Arm dran oder Arm ab?
Der Mann, den die Bande aus zwielichten Halunken „Tik“ nannten, hatte seine im dunklen Mondlicht matt schimmernde Klinge auf den Hals des wehrlosen Händlers gerichtet. Tik war nicht von besonders kräftiger Statur, noch war er sonderlich intelligent und schon gar nicht ließ sein ungepflegtes Aussehen zu, dass man ihn als besonders charmant bezeichnen könnte. Und doch war Tik der unangefochtene Anführer der kleinen Bande, ein halbes Dutzend Halsabschneider und Ganoven, die bei Nacht an der Grenze Markweihs ihr Unwesen trieben. Sie waren nicht sonderlich erfolgreich gewesen die letzten Tage. Wenn es auf die kalten Wintertage zuging, dann bereisten nur noch wenige Händler die Handelswege zwischen Lichtenthal und Bajard- noch weniger passierte es dass sich einer von ihnen verschätzte und nicht bei Anbruch der Dunkelheit die sichere Zuflucht einer Gaststätte aufsuchte…
Tik und seine Bande hatten heute Nacht Glück, denn dieser Händler, ihnen heute Nacht in die Fänge geraten war. Ein in feiner Seide gekleidete Schnösel, der sicherlich mit seinen Geschäften Gold scheißte und nun wortwörtlich seinen Tribut für diese Nachlässigkeit zahlen sollte.
Auch wenn die frische Nachtbrise den Gestank an Alkohol, Schweiß und all den anderen Körperausdünstungen der Wegelagerer schnell wegtrug, so musste der Händler doch seine Nase rümpfen, als Tik nun mit gezückter Klinge sich bis auf eine Handbreit Abstand näherte, um dem Händler selbige Klinge an die Kehle zu halten. Der Angstschweiß drängte aus jeder Pore des Händlers, als er mit schlotternden Knien sich seinem Schicksal ergab. An einem Fluchtversuch war nicht zu denken, geschweige denn die Aussicht die Überzahl an Banditen im Kampf zu besiegen. Mutlos ließ der Händler seine Schultern fallen und kapitulierte ob der bedrohlichen Unterzahlsituation.
„Heda! Sei‘ Siegelring‘ jehört mir!“
„Die Stiefeln passn‘ doch gar nüscht auf deine Füß‘!“
„Hoffentlich hatter ne Menge Gold und Silber dabei!“
Es schien schon als hätte die Bande die Beute unter sich aufgeteilt und schwer musste der Händler schlucken als Tik mit einem schiefen Grinsen befahl:
„Taschn‘ ausleern und wenn de‘ dich gut anstells‘, darfs leben‘!“
Der Händler betete zu allen erdenklichen Göttern dass Tik sein Wort halten möge, denn er hatte schließlich noch sieben Kinder eine Ehefrau und drei Mätressen zu versorgen. Stumm nickte er, sank flehend auf seine Knie und stammelte:
„Verschont mein Leben Herr, Ich habe habe nicht viel dabei, nur diese Ladung an bescheidenem Stoff und das Gold hatte ich schon in Vorab bezahlt. Aber nehmt das was ich am Körper trage. Es ist nicht viel, aber es soll euers sein, wenn ihr mein Leben verschont.“
Tik überlegte eine kurze Weile und zog nachdenklich seine Brauen zur Stirn zusammen, als er misstrauisch seinen Gegenüber beobachtete. Wie konnte ein so feiner Pinkel kein Gold haben?
„Hör auf mich aufn‘ Arm zu nehmen. Gold haste‘ nicht wenig dabei, aber versteckt hast du’s! Wo isses? Sag‘s oder ich hack dir dein‘ verdammtn‘ Arm ab!“ Spritzer von Speichel spritzte dem Händler ins Gesicht, als Tik die Worte lautstark ungeduldig bellte und schon hob er seine Klinge bedrohlich über seinem Kopf, um seiner Drohung mehr Nachdruck zu verleihen.
Als der Arm mit einem brutalen Hieb von der Schulter getrennt wurde und in hohem Bogen zu Boden flog, staunte der Händler nicht schlecht. Zu seiner Erleichterung durfte er feststellen dass es nicht sein eigener Arm war, sondern der Arm von Tik, der abgeschlagen wurde.
Doch wie war dies passiert? Eine dunkle hünenhafte Gestalt hatte sich im letzten Moment zwischen die unachtsamen Wegelagerer gedrängt und Tik mit einem groben Hieb von einer kurzen Klinge den Arm geraubt. Blut schoss in Schüben aus der offenen Wunde und Entsetzen breitete sich aus. Tik entließ einen langen Schrei in die Finsternis der Nacht, ehe er wie ein Sack Kartoffeln einfach umkippte. Der erbärmliche Versuch eines anderen Banditen seinen Anführer zu rächen, führte zu wenig Erfolg. Beim Versuch sich dem Hünen mit einem Kampfschrei zu nähern, wurde dessen Schädel schlichtweg brutal von einem großen Metallschlegel zertrümmert, den der Hüne in seiner anderen Hand griffbereit hielt. Das andere bedauerliche Gesindel ergriff die Flucht, sehr zum Bedauern des dunklen Riesen, der ungehalten murrte, als er sah dass diese ihm entwischten.
Der Händler wollte die Flucht ergreifen, doch der Hüne hatte ihn schon an der Schulter gepackt und auf seine Füße emporgezogen.
„D… danke Herr, wenn ihr nicht wärt- die hätten mich umgebracht. Nehmt mein Gold als Zeichen meiner Dankbarkeit. Oh, bei der Lichtbringerin, ich danke der Göttin, dass sie euch geschickt hat! Möge sie euch segnen!“, stammelte der Händler in tiefster Ergriffenheit, sein Glück kaum fassend.
Der Berg an Mann beobachtete den Händler still und abschätzend. Im Schein des Mondlichtes konnte der Händler die zu langen Rasta geflochtenen Haare dunkelgrau schimmern sehen. Hinter der dunklen Maske, die der Hüne trug, konnte man nicht gut das Gesicht erkennen, doch der dicke gesteppte Mantel aus festem Leder und die darunter zu vermutende massive Statur strahlten etwas furchteinflößendes aus. Wie eine Felswand stand der Hüne vor dem Händler und lediglich ein dumpfes Schnauben ertönte unter der Maske, als dieser den Kopf schieflegte.
Dann nach einer langen Pause des Schweigens ertönte die Stimme des dunklen Riesen aus dem tiefen Bariton seiner Kehle.
„Disch der Bruder bestimmt auch brauchen.“ , klang die dunkle trockene Antwort des Hünen.
Und bevor der Händler etwas entgegnen konnte, traf ihn der Metallschlegel auf die Stirn. Die Welt um ihn herum versank in eine verschwommene Schwärze.
*Bruder Ars wird eine Nachricht erreichen mitsamt eines Sackes, in der sich verschiedene Leichenteile abgetrennt einfinden werden- untergemischt mit zerlumpten und seidenen Stofffetzen wird man erahnen können dass die Quelle der Leichenteile sehr heterogen war * hat geschrieben:
Sein Ewiger Blick über eusch,
Bruder Ars nehmen an diese Gabe, um vollrischten sein Kunstwerk.