hinfort, dort wie sie dem Ala’thraxor am besten auch nicht mehr vorerst über den Weg laufen. Der Gotteskrieger eilte zum Tempel, dort, wo er Vater am meisten fühlen konnte. Er verweilte mehrere Stunden im Tempel und sprach sämtliche Gebete und lief auf und ab. Hochkonzentriert zog er seine Kreise im Tempel, bis er endlich zu einem Entschluss kommen würde. Sein nächster Weg führte ihn in seine Wohnhöhle. Er setzte sich hin und verfasste ein Schreiben. Dieses Schreiben richtete sich an Ritter Keldaron Rabenstein von der Bruderschaft, in dem er folgende Worte verfasst hat…
Des Vaters Willen Ritter Vaters,
du wirst von ihrem Tod wohl auch erfahren haben. Wir wollen ihr ein Grab geben. Du kannst mitwirken und deinen Beitrag leisten, ansonsten machen wir es ohne dich.


Vaters Wille ist unser Weg!

Alathraxor Jaryandolor
[URL=http://www.directupload.net][img]http://fs5.directupload.net/images/170502/c249a6q8.png[/img][/URL]
[Ala'thraxor Jaryan'dolor des Leth'Axorns]
Benutzeravatar
Keldaron Rabenstein
Beiträge: 384
Registriert: Mittwoch 23. April 2014, 21:20

Beitrag von Keldaron Rabenstein »

Tief in der Nacht konnte man durch die Fenster des Hauses von Ritter Rabenstein den Schein des Kaminfeuers erkennen. Die ein oder andere Wache der Oberstadt warf deswegen einen besonders aufmerksamen Blick auf das Haus des Ritters. Es war nach dem Erhalt des Briefes, der ihn über das Ableben von Gabriella informierte, für ihn nicht möglich seine Gedanken zu ordnen. Was dazu führte, dass er nicht schlafen konnte und fast die ganze Nacht lang vor dem Kamin verbrachte und den Flammen bei ihrem wilden Tanz zusah. Obwohl Gabriella selbst schon länger in ihrer Heimat verweilte, ließ ihn der Gedanke nicht los, dass sie vor wenigen Tagen erst in Rahal gewesen war und er jetzt einen Brief in seinen Händen hielt, mit solch einer Nachricht. Der Gedanke an ihren gemeinsamen Sohn, der sich in Shevanor bei ihrer Familie befand, machte das Ganze nicht einfacher....


In den nächsten Tagen fiel es ihm schwer die geschriebenen Zeilen des Briefes zu vergessen. Er überlegte in die Heimat von Gabriella auf zu brechen für ein Begräbnis und damit ihr Sohn nicht alleine war. Durch das Schreiben der Alatraxors Jaryan'dolor änderten sich seine Pläne. Noch am selben Tag schickte er einen Boten der Bruderschaft los, der den Alatraxor aufsuchte, um ihm mündlich auszurichten, dass Ritter Rabenstein seinen Beitrag leisten wird für das Grab.

Er durchsuchte den Keller seines Hauses und stellte diesen regelrecht auf den Kopf. Er wollte etwas finden, das zu Gabriella gepasst hätte und das Grab, welches für sie angelegt werden würde, zieren sollte. Sie hatte so viele Gegenstände zurück gelassen als sie damals beschlossen hatte Gerimor zu verlassen, dass es für den Ritter nicht leicht war etwas passendes zu finden. Gerade als er dabei war eine der vielen Kisten zu durchwühlen sah er in seinem Augenwinkel im Schein der Kerzen etwas an der Wand lehnen und als er das Blau seiner Augen auf den Gegenstand lenkte, wusste er direkt, dass es dieser sein würde, der das Grab von Gabriella zieren wird...
Hard work pays off. Dreams come true. Bad times don't last, but BAD GUYS DO!
Antworten