Der Himmel schien über einen hinwegbrechen zu wollen, es ergoss sich kühles Nass wie aus Strömen aus dem Himmel gen Boden, als sich eine, in eine Robe eingehüllte Person, leichten Schrittes den Feldweg Richtung Bajard bewegen schien. Groß war sie nicht und zu erkennen ob es ein männliches oder weibliches Wesen war ebenso schwer, denn die Kapuze war tief in das Gesicht gezogen. Der Regen weichte den Boden auf und bei jeder Schritt, welche diese Person setzte, schmatze der Boden in einem gemäßigtem Takt, als ob ein jemand Tomaten mit bloßer Hand zerdrücken würde. Eine Schritte vor dem Tore hielt sie inne und hob den Kopf sachte an, um sich einen Überblick zu verschaffen, ob auch niemand ihr folgte oder sie bemerkt hatte, und grüne Augen und einige rötlich/ braune Locken waren in jenem Zeitpunkt im aschfahlem Mondlicht zu erkennen, jedoch blieben die Gesichtszüge nur mager zu erkennen.
Lange Zeit ist vergangen, seit sie ihre Freunde in die Arme schließen konnte, mit ihnen Lachen und Weinen ausüben konnte, ohne einen Hintergedanken oder ein schlechtes Gewissen zu haben. Viele ihrer Gefühle und Empfindungen waren versiegt, als ihr Kumpane Tarias verstorben zu seien schien; besser ausgedrückt wäre verschwunden, jedoch gab es kein Lebenszeichen mehr von ihrem alten Freund, sodass nur noch der Tod in Frage kam. Das einzige, an welchem sie noch klammerte war die Liebe, eine alte, längst vergangene war das..
Erneut wurde Schritt gefasst in Richtung des Tores, welches nach erneutem Schmatzen des weichen Bodes durchschritten wurde.
Die Gestalt huschte gerade zu lautlos an den Wachen vorbei, wobei sie nur jenen ein sachtes Nicken entgegenbrachte. Das Ziel konnte man gewiss erörtern, welches die Gestalt einschlug...Die Bank zu Bajard.
Einige Stimme dragen von der Taverne her: Lachen, Grölen und sämtliche laute einer Saufbalgerei, sodass sie inne hielt und sich erneut etwas unsicher umherblickte, doch war niemand außer ihr auf den nassen Wegen Bajards.
Ein Blitz zuckte über den Himmel, dicht gefolgt von einem Grollen und Donnern, dass laut zu ihren Ohren drang.
"Was für ein Unwetter..." , sprach diese flüsternd zu sich selbst und wandte den Blick erneut gen der Bank und ging jene mit nun etwas rascheren Schritten entgegen. Sie stieg die etwas glitschigen Treppen hinauf und wäre fast ausgerutscht, doch hielt sie sich rechtzeitig am Griff der dicken Eichentüre fest und fand so ihr Gleichgewicht erneut.
Mit einem lauten Knarren bewegten sich die Angeln und die Tür schwenkte zur Seite, um den Blick in die Bank freizugeben. Der Raum war rasch durchblickt und es schien sich niemand zu zeigen.
Ihre Hand huschte rasch gen jenem Dolche, welchen sie sich am Tage zuvor von ihrem Kumpanen und ehemaligen Liebhaber Lagus Holopainen geborgt hatte. Den Schaft, durchnässt und kalt von jenem Sturme, welcher draußen tobte, wurde sachte von ihrem Zeigefinger liebkost, ehe sie eintrat und ein sachtes Nicken dem Bankier entgegen brachte.
Mein Geliebter...Lagus..
Die Kapuze strich sie jedoch erst zurück, als sie ihre Schritte die Treppen hinuter in das Truhenlager wandte und ihr ein tiefes Ein- und Ausatmen aus den Lippen drang.
Sich an die Wand lehnend und darauf folgend diese hinutergleitend, sodass sie gen wand gelehnt auf dem kalten Boden saß, umgriff sie ihren Beutel, löste die Bänder jenes rasch und
nahm einen Kohlestift, sowie ein Pergament hervor, auf welchem sie in einigen Lettern ein kurzes Schreiben verfasste, auf welchem folgendes zu lesen sein wird:
Lieber Lagus,
Wenn du diesen Brief in deinen Händen hälst und dir diese Zeilen in Augenschein wirfst, werde ich wohl nicht mehr unter den Sterblichen weilen. Ich möchte mich an dieser Stelle, wenn auch nur durch diese Lettern bei dir entschuldigen, für jene Taten und jenen Gemeinheiten und Barstigkeiten, welche ich dir gegenüber gebracht habe. Ich habe mich wie ein sturer Oger benommen... Du solltest wissen, das ich mich durch jenen Akt, welchen ich bereits begangen habe von vielen Lastern befreit habe und somit mit einem klarem Gewissen aus dem Leben geschieden bin. Dir mag dies wohl nicht gerechtfertigt oder zuwahr unwieder scheinen, doch aus meiner Sicht aus, tat ich das Richtige. Ich hoffe ich werde nicht in Vergessenheit geraten oder gar verhasst werden... Es schmerzten mich viele Dinge, die ich nicht auf anderer Weise aus meinen Kopf drängen konnte. Seit Tarias Verschwinden schien vieles in aus den Fugen geraten; Streit, wir wurden getrennt und ich hatte niemanden mehr, an den ich mich hätte wenden können..
Es wurde einfach zu viel..Doch du solltest wissen, ich hatte dich schon immer geliebt und werde dies gewiss ebenso auch über meinen Tod hinaus auch vermachen zu tun..
Verzeih mir bitte...
Deine dich liebende,
Sie faltete diesen Brief sorgsam vier mal und wandte sich erneut jene Treppen hinauf, welche in die Bank selbst führten und schob diesen dann dem Bankier entgegen mit folgenden Worten:
"Geben sie diesen Brief bitte an Herren Lagus Holopainen, falls dieser hier erscheinen sollte und sagen sie ihm es wäre etwas dringendes..."
Jener nickte nur sachte und sie wand sich erneut wie zuvor die Treppen hinunter in das Truhenlager wo sie erneut auf dem Boden Platz vermachte zu nehmen.
Ihr Blick schweifte, mit leicht glasigen Augen bestückt, über die dunkle Kuppe des Raumes und ein Seufzer war zu vernehmen. Ihre Hand fand ihre Richtung zu ihrem Gürtelschlauf, aus welchem sie dann mit bedächtiger Bewegung einen Dolch der Söldner hevorzog, es war der Dolch, welchen sie sich geborgt hatte...
Ihr Atem verlief flach, fast pfeifend mag man es nennen, und ihre Hand, in welcher sie jenen Dolch zu halten vermochte, zitterte wie Esbenlaub. Sie hielt mit ihrer zweiten Hand jene andere fest, um das Zittern leicht einzudemmen und führte diesen dann zögerlich gen ihrem Halse, wo sie in dieser Position eine gewisse Zeit zu verharren vermochte.
Verzeiht mir meine Freunde, war der letze Gedanke, welcher ihr durch den Kopf fuhr, ehe der Dolch zurückschnellte, ihre Kehle und ihre Wirbelknochen durchdrang und das Blut aus ihrem Halse, wie aus Gysieren, ergoss ehe sie entgültig starb...