Träume

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Tajara Nair
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Registriert: Montag 28. August 2006, 16:57

Beitrag von Tajara Nair »

Es gibt zwei Arten von Träumen.

Die einen kommen nachts, und die wenigsten vermögen sie zu steuern. Gute Träume sorgen für einen ruhigen Schlaf, böse Träume edoch lassen einen nicht schlafen. Sie schleichen sich heran wie ein Feind, und sie gehen nur wenn sie es wollen. Tajara hatte fast ede nacht eine solche Gehabt, bis vor kurzem.

Dann gibt es noch diese Art von Träumen, die man tagsüber träumt. Man verflüchtigt sich zu ihnen, wenn einem langweilig ist, oder wenn man in Gedanken so weit abdriftet, dass man nicht anders kann als ihnen zu begegnen. Das sind zumeist gute Träume, denn diese kann man sich aussuchen.

Seit Tajara nachts diese Träume nicht mehr hatte, was an diesem Trank liegen mochte, konnte sie ihren Tag damit verbringen, ihre eigenen träume zu schreiben, so wie die Geschichten, welche sie gerne als Kind gehört hatte und selbst erzählte.

Das Problem, dass sie nicht lesen konnte war tatsächlich daran beteiligt, dass sie nie auf die Idee kam, selbst Geschichten zu schreiben, Geschichten die sie gerne ihrer Schwester als Kind im Bett erzählt hatte, als sie noch ünger war.

Wo der Geschichtenerzähler jetzt auch sein mochte, mochte er Zuhörer - Kinder, Erwachsene und Alte gleichermaßen mit seiner Stimme verzücken, genauso wie sie es gerne getan hätte.

Also saß sie tagsüber am feuer und ersann selbst Geschichten. Fragen, die sie nicht beantworten konnte, sowie die Frage, wer denn den Mond am Himmel aufgehängt habe... Und sie überlegte. Wie hätte es sein können?

Gleich ob diese Geschichte der Wahrheit nicht entsprechen wollte - sie diente einem - der Unterhaltung. Und Freude zu schenken war wohl das wertvollste Gut auf erden.

So sann sie weiter in ihren Träumen und überlegte, doch nicht auch mal ihre Geschichte vom Anfang an zu erzählen. Dioch gab es Dinge, die sie vielleicht nicht jedem anvertrauen konnte, nicht wegen mangelndem Vertrauens, sondern ihres Stolzes wegen.

Die Besserung ihrer Laune brachte den Nebeneffekt der Nachdenklichkeit mit sich.

Vielleicht war es an der Zeit aufhören zu trauern. Milo war tot - er war für sie gestorben - er wusste dass sie ihn bis zuletzt geliebt hatte - selbst jetzt noch würde sie ihn nicht vergessen können.

Das Leben ging nun weiter, und sie hatte ein Leben wieder. Sie hatte sich richtig entschieden als sie beschlossen hatte, sich ihr Leben nicht zu nehmen. Es gab nun wieder so etwas wie Hoffnung und Zukunft in ihrem Leben. Und darüber war sie froher, als man es ihr vielleicht anmerken wollte.
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Tajara Nair
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Beitrag von Tajara Nair »

Als Regado diesen Trank auf sie warf ahnte sie noch nichts von dem Schrecken dieses Tages, der viel Leid mit sich brachte - und dan auch eine Erleuchtung.

Säure hätte es gewesen sein sollen, doch brannte sie nicht einfach auf ihrer Haut sondern ließ sie zusammenzucken. Sie krümmte sich im stehen, als knicke sie ein, doch irgendwann verflog dieser Schrecken, als Regado bereits weg war und seine vermeintliche Rache an ihr genommen hatte.

Vermutlich wäre es schneller geschehen, hätte dieser Lamiro ihr nicht etwas geholfen um sich wieder aufzurichten. Dieses Gas verflüchtigte sich schnell in der Luft und in ihrem Körper.

Was sie nicht ahnen konnte war, dass es wohl mit etwas gestreckt wurde, so dass es sich langsam in ihrem Körper ausbreitete, ihre Sinneswahrnehmungen langsam aber stetig trübte und so den Tod nur um Stunden herauszögerte. Eine sehr böse Substanz die dem Feind einen äußerst qualvollen Tod bescheren würde.

Sie hatte ihre Rache gehabt, auf alle fälle war Regados Mantel kaputt, und das Pfeilgift von Alassea wirkte in der Tat nur kurz. Sie war sehr fähig, und sie war gut in dem was sie tat, was Tajara immer an ihr geschätzt hatte.

Zum späten nachmittag hin nahm ihre merkwürdige Erschöpfung langsam zu, sie sah ab und an doppelbilder, manchmal redeten die Stimmen auf sie ein,a ls wären sie aus weiter ferne, und sie verspürte eine Müdigkeit und eine Atemnot, we sie sie auf diese Weise noch nie zuvor gespürt hatte. Das Gift, es schien wohl toxisch zu wirken, breitete sich immer mehr aus.

Mit etwas Schlaf, dachte sie, würde sie das hinbekommen, doch so war es nicht. Sie konnte nicht schlafen weil ihr das Atmen immer schwerer fiel. Ihre Kehle wurde nicht zugeschnürt, es war, als würde der Reflex zum Atmen ausbleiben.

Irgendwann kam die Übelkeit und sie eilte hinaus und übergab sich, genau in enem Moment als eine gewisse Florence von Stolzenfels Marye einen Besuch abstattete.

Da kam Alassea, und sie beorderte Tajara ins Zelt, wo sie wartete, vergeblich Versuchend nach Atem zu ringen.

Doch auch sie konnte nichts machen. Alassea sagte es nicht, doch Tajara wusste es. Sie müsse sterben, wenn nicht bald das Blut getauscht würde oder sonstiges.

Ihr Geist schwebte bereits davon. Sterben - ich muss sterben!, dachte sie. Aber es war noch nicht an der Zeit. Wenn sie sterben wollte, dann solle es ihre Entscheidung sein, den Zeitpunkt zu wählen, doch der war noch nicht gekommen!

Als ein Schamane kam, und das waren einige der letzten Erinnerungsfetzen die ihr zukünftig bleiben sollten, erinnerte sie sich nur noch an Rauch, Rasseln und einem grünen Licht, einer sich ausbreitenden Blutlache und einer Reise - welcher Reise konnte sie nicht sagen. Für sie schien es nur noch ein Wort zu geben - Tod. Ich bin tot - Es ist vorbei.

Was säter passierte wusste sie nicht mehr. Denn sie erwachte in ihrem Bett, aufgewacht nach einem langen schlaf. Es war bereits morgen, als sie erwachte.

Sie konnte es anfangs nicht glauben, dass sie wieder frei atmen konnte. Sie dachte, sie wäre bereits tot, doch alles fühlte sich so real an - sie war am Leben. Immer noch geschwächt, aber dieses Gefühl der Taubheit in ihr war verschwunden.

Eine Erinnerung blieb in ihr. War es ein Traum oder war sie dem Tod so nahe, dass sie Milo vor sich sah - sie wusste es nicht - aber er schien ihr so real zu sein.

--

Es ist Sommer. Sie sitzt in einem kleinen Holzboot das vom Wind auf einem kleinen Teich mitten im Wald entlanggetrieben wird. Der Himmel strahlt im Azur, und morgentliche Frische liegt in der Luft. Die Sonne steht gerade über der höchsten Baumspitze des Ufers am anderen Ende, und die Blätter der Bume des Ufers vor ihr werden angestrahlt, sie leuchten in einem jungen intensiven Grün - die Vögel singen ein bezauberndes Lied und die Wellen am Wasser tanzen scheinbar genau zu dieser.

Sie fühlt Frieden und Stille; eigentlich will sie nie wieder etwas anderes als diese Idylle. Wie lange sie einfach dasitzt und sich umblickt kann sie nicht sagen. Zeit spielt keine Rolle, sie ist eine Konstante die hier keine Rolle mehr spielt.

Und da sieht sie am Ufer vor ihr Milo stehen. Er trägt dieselbe Kleidung wie am Tage seines Todes, und er winkt ihr zu, er scheint wohl glücklich zu sein.

Am liebsten würde sie jetzt aufspringen und ins kalte Wasser springen und die zwanzig Meter zu ihm schwimmen, doch sei es die warme Sonne an ihrem Rücken, die sie davon abhält oder eine innere Stimme... Sie tut es nicht.

Es ist auch nicht nötig, denn ein wink von Milo treibt ihr Boot wie von selbst zu ihm ans Ufer.

Er hält Tajara eine Hand hin - ruhig ergreift sie diese. Sie ist warm und umschließt die ihre. Sie steigt auf dem boot und starrt Milo mit großen Augen an.

"Ist es das Ende? Sind wir jetzt auf ewig zusammen?" fragt sie nur - die einzige Frage die in ihr diese Zeit aufgekeimt ist.

"Wir werden wieder zusammen sein Mädchen. Wir werden eines Tages wieder hier stehen. Doch die Zeit ist noch nicht gekommen. Du bist noch nicht dazu bestimmt, dieses Ufer zu überschreiten."

"Aber ich bin doch tot."

"Du wirst lebendiger sein, als das ahr zuvor, da du bereits tot warst. Dein Leben fängt gerade erst an, und ich will nicht länger, dass du dich grämst mein Veilchen."

Tränen laufen ihr über die Augen. "Aber ich will hier bleiben - bei dir."

"Du bist immer bei mir. Trauere nicht länger um mich - frohlocke und erfreue dich deines Lebens. Deine Zeit auf dieser Welt ist noch lange nicht vorbei, doch auch sie wird eines Tages enden, und dann werden wir zwei, so wie wir jetzt sind, wieder hier stehen. Ich werde auf dich warten."

Plötzlich fühlt sie etwas an ihr Zerren. Gerade noch versucht sie Milos Hand fester zu halten, doch er lächelt nur und löst den Griff um die ihre. Als wäre sie einem Traum entrissen befindet sie sich wieder im Zustand des Schlafes


--

Obgleich es ein Traum war - für sie war es mehr als ein solcher. Eines wurde ihr nach dieser Nacht und ihrem Leid klar.

Auch wenn sie kaum Kraft fand, so stolperte sie barfuß und nur mit ihrem Nachthemd bekleidet hinaus.

Gut, alle waren weg oder schliefen noch. So setzte sie sich ans Feuer und begann einfach zu weinen.

Sie weinte hörbar, und sie weinte viel - sie weinte Lange und die Tränen flossen nur so in Strömen.

Warum sie weinte konnte sie nicht mehr sagen. War es der endgültige Abschied von Milo in diesem Leben? Es war egal. Denn mit eder Träne die sie vergoss schien der Schmerz aus ihr zu entweichen - so wie Gift das aus einer Wunde gesaugt wird.

Und als sie endlich zu weinen aufhörte erhob sie sich. Die letzten Tränen versickerten im Gras und sie stand aufrecht da.

Für Tajara hatte in diesem Moment - in diesem Augenblick ein neuer Lebensabschnitt begonnen. Und auch wenn sie niemandem davon erzählte, auch wenn es wohl niemand der Gefährtinnen bemerkte - es war einer der wichtigsten Tage ihres Lebens.
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Tajara Nair
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Beitrag von Tajara Nair »

Es gibt Träume die nehmen kein Ende.
Es gibt Träume, die haben kein Ende.
Es gibt Träume, die enden mit Schrecken.
Es gibt Träume, die enden mit einem Lachen.
Und es gibt Träume, die werden wahr.

Vor etwa einem Monat hatte Tajara noch keine Zukunft. Jeder Tag hätte ihr letzter sein können - und jeder Tag war ihr letzter aus ihrer Sicht.

Doch nun, da sie bei den Gefährtinnen war wusste sie eines. - es gibt Träume, die wahr wurden.

Sie hatte eine Familie gefunden, und seit diesem heutigen Abend war sie ein volles Mitglied dieser Familie.

Klar - das Blut das sie abgeben und dann noch vermengt mit dem der anderen trinken musste brachte sie beinahe dazu, erneut zu kotzen - es war etwas, das sie ungern nochmal erleben mochte - aber dieser Abend schloss an den letzten Tag in seiner Bedeutsamkeit direkt nach.

Und noch eines war wichtig. Denn nun brauchte sie kein Schlafmittel mehr um friedlich schlafen zu können. Sie hatte ihren Frieden gemacht.

Es fing bereits am Vortag an, als sie in Bajard waren. Taara ging zu ihrer Mutter die betrunken wie immer dasaß. Die Unterredung war freudlos wie immer.

Eigentlich ging es Tajara weniger um die Liebe zu ihr als um mutters Liebe zu Tajara - Doch als sie von Kyra erfuhr, was sie getan hatte brannte es in ihr auf.

Und sie sagte es kurz und bündig. "ich weiß was du Ky angetan hast. Warum? Weil sie meine Schwester ist - und stell dir vor, ich habe 13 weitere Schwestern dazugewonnen. Und jede gibt mir mehr als du es in der Lage bist!" "Fein, dann geh doch zu deiner ach so geliebten Waldweiberbrut!" Die Gehässigkeit in ihrem Ton war mehr als deutlich - doch ruhig ging sie.

Nun wachte sie aber wieder mitten in der Nacht auf. Allerdings nicht aus dem Grund, da sie einen Albtraum hatte, sondern weil sie glücklich war.

Sie starrte zu den Sternen hoch - diese herrliche Ruhe. Vergessen war Ärger mit Zwergen, vergessen war Ärger mit Regado.

Sie fuhr sich über ihren Wappenrock auf dem nun das Symbol der Gefährtinnen eingestickt war. Morgen würde sie in dieser Tracht
aufs Festland reisen, denn sie war stolz auf das was sie nun war, stolz auf ihre Zugehörigkeit, stolz auf ihre Schwestern, stolz ein Teil dieser Gemeinschaft sein zu dürfen.

Es galt, Söldner zu suchen, Kopfgeldjäger, Krieger die nach Geld strebten. Denn sie sollten Regado finden, sofern sie es nicht selbst tat.

Morgen würde sie nach längerem wieder mal das Festland bereisen - und gleich was kommen würde, sie würde zu dem stehen was sie war - eine Schwester!

Ja - manche Träume werden wahr - auch welche, die man nie erträumt hatte - doch es gab sie. Träume waren vielfältig, so unzählig wie die Sterne am Himmel, die man nicht zu zählen vermochte.

Als eine Sternschnuppe am Himmel entlangflog dachte sie noch, dass es ein Zeichen war.

Gleich was kommen würde, ein Traum ist wahr geworden, und dieser Traum war ein guter.
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