Auszug aus: 'Prüfung auf Herz und Lenden' ... und ein Bund fürs Leben?
"Suche dir eine anständige Arbeit und diene dem All-Einen", waren die Worte des Magisters, der sich mit dem Namen Althan vorstellte und der Zakalwve anwies sich vom Schnaps loszusagen.
Was bedeutete Dienen ohne ein Ziel, Verlangen ... und Träume. Konnte der Glaube selbst ein Trost sein und allein Grund genug für eine Existenz?
Es waren die Diener des All-Einen wie Althan und Auriane, die ihn von der Straße aufkratzten und in ihm etwas sahen, was er vorher in sich schon verloren glaubte.
An diesem Abend hatte er sich entschlossen sein Leben umzukrempeln. Er brachte das letzte Gold auf, welches er einer alten Schneiderin namens Bruni im Wald vor Bajard abgeknöpft hatte und sich ein billiges Zimmer in einer heruntergekommenen Hafenspelunke in Rahal genommen.
Er betrachtete sich im einzigen Spiegel seines Zimmers- das wettergegerbte Gesicht, immer noch himmelsblaue Augen, die von sich andeutenden Krähenfüßchen umrahmt wurden. Seine Wangen sind über die Jahre kantiger geworden- verliehen seinen Gesichtszügen mehr Härte. Die geschwungenen Lippen längst nicht mehr so zum Küssen wie vor noch Jahren, hatten sie schon seit einer Ewigkeit keine Herzensdame mehr zum Schmelzen gebracht. Dazu kam dass sich zu seiner vormals makellosen Zahnreihe sich zwei große Zahnlücken abzeichneten. Die Zähle, die diese Lücken ausgefüllt hatten, musste er wohl in einer Kneipenschlägerei verloren haben. Sein müder Blick glitt widerwillig zu sich herab, denn ihm offenbarte sich kein schöner Anblick. Die markant hervortretenden Rippenknochen waren Zeugen der Unterernährung und des schleichenden körperlichen Verfalls. Es war kaum vorzustellen dass er früher eine drahtige Figur besaß, die durchaus als attraktiv zu bezeichnen war.
Er hatte womöglich bis an den gestrigen Tag seit Wochen nicht mehr gebadet. So sehr, dass ihm begegnende Passanten in Düstersee auseinanderstoben wenn sie seinen Körpergeruch und die Alkoholfahne vernahmen.
Der Mann namens Waljakov hatte ihn gebadet, ihn mit einem frischen Leinenhemd, Hose und Stiefeln aus der eigenen Garderobe versorgt. Alles ohne ein Goldstück von ihm abzuverlangen, sondern auf sein Wort "für ihn bestimmte Besorgungen zu erledigen", was auch immer dies bedeuten möge. Für einen Mann wie Waljakov mochte es nur eine kleine Geste der Gastfreundschaft gewesen sein, Waljakov war jedoch nicht bewusst wieviel mehr er Zakalwve an diesem Tag schenkte.
"Kleider machen Leute", hatte er scherzhaft aufgeworfen, als ein gebadeter Zak frisch eingekleidet vor ihm stand und er sollte Recht behalten: Ein anderer Zak kam wieder zum Leben. Langsam kamen auch die Erinnerungen an seine alten Tage in Rahal, seiner Heimat, die er so lange verleugnet hatte....
Als Zak sich umdrehte, um sich wieder anzuziehen, lachte ihm Schnapsflasche auf dem kleinen Nachttisch entgegen....
Ein Schluck. Ein einziger Schluck kann nicht schaden...