Der Tod ist Teil des Seins, so wie der wütende Sandsturm, der jede Nacht durch die Durrah peitscht.
Wir sind Teil des Reigens der beiden Aspekte:
Wir leben, wir sterben....
Lade Dir neda alle Last auf die Schultern."
Aus dem Seelsorgegespräch zwischen Ibrahim und Maheen.
- Rückblickend schien der verhängnisvolle Abend wie ein reißender Strom an ihr vorbeizuziehen, während sie sich seltsam stumpf fühlte, als hätte man sie in dämpfende Watte gepackt.
Der letzte Blick in das faltenübersähte Gesicht des altehrwürdigen Akram, der mit wachen und pflichtbewussten Augen von dannen schritt, während das kommende Grauen sich bereits als Vorahnung im Antlitz vieler Anwesender abzeichnete - hatte man nicht vielfach gewarnt, dass das erste Blut in Gefahr war? Der Sajneen rannte eilenden Schrittes hinter dem ehemaligen Kalifen hinterher...
Gefühlte Atemzüge später der Bericht des Angriffes, laute Stimmen, scharfe Emotionen, doch sie selbst fühlte nur bleierne Schwere und Unverständnis tief in ihrem Inneren und die leise Stimme, die sich fragte ob dies nicht gänzlich vermeidbar gewesen wäre?
Sie kämpfte gegen das schwere Gefühl auf ihren Schultern an und versuchte gleichsam mit mitklingenden Worten zur Vernunft zu mahnen, damit aus dem Funken nicht ein lichterloher Brand der Vergeltung wurde.
Yalla!
Die Sträucher und Palmen der Oase zogen an ihrem Auge vorüber, während sich die Hazars Durrah eilten mit dem Erhabenen Schritt zu halten. Was einst unbefleckt und weiß, erschien nun dunkelrot. Der weiße Kaftan Akrams mit Blut überströmt. Militärische Rufe, ehe sich ein Schild aus Leibern aufopferungsvoll um den Emir stellte, der wenige Atemzüge später wieder in den Palast eskortiert wurde.
Ihre eigenen Füße rührten sich nicht, ihr Blick ruhte auf dem Festplatz, wartete gar auf den aufbrechenden Riss.
Verschnaufen, Sammeln, die eigene alternde Gestalt, die ihr auf der Oberfläche der Oase entgegen blickte...
Der Geleit des Leichnams in den Palast...
Ein Folgen der zielbewussten und raschen Schritte Daryaas, die Attentäter flohen nach Süden!
Die Maske der Unschuld, die durch die Hartnäckigkeit der widerstrebender Worte und der einmal zu oft gebrauchten Vorwürfe entblößt wurde.
Akram war tot, die Täter unweigerlich ins Licht getreten...
Erneutes Verharren und Warten an den Zellen, doch nur der Totenkopf fand hinter die eisernen Stäbe.
Eisen war das Ende des Dolches, Eisen war das Ende ihres Gefährten.
Der Sandsturm brüllte auf, der Schnitter, die Weise der Wüste fuhr die reiche Saat ein.
Kühle umfing ihre Gestalt, als sie den Ort der Toten aufsuchte. Doch statt der Kälte, Stille und flackernden Dunkelheit des Ortes fand sie schließlich Hoffnung und blaugoldenes Licht.
Die Wolkendecke ihrer Seele riss auf und das bleierne Gewicht fiel von ihr ab.
Aus dem Seelsorgegespräch zwischen Ibrahim und Maheen.





