Vorbilder - oder eine andere Seite der Templer

Antworten
Lucenius van Sareth

Vorbilder - oder eine andere Seite der Templer

Beitrag von Lucenius van Sareth »

Seid drei Tagen tobt schon die Schlacht vor den Toren von Dunkelfels, und da ich bereits am ersten Tag der Schlacht so schwer verletzt wurde, dass mir die Heiler verboten haben weiter meine Fähigkeiten im Kampf zu nutzen, will ich die ungewollte Ruhe dafür nutzen und davon berichten, was am Morgen vor der Schlacht geschah auf den Wiesen vor Dunkelfels.

Ich will von vorn beginnen, um dem Leser erkenntlich zu machen aus welcher Feder dieses Pergament stammt. Mein Name ist Kaede Hofenstein und ich bin jetzt seid drei Jahren Schülerin des Klosters nahe des Bärenwaldes. Vor wenigen Wochen ereilte unsere Pforten der Ruft des nahen Klosters von Dunkelfels, welch ein irreführender Name für ein Kloster das Hoher Templer der Herrin leitet, der ein Vorbild für einen jeden Templer sein könnte. Selten habe ich einen Diener der Herrin mit einer solchen Ausstahlung gesehen und noch seltener einen Diener mit einer solchen Sicherheit im Umgang mit Menschen. Sei es im Wort oder sei es - bedauerlicherweise - im Umgang mit dem Streitkolben. Von ihm persönlich stammte also der Ruf nach weiteren Templern für Dunkelfels. Mehrere Diener der Herrin, darunter er selber hatten Visionen von einer brennenden Stadt und Michael selber hatte darin seine Heimatstadt Dunkelfels erkannt. Und so brachen sieben Templer unseres Kloster auf, begleitet von sieben mal sieben Paladinen der Herrin Temora um unserem Bruder zu Hilfe zu eilen. Dunkelfels war immer eine unbedeutende Garnisionstadt am Fuße eines Berges gewesen. Selten bekam man in der Hauptstadt des Reiches Botschaft von dort. Doch den Hilferuf aus dem dortigen Kloster konnte auch hier niemand verwehren.

Es dauerte sechs Wochenläufe bis unsere Gesandtschaft in Dunkelfels ankam. Wo immer wir an einem Dorf oder eine Stadt kamen erregten wir Aufsehen. Kinder jubelten den Paladinen zu und präsentierten ihr Geschick mit dem Holzschwert. Bauern und einfache Bürger ersuchten bei uns Templern nach dem Segen der Herrin, den wir gern bereit waren zu geben. Je näher unser Zug nach Dunkelfels kam um so disziplinierter schienen die Bürger zu werden. Zwar erwarteten sie noch immer unsere Ankunft, die sich offenbar wie ein Lauffeuer entlang unseres Weges verbreitete, doch hielten sie sich in Respekt vor unserem Zuge zurück und erbaten demütig unseren Segen. Selbst die Kinder senkten Haupt und Holzschwert, wenn wir uns näherten. Und keines der Kinder schrie übermütig heraus, es wolle eines Tages auch ein Paladin unserer Herrin werden. Später erfuhren wir, dass Michael von Dunkelfels schon den kleinsten Bürgern der Städte und Dörfer das Folgen der Tugenden beibringen ließ. In einem, wenn auch bedauerlicherweise kurzem, Gespräch nannte seine Hochwürden von Dunkelfels seine Gründe dafür. "Rein werden sie geboren, wie die sieben Kinder der Temora. Im Alter wenden sie sich von den Tugenden ab und immer weiter hin zu den Untugenden des Panthers. Und so ist es an uns ihnen so früh wie möglich den Weg hin zu den Tugenden zu zeigen, aufdass sie diese nie aus den Augen verlieren. Ein Mensch soll so rein bleiben wie er es zu seiner Geburt ist, Schwester Kaede." Wir erreichten Dunkelfels und viele trauten ihren Augen kaum. Ich, wie auch meine Brüder und Schwestern, erwarteten das Kloster abseit der Stadt. Seid ich Schülerin der Herrin bin wird mir gelehrt, das wir die Menschen nur den Glauben lehren sollen, ihnen aber den Weg des Lebens und des Herrschens nicht vorschreiben. Darum liegt auch unser Kloster nicht in der Hauptstadt des Reiches sondern abseits, nahe des Bärenwaldes.

Das Kloster von Hochwürden Michael von Dunkelfels bildete aber das Zentrum der Stadt. "So wären weltliche und kirchliche Macht vereint. Denn beides ist nicht zu trennen. Ein Herrscher, der nicht an Temora glaubt und ihren Tugenden folgt, ist ein schlechter Herrscher. Der Mittelpunkt einer Stadt ist das Stadtzentrum. Dieser stellt den Lebensmittelpunkt der Bewohner dar. Der Mittelpunkt des Lebens muss der Glauben an unsere Herrin Temora sein und das Streben nach den sieben Tugenden. Ihr seht also, ich habe den Mittelpunkt der Stadt mit dem Mittelpunkt des Lebens vereint, Brüder und Schwestern." sagte Hochwürden Michael, als man ihn zum Platz des Klosters fragte. Wir wurden freundlich von den Akoluthen empfangen, und in diesen Tagen konnten einige wahrhaft beweisen, das sie bereit waren zu dienen. 49 Pferde zu versorgen war eine riesige Arbeit für fünf so junge Menschen, doch ich muss sagen auch wenn diese Fünf während unserem Aufenthalt fast zu keiner anderen Arbeit kamen, sie erledigten es immer mit Freude und Ehrgeiz. Sie schafften es irgendwie sogar noch am Abend das Essen aufzutischen. Michael lies an diesem Abend, es sollte der letzte vor der Schlacht werden, Brot und Wasser auftischen. Als die ersten Paladine ihre Stimme gegen das karge Mahl erhoben, durchdrang Michaels Stimme die Halle des Klosters, die zum Speisesaal umgebaut wurde. "Seht meine Herren. Ihr alle kennt die Tugend der Demut. Eines jeden Dieners Seele hat den gleichen Wert. Ein jeder Mensch, der an Temora glaubt und ihren Tugenden folgt hat den gleichen Wert. Ihr erinnert Euch sicher daran, das zu meinem Bedauern an einigen Straßenecken Bettler stehen, die nach Brot bitten. Wie könntet Ihr es mit Eurem Gewissen und vor allem, wie könntet Ihr es mit Eurem Weg der Tugendhaftigkeit vereinbaren, wenn Ihr mehr und besser eßt als diese Bettler, meine Herren?" Den Rest des Abend verbrachte man mit leisem Gemurmel. Die Stimme gegen Michael zu erheben wagte in den Hallen seines Klosters aber niemand mehr. So karg wie das Abendmahl war, so einfach waren auch die Unterkünfte unserer Reisegemeinschaft. Einige Bürger der Stadt wurden ausgewählt unsere Reisezelte vor den Toren zu errichten und die Paladine, ebenso wie die mitgereisten Templer schliefen in dieser Nacht auf dem Feld vor den Stadttoren. Selbst Hochwürden Michael und seine Brüder des Klosters liessen ein Zelt vor der Stadt errichten um gemeinsam mit uns zu nächtigen.

Mitten in der Nacht wurden wir von Hornstößen geweckt, die von den Wehrtürmen der Stadt ausgestoßen wurden, als Warnung vor dem, was uns vom Berg aus entgegenkam. Im Licht des Mondes erkannten wir am Horizont, dort wo das Gebirgen einen Durchgang hatte, etwa hundert Schritt breit, bewegte sich eine Armee auf die Stadt zu. "In den Morgenstunden wird diese Armee Dunkelfels erreichen. In meinen Träumen brannte Dunkelfels. Das war auch der Grund, warum ich das Kloster Bärenwald um Hilfe bat. So treu und tugendhaft meine Männer auch sind, wir schätzen den Feind auf zwei- bis dreihundert Mann. Unsere kleine und zugegeben schlecht ausgerüstete Truppe von Bauern und Handwerkern wird dem kaum genug entgegensetzen können. Denoch dürfen wir nicht zulassen, das diese Truppe, die unter dem Banner des Panthers reitet Dunkelfels einnimmt. Schlaft Brüder, bis das Horn ertönt, dann ziehen wir in den Kampf gegen die Schergen des Panthers."

Noch bevor die Sonne aufging herrschte reges Treiben im Heerlager vor der Stadt. In der Nacht waren offenbar die Bürger Sareths bewaffnet worden. Unsicherheit war in den Gesichtern der einfachen Bürger erkennen. Es war das erste mal in ihrem Leben, das Sareth von einer solchen Truppe angegriffen worde, deren Trommeln man bis in die Weite vor der Stadt hörte. Das Schlagen der Waffen auf die Schilde schürte diese Angst nur noch. Im Gegensatz dazu der Anblick der Paladine. Fünfzig gerüstete und bewaffnete Paladine auf geschulten Streitrossen boten ein Bild dar, das keiner der Anwesenden je vergessen würde. Stolze Reiter, die mit erhobenem Haupt in Richtung der anstürmenden Armee blickten. Viele murmelten leise Gebete an unsere Herrin. Als die Sonne ihre Bahn an den Himmel zog, färbte sie das Feld in ein eigenartiges rötliches Licht. Die Geräusche der nahenden Armee wurde immer lauter, und es war nur eine Frage von Stunden bis diese hier eintreffen würden. Einige Augenblicke später verstummte mit einem Mal das gesamte Heerlager vor Sareth und leise Hufschläge schallten über den Boden. Michael von Dunkelfels ritt auf einem strahlend weißen Schimmel durch das Lager, und wo der Reiter auftauchte gingen die Menschen auseinander um ungehindert seinen Weg reiten zu lassen. Hochwürden Michael war an diesem Morgen in ein diamantenes Kettenhemd gekleidet, das im Licht der aufgehenden Sonne einen leichten rötlichen Glanz ausstrahlte. Nur das Symbol unserer Herrin auf seinem Wappenrock stach noch hervor. Auf seinem Schild prankte in weiß auf blauem Grund das selbe Symbol. Ich muss sagen, das selbst neben dem beeindruckenden Bild von fünfzig Paladinen der Anblick des gerüsteten Hohetemplers etwas Besonderes war. Ich zumindest werde dieses Bild mein Leben lang nicht vergessen. Die Predigt, die der Klostervorsteher von Dunkelfels nun aber hielt war noch um einiges beeindruckender. Einige Soldaten, die ich hier im Krankenzelt getroffen habe, berichteten mir davon, das sie selbst in der letzten Reihe seine Stimme so klar verstanden als hätte Michael vor ihnen gestanden. Und selbst im Krankenbett, mit klaffenden Fleischwunden und gebrochenen Knochen zauberte die Erinnerung an ihn ein Lächeln auf die gequälten Gesichter der Menschen.

Michael hatte sich seinen Weg an die Front des Heerlagers gebahnt, stand nun zwischen den Mannen Sareths und der Armee des Panthers. Er richtete sich in den Steigbügeln seines Rosses auf und ein Raunen ging durch die Menge der Bürger Dunkelfels. Auch die Paladine wendeten ihre Pferde und blickten erwartungsvoll zum Hochen Templer. Ich kann mich noch heute an seine Predigt erinnern, fast Wort für Wort und so will ich versuchen sie hier zu Papier zu bringen.
„Bürger von Dunkelfels, Brüder aus dem Kloster Bärenwald. Seht Euch an, warum Ihr heute in den Krieg ziehen werdet. Seht Euch an, wer Euer Gegner sein wird heute und in den nächsten Tagen. Diese Schlacht wird nicht in einem Tag beendet sein, dessen bin ich mir sicher. Aber ebenso sicher bin ich, wer diese Schlacht zu seinen Gunsten entscheiden wird. Getrieben von den Untugenden Hochmut, Habgier, Zorn und Wollust reiten sie daher. Hört Euch den Klang ihrer Trommeln und Waffen an. Sie wollen Euch Angst machen, wissend das unsere stärkste Waffe und unsere beste Rüstung der Glaube an unsere Herrin Temora sein werden. Seht sie Euch an, sie kommen her um ihren Hass und ihren Zorn, den ihnen der Panther und Brudermörder eingetrichtert hat unter Euch zu verbreiten. Und sie kommen bewaffnet, weil sie wissen, das die Bürger von Dunkelfels so treut der Herrin erheben sind, wie die Templer und Paladine Temoras. Sie wissen, das ihre Lügen in Euren Ohren keinen Nährboden finden und so ziehen sie aus um sich mit Waffen zu nehmen, was sie mit Worten nicht erreichen können. Wie einst Alatar seinen Bruder Getares niederstreckte, da dieser den Einflüsterungen des Panthers wiederstand, weil er eine Menschheit wollte, so treu den Göttern und den Tugenden ergeben wie es die Bürger Dunkelfels' sind. Auch Alatar griff zur Waffe und streckte sein eigen Fleisch und Blut, seinen eigenen Bruder nieder. Und so zieht diese Armee Dunkelfels entgegen um Euch nieder zu strecken. Doch so wie Eluive einst Temora gebar um Alathair zu retten vor ihrem Sohne Alatar, so seid Ihr heute aufgerufen Dunkelfels und das Königreich zu retten vor dem Einfall der Pantherarmee. Ihr seid heute das Schwert des Könisgreiches, gleich dem Schwerte, das Temora führte um ihren Bruder zu bestrafen für das Verbrechen an seinem Bruder. Und wie sie siegte, so werdet auch Ihr heute siegen. Viele werden fallen in dieser Schlacht und viele werden ihre Frau und ihre Kinder nicht wiedersehen. Doch wird ihr Opfer ebenso von Nutzen sein, wie das Opfer, das Eluive brachte um Alatar unter dem Meeresboden zu verbannen. Erinnert Euch immer an die Tugenden der Herrin, auch Opferbereitschaft ist eine dieser Tugenden. Und wer heute im Kampf gegen die Armee Alatars fällt, der wird an der Seite Temoras sein nach seinem Tod, und Krathor der Seelenfresser wird keine Chance haben, seine Seele zu rauben. Erinnert Euch in der Schlacht aber stets an die anderen Tugenden unserer Herrin - Mut, Ehre, Tapferkeit, Hilfsbereitschaft und Demut. Euer Mut und Eure Trapferkeit sind es, die Euch auf das Schlachtfeld gehen lassen. Diese Tugdenen in Euren reinen Herzen sind es die Euch die Kraft geben gegen eine heranstürmende Armee zu bestehen. Euer Mut wird es sein auch gegen eine gerüsteten Krieger Eure Waffe zu erheben, Eure Tapferkeit wird es sein, die Euch selbst mit einer Verletzung weiterkämpfen läßt. Euer Ehre und Eure Hilfsbereitschaft Eurem Waffenbruder gegenüber werden es sein, die unsere Armee, zu einer Gruppe macht. Wir sind keine Armee aus 200 Bürgern und dutzenden Paladinen. Es sind nicht 250 Menschen, die jeder in den Kampf ziehen. Wir sind EINE Armee, die gemeinsam für unsere Herrin in den Kampf zieht. Gemeinsam und auf unsren Nachbarn achtend werden wir die Stärke erlangen, um der Truppe des Panthers die Stirn zu bieten und am Ende zu siegen. Demut beweist unsere Armee schon dadurch das 250 Menschen von unterschiedlichem Stande GEMEINSAM und jeder von gleicher Bedeutung in den Kampf zieht. Es kämpfen Bauern an der Seite der Freiherren Dunkelfels. Es kämpfen Handwerker an der Seite von Paladinen. Und nach der Schlacht werden wie alle gemeinsam siegreich die Arme in die Lüfte strecken und unserer Herrin Temora danken, dafür das sie uns in der Schlacht beisteht. Denkt immer daran, wenn Ihr Eure Waffen gegen Eure Feinde erhebt. Diese Menschen sind es nicht wert einen Fuß auf unser Land zu setzen, und wie Temora eins Alatar niederstreckte, so werdet Ihr heute, ihr die Diener Temoras diese Armee, die Diener Alatars, niederstrecken. Auf das sie erkennen, welcher Weg der richtige ist. Erhebt Eure Waffen für Temora und für Dunkelfels und streckt einen Jeden nieder, der das Zeichen Alatars auf der Brust trägt.“

Michael hatte gerade seine Predigt beendet, da stieg die Sonner hinter der Bergkuppe hervor und tauchte das Tal in ein helles Licht. Es hatte den Anschein als würde Temora selbst das Schlachtfeld erhellen. Und als unser Hohepriester den Streitkolben in die Luft streckte, klang ein Schrei aus über zweihundert Kehlen „Für Temora, für Dunkelfels - Nieder mit der Armee des Panthers“. Und nie werde ich diesen Moment vergessen, als mir das Herz warm wurde, nicht nur durch die Predigt Michaels, sondern auch durch den einheitlichen, geschlossenen Kampfschrei des Heeres. Nie sah ich eine solche Entschlossenheit in den Augen einfacher Menschen, die vor der Predigt noch ängstlich ihre Waffen umklammerten und nun feste der nahenden Armee entgegenblickten. Als der Kampfschrei abebbte senkten die Paladine ihre Lanzen und preschten auf die Armee zu, die inzwischen recht nah war, allen voran Michael von Dunkelfels. An die weitere Schlacht kann ich mich kaum erinnern. Ich weiß nur noch, wie die zwei Armeen aufeinandertrafen und sich die Luft mit Geruch von Blut und berstenden Metall füllte. Und nun liege ich im Heilerzelt und schreibe an diesem Pergament. Ich hoffe, die Heilerin läßt mich bald wieder aufstehen, denn ein Templer nützt im Krankenbett recht wenig, wenn vor dem Zelt eine Schlacht tobt.

Kaede Hofenstein,
Templerin unserer Herrin Temora
im Goldblatt des Jahres 124
Antworten