Die Qual der Wahl

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Mhyri Famrock

Die Qual der Wahl

Beitrag von Mhyri Famrock »

Nach Erhalt der Einladung, sinnierte sie zurückgezogen Stunden über ein passendes Geschenk. Recht wenig wusste sie von den Vorlieben der Geschwister Aumar.
So sie sich recht erinnern konnte war Nimuelia der Musik zugetan.
Ein Notenbuch vielleicht? Ach, nein ..würde sie gewiss schon zahlreich ihr Eigen nennen und Mhyri wusste nicht einmal welchem Instrument sich Nimuelia verschrieben hatte. Oder war es gar der Gesang?
Nachdenklich blickte sie aus dem Fenster zum Meer hinaus. Der Wind stand wieder einmal so ungünstig, dass er dem Dunkelhof die nächste Schlechtwetterfront bescherte.
Nur noch Regen, Tag aus Tag ein und da sollte man im Geiste aufblühen.
Ihr leises, gedankenverlorenes und recht schief klingendes Summen verstummte.
Das ist es! Rief sie lautstark aus, sich unsanft mit der Linken gegen die ohnehin schon geschundene Stirn hauend. Die Melodie des Meeres.
Nichts ist schöner zu mancher Stund, als die Melodie des Meeres.
Nur eine Muschel vollbrachte es jenes beruhigende Rauschen der Wellen einzufangen.
Aber es sollte eine besondere Muschel sein. Eine, die ihre Freude über die erhaltene Einladung zum Ausdruck bringen würde. Wann hatte sie schon einmal die Gelegenheit Kontakte und Freundschaften außerhalb des Hofes zu knüpfen und zu pflegen.

Ob man die Muschel vergolden könnte? Der Goldbeutel würde es gewiss zulassen. Der Hof lief gut und man solle sich ja nicht lumpen lassen an Ehrentagen.

Doch ein kleines Problem gab es da noch. Ciaran. Was sollte sie ihm nur schenken?
Wo wir doch aber schon bei Gold sind, Frau Famrock, sprachs leise zu sich selbst und musterte mit einem zufriedenen Lächeln die Schreibfeder vor sich. Eine güldene Schreibfeder
soll es für den Herren Aumar sein und würde hoffentlich eine adäquate Aufmerksamkeit abgeben.

Den Gedanken sollten Taten folgen. Es gab noch viel zu tun und um einen Besuch beim Schneider würde sie angesichts der Tatsache, dass es sich bei der Festlichkeit um einen Maskenball handelte auch nicht herum kommen.

Mit einem sachten Tritt gab sie ihrem Mustang Zeichen, dass er sich wohl eilen sollte, sie schleunigst zu Tim zu bringen. War er wahrlich ein Meister seines Handwerks, könne er gewiss Aufschluss darüber geben, ob sich Feder und Muschel mit dem edlen Metall versehen lassen könnten.

Angekommen, ließ sie sich mit einer ihr selten inne wohnenden Zielstrebigkeit vom Rücken des Tieres gleiten und schon wenige Augenblicke später, ein zaghaftes Klopfen an Tim´s Haustüre produzieren.


Tim hatte gerade mit seiner Familie zu Abend gegessen und seine beiden Töchter die nun recht müde waren ins Bett geschickt, als er Mhyri's Klopfen hörte. So ging er herunter, öffnete ihr die Tür und lud sie ein doch herein zukommen. Im Haus bot er ihr einen köstlichen Wein vom Hof Uhlenhoff an und fragte sie lächelnd, was er für sie tun könne.
Mhyri erklärte ihm ihre Idee und Tim nickte bedächtig. Bisher hatte er zwar immer mit reinen Erzen gearbeitet, aber sicher sollte es möglich sein eine Muschel und eine Schreibfeder mit einer dünnen Schicht aus Gold zu überziehen. Ich werd gleich mal in meine Werkstatt und ein wenig ausprobieren. Komm doch Morgen früh in meine Werkstatt und dann schauen wir weiter..
Tim verabschiedet sich von Mhyri und ritt zum TALER wo seine Schmiedewerkstätte lag. Die halbe Nacht probierte er mit verschiedenen Metallen und Legierungen herum bis es ihm gelang die richtige zu finden.
Da er die Muschel und auch die Feder nicht einfach in das geschmolzene Erz tauchen konnte, verarbeitete er das Erz zu einer fast schon hauchdünnen Schicht. Diese erwärmte er und überzog dann die beiden Gegenstände damit. Beide stellte er anschließend zum Abkühlen auf den Sims und ritt nach Hause. Der Morgen graute schon und er wollte noch ein paar Stunden Schlafen bevor Mhyri zurück kam um ihre Sachen abzuholen.
[geschrieben von Tim Mc´Murphy]


Freudig machte sie sich wieder auf den meist nicht ganz ungefährlichen Heimweg, denn
oft lauerte wildes Getier in den Büschen und daher müsse man achtsam sein, was sich an jenem Abend als schwieriges, wenn auch, Temora sei Dank, unnötiges Unterfangen heraus stellte. Aber auch nach Ankunft auf dem Hofe, kreisten ihre Gedanken nur um die Geschenke für das freundliche Geschwisterpaar Aumar.
Wie die gefertigten Stücke wohl aussehen würden.
Tim wird gewiss gute Arbeit leisten, dessen war sie sich sicher, ob die güldenen Gaben zum Ehrentag wirklich Gefallen finden würden jedoch nicht.
Letztendlich kam sie zu später Stund unter der wärmenden Wolldecke, die so heimisch nach Kaminfeuer roch, zu dem Ergebnis, dass die Geste zählen würde. Eines der Geschenk hatte sie für ihre Verhältnisse besonnen gewählt und das Andere rein intuitiv, aus dem Bauch heraus. Vielleicht hätte sie länger in sich kehren sollen. Sie mochte die Beiden. Ciaran schien wesentlich redseliger, vielleicht würde der Schein auch bei näherer Betrachtung trügen. Nimuelia, ihr gegenüber immer recht still, schien jedoch nicht minder sympathischer als ihr Bruder. Mhyri war froh zu einem solchen Anlass geladen zu sein, man müsste nun nur die Nerven behalten und dürfte sich nicht blamieren. Die anfängliche Aufregung die sie verspürte wandelte sich langsam in immer mehr Vorfreude um.
Morgen früh könne sie die Geschenke abholen und wenigstens die Hälfte ihrer Kostümierung hatte sie beisammen, so fiel sie nach langer Grübelei, endlich in den ersehnten Schlaf.

Am nächsten Morgen, nur die Tiere wurden vor ihrem Besuch bei Tim versorgt, machte sie sich recht früh auf in seine Werkstatt. Ein spannungsgeladenes Klopfen an seiner Türe, hastige kleine Schritte, bei gewährtem Einlass in die Stube und eine ihn neugierig musternde Mhyri stand vor ihm. Seinem Deut gespannt zum Fenstersims folgend, auf dem die vergoldeten Gegenstände des Nachts ausgekühlt waren, wie sie von ihm erfuhr, überkam sie ein mehr als zufriedenes Lächeln.
Die selbst am Strand gefundene Muschel, sowie die Schreibfeder hauchdünn überzogen mit feinem Gold, spiegelten in güldenem Schimmer die einfallende Morgenröte wieder.
Oh danke Tim, danke, danke, danke, rief sie überglücklich aus, wohl kurz davor Anstalten zu machen ihn in die Arme zu nehmen und herzlich zu drücken. Manch einer möchte meinen der arme Tim kann froh gewesen sein, das das aufgebrachte Persönchen, nachdem man noch etwas geplaudert hatte, sie ihre gewünschten Waren sorgsam im ledernen Beutel verstaut hatte, sich dann nach einer halben Ewigkeit des Winkens endlich zum Dunkelhof aufmachte. Nun waren die Vorbereitungen ihrerseits abgeschlossen. In einigen Tagen würde sich jedenfalls zeigen, ob ihre Wahl den Geschmack der Aumars getroffen hatte.
Es galt noch gewisse Übungen in den nächsten Tagen zu praktizieren um den gewohnt lässig, schlurfenden Gang, gegen etwas graziler wirkende Bewegungsabläufe einzutauschen. Wie man jedoch mit einem Buch auf dem Kopf vernünftig geradeaus Laufen sollte, was ohnehin schon ohne Buch schwer genug fiel, war ihr im wahrsten Sinne des Wortes schleierhaft.
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