Späte Rache?

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Der alte Druide

Späte Rache?

Beitrag von Der alte Druide »

So frisch, wie den morgendlichen Tau auf den Wiesen, kann man mich sicherlich nicht bezeichnen. Ich sehe sehr wohl die mitleidigen Blicke auf meinen zitternden Händen und wie sie dann zu meiner zerlumpten Robe wandern, über den gekrümmten Rücken schweifen, um mir dann in mein zahnloses Gesicht zu lächeln. Ein heuchlerisches Lächeln, denn ich weiß, was sie dabei denken:
Hoffentlich fängt er nicht an zu betteln. Sicher hat er etwas Ansteckendes.
Dann sehen sie sich verstohlen um und tuscheln, wer von ihnen die Garde holen mag, um den Zerlumpten abzuführen.
Oh ja, mein Körper ist schwach, mein Geist und meine Seele sind es jedoch nicht.
Stetig hat das Feuer des Zorns Beide am Leben gehalten.

Wie viele Sommer mag es her sein, als sie mich zwangen meine Heimat zu verlassen, nur weil ich wagte, mich auf die Seite der jungen Frau Vivianne zu stellen und ihnen sagte, wie kurzsichtig es sei, sie zu vertreiben?
Ich habe sie nicht gezählt, aber wenn ich daran denke, dann ist es, als sei es gestern gewesen.
Wie viele mögen von ihnen überhaupt noch am Leben sein?
Es spielt keine Rolle, denn sie sind alle gleich. Gleich in ihrer überheblichen Eitelkeit.
Sich im Recht fühlend, über andere richten zu dürfen.
Ich mußte mit ihr gehen und ich tat es zunächst gern. Hatte ich doch schon vorher erkannt, was für eine schöne Frau sie war, auch wenn sie um so vieles jünger war als ich und hatte ich mir doch leise Hoffnungen gemacht.
Schnell jedoch offenbarte sich, daß uns auf dem Weg nur eins vereinte, unser Haß.
In ihren Augen war ich zwar einer Jener, der zur ihr gestanden hatte, aber dennoch nur einer von ihnen, ein Druide. So trennten sich unsere Wege.
Hatten sie mir nun Zweierlei genommen... die Heimat und die Liebe!

Nun bin ich zurück nach all den Jahren, viel Zeit bleibt mir nicht mehr. Es hat ohnehin schon beinah zuviel an Kraft gekostet, meinen Körper dieser gewollten Krankheit auszusetzen.
Ich darf noch nicht sterben. Nicht, ohne den süßen Geschmack des Triumphes auf meiner Zunge zu schmecken, wenn ich sie in ihr Verderben schicke.
Das Letzte, was ich mir gönnen möchte, neben den Wassersuppen, die mir die Leute ach so großmütig hinstellen, sorgsam darauf bedacht, mich dabei nicht zu berühren.
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