Dort wo das Leben wohnt...

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Andhrina Talell
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Dort wo das Leben wohnt...

Beitrag von Andhrina Talell »

Die größte Liebe ihres Lebens: Freiheit

Nicht nur die winterlichen Nächte mit ihren aufbraustenden Stürmen, sondern auch das Unleben das sie in sich geführt hatte, hatten sie kräftig durchgerüttelt. Sie schloss sich in ihrem neuen Heim ein, fühlte sich sicher, verschlief den Tag und durchwachte die Nacht auf der Suche nach sich selbst. Sie nahm lange Bäder, sonn über die Weisheiten, die kleinen und die großen Lehren nach die sie auf der kleinen Straße ihres Lebens hier und da, wie Blätter vom Wegesrand aufgelesen hatte. "Gleich was Du auch tust, ich werde Dich immer lieb haben." Einige der wichtigsten Worte in ihrem Leben und sie würde Dasselbe kein weiteres Mal verleugnen. Sie hatte sich selbst verleugnet aus Angst einem Anderen dadurch kummer zu bereiten, sie hatte das Leben betrogen und damit sich selbst. Manchmal musste man sich selbst retten um Jemand anderen zu retten.

Sie hatte die Liebe zu einem Menschen höher gestellt als ihre Liebe zum Leben, zu den Dingen die sie so gerne tat, um die sie begeistert war, um deret Willen ihr Herz jubelte. Daran hatte sie ihre Lebenskraft verloren, ihren inneren Glanz. Dieses kummerlose Naturell. Das Leben fußte auf Liebe und Liebe auf Freiheit. Am Ende hatte sie nichts mehr gehabt ausser Glauben und Hoffnung. Ihr Nordstern war das Leben gewesen und sie hatte ihn einem Menschen gegeben. Jetzt saß er wieder an seinem Platz. Es brauchte bedingungslose Liebe zum Leben, nicht unbedingt zu einem einzelnen Menschen. Erst diese Liebe zum Leben machte Liebe überhaupt bedingungslos im Schaffen von Unabhängigkeit die Liebe eines Anderen betreffend. Ein Zuhause in dem man sich fürchtet zu sein wer man ist, ist garkein Zuhause. Jetzt hatte sie ein Neues und wo sie zuerst den Fehler beging wieder dasein zu wollen, tat sie dann doch zunächst das Ihre und ließ sich alle Zeit der Welt, nachdem sie bemerkte das sie sonst garkeine hatte. "Habe ich mehr Zeit wenn ich mehr Zeit habe? Ja..."

Sie würde von jedem Ort, der sie um ihre Freiheit zu tun was sie liebte, fliehen, jedes Mal würde sie vor dem Tod der Liebe in sich selbst weglaufen. "Lauf... tu was Du liebst. Das Leben liebt Dich und nicht das Leid so wie Du nicht das Leid liebst." Hadere nicht, halte Dich nicht damit auf ein Urteil zu fällen und blicke nicht zurück wenn Du kannst. Glaube Dich nicht dumm weil Du Dinge aus Liebe tust so das Du Leben hast, was ist mehr Lohn als das? Nicht von Gold und nicht von Silber hast Du mehr Leben als davon. Halte deinen Blick auf das Leben gerichtet, das ist dein Fixstern. Für die Lebenden gibt es keinen Tod." Sie hatte das eigene Leben bejahen müssen. Sie hatte den Fixstern verloren, ihren Nordstern. Kein Mensch kann dein Nordstern sein. Das Leben selbst war ihr Nordstern. Leben ist lieben. Leben war ihre größte Liebe und das bedeutete all die Kleinen und Großen Dinge zu tun für die sie Liebe empfand, die sie begeisterten. Liebe macht frei, sie herrscht nicht über einen anderen Menschen und sagt ihm nicht wie er sein soll. Sie zeigt ihm wie schön das Leben ist indem sie es rücksichtslos genießt auf eine Art die keine Etikette kennt. Das Leben hat seine eigene Etikette und die fand Andhrina weitaus schöner.

Mit den verstreichenden Tagen während derer sie sich viel Zeit nahm nicht aufzufallen, nicht da zu sein, den Tag zu verschlafen um bei Nacht und Kerzenschein in ihrem Häuschen herumzugeistern wurde es in Demselben interessanter. In den Ecken sammelten sich kleine Staubwölkchen und unter dem Bett interessante, niedliche Fusselknäuel. "Fusselgnome..." raunte sie, nachdem sie, auf demselben liegend, Kopf über darunter lugend, darauf herumlümmelte. Ausserdem schlich sich am oberen Treppenaufgang eine Mitbewohnerin ein mit der sie nach kurzem Hadern Waffenstillstand schloss. Solange "Mimi" dort oben blieb, hatten sie keinen Ärger miteinander. Wie fein und robust so ein Spinnennetz war und Mimi war sehr klein, irgendwie wollte sie diesen winzigen Raum beschützen den sie sich dieselbe genommen hatte. "Jeder braucht ein Zuhause indem er sich sicher fühlt, nicht wahr?" saß sie manchmal dort oben, auf der obersten Stufe, einen Becher warmer Honigmilch in den kleinen Händen. Sie unterhielt sich mit ihr und gerade weil Mimi sehr schweigsam war, war sie die beste Zuhörerin. Ob das Leben ihr in diesen Momenten auch lauschte? Ob die Luft ihr zuhörte, die hier und da lustig an den Fenstern rüttelte und weiße Schneeschauer daran vorüberschickte? Bestimmt.

So allein sie war, einsam fühlte sie sich nicht. Sie hätte sich kaum geborgener fühlen können auf dieser obersten Treppenstufe. Niemand der sie fragte: "Warum? Wieso? Weshalb?" Es war ihr Reich, ihr eigenes, kleines Reich mit einer Tür die man absperren konnte. Eine feste Grenze. Hier waren nur Freunde willkommen... und dann fand sie etwas. Hinter einem der losen Backsteine verborgen, gleich rechter Seite neben der Treppe. Ein paar Seiten beschriebenes Pergament. Etwas verstaubt aber doch leserlich. Eine freundliche, junge Handschrift. "Von den Zweifelstreuern"... Sie las die Geschichte mehr als ein Mal, las sie zwei, drei Mal und fand sich in ihr wieder, fand zu sich zurück. Sie war auch gerne jeden Tag Anders, liebte es frei zu sein und die Dinge um der Liebe wegen zu tun mit der sie die Dinge eben tat die sie tat. Sie wollte nicht urteilen. Mit jedem Wort und jeder Zeile fand sie ins Leben zurück. Ihr schien es die Geschichte aller Geschichten, auf eine einfache, freundliche, harmlose Art geschrieben. Sie hatte das Recht frei zu sein und kein Mensch der Welt das Recht sich über die Liebe zum Leben zu erheben.
Zuletzt geändert von Andhrina Talell am Freitag 11. Februar 2022, 07:19, insgesamt 1-mal geändert.
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Andhrina Talell
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Beitrag von Andhrina Talell »

Es gibt Zeit und Zeiten und jede Zeit hat für sich etwas wundervolles neben all dem dazwischen meint sie. Aber hier gibt es garnichts, nur Sein. Kein Gut und kein Böse, alles ist einfach nur da und darf da sein, eben so wie es geraten ist. Unter ihren Füssen leuchtet der Schnee, liegt still und heimlich über den Feldern und zwischen den Bäumen und nur der Mond erleuchtet die im Dunkeln schlafende Welt. Ein Frieden der keinen Namen braucht. Im Moment zieht sie sich gerne in diese heimelige Stille zurück die mit den dichten Wolken, die so beschützend tief hängen ihr glauben machen möchten sie säße sicher in einer grenzenlos begrenzten Weite, einer Schneekugel. Hier gibt es keine Regeln wie die Menschen Regeln machen. Hier regelt die Liebe zum Leben alles. Die einfachste Haltung ist die Schönste und obwohl es so aussieht, schläft das Leben nicht. Es erzählt seine Geschichten einfach nur ohne etwas zu sagen.

Während sich in der Ferne lustig der Rauch aus den Schornsteinen kringelt, aufsteigend zu den zwischen den Wolken hindurchspitzenden Sterne, die sie nie erreichen werden, findet sie ein leichter, alberner Gedanke: "Das sind die rauchende Köpfe der Leute die sich den ganzen Tag den Kopf zerbrechen anstatt einfach da zu sein... so wie ich manchmal." Sie lächelt schief, natürlich hat sie diese Leute gern denn dazwischen findet man immer Jemanden der träumt, der wundervolle Dinge erschafft, seine Fantasie... sie stockt. "Ist ein Bäcker ein Magier?" Auf ihre Stiefelspitzen blickend sucht sie nach der Antwort, irgendwoher kennt sie das und kennt es nicht? "Ja... er träumt etwas und dann macht er aus diesem Traum Wirklichkeit. Anders macht es ein Magier auch nicht. Er macht aus einer Sache eine Andere. Er ist ein Magier." Plötzlich verschwimmt das Dunkel vor ihren Augen, und ein paar heisse Tränen rinnen über ihre Wangen. Wer auch immer das einmal zu ihr gesagt haben mag, er fehlt ihr. Sie bleibt an diesem Ort freundlicher Tränen in sich eine ganze Weile, er fühlt sich warm an, nach braunen Augen, dann schnieft sie leise und sieht neu lächelnd hinauf zwischen die Wolken.

Der Himmel gehört allen und keinem. Bald fällt ihr Blick wieder zwischen die Bäume, die Schatten hier können niemanden ängstigen, auch sie gehören Niemandem und Niemand gehört ihnen und Niemand sieht sie selbst und keiner weiss das sie da ist. Im weißen Kleid zu ihren Füssen liegen ein paar gefrohrene Äste, Tannenzapfen und Kiefernnadeln, kaum das man sie erkennen kann. Sie ist ein paar Schritte gegangen lauscht dem fast ohrenbetäubenden Knarren des Schnee's unter ihren Stiefeln, dann bleibt sie stehn und lauscht. Hier und da hört man das leise Rieseln sich lösender Flöckchen die sich vom schwer und tief hängenden Grün lösen und irgendwo weit hinten im Dickicht knarrt das Geäst. Auf das rasche Flattern von Flügeln, erst nur ein grosser Schatten der ihren Blick unversehens einfängt huscht eine Eule durchs Dunkel und ihr freundlicher Ruf erinnert sie an etwas wie Träume. Piraten und Spukgeschichten, ein König der König war weil er keiner hatte sein wollen. Ein alter Magier mit großem, grauem, spitzem Hut. Bibliotheken die da sind ohne da zu sein und bodenlose Beutel in die man hineinfallen konnte um, wenn man Pech hatte, nicht mehr allein herauszufinden. Dort wo niemand zusieht... Weisheit die mit Liebe gesponnen ist. Leben das still und heimlich, immer einen Weg findet...

Man hört es am besten wenn es ganz still ist, meint sie. Entgeht dir sonst das Wesentliche? Ja... Ein findiges Eichhörnchen huscht über den Schnee und lustig einen Baum hinauf um in einem kleinen Loch zu verschwinden, noch ein kleiner Schatten, der sich hier wohl fühlt. Nachdem sie dem Wald und der Wald ihr eine Weile gelauscht haben, obwohl sie ganz still war, nur leises Knarren ringsherum vom Wiegen der schlanken, gerade aufstrebenden Nadelbäume die sich im Wind dort oben sacht wiegen, bemerkt sie einen großen Schatten um den herum es lichter ist und durch dessen laublose Arme der Mond scheint. Die knorrigen, starken Äste hängen so tief das es ihr vorkommt wie eine freundliche Einladung sich eine Weile zu ihm zu gesellen.

Nicht bloß ihr Herz lächelt auf und so lässt sie sich nicht lange bitten, erklettert einen nahen, wilden Stein der eigentlich Moosbewachsen jetzt unter der Decke des Himmels liegt und balanciert über den sich verbreiternden Steg hinauf. Von dort ist es leicht sich weiter nach oben zu arbeiten und während sie klettert spürt sie in sich das Leben erwachen, diese Freude, fast kindlich und doch ganz ohne Zeit und ohne Zeitgefühl. Auf halbem Weg zieht sie die Handschuhe aus obwohl es schrecklich kalt ist aber sie will ihn spüren, die raue Rinde die dem Baum gehört. Das hier ist Leben. Wie gut es tut wenn Niemand auf einen wartet wenn all ihre Zeit nur ihr gehört.

Da sich die Äste nach oben hin lichten bleibt sie auf halber Höhe und besieht sich das vor ihr liegende, lichte, im Mondschein liegende Leben. Sie atmet ein oder zwei Mal tief durch, lacht leise in die Nacht hinein und bald zum Sitzen gekommen legt sie die Hände an den Mund und schickt ihr eigenes "Schuhu Schuhu" in die Nacht. Das zweite Mal heute nachdem sie Junkersteyn verlassen hat. Bald darauf findet sie in der kleinen, eingelassenen Tasche ihres wollenen Überrocks eine Kastanie, noch vom Herbst. Sie lächelt und legt sie neben sich. Ohne zu wissen warum möchte sie sie hier lassen. Vielleicht findet sie Jemand. Dann wird es wieder still und ein zufriedenes Glück wärmt Rina innerlich aber ihre Gedanken sind auch bei ihren Freunden...

Leicht hat es wer das Leben annehmen kann wie es ist
und wen liebt man mehr als den der dich so nimmt wie du bist...
Zuletzt geändert von Andhrina Talell am Samstag 12. Februar 2022, 09:53, insgesamt 4-mal geändert.
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Andhrina Talell
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Beitrag von Andhrina Talell »

Leise rüttelte der Wind an den Fenstern und wie sie meinte allein zu sein hatte sie doch das Gefühl umgeben zu sein von etwas das, selbst dann wenn sie nicht darauf Acht gab, immer um sie war. Etwas wo zwischen sich niemand zu drängeln hatte. Eben hatte sie das Wasser für den Tee aufgesetzt, da fand ein leises Kratzen von der Tür her an ihr Ohr. Sie durchwanderte den Flur und öffnete die Selbe einen Spalt nur um zwei großen, warmen Knopfaugen entgegen zu blicken in denen dieser, sanfte, treue Glanz lag wie man ihm nur in den Augen von Tieren begegnet. Der kleine Streuner richtete sich auf, die Vorderpfoten auf das Holz der Tür gesetzt und forderte nach ihrer Hand und nach den zärtlichen Streicheleinheiten der Selben. Sie tat mehr, ging in die Hocke und hob ihn auf um ihn in die vom Kaminfeuer heimelig durchwärmte Stube zu tragen wofür er ihr ein Schnurren entgegenbrachte. In ihrer Geschichte hatte er seine eigene kleine Geschichte, so wie ihre Geschichte Teil anderer Geschichten waren. Sie wollte einer der besseren Teile darin sein.

Den Schatten der nicht ihrer war, war sie noch nicht ganz losgeworden und manchmal erkannte sie sich im Spiegel wie sie sich nicht darin erkannte. Sie war noch die Selbe und doch ganz anders. Frei. Dieser Sturm der sie da eingeholt hatte, der durch ihr Leben gebraust war mit seinen Stürmen und Gewittern, er hatte sich gelegt. Die Stille danach war so ohrenbetäubend, so fremd obwohl bekannt, das sie fast nicht los hatte lassen können, immer noch etwas mehr erwartend und zugleich doch hoffend das möge es gewesen sein. Das Leben in ihr erneuerte sich. Zunächst war da viel Platz für Niedergeschlagenheit, viel Platz für eine Art gerechter Wut, die warm in ihrem Bauch lag, brodelnd ohne ausbrechen zu wollen. Sie war nicht mürbe. Es war als müsse der Kampf den sie geführt hatte, sich wie aufgewühlte Meereswogen in ihr legen und was übrig blieb war das Gefühl von Genugtuung. Es war gerecht gewesen.

Auf dem kleinen Stuhl vor der Küche sitzend hatte sich das Fellknäuel in ihre Arme gekuschelt, die Nase in ihre Achselhöhle stubsend, schnurrte er vor sich hin. Einstweilen lag seine Schwester irgendwo oben, vermutlich auf dem Bett, wo sie vor sich hinträumte wie Rina das manchmal tat. Sie war wütend gewesen und das war eine beschönigte Umschreibung all dessen was sie erlebt hatte. Warum dachte sie immer die Klügere sein zu müssen. Nicht in der Weise das sie alles besser wusste sondern in der Weise einer Vorbildfunktion. "Wenn Du dich selbst vergisst dann bleibe ich ruhig und mir meiner Selbst bewusst..., Wenn du mich schlägst halte ich dir auch die andere Wange hin denn nicht ich bin es die einen Mangel leidet, an Verständnis, an Liebe, an Selbstbewusstsein." Sie konnte sich sehr gut in Andere hineinversetzen aber das war nicht recht. Es war nicht Recht zu helfen, vor allem dann nicht wenn Jemand nicht darum gebeten hatte und selbst wenn er bat, wie könnte sie. Sie war nicht das Leben. Das Leben fand immer Möglichkeiten, sie ließ sich nur leiten.

Sie übernahm keine Verantwortung, für Niemanden. Täte sie das würde sie alle zu kleinen Kindern erziehen. Wenn sie überhaupt etwas antrieb dann war das ein warmes Gefühl von Stärke, von Liebe, von gutem Willen. Aber was wollte sie mit all diesen Worten. Viele davon waren entstellt. Was war Liebe für die Leute. Ihre Mutter oder ihr Vater, irgendein Greiß mit einem langen, weißen Bart. Temora oder ihre Tochter. Wo war ihre Selbstverantwortlichkeit. Sie vertraute auf das Leben und Niemandem würde es helfen sie nachzuahmen. Das Leben hatte nunmal für Jeden einen eigenen Weg und überhaupt was war das, ihr die Schuld zu geben an etwas das Jemand Anderes verursacht hatte. Es war wie: "Ich schlage mir mit dem Hammer auf den Daumen und Dir gebe ich die Schuld." Indem man Schuld abgab, gab man auch Selbstbestimmtheit ab. Man gab dem Anderen Macht und die wollte sie nicht haben und Niemand konnte sie ihr aufzwingen. Ich bin nicht für Dich verantwortlich. Wenn sie einen Fehler machte, war das ihre Sache. Wenn sie weinte, war das ihre Sache. Es gehörte ihr. Sie gönnte den Anderen die Fürsorge nicht. Wenn Jemand Mitgefühl zeigen wollte, musste er ersteinmal fragen ob das gewünscht war. Er brauchte eine Erlaubnis. Sie mischte sich nicht in das Leben Anderer ein auch wenn sie hier und da darüber nachdachte, vielleicht auch um etwas über sich selbst zu lernen. "Was hätte ich getan..." Aber das war reine Spekulation. Eigentlich brachte ihr das nichts. "Nein... ich kümmere mich um meine Geschichte."

Und jetzt? Sie erwartete nichts...
"Erwartungen machen Dich klein,
einsam und abhängig..."
Buch der Hüter II
Zuletzt geändert von Andhrina Talell am Freitag 18. Februar 2022, 06:02, insgesamt 2-mal geändert.
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Andhrina Talell
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Beitrag von Andhrina Talell »

Mal aufzüngelnd, mal sich duckend whispert das Flüstern des Kaminfeuers durch den kleinen Raum indem verstreut ein buntes Durcheinander aus weichen Kissen liegt, die meisten türkisfarben, eine Erinnerung an das Leben. In Gedanken und Träume gebundene Bücher bewohnen die Regale. Märchen und Weisheit treffen sich, aber was macht ein Märchen aus wenn nicht Weisheit die mit Liebe gesponnen ist, mit der Liebe zu dir, zu mir, zueinander. Du bist der Mittelpunkt deiner Welt, und wie sie bist Du einfach da. Noch war ihre Büchersammlung klein und in den Hort des Wissens hatte sie es auch noch nicht geschafft. Den Ort betreffend beschlichen sie unheilvolle Gefühle. Ihm haftete etwas wie ein Makel an, ein Unheil und eine Traurigkeit, Augen die nur sich selbst sahen. Auf ihrem Weg durch diese Gefühle findet sie aber auch das Glück das dort eigentlich Zuhause ist und in ihrem Magen breitet sich ein warmes Gefühl aus von Liebe und Frohsinn. Plötzlich fühlt es sich gerecht an was geschehen ist. "Gerecht?" Für diese Sicht würde man sie wohl verurteilen aber sie urteilt nicht, sie urteilt nicht über das Leben. Manchmal sind wir Werkzeuge und manchmal macht uns ein Unheil frei, gibt uns eine neue Möglichkeit.

In der Wahrheit liegt Freiheit und Liebe, in der Wahrheit verliert sich die Angst das etwas, auch wenn es ein Unheil ist, zu unserem Schaden sein könnte. Das ist es nie. "Bleib der Liebe treu dann bleibt dir auch das Leben treu." Momentan fiel es ihr schwer sich in Richtung Heilerhaus zu wenden, sie mied es. Darin war etwas das Schmerz war, der Schmerz einer Heilerin, gut versteckt. Verzweiflung, etwas schlüpfriges, eine gebrochene Nase... sie fühlt sie fast am eigenen Leib und streicht sich mit den kleinen Fingern, ein Buch im Arm, fast ein wenig selbstvergessen über den eigenen Nasenrücken, dann legt sie die Hand an ihre Wange und blickt eine Weile selbstvergessen in den Raum nur um bald den Blick zu senken. Unter einem Kopfschütteln lächelnd, noch leicht befangen, stellt sie das Buch zurück. Es ist ein Lächeln das gleich wieder zerronnen ist. Nein, erstmal nicht dorthin. Erstmal nicht... Im eigenen Geist, wie im Traumbild, beschaut sie sich kurz die Räume mit dem Herzen und meint darin wohne etwas wie ein böser Geist. Ein Beobachter. Ein Drama. Sie will dort nicht hin. Dann blinzelt sie und sieht sich nach ihren vier Wänden um. Wärme, Treue und Träume, warme Kerzen mit kleinen Muscheln verschönert und nur ein wenig später entführt sie das Rauschen des Flusslaufes der all das hinwegspühlt.

Als sie wieder aufblickt hat sie ein neues Bewusstsein für den Sonnenschein der durch die leicht staubigen Fenster fällt und in dessen Schein winzige Flusen tanzen. Sie richtet den Blick auf ihre Freunde und zum Packt, auf ihre eigene Geschichte die sie mitgebracht hat, wie sie sich selbst mitgebracht hat. "Behüte... Liebe und Weisheit." Sie ist sicher, hier gibt es nichts das sie ängstigen muss, das Leben ist auf ihrer Seite weil sie auf seiner Seite ist, dazu gehört auch die Liebe zu denen die sie verloren hat. Diese Liebe ist bei ihr und trägt sie. "Glück in den Tag..." raunt sie lächelnd. "Und jetzt erstmal ein Glas Kakao..."
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