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Schlafe ein, oh Kindlein mein!
Schließ‘ die Augen fest und öffne sie nicht,
denn das was da im Dunklen haust
verschlingt dein Lachen, Lieb und Licht
bis deine Knochen zittern und es dir graust.
Schlafe ein, oh Kindlein mein!
Zieh die Deck‘ weit über den kleinen Kopf
lausche ihren Worten nicht, halte dir die Ohren zu
pack die einz’ge Gelegenheit am Schopf
und finde deine Seelenruh‘.
Schlafe ein, oh Kindlein mein!
Doch glaube auch jetzt nicht an Sicherheit
wandle im Nebel und träume fein
und bist du wach, sind sie bereit
wandern aus der Nacht in den Tag hinein.
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Wie fein gesponnene, silberweiße Fäden zog sich der Nebel über die nächtlichen Felder und verdichtete sich zu einem zarten Vorhang, der die Realität vom Traum zu trennen schien. Vor dem Schleier aus knochenartig bleichem Gewebe entfaltete sich die bekannte, geliebte und herrlich normale Welt. So vertraut und heimelig-idyllisch, dass man auch über die ein oder andere Unannehmlichkeit hinwegsehen konnte, wusste man doch schlichtweg, was man daran hatte. Hier kannte der Fuchs noch den Hasen, den er als lebloses Bündel im Maul zufrieden gen Bau schleppte und hier fürchtete man den Osten oder den Westen oder sonst irgendeine Gesinnung, die eben anders war als die, die man schon mit der Muttermilch aufgesogen hatte.
Wobei selbst da das Wort „Furcht“ nicht ganz passen wollte. Man lehnte ab, hasste vielleicht sogar, doch der Kern des Wortes „Furcht“ oder besser „Grauen“ lag hinter den weich wabernden Nebelschlieren.
Durchschritt man die gespenstische Barriere, so befand man sich bereits mitten in einer uralten Welt, die zwei Seiten hatte und hier zumindest waren die Übergänge so fließend, dass man von dem Part, der bunte, angenehme Traumbilder der Fantasie wob mit nur einer einzigen Bewegung in jenen kommen konnte, der jeden schwarzen Seelenabgrund übertreffen konnte. Dort schienen die Bilder düster, verdreht und in sich so grotesk verzerrt, dass aus dem Traum der Albdruck wurde.
Nicht weiter verwunderlich, dass die Monstren, Unwesen und Gespinste dieser Ebene in erster Linie von den Ängsten lebten, welche die gesegneten Geister mit genug Vorstellungskraft durch ihr Dasein durchlitten. Vor allem eine Sorte hatte es ihnen dabei angetan, denn nur selten war Furcht ähnlich süß und das Grauen erschlagend, dass es dicke, sichtbare Abdrücke auf der Seele hinterließ:
Kinder…
Die Köpfe waren so voller fantastischer Idee, dass hier die Grenzen quasi nicht erreichbar schienen und das Grauen schlich in ähnlich unzähligen Gewändern immer wieder um die kleinen Wesen herum. Mal trug es der Kelos in sich, ein Schrecken aus den Tiefen der Alben und dunklen Mären, dann wieder jene, die der Albtraumwolf unter seinem Szepter dirigierte, doch das größte Grauen entstand dann, wenn der Nebelvorhang durchlässig wurde, wenn Realität und Traumfantasien zu einem einzigen, garstigen Klumpen verschmolzen und dieser einen glühenden Abdruck auf den Seelen hinterließ, den nur wenige Augen sehen und auch nutzen konnten.
Diesmal aber lag der Fokus der dunklen Seelenspiegeln nicht auf kindlichen Gestalten, sondern auf all denen, die erwählt worden waren und so selig in ihren Betten, Pritschen oder gar im Heu schlummerten… nichtsahnend, dass das feine Trenngewebe gelüftet werden würde, um vergessene, verdrängte Kinderängste wie schwarzen Honig langsam in die Geister der nunmehr Erwachsenen sickern zu lassen.
Oh ja, köstlich süßer, klebriger Honig... und wo wir schon dabei sind:


