Eine Idee wurde geboren
Schmunzelnd lehnte er sich zurück. Die Idee war gebildet, der Auftrag aufgegeben und wie man ihm zusagte wurde das Geschenk rechtzeitig am Morgen des Geburtstages fertig werden und überbracht. Welch Glück, hatte er doch beinah erst zu kurzfristig davon erfahren. Ein Wink mit dem Zaunpfahl mochte eine sicherlich wirkungsvolle Geste sein, doch war es manchmal nutzbringender den besagten Pfahl doch zeitiger zu schwingen. Es sei wie es sei. Die Überraschung mochte in kleiner Form überbracht werden. Doch der Inhalt gewiss um so interessanter. Der herbeigerufene Alchimist, welcher sein Werken mehr auf die guten Düfte, Seifen und Wässerchen ausgelegt hatte und seit jeher das Schloss belieferte, hatte offensichtlich kaum da Adrian beschrieben hatte worum es ging schon die Ideen im Kopf zusammengetragen. Man sah es ihm deutlich an. Gewiss würde es ein passender Duft sein, den er kreieren würde, für diesen Anlass.
Indess musste dies auch ein Behältnis bekommen. Man hatte auch hierüber beraten und der Alchimist hatte seine Kreativität zur Idee eines Duftes durchaus auch hier seinen Lauf gelassen. Eine Skizze mit entsprechenden Flaschen war schnell angefertigt und Adrian nickte. So wurde ein weiterer Bote ausgesandt und alsbald trat der namhafte Glasbläser Varunas vor seine Augen. In wenigen Worten waren Größe, Form und Farbe gemäss der Angaben des Alchimisten abgesprochen und die Skizze wechselte ihren Besitzer. Wie abgesprochen, sollten die Behältnisse noch am selben Tage ihre Fertigstellung erleben und dem Alchimisten zugestellt werden. Alles ging seinen Lauf. Für Adrian blieb nur zu warten.
In den Wäldern
„Entwickelt mir einen aussergewöhnlichen Duft für die Baronin, ihr kennt sie gewiss. Die Dame hat baldig Geburtstag und eine Überraschung möge es für sie sein.“ Die Weisung war klar und gewiss kannte er diese Frau. Wer mochte die Baronin in Varuna auch nicht kennen. Eine namhafte Person, fürwahr und eine Ehre für ihn, nicht minder als die Arbeit für das Schloss selbst. Die Ideen im Kopf reifen lassend, durchwanderte er die Wälder. Die meisten Duftnoten die er brauchte hatte er in gut sortierten Essenzen eingelagert. Dennoch brauchte es dreier der spätblühenden Herbstblumen, die diesem Duft eine weitere Note hinzufügen würden.
Die Stunden verstrichen, zwei waren gefunden, die letzte würde gewiss am Rande der geheimnissvollen Wälder wachsen, in denen die geheimnisvollen Elfen leben sollten, wie man allerorts wisperte. Er hoffte nur, dass man ihn nicht abhielt diese besondere Blüte an sich zu nehmen. So führten ihn seine Füsse letztlich zu den nördlichen Wäldern. Stetes Leuchten und geheimnissvolle Nebelschwaden umstrichen diesen alten Wald. Selbst hier an den Rändern des Waldes wurde gewahr, dass die Bäume einen anderen Wuchs hatten. Stärker, mächtiger, lebendiger in allem. Ihn schauderte und er rieb sich über den Arm. Nein im Leben würde er den Wald nicht betreten. Er hoffte das benötigte an seinen Rändern zu finden.
Und er sollte Glück haben. Glück? Sich eben herabbeugend, eine der Blüten an sich zu nehmen, machte ein Fauchen ihm zu deutlich, dass dieser Tag möglicherweise sehr unglücklich enden mochte. Schon hörte er das Rascheln beinah direkt neben sich. „Diesen Auftrag wirst du wohl nicht mehr erfüllen können!“, ging es ihm durch den Kopf als das helle und sanfte Summen erklang. Durchdringend und aus allen Richtungen schien es zu kommen. Die Raubkatze, sie war verschwunden, sicherlich kurz vor dem Sprung, schien sie sich zurückgezogen zu haben. Waren dort nicht Schatten im Wald?
Noch bevor er sich wirklich Gedanken über die Vorgänge machen konnte erklang eine Stimme, wie er sie in Lieblichkeit und Sanftheit nie vernommen hatte, ohne dass er eine Gestalt erkannte, die zu dieser Stimme gehörte. Beinah gesangesgleich erklang sie an sein Ohr. Sein Begehr wurde erfragt und alles was er scheu stammeln konnte, war seine Suche nach eben dieser einen Blüte. Ob er sie aus dem Leben reissen wolle, zum Danke dafür dass man sein Leben bewahrte, wurde in weiterhin sanftem Klang erfragt. Ein tiefes Schlucken entrann ihm und zum ersten Mal in seinem Leben fühlte er sich auf eine Weise beschämt, die ihm unerklärlich war. So schüttelte er nur gesenkten Hauptes den Kopf.
Glaubend eben auf diesen Duft besser zu verzichten wollte er sich abwenden, als diese bezaubernde Stimme erneut sprach. „Weise hast du gehandelt Adan. So sollst du kein Leben nehmen und doch nicht gehen ohne jenes das du suchst.“ Verwundert blickte er auf die Blüte, beinah als wäre sein Blick gelenkt. Es schien sie schüttelte sich selbst, liess fallen was er brauchte, und auf seltsame Weise wuchs sogleich nach was sie abschüttelte. Für ihn? Er musste hiervon ausgehen, sammelte eifrig die zarten Blätter ein und verstaute sie behutsam und sicher. Einzig ein scheues „Danke“ entrann ihm bevor er eiligst aufbrach. Welch seltsamer Ort.
Glücklich streckte er sich, als er nach langem Marsch endlich im heimatlichen Labor ankam. Welch seltsamer Tag, welch denkwürdiger Ausgang. Er schüttelte die Gedanken hastig ab. Nicht nur, dass sie ihm einen Schauer über den Rücken jagten, es gab noch viel Arbeit. So wurden Blätter ausgepresst, Sud wurde entwickelt. Duftnoten gemischt und stets ihr Zusammenspiel geprüft. Er hatte sich nicht geirrt. Seine Idee hatte einen wundervollen Zusammenklang der Duftnoten entwickelt. Die Zeit würde gereichen. Gewiss würden die Flaschen alsbald eintreffen. Dann konnte er das glückliche Ergebnis übereignen, wie zugesagt am entsprechenden Tage.
In der Werkstatt
Die Skizzen lagen vor ihm. Offensichtlich interessante Formen. In ähnlicher Weise hatte er sie schon mehrfach angefertigt und doch waren sie etwas besonderes. Nicht leicht würde es werden, waren doch die Formen keinesfalls so gleichförmig, wie die Flaschen die er tagtäglich anfertigte. Zudem mussten die rechten Mittel gefunden werden, die Farben hineinzugeben. Nochmals prüfte er die Maße der gewünschten Fläschchen und suchte die erfahrungsgemäss nötige Menge Quarzsand zusammen. Farben.. er prüfte die vorhandenen Metalle die zu einem möglichst feinen Pulver zerstossen werden mussten und in die richtige Farbkombination vermengt. Etwas Pyrianerz, ein wenig vom Diamant, etwas Eisen, einen Hauch Coelium. Mehrfach vermengte er dies und jenes bevor er schliesslich sicher war die rechte Farbkombi gefunden zu haben.
Eifrig machte er sich an die Arbeit den Quarzsand zu erhitzen. Zunächst in eine grobe Form giessend, die er brauchen würde. Die eigentliche Arbeit kam nun. Stets das Glas erhitzend, vorsichtig die Farbe hineingebend, die Form ausarbeitend durch wohl kräftiges aber auch behutsames Blasen. Ständiges neu erhitzen, weiter die Form gebend. Schliesslich zufrieden erkennend, dass er offenbar die rechte Form gefunden hatte, das Glas nun vorsichtig, höchst behutsam kühlend. Sollte es nun platzen, war alles umsonst. Er hatte Erfolg. Beide Flaschen fanden ihre Form und er stellte sie zur Endbearbeitung auf die Arbeitsfläche.
Scharfe Kanten vorsichtig abschleifend sowie überflüssige Überhänge entfernend. Das Werk schliesslich war beinah vollendet. Die Skizzen der Blüten betrachtend die er als Gravur auf das Glas bringen sollte, machte er sich auch hierin an die Arbeit, nachdem das Glas völlig abgekühlt war. Flink und geschickt führte er das schmale Gravurwerkzeug, den Blick stets nochmals prüfend auf die Skizzen werfend. :Schliesslich konnte er zufriedenen Nickens die kleinen Glasfläschchen beiseite stellen.
Er eilte von dannen, eine kleine Truhe herbeiholend und eifrig mit schützendem Stoff ausfüllend. Schliesslich legte er mit behutsamen Griffen die Fläschchen hinein. Alles nochmals ordentlich eingewickelt machte er sich auf den Weg zum Haus des Alchimisten, dessen Sitz ihm angegeben worden war. Offenbar hatte man ihn schon erwartet und so wechselte die kleine Kiste ihren Besitzer recht bald. Die Bezahlung des Grafen, im voraus ausgezahlt, war mehr als ausreichend gewesen. Ein Auftrag zu seiner Zufriedenheit. Dieser Abend würde durch einen erholsamen Besuch des Gasthauses gewiss fürstlich ausklingen.
Im Labor
Das Klopfen erklang lautstark an der Tür und riss ihn aus den Gedanken. Um ein Haar hätte er vor Schreck den eben fertiggestellten Duft umgerissen. Nicht auszudenken, wie hätte er dem Graf dies erklären sollen? Er schüttelte nur unwirsch den Kopf und eilte gen Tür. Der grobschlächtige Mann dort hatte ihm zunächst einen weiteren Schreck verpasst. Glücklicherweise jedoch erkannte er alsbald, dass es sich um die Lieferung der erwünschten Flaschen handelte. Er eilte hinein, das Werk sogleich zu prüfen. Ja fürwahr, der Glasbläser war ein Meister seines Faches. Die Flaschen entsprachen in jedem Detail seinen Skizzen und Ideen. Es würde dem eleganten, feinen Duft ein passendes Behältnis sein.
So konnte er schliesslich die zwei Fläschchen füllen. Das eine, wie erwünscht, mit einem reinen Duftwässerchen. Jenes zweite mit einer im Duft gleichenden Seife. Ein erlesenes Geschenk gewiss, für jene Dame. Feinste Duftmischung aus den Wildblumen aller diesjährigen Blütenphasen, leicht getragen von einer sehr zarten Duftnote der Apfel- und Kirschblüte mit einem kaum wahrzunehmenden erdigen Abschluss. Er war mit seinem Werke mehr als zufrieden. Gewiss würde es die Sinne erfreuen, diesen Duft wahrzunehmen.
So machte er sich am Morgen des genannten Tages auf den Weg zum Schlosse, sein Werk zu übergeben. Das anerkennende Nicken des Grafen war ihm ebenso Genugtuung wie der fürstliche Lohn. Ein Werk, dass seine Mühen gelohnt hatte, trotz aller Unwägbarkeiten und der Geschehnisse am Rande des seltsamen Waldes. Ein Ehrenmann, er hatte nie erwartet, dass der Graf anderes hätte sein können.
Im Schlosse zu Varuna
Erneut huschte ein Lächeln über Adrians Lippen als er die Flaschen behutsam wieder in den feinen Stoff einschlug und die kleine Kiste sorgsam verschloss. Alles war zu seiner Zufriedenheit ausgeführt worden. Er war mehr als gespannt, wie Felicitas auf diese kleine Gabe reagieren würde. Wissend darum, dass wohl im Keller des neuen Anwesens ein Bad eingerichtet werden sollte, mochte dies eine gewiss interessante Ausstattung sein. Er hoffte, dass ihr der erstellte Duft gefallen mochte. Eiligst entsandte er noch einen Bediensteten, ihm einige Flaschen der erlesensten Weine seiner Vorräte zu bringen, das Geschenk entsprechend abzurunden.